'Als wir unsterblich waren' - Seiten 471 - Ende

  • So, ich bin jetzt auch durch. Eigentlich schon seit gestern, aber ich hatte keine Zeit zum Schreiben, da ich ein Fußballspiel anschauen musste. Joachim würde mich verstehen ;-)


    Apropos Joachim … da war ich wohl auf dem falschen Dampfer, bzw. bin ich wohl in eine Falle der Autorin getappt :grin ... im Nachhinein gesehen, war Harry natürlich schon naheliegender. Mit Stefanie war ich zumindest richtig gelegen :-]


    Zitat

    Original von Saiya
    In diesem letzten Abschnitt fand ich Oliver großartig! Ich fand er hatte plötzlich ein bisschen was von seinem Opa. Vielleicht wäre Clemens, wenn er anders hätte erwachsen werden dürfen, ja genauso geworden. Dieser Gedanke hat mir gefallen.


    Zitat

    Original von Findus
    Und Alex erbt Paulas Liebe, das hört sich gut an, vielleicht haben die beiden ja mehr Glück.


    Das sind wirklich schöne Gedanken, Saiya und Findus. Mir gefällt die Vorstellung auch, dass Clemens und Paula ihre Liebe zueinander an Alex und Oliver weitervererbt haben.


    Die Schlussszene als Alex und Oliver Momi in den Armen hielten, hat mich sehr ergriffen ;-( Ein bewegendes Ende für ein sehr bewegendes Buch.


    Meine Rezi wird noch etwas auf sich warten lassen (bin darin nicht sehr gut *seufz*) aber das ich 10 Eulenpunkte vergeben werde, steht jetzt schon fest.


    @ Charlie
    Vielen, vielen Dank liebe Charlie für das tolle Buch und für die Begleitung der Leserunde :anbet Ich freue mich schon auf deine nächsten Werke (besonders auf die Hatti)

  • Zitat

    Original von Selma
    So, ich bin jetzt auch durch. Eigentlich schon seit gestern, aber ich hatte keine Zeit zum Schreiben, da ich ein Fußballspiel anschauen musste. Joachim würde mich verstehen ;-)



    @ Charlie
    Vielen, vielen Dank liebe Charlie für das tolle Buch und für die Begleitung der Leserunde :anbet Ich freue mich schon auf deine nächsten Werke (besonders auf die Hatti)


    Ich kann dich auch verstehen, Selma (das Hertha Spiel war meine Lieblingsszene ...).
    And you made my day (die Hatti kann's gerade brauchen.)


    Alles Liebe von Charlie

  • Was ein Ende! Also ist Stefanie doch nicht sooooooo schlecht. Sie wollte nur Strümpfe. :wow
    Manfred und Clemens liegen auf einem gepflegten Friedhof. Hätte Paula nicht wenigstens das Grab besuchen können und Abschied nehmen von den beiden? :cry


    Immerhin - Oliver hat Alex und Stefanie war am Sterbebett. Rieke geht bald in Rente :yikes


    Das Buch hat mir super gefallen. Ok, Alex war wirklich von Momi - Oliver war untergeschoben. Daher haben wir dann einen gutaussehenden Clemens Klein statt einen Teiggesichtigen Klein. :lache


    Vielen Dank Charlie für Deine Leserundenbegleitung. Rezis folgen. Ich muss zuerst meine Augen trocknen.

    Don't live down to expectations. Go out there and do something remarkable.
    Wendy Wasserstein

  • Ich bedanke mich bei dir, Lesebiene! Danke, dass du dich so auf meine Geschichte eingelassen hast. Es war schön, dir beim Lesen zuzusehen. Alles liebe von Charlie

  • Ich hab vor dem Schlussspurt eine Pause eingelegt, damit ich meine Beiträge zu den vorherigen Teilen unvoreingenommen nachtragen konnte. Und dann schnell den Schluss.


    Spannend war es gewiss! Allerdings ging es auf den letzten Seiten stellenweise doch arg schnell und irgendwie abgekürzt zu.


