Kurzbeschreibung
Erscheinungstermin: 16. August 2013
Lange wurde sie missachtet und unterschätzt. Sie galt als hässlich und austauschbar - zu Unrecht! Denn Bausünde ist nicht gleich Bausünde! Manches, was landläufig als Bausünde bezeichnet wird, ist nur aus der Mode geraten, einiges wurde bereits als Bausünde geplant und anderes wiederum ist erst nachträglich durch Anbauten, Überformung oder Anstrich in den Stand der Bausünde erhoben worden. So unterschiedlich wie ihre Genese ist auch ihre architektonische Qualität. Je mehr Ablehnung und Unverständnis sie beim Betrachter auslöst, je größer ihr Störfaktor im Stadtbild, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich um eine gute Bausünde handelt, die eine Bereicherung für ihre Stadt sein kann. Denn eine gute Bausünde hebt sich souverän aus dem unendlichen Meer der schlechten Bausünden ab und besitzt bei genauerer Betrachtung sogar eine gewisse Schönheit und einen ureigenen Charme. »Eine gute Bausünde hat einen sehr starken Wiedererkennungswert, hat Mut, greift daneben und sprengt den Kontext.« Turit Fröbe in ZDF-aspekte
Über die Autorin:
Turit Fröbe, geboren 1971, studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in
Marburg sowie Europäische Urbanistik in Weimar. Seit 2005 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Studiengang Architektur der Universität der Künste Berlin. 2001 entdeckte sie ihr Herz für Bausünden und begann ihre Sammlung anonymer Alltagsarchitektur. 2007 erschien ihr erster Abreißkalender mit 365 Bausünden. 2012 wirkte sie an der Sommeraktion »Deutschlands schönste Bausünden« im ZDF-Kulturmagazin aspekte mit.
Meine Meinung:
Ja, ich habe geschmunzelt bei der Durchsicht dieses Bildbandes, fand manches lustig, manches irritierend, hier und da war ich gar beeindruckt.
Leider hielt sich das jedoch in sehr engen Grenzen, die meisten Bilder sind einfach schlecht fotografiert, das Recyclingpapier verstärkt diesen rauschigen Eindruck noch. Die Aufmachung mit den scharfen Buchkanten und dem matten grauen Umschlag gefiel mir wirklich gut, im Innern jedoch ist das Konzept des Buches nicht ganz gelungen. Die pinken Umschlagseiten im Innern gefallen, der Rest kann weniger überzeugen.
Die Texte sind amüsant aber wenig informativ.
Hier und da fragte ich mich, ob es da nicht hätte mehr zu entdecken geben. Die sollen die Highlights einer Sammlung der Autorin sein, das fand ich enttäuschend. Auch schlecht, daß die "Bushaltestelle für Riesen", nämlich die Kölner Dompilze kurz nach Erscheinen des Buches entfernt wurden, was jedoch wesentlich länger vorausgeplant war, und somit in den letzten Teil gehörten.
Viele Bilder zeigen Kaufhof-Filialen, daß die nicht schön sind, aber leider fast alle den gleichen Baufehler begehen, weiß heute jeder, da bedarf es nicht 4 Bilder.
Der etwas hämische Blick auf Vorgärten und Restaurationsversuche von Eingängen oder teilverbesserten Doppelhaushälften fand ich gemein und weniger gelungen.
Grundsätzlich gefällt mir die Idee, ich habe mich amüsiert, fand das Buch aber zum einen deutlich zu Berlin-fixiert und zum anderen wenig abwechslungsreich. Die Skulpturen auf Kreisverkehren fand ich amüsant, konnte jedoch den Zusammenhang zum Thema Bausünde nicht ergründen.