Das geheime Feuerfest - Yi Chungjun

  • Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
    Verlag: Pendragon (1. März 2002)


    Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Sophia T.Seo


    Kurzbeschreibung:
    In den hier veröffentlichten fünf Erzählungen setzt Yi Chungjun sich mit einem breiten Spektrum an aktuellen Problemen seines Landes und seinem eigenen Leben auseinander. Gekonnt verbindet er die Geschichte Koreas mit den Einzelschicksalen liebenswerter und eigensinniger Menschen und hält uns auf diese Weise menschliche Stärken und Schwächen vor Augen. In der originellen und humorvollen Erzählung "Die Narben" berichtet ein Großvaters seinem Enkel anhand seiner vielen Narben von seinem ereignisreichen und erfüllten Leben.


    Über den Autor:
    Yi Chungjun wurde im Jahre 1939 in einem kleinen Dorf im Südwesten Koreas geboren und hat Germanistik an der Nationaluniversität in Seoul studiert. Er zählt heute zu den meistgelesenen Autoren in Korea und wurde mehrfach für seine Werke ausgezeichnet.


    Mein Eindruck:
    Ein Erzählungsband eines koreanischen Autors, der sich mit landesspezifischen Themen beschäftigt. Die Geschichten entstanden zwischen 1968 und 1985.


    In der ersten, langen und komplexen Geschichte “Der Falkenjäger” geht es um Literatur wie um Bräuche.
    In der zweiten Geschichte erzählt ein alter Mann seinem Enkel die Stationen seines Lebens anhand der verschiedenen Narben, die er am Körper hat.


    “Der verschneite Weg” ist ein autobiographisches Kapitel des Autors über das Schicksal seiner Mutter, die ein schweres Leben in Armut hatte.
    Der Selbstmord des Bruders des Erzählers kennzeichnet des Status der Verstörung in der Familie.


    Die Titelgeschichte “Das geheime Feuerfest” ist erzählerisch der Höhepunkt des Bandes. Der Ich-Erzähler, ein Schriftsteller folgt der Einladung eines älteren Professor, mit dem er gut bekannt ist, ihn am Sylvesterabend auf der Wanderung auf einem Berg zu begleiten. Den Grund und die Bedeutung der Wanderung ist ein Geheimnis. Auch andere Wanderer sind auf dem Weg. Bis Mitternacht wird auf dem Berggipfel en Feuerfest gefeiert.
    Der Geschichte beinhaltet einen politischer Kern. Er beschwört die Kraft des passiven Widerstandes.


    Yi Chungyin beschäftigt sich mit seinen Erzählungen auch oft mit der koreanischen Geschichte. Zum Beispiel in “Das Gesicht des Täters“, als nordkoreanische Truppen überraschend Südkorea angriffen. In Seoul bricht Panik aus. Es herrscht Chaos, bei denen verschiedenen Gruppierungen kommunistisch oder antikommunistisch die Bevölkerung terrorisieren. Viele Menschen, die früher mit dem linken Flügel sympathisiert haben, werden ermordet.
    Der Lehrer Herr Kimm hatte sich von kommunistischen Ideen ab- und sich der Demokratie zugewendet. In dieser Situation wird er dafür als Verräter angesehen und erst von einem antikommunistischen Bund abgeholt und dann von nordkoreanischen Truppen verschleppt.


    Diese Erzählung fand ich trotz des sachlichen Tons eindringlich, es wird deutlich wie leicht man zwischen alle Seiten geraten kann.
    Weiterhin wird deutlich, das auch die Überlebenden des Krieges Opfer waren und eine Annäherung oder gar Wiedervereinigung extrem schwierig.
    Die Geschichte wird über Jahrzehnte weitergeführt anhand des Schwager des Herrn Kim, den die damaligen Ereignisse nie losließen.
    Für mich ist es die beste Geschichte des Bandes.


    Yi Chungyin bevorzugt einen ruhigen, sachlichen und manchmal fast distanzierten Stil. Literarisch ist er deshalb für mich nicht der wichtigste koreanische Schriftsteller. Ich glaube aber, dass der Autor diesen Ton benötigt, um angemessen und tiefgehend die geschichtlich und politischen Ereignisse zu analysieren. Analysen, die einleuchten und überzeugen!
    Es ist ein Erzählungsband, dass seine Wirkung langsam, dann aber wirksam entfaltet.