Der veruntreute Himmel - Franz Werfel

  • Titel: Der veruntreute Himmel
    Autor: Franz Werfel
    ISBN: 3100910389 (ich habe eine andere, uralte Ausgabe gelesen, aber die fand ich leider bei AMAZON nicht)


    Inhalt:
    Teta Linek, eine Köchin schlichten Gemütes, spart sich von ihrem kargen Lohn über Jahre hinweg Schenkungen für ihren Neffen Mojmir vom Munde ab, dessen Ausbildung zum Priester sie ihm finanzieren will.
    Im hohen Alter muss sie schmerzlich erfahren, dass aus ihm kein Diener Gottes geworden ist, sondern ein abgefeimter Spitzbube. Dabei hatte sie sich doch so darauf verlassen, in ihm einen Mittler zum lieben Gott zu haben, schließlich hofft sie doch, dereinst einen Platz im Himmel zu erhalten.
    Mit der rauen Wahrheit konfrontiert, gewinnt sie einige wertvolle Erkenntnisse und empfängt sogar noch kurz vor ihrem Tode den Segen des Papstes in Rom.


    Autor:
    Franz Werfel wurde 1890 in Prag geboren, war der Sohn eines Fabrikanten und böhmisch-jüdischer Abstammung. Vor den Nazis deshalb nach Kalifornien/USA emigriert, starb er 1945 in Beverly Hills. Bekanntheit erlangte er u. a. durch "Die 40 Tage des Mussa Dagh", in dem er den Völkermord an über einer Million christlicher Armenier aufgriff, und "Das Lied von Bernadette", worin er die Geschichte der Bernadette Soubiroux erzählt. Letzteres wurde mit Ingrid Bergman verfilmt, das vorgestellte mit Annie Rosar.


    Meine Meinung:
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und eine Menge Stoff zum Nachdenken - auch noch etliche Zeit nach der Lektüre - hinterlassen. Vor allem über bewusst oder unbewusst vorhandene Motive bei gewissen "guten Taten".
    9 von 10 Eulenpunkten
    :wave
    EDIT versucht es mit einer weiteren ISBN
    2. Edit korrigiert den Namen der Frau Bergman

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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  • Ab und zu lese ich die alten Klassiker auf dem Kindle. Vor einiger Zeit habe ich mir Franz Werfels gesammelte Werke um den Preis von 0,99 € heruntergeladen und lese immer wieder mal einen Roman oder eine Geschichte.


    Man kann beim Lesen einfach Werfels Sprache genießen, in seine bildhafte Welt eintauchen oder wie in Der veruntreute Himmel interessante Charakter- und Verhaltensstudien anstellen.


    Anfangs habe ich mich über Teta Linek nur geärgert. Sie hat mich an die leichtgläubigen Opfer des "Neffentricks" erinnert - und damit habe ich gleich einen Bezug zur Gegenwart gehabt. Zunehmend tat mir die einfache Frau leid, die all ihre Ersparnisse und mehr in diesen Tunichtgut investrierte. Und schließlich bekam ich die Erkenntnis, dass sie alles eigentlich nur für sich selber getan hatte, weniger für den Betrüger. Alles dafür, um sich einen Logenplatz im Himmel zu sichern... Altruismus oder Egoismus? Ich tendiere zu letzterem.


    Mir gefiel das Buch sehr, nur den Schluss fand ich ein bisschen sehr melodramatisch. Aber irgendwie auch wieder passend.

    Kinder lieben zunächst ihre Eltern blind, später fangen sie an, diese zu beurteilen, manchmal verzeihen sie ihnen sogar. Oscar Wilde

  • Kleine Korrektur: "Das Lied von Bernadette" wurde nicht mit Ingrid Bergmann, sondern mit Jennifer Jones in der Titelrolle verfilmt.

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)