    Die Auflösungen der verschiedenen Schicksale gefilen mir sehr gut. Eine realistische und gute Mischung von Opfern und Überlebenden. Rieke als Tropenärztin ist toll. Oliver als Clemens Enkel macht Sinn und gefällt mir. Vielleicht kommt es ja nun doch nun noch zur Erfüllung einer großen Liebe. Zu gönnen wäre es ihnen.


    Bin nur verwirrt wieso Momi beim Anblick von Clemens´ Ebenbild "Nicht Schramm" rief. Wieso freute sie sich nicht "Clemens" zu sehen :gruebel


    Ganz passte für mich auch nicht Stefanies Kommentar ganz zum Schluss "Von dem politischen Zeug hab ich nie was verstanden" - und das, wo sie doch immer als sehr klug und enorm belesen dargestellt wurde. Und dann keine Ahnung von der Politik???

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • Ja, Beatrix, die Kritik, das Buch ginge hinten zu schnell habe ich jetzt mehrfach gehoert, die steht auf alle Faelle ganz oben auf der Liste der mental notes. Was da bei mir dahinterstand - Leserschonung, Figurenschonung, Autorenschonung? - werde ich in Ruhe pruefen. Und das naechste Mal darauf achten.


    Zum anderen: Ich habe mir vorgestellt, dass Paula (Sayvia hat das irgendwo sehr treffend ausgedrueckt) ihr Leben lang geglaubt hat, Clemens sei brutal ermordet worden, und dass sie sich schuldig gefuehlt hat, weil sie ihn nicht mitgenommen hat. Als sie in diesem Augenblick den Eindruck hatte, ihn vor sich zu sehen, ist sie zu Tode erschrocken.


    Ich sehe in extrem frappierender Weise meiner verstorbenen Grossmutter aehnlich - und mein Vater erschrickt sich auch, wenn er mich sieht. Natuerlich ist das ein positives Erschrecken, das ist einfach sehr komisch, einen Toten vor sich zu sehen. Ich bin jetzt recht nahe an dem Alter, in dem ich meine Grossmutter kennengelernt habe. Sie hatte immer rot bemalte Lippen, und wenn ich mir die Lippen rot male, erschrecke ich mich vor dem Spiegel selbst.


    Stefanies Kommentar sollte noch einmal unterstreichen: Sie wollte nur Struempfe, Politik war ihr gleichgueltig. Du hast aber voellig recht, der Satz ist doof formuliert. Leider zu spaet ...


    Dir vielen vielen Dank fuers Mitlesen und Deine Eindruecke, die sehr interessant und aufschlussreich fuer mich waren.


    Herzlich,
    Charlie

  • Ich glaube nicht, dass Paula in all den Jahren damit gerechnet hat, ausgerechnet Clemes Enkel irgendwann einmal gegenüber zu stehen. Soweit hat sie sicher nicht gedacht, als Alex ihn ihr vorstellt. In dem Moment müssen all die tief vergrabenen Schuldgefühle und Erinnerungen mit einem Schlag wieder da gewesen sein. Sie hat ja immer geglaubt, sie habe nicht genug getan, um Clemens (und die anderen) vor einem schrecklichen Tod zu bewahren. Kein Wunder, dass sie zusammenbricht und sich nicht freut.


    Stefanie hat ja die ganzen Bücher und andere Sachen, über die sie durch Paula herankam, in meinen Augen auch nicht dazu benutzt, um sich politisch zu bilden oder aktiv zu werden. Sie hat gehofft, darin die Antwort zu finden, wie sie "an ihre Strümpfe" kommt. Ihr ging es immer nur um ein besseres Leben für sich selbst. Da sie darin keine Lösung gefunden hat, hat sie sich eben andere Wege gesucht.
    Deshalb finde ich diesen Satz immer noch passend. Sie bleibt sich am Ende treu und hat es wie immer kurz und knapp auf den Punkt gebracht.

