Titel: Der Sprengprofessor. Lebensgeschichten
Autor: Victor Zaslavsky
Verlag: Verlag Klaus Wagenbach Berlin
Erschienen: März 2013
Seitenzahl: 144
ISBN-10: 3803112923
ISBN-13: 978-3803112927
Preis: 15.90 EUR
Victor Zaslavsky wurde 1937 in Leningrad geboren. Er arbeitete zehn Jahre als Ingenieur und unterrichtete anschließend Soziologie an der Universität von Leningrad. Er starb 2009 in Rom.
In diesen Lebensgeschichten erzählt er aus seiner Kinder-, Jugend- und Studentenzeit. Es ist aber kein politisches Sachbuch – ganz und gar nicht. Der Autor schildert wie das „normale“ Leben während der Stalinzeit aussah. Es sind seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse über die in diesem Buch berichtet werden.
Besonders hevorzuheben ist die Art des Erzählens. Zaslavsky erzählt ruhig, unaufgeregt, trotzdem aber mit einer großen Intensität. Und der Leser bekommt ein sehr anschauliches Bild über die „Normalität“ unter Stalin geliefert.
Der Autor verurteilt nicht, klagt nicht an – er berichtet, verschweigt aber auch nichts und überlässt die Wertung anderen. So sind auch die Leser gefordert, sich ihre eigenen Gedanken zu machen – sich vielleicht auch selbst zu fragen wie man sich denn selbst verhalten hätte. Aber Zaslavsky macht auch unmissverständlich deutlich, dass die vermeintliche Suche nach dem richtigen kommunistischen Weg unter Stalin nurmehr ein Lippenbekenntnis war – Kommunismus und Stalin: zwei Welten prallten aufeinander. Nicht der Kommunismus war grundlegend falsch – es waren die Menschen die diese politische Idee pervertierten.
Anhand seiner Lebensgeschichten, in denen seine Verwandten die Hauptpersonen sind, entsteht nach und nach ein klares und anschauliches Bild der Sowjetgesellschaft unter Stalin. Niemand wusste was morgen mit ihm sein würde, niemand war sich sicher, nicht auch verhaftet und verurteilt zu werden. Trotzdem mussten sich die Menschen Tag für Tag dem Leben stellen – allen Widrigkeiten zum Trotz.
Ein interessantes, ein teilweise auch bewegendes Buch. 7 Eulenpunkte für ein Buch, bei dessen Lektüre sich der Kritiker der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG bisweilen an die dämonischen Erzählungen Gogols und Puschkins erinnert fühlte und der dieses Buch dann im Hinblick auf die Entwicklung im heutigen Russland dringend empfahl.