Die unverhofften Zutaten des Glücks
Deborah McKinlay
ISBN: 978-3453269057
Wilhelm Heyne Verlag München
288 Seiten, 17,99 Euro
Über die Autorin: Deborah McKinlay hat bereits zahlreiche Sachbücher geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Ihr journalistisches Werk erschien in den Zeitschriften British Vogue, Cosmopolitan und Esquire. Sie lebt in Südwestengland.
Klappentext: Eigentlich sollte die Verlobung ihrer einzigen Tochter ein wunderschönes Ereignis für die sechsundvierzigjährige Eve sein. Stattdessen brechen jedoch alte familiäre Konflikte auf und drohen alles zu zerstören. Hilfe kommt von gänzlich unvermuteter Seite: Ganz spontan hat Eve dem Bestsellerautor Jack Cooper einen lobenden Leserbrief geschrieben – und er hat geantwortet. Beide teilen die große Liebe zum Kochen, das für sie Lebensfreude, Trost und ein fester Anker in unruhigen Zeiten ist. Über ihre Briefe entwickelt sich langsam eine immer tiefere Beziehung. Eve offenbart Jack ihre familiären Probleme – und auch Jack spricht offen über seine Lebenskrise: drohender 50. Geburtstag, dazu Scheidung und Schreibblockade. Sie können sich gegenseitig helfen; aber sie können, fürchtet Eve, niemals zusammenkommen.
Meine Meinung: Ein sehr hübsches Cover verspricht leichte Unterhaltung und da mir genau danach war, griff ich zu diesem Buch. Es geht darin um die Engländerin Eve, die, nachdem sie zufällig ein Buch des amerikanischen Autors Jack Cooper gelesen hat, spontan beschließt, ihm einen Brief zu schreiben. Was, vorweg gesagt, absolut nicht zu der blassen und schüchternen Dame passt, die bevorzugt mit „zitronengelbem Twinset“ (ein gehäkeltes altrosa Bettjäckchen würde besser zu ihr passen) den ganzen Tag am Kamin sitzt oder in der Küche werkelt.
Jack (in seiner Freizeit Hut-Träger) antwortet ihr und es entwickelt sich ein immens steifer und trockener Briefwechsel. Eve und Jack sind ja schon im fortgeschrittenen Alter und so etwas wie Mails schreiben ist einfach viel zu modern für die beiden. Beide sind Hobbyköche und so schreiben sie über Rezepte und fragen den jeweils anderen nach Tipps zu verschiedenen Gerichten. Es ist sehr schade, dass man ihnen die Liebe zum Kochen nicht wirklich anmerkt. Ihre Gedanken zu den einzelnen Speisen klingen eher etwas hölzern und ihre Begeisterung kommt einfach nicht rüber. Anfänglich sind es nur vereinzelt Briefe und es wird mehr auf die Befindlichkeiten der beiden eingegangen, doch im zweiten Teil kommt der Briefwechsel dann etwas mehr ich Fahrt.
Überhaupt haben sie ziemliche Probleme mit der hohen Anzahl der Jahre, die sie im Leben schon hinter sich gebracht haben und so wird die Autorin nicht müde, dies auch immer wieder extra zu betonen. So ist es natürlich erwähnenswert, dass die Greisin Eve mit ihren 46 Jahren doch tatsächlich ihren Garten NOCH alleine schafft! Ja, da staunt man als Leser, wenn man über diese rüstigen Senioren liest! Auch Jack ist für sein hohes Alter überraschend aktiv, auch wenn es im Bett schon mal nicht so klappt, wie sich der alte Herr das vorgestellt hat, aber mit 49! hey, da sollte er doch froh und dankbar sein, wenn er überhaupt noch weiß, wo das Bett steht, oder?
Die Autorin stellt ihre beiden Hauptfiguren so dar, als würden sie demnächst wegen seniler Bettflucht ins Heim eingewiesen. Jack und Eve als Kinder der Autorin sehen sich natürlich selbst ebenso. Bei Eve findet im Laufe des Buches eine Wandlung statt, die für sie recht positiv ist und auch der gute Jack wird ruhiger, so wie es sich eben für Menschen im letzten Lebensabschnitt gehört.
Im bisherigen Leben haben beide auf ihre Art und Weise versagt. Eve als Mutter und Jack als Ehemann. Um diese Konflikte geht es auch, wenn nicht gerade Briefe geschrieben werden. Eve muss sich angesichts der nahenden Hochzeit ihrer Tochter endlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und Jack überdenkt angesichts seiner zweiten gescheiterten Ehe sein Verhältnis zu den Frauen.
Davon kommt aber nur andeutungsweise etwas in ihren Briefen vor. Um eine enge Freundschaft oder mehr entstehen zu lassen, sind diese Briefe meiner Meinung nach nicht besonders innig. Es fehlt ihnen, ebenso wie den Verfassern, an Wärme, Esprit und leider auch an Humor. Eine winzige Prise davon hätte dieses Buch vielleicht retten können, doch so hat es bei mir auf ganzer Linie verloren.
Mein Fazit: Ein gut gemeintes Buch von einer Autorin für die leider alles was über 40 ist, in die Geriatrie zu gehören scheint. Mich hat die ständige Betonung des „hohen“ Alters und der daraus resultierenden Einschränkungen ziemlich genervt. Die Handlung ist weder interessant noch ansprechend, die Figuren sind blutleer und dem Buch fehlt es durchgehend an Esprit und Charme. Ich rege mich jetzt wegen meines hohen Blutdrucks nur gemäßigt auf, setze meine Lesebrille ab, lutsche noch eine Kukident und vergebe mit zitternden Händen 2 Punkte für das schöne Cover…