Wolfram Fleischhauer - Schweigend steht der Wald

  • Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)
    Als es die Forststudentin Anja Grimm ausgerechnet in jene entlegene Gegend im Bayerischen Wald verschlägt, wo sie als kleines Mädchen mit ihren Eltern Urlaub gemacht hat, holt sie der Alptraum ihrer Kindheit ein: Kurz nach ihrer Ankunft wird im gleichen Waldstück, wo vor zwanzig Jahren ihr Vater spurlos verschwand, der geistig zurückgebliebene Xaver Leybach erhängt aufgefunden. Und dies soll nicht der einzige Todesfall bleiben, der durch Anjas Auftauchen ausgelöst wird. Schon bald erregt Anja mit ihrem Verdacht, dass Xaver etwas über das Verschwinden ihres Vaters wusste, nicht nur bei den Dorfbewohnern Misstrauen und Feindseligkeit. Selbst die Polizei reagiert äußerst reserviert auf ihre Nachforschungen. Und als sichtbar wird, dass die junge Frau die Zeichen des Waldes lesen kann wie ein offenes Buch, steht eine furchtbare Entscheidung an …


    Über den Autor (Quelle: amazon)
    Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, ist einer der wenigen deutschen Autoren, denen es gelingt, Anspruch und Spannung für ein großes Publikum zu verbinden. Mit „Schweigend steht der Wald“ knüpft er den Erzählfaden seiner Erfolgsbücher „Drei Minuten mit der Wirklichkeit“ und „Die Frau mit den Regenhänden“ weiter –in einem kleinen Dorf am Rande der Republik.


    Meine Meinung
    In "Schweigend steht der Wald“ nimmt Wolfram Fleischhauer den Leser gefühlt mit auf eine Exkursion in den Bayerischen Wald. Man erfährt so einiges über Bodenformationen und Anzeigerpflanzen, die Arbeit der Forstämter, Kartographie und die dunkle Vergangenheit einiger Dorfbewohner. Anja Grimm kommt als Praktikantin bewusst an den Ort zurück, an dem sie vor 20 Jahren ihren größten Alptraum erlebte. Ihr Vater verschwand hier spurlos. So begibt sie sich auf die Suche und deckt dabei Dinge auf, die die Dorfbewohner lieber hätten ruhen lassen.


    Die forstwirtschaftlich relevanten Fakten hat Wolfram Fleischhauer mit großer Sicherheit ausgiebig recherchiert und baute diese umfangreich in seinen Roman ein. Ich lese sehr gern Romane, die für mich neue Wissensgebiete eröffnen, auch Wolfram Fleischhauer hatte davon schon mehrere vorgelegt. Mit diesem Thema konnte ich mich leider nur schwer anfreunden, es hat mich nie so richtig gepackt und wirkliches Interesse konnte ich nicht dafür entwickeln.


    Der im Buch enthaltene Kriminalfall ist durchaus spannend geschrieben, das Erzähltempo ist stimmig und die Personen sind für einen Krimi hinreichend charakterisiert. Einzig die die Natur lesen könnende Praktikantin fand ich stellenweise ein wenig anstrengend, sie fand fast auf Anhieb all die Dinge, über die Forstamt und Einheimische gerne weiterhin hinweg sehen wollten. Der Roman lässt sich sehr flüssig lesen und die Sprache ist angenehm, wie ich sie aus früheren Werken des Autors her kannte und schätzte. Gerade die bildhaften Beschreibungen des Waldes und auch die Darstellung des geistig behinderten Xaver haben mich überzeugt.


    Auch wenn ich mich zu "Schweigend steht der Wald“ recht kritisch äußere, ist es kein schlechter Roman. Meine Erwartungshaltung an die Bücher von Wolfram Fleischhauer sind aber um einiges höher, als an die anderer Autoren, vielleicht waren sie dieses Mal zu hoch.


    Schon "Torso“ konnte mich nicht vollständig überzeugen. Ich werde aber auch weiterhin gespannt auf Romane aus der Feder von Wolfram Fleischhauer warten und hoffen, dass er den Faden seiner früheren Romane vielleicht doch irgendwann wieder aufnimmt.