    "There is beauty in imperfections. They made you who you are. An inseparable piece of everything…" Arcane

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  • Zu Clemens/Oliver:
    Dass Momi bei Olivers Anblick "Clemens" sieht und zu Tode erschrickt, ist absolut verständlich. Das an sich ist auch nicht mein Problem. Weniger verständlich ist mir, warum sie dann als erstes "Schramm" im Ausruf des Erschreckens nennt. Aber da müssten dann wohl Psychologen ran ;-)


    Zu Stefanie:
    Ich glaub sofort, dass sie die ganze Politik nie interessiert hat. Das ist aber was anderes als die Politik nicht zu verstehen. Gerade Leute, denen es nur drauf ankommt hoch zu kommen, verstehen sich bestens auf die Politik und nutzen sie zu ihren Gunsten aus - ohne sich dabei um die Motivation dahinter zu kümmern. Von daher würd ich wie Charlie hier sagen, es war etwas unglücklich formuliert.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Beatrix ()


  • Zm Ausruf, wenn Clemens Stefanie geheiratet hätte, wäre der Nachname ien anderer gewesen. Deshalb der Schreckensausruf, Clemens Sohn als Schrammnachfolger zu sehen.


    Und was das politische angeht, es waren doch fast alle, die nach dem 2. WK sagten, davon hab ich nichts gewusst, oder Politik interessiert mich nicht, versteh ich nicht.
    Stefanie hat sehr wohl früh den Braten gerochen und gewusst an wen sie sich halten muss um nach "Oben" zu kommen. Das ist einfach Berechnung.

  • So, ich bin jetzt auch durch. Gut das Post und Bofrost schon durch waren, als ich zu dem Teil gekommen bin, in dem sich alles zusammenfügte. Da hab ich nämlich geheult wie blöde.
    Ich finde es so traurig, dass diese grandiosen Menschen wie wie Paula, Clemens, Joachim, Kutte, Manfred und alle anderen ihr Leben nicht leben konnten wie sie es alle verdient haben.


    Und ich fand es gut, dass uns Details erspart worden sind, ich hätte es wohl hautnah nicht gut verkraftet.


    Und die Geschichte zwischen Clemens und Paula fand ich gut so wie sie war. Leider enden Liebesgeschichten im wahren Leben halt nicht immer so wie bei Nora Roberts. Auch wenn wir es uns wünschen.


    Schön fand ich auch, das Stefanie und Paula am Ende so etwas wie Frieden gefunden haben. Auch wenn ich Stefanie nicht besonders mochte, wenigstens hat sie Oliver das Schicksal von Clemens erspart und ihm die Liebe gegeben, die Clemens in seiner Familie nie gefunden hat. Das Olivers Vater geworden ist wie er ist wundert mich nicht, auch wenn Clemens der leibliche Vater war, die Indoktrinierung von seinem vermeintlichen Vater war da doch stärker.


    Vielleicht haben ja Alex und Oliver jetzt die Chance ihre Liebe zu leben, ohne vom Weltgeschehen dabei gestört zu werden.


    Für die Rezi werde ich wie viele andere ein bisschen brauchen, allerdings kann ich jetzt schon sagen, dass dieses Buch eines meiner Jahreshighlights ist (bis jetzt hatte ich noch keines) und ich es sicher weiterempfehlen werde.

  • Das ist so schoen zu lesen, Streifi!
    Vielen, vielen Dank. Ich freu mich, dass Du Dich fuer das Buch entschieden und es nicht bereut hast.
    Was Du ueber Alex und Oliver geschrieben hast, entspricht meinem Empfinden. Ich dachte: Das ist so ein Die-Karawane-zieht-weiter-Moment, den ich (und hoffentlich auch die Leser) brauche. So wie der Neuanfang nach dem Mauerfall - wenn auch sehr partiell - auch als Chance auf dem Weg zur Versoehnung verstanden werden kann. Und da Paulas lebendes (bzw. verstorbenes) Vorbild Margarethe inzwischen sieben Urenkel hat, fand ich das auch gerechtfertigt.


