Das serbische Mädchen - Siegfried Lenz

  • Hoffmann&Campe / Dtv


    Kurzbeschreibung:
    Wenn wir nicht wüßten, daß wir diese fünfzehn Geschichten einem der behutsamsten und menschlichsten Schriftsteller unserer Tage verdanken, dann könnten wir glauben, sie von unseren Freunden oder Nachbarn gehört zu haben. Nicht die Prahlereien der Sieger sind hier zu vernehmen, sondern die leiseren Töne derer, die nicht immer im Vordergrund stehen. Natürlich fehlen auch der hintersinnige Humor und die köstliche Ironie nicht, für die Lenz so berühmt ist.
    Inhalt:


    - Der Redenschreiber
    - Fast ein Triumph
    - Tote Briefe
    - Zum Vorzugspreis
    - Trost
    - Motivsuche
    - Die Kunstradfahrer
    - Die Bergung
    - Das serbische Mädchen
    - Eine Art von Notwehr
    - Das Preisausschreiben
    - Ein Tauchversuch
    - Der Usurpator
    - Die Prüfung
    - Der Mann unseres Vertrauens


    Über den Autor:
    Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seine Werke erscheinen seit 1951 (»Es waren Habichte in der Luft«) im Hoffmann und Campe Verlag und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.


    Mein Eindruck:
    Das serbische Mädchen ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die 1987 erschienen ist.
    Siegfried Lenz hat ein umfangreiches Kurzgeschichtenwerk vorgelegt, wie sonst kam ein anderer deutscher Schriftsteller. Diese Sammlung finde ich besonders bemerkenswert!
    Eine kleine Auswahl der Erzählungen möchte ich kurz vorstellen.


    Es beginnt mit “Der Redenschreiber“, einer fast 50 Seiten langen Familienidylle, nicht ohne Störungen. Diese Erzählung zeigt gut, dass der Stil von Lenz von Ruhe und genauen Beobachtungen geprägt ist.


    Die bekannteste Erzählung des Bandes ist sicher die Titelgeschichte, da sie 1990 mit Ben Becker und Mirjana Jokovic auch verfilmt wurde.
    Tatsächlich gehört “Das serbische Mädchen” zu den makellosesten Erzählungen von Siegfried Lenz überhaupt.
    Es geht über eine junge Frau, die illegal nach Deutschland kommt, um dort ihren Freund wieder zutreffen. Sie hatte ihn kennengelernt, als er in Urlaub war. Sie ist schwanger und will ihn wiedersehen.
    Als sie merkt, dass ihre Liebe nicht erwidert wird, kehrt sie zurück. Die Reisen mit wenig Geld und Sprachhindernissen gleichen einer Odyssee. Ein literarisches Road-Movie.


    Tote Briefe: Ursprünglich vorabgedruckt in der FAZ und angesiedelt auf einer Poststation erinnert die Erzählung an Lenz späteren Roman Fundbüro. Es sind Postbeamte, die sich hier sozial engagieren. Bei Lenz sind die Helden meist normale Leute, die in ihrem Alltag viel leisten.
    Tote Briefe wurde 1991 als TV-Film umgesetzt, den würde ich zu gerne einmal sehen.


    In “Tauchversuch” erzählt ein Überlebender eines Schiffsunglücks, der auch noch ein Jahr danach von seinem Bruder versteckt gehalten wird, damit die Familie die gezahlten Spenden behalten kann. Eine ziemlich originelle Kurzgeschichte. Siegfried Lenz geht fast immer an die emotionalen Grenzsituationen, getarnt durch norddeutsche Ruhe und Gelassenheit.


    “Die Bergung” ist ein Hörspiel mit 2 Personen, das vom WDR mit Kornelia Boje und Uwe Friedrichsen umgesetzt wurde. Thema: Ein Ehepaar in der Krise.
    Er ist ein Unternehmer, der gesunkene Schiffe bergen will und dabei große finanzielle Risiken eingeht. Sie ist seine Frau und Mutter seiner Kinder und natürlich entsprechend besorgt, als er alles auf eine Karte setzt und dabei sogar mit dem Geld seiner Kinder spekuliert.


    Es gibt auch ein paar Geschichten, die mir nicht so zugesagt haben: “Trost” oder “Der Kunstradfahrer“, aber das gehört zu einem Kurzgeschichtenband dazu.


    Nicht selten stecken in den Geschichten von Siegfried Lenz so viel, dass es für einen ganzen Film reichen würde. Ein gutes Beispiel dafür ist
    “Motivsuche“: eine sehr interessante Geschichte, bei der es selbst um die Vorbereitungen zu einem Film geht.
    Im Mittelpunkt ein Mann, der Motive für einen Film sucht. Anhand des Drehbuchs reist er, um die geeigneten Schauplätze zu finden. Erzählt wird die Geschichte von seinem Assistenten, der ihn begleitet. Angereichert wird die Geschichte durch den Besuch der beiden bei einem Waisenjungen.


    Viele der Geschichten werden lange in der Schwebe gehalten. Mich als Leser haben die anfänglichen Rätselhaftigkeiten interessiert. Kritisch sehe ich nur, das manchmal die sozialen Anliegen zu deutlich dominieren und so die Geschichten einengen.


    Die zeitnah zum Buch erschienene, ausführliche Rezension aus der “Zeit” hat von Aquarellen gesprochen, die Lenz Geschichten darstellen. Das ist eine gute und zutreffende Bezeichnung, wie ich finde.


    Ein paar Erzählungen habe ich mir noch aufgespart!
    Obwohl ich die Hardcoverausgabe besitze, habe ich als ISBN die Taschenbuchausgabe verlinkt.


    ASIN/ISBN: 3423251247