  • „Niemand spricht über diese Sache. Niemand. Der Wind vielleicht. Die Bäume.“


    Anja Grimm ist Forststudentin und macht ein Praktikum. Gemeinsam mit einem Kollegen wird sie zum Kartieren eines Stück Waldes geschickt. Ausgerechnet in der Gegend, in der ihre Familie den Sommerurlaub verbracht hat, als sie ein Kind war und wo ihr Vater vor 20 Jahren spurlos verschwunden ist. Bis heute leben Anja und ihre Mutter in Ungewissheit, was damals geschehen ist, die Leiche wurde nie gefunden. Als Anja auf einer Waldlichtung merkwürdige Bodenproben entnimmt, ahnt sie noch nicht, in was für ein Wespennest sie damit sticht. Kurz darauf gibt es zwei Tote und es kommen alte Geheimnisse ans Licht, die von manchen lieber für immer begraben worden wären. Angetrieben von dem Wunsch, endlich Gewissheit über das Schicksal ihres Vaters zu bekommen, erkennt Anja nicht, in was für eine Gefahr sie sich bringt, denn um ihre Geheimnisse zu bewahren, sind manche Bewohner der kleinen Dorfes anscheinend sogar bereit zu töten.


    Auf den ersten Seiten verwirrte mich das Buch noch ein wenig durch viele unbekannte Begriffe und einen ganzen Schwung von Namen, die ich erst nach und nach zuordnen konnte. Doch dann entstand schnell ein regelrechter Sog und ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Eine Idee zu dem großen Geheimnis des Dorfes hatte ich recht schnell und diese bestätigte sich später auch tatsächlich, aber die Details, die nach und nach enthüllt wurden, schockierten und entsetzten mich dann doch.


    Die Protagonistin Anja Grimm ist sympathisch und überzeugt durch ihre offene, wissbegierige Art. Faszinierend fand ich ihre Fähigkeit, den Wald zu „lesen“, anhand kleiner Hinweise durch Pflanzen und Bodengegebenheiten eine Geschichte herauszufinden, die Jahre zurückliegt – eine Fähigkeit, die den meisten Menschen heute wahrscheinlich wie Zauberei vorkommt, aber eigentlich nur eine entsprechende Kenntnis des Waldes voraussetzt. Aber auch die anderen Figuren sind spannend, vor allem die Brüder Rupert und Lukas, in deren Einschätzung ich mich im Verlauf der Handlung mehrfach getäuscht habe.


    Wolfram Fleischhauer ist hier ein großartiges Buch gelungen. Es werden viele Themen angerissen, die mich zum Nachdenken bringen. Es ist eine Liebeserklärung an den deutschen Wald, zumindest dort, wo es ihn noch gibt und wo er nicht nur noch zu einer Anbaufläche von Nutzholz verkommen ist. Es ist aber auch eine düstere Geschichte, die weit in die deutsche Vergangenheit zurückreicht und sich mit den Fragen von Schuld und Verantwortung, von Verdrängung und Aufarbeitung beschäftigt.

  • Titel: Schweigend steht der Wald
    Autor: Wolfram Fleischhauer
    Verlag: Droemer Knaur
    Erschienen: September 2013
    Seitenzahl: 397
    ISBN-10: 3426198541
    ISBN-13: 978-3426198544
    Preis: 19.99 EUR


    Das sagt der Klappentext:
    Als es die Forststudentin Anja Grimm ausgerechnet in jene entlegene Gegend im Bayerischen Wald verschlägt, wo sie als kleines Mädchen mit ihren Eltern Urlaub gemacht hat, holt sie der Alptraum ihrer Kindheit ein: Kurz nach ihrer Ankunft wird im gleichen Waldstück, wo vor zwanzig Jahren ihr Vater spurlos verschwand, der geistig zurückgebliebene Xaver Leybach erhängt aufgefunden. Und dies soll nicht der einzige Todesfall bleiben, der durch Anjas Auftauchen ausgelöst wird.
    Schon bald erregt Anja mit ihrem Verdacht, dass Xaver etwas über das Verschwinden ihres Vaters wusste, nicht nur bei den Dorfbewohnern Misstrauen und Feindseligkeit. Selbst die Polizei reagiert äußerst reserviert auf ihre Nachforschungen. Und als sichtbar wird, dass die junge Frau die Zeichen des Waldes lesen kann wie ein offenes Buch, steht eine furchtbare Entscheidung an.


    Der Autor:
    Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, studierte Literatur in Deutschland, Frankreich, den USA und Spanien. Für seine Tätigkeit als Konferenzdolmetscher pendelt er zwischen Brüssel und Berlin, wo er mit seiner Frau und seinem Sohn lebt. Wolfram Fleischhauer gehört zu den wenigen deutschen Autoren, die auch international erfolgreich sind.


