Schiffbruch - Louis Begley

  • Taschenbuch: 278 Seiten
    Verlag: Suhrkamp


    OT: Shipwreck
    Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger


    Kurzbeschreibung:
    Ein Mann steht in einer Bar, irgendwo in Amerika, hat einen Drink in der Hand - da stellt sich jemand zu ihm und beginnt, ungefragt und ungebeten, eine Geschichte zu erzählen, seine Geschichte, wie rasch klar wird: North' Story vom "Schiffbruch". North also heißt dieser andere, ein Schriftsteller aus New York. Über mangelnden Erfolg kann er sich nicht beklagen, überall in der Welt kursieren seine Bücher, und gerade arbeitet er an einem Drehbuch nach George Eliots Daniel Deronda. Doch scheint ihn etwas zu bedrücken, was er nun - gegenüber dem Fremden, dem er sich in jener Bar, Stück für Stück, öffnet - loswerden will.
    Mitten im alten Europa, in Paris, wo ein Film nach einem seiner Bücher gedreht wird, hat North eine Frau kennengelernt, Lea, ein überirdisch sinnliches Wesen, das er, weit älter als sie, vom ersten Augenblick an begehrt. Doch was zauberhaft beginnt, wird bald zu einer gespenstisch schönen "amour fou", in der einer ohne den anderen nicht mehr kann und die beide aus ihren Bahnen zu werfen droht. North und seine junge Geliebte steuern auf eine Katastrophe zu, auf einen Schiffbruch, der entweder ihn oder sie vernichten wird.


    Über den Autor:
    Louis Begley, 1933 in Polen geboren, arbeitete bis 2004 als Anwalt in New York. Seine Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet.


    Über die Übersetzerin:
    Christa Krüger ist die Übersetzerin von Louis Begley, Penelope Fitzgerald und Richard Rorty. Sie wohnt und arbeitet in Berlin.


    Mein Eindruck:
    Dieser Roman ist jetzt auch schon 10 Jahre alt. Lange wollte ich ihn lesen, jetzt war es endlich so weit und ich war nicht enttäuscht.
    Der Roman bietet Louis Begleys gewohnt eleganten Stil und eloquente Hauptfiguren.


    Begleys Sprache ist zeitlos und so fragt man sich, wann diese Geschichte eigentlich spielt. Es sind wahrscheinlich die frühen achtziger Jahre, doch Begleys “Helden” sind Gentlemans der alten Klasse. Der Erzähler ist Amerikaner, aber die Geschichte handelt viel in Frankreich. Es gibt aber auch Passagen in New York.


    Die Erzählweise prägt den Roman stark. In einer Bar erzählt ein Mann, ein erfolgreicher Schriftsteller, einem anderen, den er eigentlich nicht kennt, seine Liebesgeschichte zu einer Frau, Lea. Obwohl er verheiratet ist, ist er nahezu besessen von dieser jungen Journalistin und fängt eine Affäre mit ihr an.


    Durch diese Erzählweise ist die Perspektive sowie die Abbildung der anderen Figuren sehr subjektiv. Alles ist Auslegung des Erzählers. Allerdings erreicht er eine gewisse Glaubwürdigkeit, wenn er merkt, dass er zu sehr ausschmückt und dann sofort zurückrudert, und das Detail seiner Erzählung zurechtrückt. Ich habe aber auch den Eindruck, dass er seine Lea nur auf der Oberfläche kennt und ihr Inneres ihm fremd bleibt.


    Was der Schriftsteller dem Zuhörer, der die eigentliche Ich-Person des Buches ist, erzählt, wirkt manchmal übertrieben. Er steigert sich immer mehr rein, wie es bei der Liebesgeschichte wohl auch geschah. Von seinem Zuhörer erwartet er Bestätigung, deshalb wird die eigentliche Geschichte immer wieder von Kommentaren aus der Bar unterbrochen.
    Wahr ist jedoch, dass der Zuhörer schweigsam, der Schriftsteller geschwätzig ist.


    Die Kritik ist damals bei Erscheinen des Romans nicht sehr gnädig mit dem Buch umgegangen. Abgeschmackt, was sich zwei ältere Männer über eine jüngere Frau erzählen, Altherren-Fantasien, wenn die Beschreibungen deftig ausfallen, zu routiniert und so weiter hieß es, doch mich hat die Form nicht gestört und Begleys Routine sehe ich positiv, denn er vermeidet unnötige Dramatik oder aufgesetzte Motive. Es ist ein Zeichen von Qualität.