    Dir noch einmal vielen Dank, dass Du Dir Zeit fuer mein Buch genommen hast und dass ich Dir zuschauen durfte.


    Alles Liebe von Charlie

  • Zitat

    Original von Beatrix
    Zu Clemens/Oliver:
    Dass Momi bei Olivers Anblick "Clemens" sieht und zu Tode erschrickt, ist absolut verständlich. Das an sich ist auch nicht mein Problem. Weniger verständlich ist mir, warum sie dann als erstes "Schramm" im Ausruf des Erschreckens nennt. Aber da müssten dann wohl Psychologen ran ;-)



    Für mich war das der Schock erkennen zu müssen, dass ausgerechnet der Erzfeind das Kind von Clemens aufgezogen hat. "Nicht Schramm", der soll nicht auch noch das einzige Kind von Clemens bekommen haben.

  • Ich gebe zu, ich konnte kaum aufhören mit lesen, so dass das Posten in der Leserunde zu kurz kam. Wenn mich ein Buch fesselt, bin ich nicht leserunden-geeignet. Ich werde aber noch nachlesen und gegebenfalls noch einen Kommentar hinterlassen.


    Charlie, das war mein erstes Buch von Dir und ich fand es so fantastisch, dass das eine, dass noch im RUB steht, demnächst gelesen wird.


    Ich war am Ende des Buchs erschöpft und niedergeschlagen von den Schicksalen dieser Menschen, die mir ans Herz gewachsen waren. Wie gut, dass diese Zeit vorbei ist und hoffentlich nie wieder kommt.


    Schön, dass sich Paula und Stefanie auf diese Art wieder trafen und versöhnen konnten. Auch schön, dass Alex doch Familie hat. Und noch schöner, dass es eine Zukunft für das Liebespaar der Wende geben kann und wird.


    Mich hat die Art der Erzählung begeistert, dass wir hautnah erleben können, wie es Paula und ihren Freunden erging, so schlimm es war, war es für mich näher als ein Rückblick, den Momi ihrer Enkelin erzählt hätte.

  • "Liebespaar der Wende" - das wuerde Oliver und Alex (die inzwischen schon fast Grosseltern sein koennten ...) gefallen, denke ich.


    Danke, dass Du dabei warst, Geli! Ich freu mich, dass Du's ins Ziel geschafft hast und das Buch mochtest.


    Alles Liebe von Charlie

  • S. 481, KZ Dachau. Nie wieder ein KZ. Vor Jahren war ich in der dortigen Buchhandlung als Vertreter zu Besuch. Danach hatte ich noch etwas Zeit und bin ins KZ. Die 45 Minuten haben mir vollauf gereicht - ich habe Jahre gebraucht, das gelesene zu verdrängen, verarbeiten ging nicht. Und ich habe mir vorgenommen, nie wieder so eine Stätte zu betreten. Das ist nicht zum Aushalten, und es ist mir ein absolutes Rätsel, wie so etwas geschehen konnte.



    S. 495: Behutsam hatte er ihr zu erklären versucht, dass die Männer und Frauen in der Parteizentrale ihre Arbeit in den Dienst des Volkes stellten. Mitten im Wort hatte er innehalten müssen, weil er sich albern vorgekommen war.
    Ähm, ja. Ich habe den Eindruck, daß heute auch so mancher Politiker mal innehalten und sich das vergegenwärtigen sollte - und Anspruch und Wirklichkeit vergleichen. Mit oft desolatem Ergebnis.



    S. 604f: Diese ist auch nicht die Republik, die ich wollte, aber vielleicht sind das von Menschen geschaffene Welten nie.
    Das ist eine Aussage von Clemens, der ich zustimmen kann.



