Taschenbuch: 156 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Originaltitel: Le coup de la reine d’Espagne
Aus dem Französischen von Brigitte Schenker
Kurzbeschreibung:
helene, 38 Jahre alt,ist Schrifstellerin. Sie ist verheiratet und Mutter einer erwachsenen Tochter. Ein ruhiges, vorhersehbares Leben. Doch dieses ruhige Leben verändert sich von einem Tag auf den anderen, als sich helene in den irischen Journalisten Sullivan verliebt. Bei ihm entdeckt sie die Freuden der Liebe wieder neu und läßt sich auch durch Vorbehalte und Vorurteile nicht von ihrem Glßck abhalten. Für Helene ist es klar Das richtige Leben beginnt mit vierzig.
Über die Autorin:
Flora Groult (* 23. Mai 1924 in Paris; † 3. Juni 2001) hat zahlreiche Romane veröffentlicht, darunter mit ihrer Schwester Benoit Tagebuch-vierhändig und Julietteund Marian. Sie lebte in London. Sie verstarb im Alter von 77 Jahren an einem Herzinfarkt.
Mein Eindruck:
Flora Groult ist die weniger bedeutende Schwester der Erfolgsschriftstellerin Benoit Groult (Salz auf unserer Haut).
Mit “Nichts widersteht der Liebe” von 1992 hat sie einen belanglosen Roman geschrieben. Mich stört der kühle Ton der fast vierzigjährigen Ich-Erzählerin Helene, die obzwar verheiratet, sich in Sullivan verliebt, einen machohaften Mann aus Irland. Eigentlich ist sie in ihrer Ehe mit Lucien nicht unglücklich, wenn auch gelangweilt. Mir kommt sie etwas leer und oberflächlich vor, zudem ist sie auch unsympathisch, obwohl die Autorin sie als "hübsche Melancholie" stilisieren möchte. Aber das kaufe ich der Figur nicht ab.
Ich befürchte, die Autorin lässt ihre Protagonistin aus emanzipatorischem Ansatz so handeln, dadurch wird der Roman konstruiert und thesenhaft.
Keine Gute Ausgangsposition, um den Leser an die Figur und ihre neue Liebe heranzuführen. Die funktioniert aus meiner Sicht nämlich auch nicht. Die Affäre zwischen Helene und Sullivan ist keineswegs prickelnd beschrieben, in einem Film würde man sagen, die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt nicht.
Sprachlich bietet die Autorin da auch zu wenig, Beispielsweise auf Seite 126:
“Sullivan breitete die Arme aus, und ich ließ mich ganz einfach hineingleiten.
Ich hatte den Eindruck, im sicherem Hafen gelandet zu sein.”
Dennoch gelingt es mir mit der Zeit, mich für den Verlauf der Beziehung zu interessieren, auch wenn die Distanz zwischen den Figuren bleibt.
Manche Detailbeschreibungen sind besser gelungen, dann kommen aber wieder Sätze, die ich als Totalausfall werte:
S.128: “Ich stellte keine Frage. Manchmal bin ich in Versuchung, mir zu gratulieren, wenn es mir gelingt, keine Fragen zu stellen.”
Schlimm auch, wenn Flora Groult metapherhafte Vergleiche bemüht: “Während unser ganzen Fahrt stieß die Lokomotive das wackere Gebrumm einer jähzornigen Maschine aus …”(S.141).
Helenes 18jährige Tochter Josephine spielt nur eine kleine Rolle, wird aber durch einen Brief, den sei an ihre Mutter schreibt, charakterisiert.
Ein Brief, dessen Ton ich nicht glaubhaft finde.
Diese sprachlichen Mängel könnte ich noch weiterführen. Nur weil der 4-von 10 Punkte-Roman so kurz ist, habe ich ihn nicht abgebrochen sondern das Durchlesen schnell durchgezogen. Doch selbst das banale Ende enttäuscht.
Ein Roman, der mit einem Gemälde von Kees van Dongen (1910) ein schönes Covermotiv hat, aber leider weder inhaltlich noch stilistisch genügen kann.