    Meine Meinung:
    Wolfram Fleischhauer bietet mit diesem Roman ansprechende Unterhaltung, auch wenn dieses Buch ganz sicher nicht der ganz große Wurf ist. Dafür wirkt einiges in diesem Buch ganz einfach etwas zu konstruiert. Zudem fehlt diesem Buch ein klein wenig die Spannung. Vieles ist zu sehr vorhersehbar. Trotzdem schafft es Fleischhauer auch mit diesem Buch seine Leser ganz ordentlich zu unterhalten. Der Spannungsbogen dieses Romans wird kontinuierlich auf einem Level gehalten, auch wenn dieses Level nicht allzu hoch ist. Sicher kein Buch das einem sehr lange im Gedächtnis bleibt, es ist ein Roman der ansprechende Unterhaltung bietet – mehr aber auch nicht. Unabhängig davon hätte man aus diesem Thema sicher etwas mehr machen können.
    Wolfram Fleischhauer hat ohne Frage schon stärkere und intensivere Bücher abgeliefert. In diesem Buch aber läuft es einfach zu glatt, es fehlen die erzählerischen Ecken und Kanten, alles bleibt zu sehr oberflächlich. Es hätte diesem Buch ganz sicher nicht geschadet, wenn die erzählte Geschichte ein wenig mehr in die Tiefe gegangen wäre.


    Lesenwert, wenn man es aber nicht gelesen hat, geht die Welt auch nicht unter. 6 Eulenpunkte für einen Autor, der bewiesenermaßen mehr kann.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Ich habe das Buch gern gelesen, allerdings gibt es auch einige Kritikpunkte, unter anderem die Tatsache, dass sich Fleischhauer (sehr Fleischhauermäßig) viel zu sehr in der Forstwirtschaft verfranzt.
    Ich kenne Fleischhauer mit seiner genauen Recherche und der Detailverliebtheit, die die vielen Stunden Recherchearbeit ahnen lässt.
    Allerdings habe ich in diesem Buch die Detailverliebten Beschreibungen als langatmig empfunden.
    Die Geschichte selbst fand ich gut, spannend und in sich schlüssig, doch ich verweise hier eher aufs Taschenbuch.


    ganz zufriedene Grüße von Elbereth :wave

    “In my opinion, we don't devote nearly enough scientific research to finding a cure for jerks.”

    ― Bill Watterson

  • Ich hatte Wolfram Fleischhauer eigentlich schon ad acta gelegt. Zwar waren seine Geschichten immer gut aufgebaut und erzählt, aber im Grunde baute er nur eine phantasievolle Rahmenhandlung um eine Liebesgeschichte. Das war mir persönlich nach ein paar Büchern von ihm zu wenig. Mit diesem Krimi wollte ich ihm eine neue Chance geben.


    Fleischhauer greift hier tatsächlich nicht auf das von mir gewitterte Grundmotiv Liebesgeschichte zurück. Aber leider blieb dabei sein erzählerisches Können wohl ebenfalls in der Schublade. Ich empfand das Buch als sehr schlecht geschrieben und erzählt. Ich finde es furchtbar, wenn Autoren die Gedankengänge ihrer Figuren in Fragen formulieren.
    Beispiele: "War an der Theorie etwas dran, dass das alles eine psychische Ursache haben könnte? Hätten die Anfälle damit nicht schon einsetzen müssen, als sie acht Jahre alt war? Warum erst so viele Jahre später" Zitat von Seite 24.
    Auf Seite 25 dann gleich wieder Fragen über Fragen:
    Würde das so weitergehen? Würde sie auch den anderen begegnen? Und was versprach sie sich davon?
    Und so geht es das ganze Buch. Das macht mich wahnsinnig.


    Der Geschichte an sich hätte etwas Spannung und vor allem mehr Tiefgründigkeit gut getan. Fleischhauer greift hier ein sehr ernstes Thema auf, das er meiner Meinung nach sträflich oberflächlich behandelt. Seine Recherche scheint er bei Wikipedia gemacht zu haben. Alles, was man im Buch erfährt über die unrühmliche Vergangenheit dieser Gegend kann man dort genau so nachlesen. Eine Personenbeschreibung hat er sogar wörtlich daraus entnommen.


    Was anderen hier missfiel, hat mir sogar am Besten gefallen. Und zwar die Beschreibungen über das "lesen" des Waldes. Das hat mich beeindruckt. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Das fand ich äußerst interessant.


    Ich glaube, ich lasse weiterhin die Finger von Herrn Fleischhauers neuen Büchern. Ich habe einige Bücher wirklich gerne von ihm gelesen, und dabei werde ich es jetzt einfach belassen. "Und schweigend steht der Wald" hat mich weder inhaltlich und vor allem erzählerisch nicht überzeugen können.