Sara tanzt - Erwin Koch

  • Verlag: Nagel&Kimche
    Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
    2003


    Kurzbeschreibung:
    Der Cellist Frits, Mitläufer einer brutalen Diktatur, erzählt in der Untersuchungshaft die unfassbare Geschichte seiner Liebe. Sara Broffe, Deckname Sumatra, übernahm kleinere Aufträge für den Widerstand. Als sie verhaftet wird, weiß sie nicht viel zu erzählen. Aber sie summt Lieder, um die Einsamkeit auszuhalten. Frits, der den Auftrag erhält, die Tonfolgen auf verborgene Botschaften hin zu untersuchen, verfällt Saras Schönheit und ihrer berührenden Menschlichkeit. Zwei Leidenschaften bestimmen seither sein Leben: seine Musik und der riskante Versuch, Sara zu befreien. Eine grossartige Parabel über die Grenzen der Macht und die Macht der Liebe.


    Über den Autor:
    Erwin Koch, geboren 1956, lebt in der Nähe von Luzern. Er ist Journalist und schreibt Hörspiele und Reportagen. Von 1984 bis 1990 arbeitete er als Redakteur, anschließend als Reporter für verschiedene Medien, darunter DIE ZEIT, GEO und das Frankfurter Allgemeine Zeitung Magazin. Von 1999 bis 2002 war er als Reporter beim Spiegel tätig, seit 2002 schreibt er unter anderem für Das Magazin. Erwin Koch erhielt mehrfache Auszeichnungen, darunter zweimal den Egon-Erwin-Kisch-Preis und 2003 für Sara tanzt den Mara-Cassens-Preis für den besten deutschsprachigen Debütroman.


    Mein Eindruck:
    Erwin Koch ist Journalist, der häufig wahre Geschichten in Literatur verwandelt, so auch hier. Dennoch soll die Geschichte in erster Linie exemplarisch sein, deswegen nennet Koch das Land, das von einer Militärdiktatur beherrscht wird, nicht explizit. Man denkt zwar an Argentinien, das nahegelegt wird, aber das Wesen und die Methoden der Diktaturen sind vergleichbar.
    Das Buch hat zwei Hauptfiguren und damit zwei Erzählebenen, die teilweise zeitlich verschoben sind..


    Das ist zum einen Sara Broffe, die verhaftet wurde und die meiste Zeit des Buches verhört wird. Sara verhält sich reserviert, sie beantwortet Fragen, aber verrät nichts. Die körperlichen Folterungen beschreibt Koch nicht, aber sie werden oft genug angedeutet. Die Gefangenschaft dauert über viele Monate an, wird zum Alltag, bei dem sie kochen, waschen und putzen muss. Bizarr, wie so eine Art „normales“ Zusammenleben zu ihren Folterknechten entsteht.
    Dann gibt es noch den Cellisten Frits, ein Mitläufer, der im Gefängnis arbeitet. Er führt auch die Kartei und macht den Kurier oder Chauffeur. Er macht sich mitschuldig und gerät nach Beendigung der Diktatur selbst in Haft.
    Die Perspektiven wechseln häufig, das ist geschickt gemacht.


    Der Roman wirkt meiner Meinung nach so stark, weil Erwin Koch sich der Realität verpflichtet fühlt und gleichzeitig einfühlsam schreibt. Aufgrund des Sujets ist es kein gemütlicher Roman, er ist dennoch elegant geschrieben und bewegend.