Über Deutschland: Aufsätze aus den Jahren 1931-1937 - E. M. Cioran

  • Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
    Verlag: Suhrkamp Verlag;


    Kurzbeschreibung:
    Was Cioran-Leser und Rezensenten in den letzten Jahren – nach Ciorans Tod und nach der Veröffentlichung fast aller Werke auf deutsch – vor allem interessierte, war der braune Fleck auf der weißen Weste des berühmten Skeptikers. Die Deutschlandartikel aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zeigen ihn vor. Voll vitalistischer Emphase stürzt sich der jugendliche Autor auf deutschen Irrationalismus und nazistische »Revolution«. Er wünscht seinem Land eine Diktatur nach Hitlers Vorbild an den Hals. Nur so, argumentiert er, könne Rumänien aus Lethargie und geschichtlichem Abseits herausgerissen werden und sich Gestalt, Zukunft, ein Schicksal erobern. Von 1933 bis 1935 hält Cioran sich zu Studienzwecken in Berlin, München und Dresden auf. Bei aller Begeisterung für den Nationalsozialismus beschränkt er sich auf die Rolle des geschichtsphilosophisch interessierten Zuschauers. Borniertheit, Willkür, Gewalt und die Anzeichen dafür, daß alles ein böses Ende nehmen könnte, bleiben ihm nicht verborgen.


    Über den Autor:
    E. M. Cioran wurde 1911 in Rasinari bei Hermannstadt in Siebenbürgen als Sohn eines griechisch-orthodoxen Priesters geboren. 1928 bis 1931 Studium der Philosophie an der Universität Bukarest. Bis 1939 erschienen fünf Bücher in rumänischer Sprache. 1937 kam Cioran als Stipendiat nach Paris, wo er als freier Schriftsteller lebte. Er starb am 20.6.1995 in Paris.


    Mein Eindruck:
    Das Cioran in seiner Jugend mit dem Faschismus sympathisiert hatte, ist lange bekannt. In seinen Werken hat man solche Einflüsse jedoch nie gespürt. Offenbar hat er alle frühen Einflüsse später komplett abgestreift.
    Erst mit der Veröffentlichung dieser frühen Aufsätze, die Cioran in seiner Zeit in Deutschland für irgendwelche rumänischen Schmierblätter rechts-tendenziöser Art schrieb, kann man Ciorans Denken dieser Zeit jetzt nachlesen.


    In den ersten Essays sind es aber ganz normale Themen über die er schreibt. Über deutsche Kultur und Kunst sowie Philosophie wie Hegel, Martin Heidegger, Karl Barth, Nicolai Hartmann, Nietzsche etc.
    Ein unangenehmer Unterton ist aber schon enthalten. Später wird seine überschwängliche Begeisterung für das faschistische Deutschland schon deutlicher. Einige Äußerungen sind wirklich übel. Das zu lesen bereitet wirklich Unbehagen. Zwar kann man den jungen Cioran keinen Antisemitismus unterstellen, aber das scheint er billigend in Kauf zu nehmen.
    Dennoch, sein Blick auf Deutschland ist einer von außen. Was er über das Wesen von Diktaturen sagt, mag sogar zutreffend sein.


    Einmal nimmt er Bezug auf Nae Ionescu, ein rumänischer Philosoph, der rechtsextreme Ansichten vertrat. Im selben Artikel begeistert er sich für Ludwig Klages, der rassistische und antisemitische Artikel veröffentlichte.


    Abgesehen von den Tendenzen finde ich Ciorans frühe Aufsätze aber auch nicht besonders gut. Sie sind zwar kompliziert verfasst, besitzen aber nicht die Komplexität und Geschlossenheit, die seine späteren Essays auszeichneten.


    Ein paar Passagen gibt es aber doch, die nicht so schlecht verfasst sind und in denen eine Begeisterung für deutsche Themen auch nachvollziehbar ist. Was junge Menschen daran fasziniert hat, kann man heute kaum verstehen. Eigentlich sind Ciorans Texte daher ein gutes Beispiel für die Verführbarkeit des Nationalsozialismus. Gerade wer ansonsten haltlos ist, kann dem leicht verfallen und die Zustände Rumäniens waren für Cioran wenig verlockend. Ein Glück für ihn, dass er sich später für Frankreich entschlossen hatte.


    ASIN/ISBN: 3518421972