Leichendieb - Patricia Melo

  • Verlag: Tropen Bei Klett-Cotta;
    September 2013


    Originaltitel: Ladrao de Cavaderes
    Übersetzt von Barbara Mesquita


    Kurzbeschreibung:
    Patricia Melos "Leichendieb" ist ein spannender Thriller, der den Leser die moralischen Bedenken eines Mannes nachempfinden lässt, dessen kriminelle Handlungen sich wie eine Lawine steigern. Patrícia Melo bietet nicht nur ein bestechend genaues Porträt der Rauschgift-Mafia in Lateinamerika, sondern auch den Beweis, dass es manchmal nur eines winzigen Auslösers bedarf, um das Leben eines Menschen aus der Bahn zu werfen: In jedem steckt der Keim für das Böse.


    Über die Autorin:
    Patrícia Melo geboren 1962 in São Paulo. Die Autorin und Dramaturgin schreibt Romane, Hörspiele und Drehbücher. Die »Times« kürte Patrícia Melo zur »führenden Schriftstellerin des Millenniums« in Lateinamerika. Außerdem wurde ihr der »Prix Deux Océans« verliehen. Patrícia Melo lebt in der Schweiz.


    Mein Eindruck:
    Patricia Melo habe ich auf der Frankfurter Buchmesse gesehen, als ihr der Liberaturpreis verliehen wurde und dieser Roman ausführlich vorgestellt wurde.
    Ich war daher sehr gespannt auf das Buch und nachdem ich es beendet habe, war ich sehr zufrieden.


    Das Buch steht dem Krimi-Genre nahe, ohne wirklich im klassischen Sinne einer zu sein. Der Ich-Erzähler dieses Romans ist eine ganz und gar zerrissene Figur. Da er erzählt, muss der Leser manche Szenen durchdenken, ob sich da die Hauptfigur vielleicht zu milde und harmlos darstellt. Sein Name wird nie genannt, aber sein Spitzname Porco (Schwein) bleibt hängen.
    Mal ist er sympathisch, kümmert sich um Leute, dann wieder ist er ein richtiger Scheißkerl (man kann es nicht anders sagen).
    Immer wieder steht er vor der Frage, wie er sich verhalten soll. Er sieht sich nicht als Krimineller, da er niemanden ermordet oder vergewaltigt hat. Er hat nur eine Leiche aus einem abgestürzten Flugzeug bestohlen. 2 kg Kokain.
    Den für gutes Geld unters Volk zu bringen hat er keine Skrupel. Auch fängt er etwas mit der Frau seines Cousins an, obwohl gerade der ihn in einer Notlage unterstützt und geholfen hat.


    Der Roman hat knapp über 200 Seiten und das Erzähltempo ist eigentlich nicht sehr schnell, aber eine kontinuierliche Spannung bleibt durchgehend erhalten. Nicht zuletzt gerät Porco unter Druck der brasilianischen Drogenmafia, als ihm sein Stoff abhanden kommt.
    Auch seine Frauengeschichten werden immer komplizierter.

    Fazit: Ein geschickt konstruierter brasilianischer Thriller, sprachlich sehr ansprechend und mit einer ambivalenten Hauptfigur, mit der man sich durch die eindringliche Erzählstimmer teilweise identifiziert, ganz ohne das man das wirklich möchte.
    Ich war von Leichendieb sehr beeindruckt und habe bereits noch ein Buch der Autorin bestellt.

  • Hallo Philipp Elph, willkommen bei den Büchereulen!


    Es stellt sich mir die Frage, ist der Roman ein Krimi, der sich aus dem Genre durch bestimmte Struktur- und handlungsbedingungen heraushebt oder ob es ein Roman ist, der gesellschaftlichpolitische und moralische Themen abbildet, indem er Krimi-Komponenten nutzt.


    Ich bin mir unsicher, da Patricia Melo anscheinend immer das Krimigenre wählt und dennoch selbst sagt, sie schreibe keine Krimis.


    Bei der Laudatio zum Liberaturpreis sagte der Sprecher Thomas Wörtche:

    Zitat

    Es stimmt: Schema-Mysteries um Mord und Aufklärung gibt es bei Patrícia Melo nur parodiert oder persifliert." Wer einen Krimi-Schmöker mit exotischem Hintergrund erwarte, werde von "Der Leichendieb" bitter enttäuscht. Stattdessen schaffe es Melo, ein Bild der sozialen Verhältnisse Brasiliens zu zeichnen, ohne in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen.

  • Der Deutsche Krimi Preis 2014 geht an:


    International:
    1. Platz: Patrícia Melo: Leichendieb
    (Ladrão de Cadáveres) Deutsch von Barbara Mesquita (Tropen)
    2. Platz: John le Carré: Empfindliche Wahrheit
    (A Delicate Truth) Deutsch von Sabine Roth (Ullstein)
    3. Platz: Jerome Charyn: Unter dem Auge Gottes
    (Under the Eye of God) Deutsch von Jürgen Bürger (Diaphanes)


    National:
    1. Platz: Friedrich Ani: M (Droemer)
    2. Platz: Robert Hültner: Am Ende des Tages (btb)
    3. Platz: Matthias Wittekindt: Marmormänner (Ed. Nautilus)