    S. 516 fragt Harry, wann denn die passende Zeit für eine Hochzeit sei. Das frage ich mich auch schon das ganze Buch über. So gesehen, darf man weder heiraten noch Kinder bekommen. Wer z. B. 1618 geboren wurde, hat die ersten rund dreißig Jahre seines Lebens nur im Krieg verbracht - so er sie überhaupt überlebte.



    S. 554: Gerümpel, das von ihrem Leben übrig blieb.
    Das steht uns allen mal bevor, daß wir der Nachwelt unser „Gerümpel“ hinterlassen. Das, was uns lieb und teuer ist, fliegt achtlos in den Müllcontainer. So ist der Lauf der Welt.



    S. 554: Wir sind beide schuld, dachte sie. Ich genauso wie du. ich kann nie wieder mit dir leben. Aber ich kann auch nicht leben und dich sterben lasen.
    Es ist diese Stelle, an der ich schließlich an ein vor Jahren gelesenes Buch denken mußte. Viel weiß ich leider nicht mehr davon, aber die Situation von Clemens und Paula ließ mich unwillkürlich daran denken: „Die Entscheidung“ von Douglas Kennedy (da gab es sogar eine Leserunde dazu).



    Ich habe zwar hier die Beiträge zum Ausruf „Nicht Schramm!“ gelesen, aber so ganz nachvollziehen kann ich das trotzdem nicht. Wenn Oliver Clemens ähnlich sieht, warum dann Schramm? So selten dürfte der Name doch nicht sein.



    Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, das sei vor allem auch erwähnt, weil es - wie aus manchen Äußerungen vermutlich hervorgegangen ist - nicht unbedingt aus „meiner“ Perspektive geschrieben ist. Für den letzten Teil muß ich meine frühere Aussage, daß die Politik genug vertreten ist, ein bißchen revidieren. Ich entsinne mich zwar, von den Abspaltungen der SPD (z. B. USPD) gehört zu haben, doch das sind im Gedächtnis nur noch Schlagworte. Bei der Gründung/Entwicklung der KPD hört es dann fast ganz auf. Ich hatte das Gefühl, daß die KPD plötzlich da war und die Kenntnisse um deren Entstehung als bekannt vorausgesetzt wurden. Da hätte ich mir denn doch etwas mehr Informationen dazu gewünscht.


    Diese hätte sich gut in ein historisches Nachwort packen lassen. Und bei so einem Buch habe ich das nun doch sehr vermißt, gerade bei so einem diffizilen Thema. Da hätte man auch auf die Unterschiede Fakt und Fiktion, historische und fiktive Persönlichkeiten eingehen können (die hätte man auch in ein Personenverzeichnis packen können).



    Zitat

    Original von maikaefer
    Mich hatte eher die Generation davor interessiert, befürchtete ich doch, Alexandra und Oliver seien Cousin und Cousine.


    Diese Befürchtung hatte ich auch sehr lange.



    Zitat

    Original von Charlie
    Auf alle Faelle die Jahre 33-45 aussparen, das darf man nicht im Unterhaltungsroman.


    :write Das paßt jetzt zu der anderweitig hier geführten Diskussion, was in einen Unterhaltungsroman „darf“, und ich möchte in dem Zusammenhang nochmals Elisabeth Büchles „Meindorff Trilogie“ erwähnen. Sie veranstaltet die Leserunden zu ihren Büchern immer auf Lovelybooks, und da kam am Ende auch die Frage nach einer Fortsetzung über 1919 hinaus auf. Sie schrieb sinngemäß das, was Du - Charlie - auch geschrieben hast und meinte (sinngemäß) dieser Zeit gegenüber gäbe es eine Menge Vorbehalte und viele Leser würden sie meiden. Ich habe heftig nickend zugestimmt. Was bei einer Fortsetzung ins Dritte Reich hinein alles kommen würde/könnte, kann man sich denken, und solches würden sich lesemäßig wohl nur relativ wenige antun. Mir haben die Szenen hier im Buch, ehrlich gesagt, gereicht, um diese meine Meinung zu festigen: ich würde einen solchen Roman mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit nicht lesen, selbst wenn ich sonst alles von dem Autor lesen würde oder es eine Fortsetzung zu einem Buch, das ich mochte, wäre.


