Verlag Wagenbach
119 Seiten
Originaltitel: La Demande
Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer
Kurzbeschreibung:
1517 reist ein berühmter italienischer Künstler an die Loire, um für den französischen König ein Schloß zu bauen. Man stellt ihm eine Dienerin, und zwischen dem Meister und der einfachen Bäuerin entsteht eine wortlose Beziehung.
Über die Autorin:
Michele Desbordes, geboren in einem Dorf in der Sologne, aufgewachsen in Orléans, hat in Paris studiert, in Guadeloupe und Paris unterrichtet und leitet heute die Universitätsbibliothek in Orléans. Sie lebt in Beaugency an der Loire. Die Bitte entstand 1996/1997.
Mein Eindruck:
Ein sprachlich ansprechendes Buch, dass seine Wirkung gerade durch seine Stille und Unaufgeregtheit entfaltet. Die Ruhe, die vorherrscht, bedeutet nicht, dass die Sprache keine Kraft hätte. Es ist zwar ein historischer Stoff, aber die stumme Beziehung zwischen dem italienischen Künstler, der ein Schloß für den König bauen soll und der Dienerin wirkt zeitlos.
Die ganze Geschichte ist sorgsam erzählt.
Das Buch ist kurz, kaum ein Roman, man hatte sich daher für die Gattungsbezeichnung „Geschichte“ entschieden.
Mich beeindrucken die Passagen, die sich mit der Kunst beschäftigen. Der italienische Künstler wird nicht ausschließlich als Genie dargestellt, genauso wichtig ist ihm das Handwerk, dass er auch seinen Schülern lehrt.
Seine Gedanken drehen sich häufig um das, was ihn inspiriert, z.B. das Gesicht eines Straßenjungen, das sich für einen Engel eignen würde.
Es gibt auch viele Landschaftsbeschreibungen, aber stets mit dem studierenden Blick eines Künstlers gesehen.
Der Wagenbach-Verlag hat gute Arbeit bei der Gestaltung des schmalen Buches geleistet. Nur gegen den langen Prolog, der in schwer lesbarer Kursivschrift gehalten ist, hätte ich Einwände.