    Die beiden von Dir dann erwähnten Bücher muß ich wohl auslassen. Bevor ich so ein Buch (also Drittes Reich) lese, würde ich wohl eher mehrfach nochmals Iris Kammerers „Varus“ lesen - das emotional für mich so ziemlich schlimmste Buch, das ich bisher gelesen habe.
    .

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Zitat

    Original von SiCollier
    Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, das sei vor allem auch erwähnt, weil es - wie aus manchen Äußerungen vermutlich hervorgegangen ist - nicht unbedingt aus „meiner“ Perspektive geschrieben ist. Für den letzten Teil muß ich meine frühere Aussage, daß die Politik genug vertreten ist, ein bißchen revidieren. Ich entsinne mich zwar, von den Abspaltungen der SPD (z. B. USPD) gehört zu haben, doch das sind im Gedächtnis nur noch Schlagworte. Bei der Gründung/Entwicklung der KPD hört es dann fast ganz auf. Ich hatte das Gefühl, daß die KPD plötzlich da war und die Kenntnisse um deren Entstehung als bekannt vorausgesetzt wurden. Da hätte ich mir denn doch etwas mehr Informationen dazu gewünscht.


    Diese hätte sich gut in ein historisches Nachwort packen lassen. Und bei so einem Buch habe ich das nun doch sehr vermißt, gerade bei so einem diffizilen Thema. Da hätte man auch auf die Unterschiede Fakt und Fiktion, historische und fiktive Persönlichkeiten eingehen können (die hätte man auch in ein Personenverzeichnis packen können).


    Ich bin Fan von Personenregistern und weitere Informationen vermittelnden Nachworten - fand sie hier aber nicht unbedingt erforderlich.
    Gefreut hätte ich mich aber auch.


    Obwohl ich meine Empfindungen bei div. Büchern schon ziemlich häufig in deinen postings wiederfand - das sehe ich total anders (was natürlich nicht heißen soll, dass ich deine Meinung für falsch halte bzw dir das Recht darauf absprechen will (im Internet muss man ja immer so vorsichtig sein *lächel*).
    Wenn du "so etwas" nicht lesen kannst/magst, musst du "für dich sorgen", mal auf "psychologisch gesprochen", und sie eben nicht lesen.
    Trotzdem halte ich "solche" Bücher für immens wichtig. Dass so etwas geschehen konnte, darf nicht in Vergessenheit geraten. Und es zeigt sich immer wieder, dass man die meisten Menschen in diesem Zusammenhang eher in Erzählform als mit nüchternen Geschichtsdaten erreichen kann.
    Ich ziehe jetzt einmal den Vergleich zu dem Buch "Seelen im Feuer" von Sabine Weigand (neben Viola Alvarez und Charlie für mich DIE Entdeckung bei den Eulen), da ging es um Hexenverbrennung. War auch emotional sehr belastend zu lesen, aber ich dachte mir immer, wenn die Menschen das damals erleben mussten (wobei viele das mit dem Leben bezahlten), sollte ich zumindest darüber lesen können. Wobei ich jetzt eine Grenze zwischen ins Gesamtbild passender Schilderung (in dem Zusammenhang ein doofer Ausdruck, aber ich kann es momentan nicht anders ausdrücken) und bewusst sensationslüsterne Leser ansprechender Formulierung ziehe, letztere ist ja gerade im historischen Romanbereich leider oft anzutreffen.

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Ich moecht' den Besuch in einem Konzentrationslager auch nicht aushalten koennen. Das ist nicht auszuhalten. Aber genau deshalb fahre ich immer wieder in eines und setze mich dem Nicht-Aushalten aus.
    Wahrscheinlich geht's mir mit Buechern genauso.
    Das ist das bisschen, was ich tun kann. Wenigstens das Nicht-Aushalten.
    Zudem ist Auschwitz fuer mich auch der Ort, wo die Trauer herausplatzt, die mir sonst oft die Kehle verschnuert. So pervers das klingt (und wenn es zu falsch verstanden ist oder jemandem wehtut, bitte sagen, dann loesch ich's) - alle paar Jahre habe ich eine Fahrt nach Auschwitz bitter noetig.


    Ich bin froh, dass zumindest im Moment das Tabu aufgehoben ist und wir versuchen duerfen, das Thema zu beruehren. Ob ich den Versuch hinterher sinnvoll und gelungen finde, weiss ich natuerlich noch nicht. Und dass ich dabei jeden Tag Angst und Skrupel habe, leugne ich nicht. Aber es ist wohl der Punkt, an den ich mein Leben lang wollte, und ich habe nicht das Gefuehl, derzeit eine Wahl zu haben.


    Den Teil mit der KPD-Abspaltung zu streichen, ist sehr, sehr schwer gefallen. Wir kamen aber gemeinsam zu dem Schluss, dass das zu weit fuehrt und zu viele Leser, die wir gern mitnehmen wollten, verwirrt (um's nochmal zu betonen: Es war eine Gemeinschaftsentscheidung. Der Verlag hat ausdruecklich gesagt, dass er meine Entscheidung auch traegt, wenn ich mich gegen das Streichen entscheide). Und Nachworte schreibe ich nur, wenn der Verlag es verlangt, weil ich die nicht mag (Ausnahmen bestaetigen die Regel). Ein Roman ist fuer mich ein Roman, und wenn ich es damit nicht schaffe, zu erzaehlen, was ich erzaehlen wollte, kann ich mit dem Nachwort auch nichts mehr herausreissen. Wer jetzt mehr wissen moechte - was mich freuen wuerde - hat eine Riesenauswahl an Non fiction zur Verfuegung.


    "Varus" ist fuer mich so ziemlich die Spitze des gesamten Spektrums der Unterhaltungsliteratur - ein grossartiger Roman. So wie ich ueberhaupt ein grosser Fan von Iris Kammerer bin und es extrem bedaure, dass es von ihr schon so lange keine Neuerscheinung gab.


    Ich bedanke mich sehr herzlich dafuer, dass Du mitgelesen hast, SiCollier. Es war fuer mich sehr interessant, Dir beim Lesen zuschauen zu duerfen, auch und gerade, weil wir auf vieles aus unterschiedlichen Richtungen sehen. Dass Du dem Buch eine Chance gegeben hast, obwohl es Dir vom Ansatz her nicht entspricht, weiss ich sehr zu schaetzen und freue mich darueber.


    Noch einmal vielen Dank und einen besonders schoenen Sonntagabend.
    Herzlich,
    Charlie

  • Ich finde es schon auch wichtig Unterhaltungsbücher über die Zeit des dritten Reiches zu lesen. Ich selbst habe damit ein wesentlich besseres Verständnis für diese Zeit bekommen, als es mir nur durch den Geschichtsunterricht möglich war.
    Ich habe auch schon recht früh damit angefangen, weil ich einfach wissen wollte was hinter den Jahreszahlen steckte. Mein erstes Buch dazu war glaube ich "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" von Judith Kerr und später dann "Das Boot" und "Die Bertinis". Und noch viele mehr, deren Titel mir nicht mehr einfallen.


    Nachdem ich nicht so viele Möglichkeiten hatte selber zu fragen, war das für mich die Möglichkeit trotzdem zu erfahren, wie die Leute das persönlich erlebt haben.


    Hier hat es mir nicht gefehlt, einfach aus dem Grund das Paula und ihre Freude ja vorher schon soviel durchlitten haben. Da wäre mir dann das Leid im dritten Reich zu viel gewesen. Alleine Paulas Rückzug aus der Welt zeigt ja schon, was diese Zeit im nachhinein noch verursacht hat.