Kurzbeschreibung:
Eine Frau sitzt vor dem Spiegel und vergleicht ihr Bild mit einem Porträfoto, eventuelle Differenzen werden durch Schminke korrigiert. Sie entdeckt Schuppen auf ihrer Haut, steigt ins Bad, reist als Schuppenfrau durch traumartige und alltägliche Sequenzen sie trifft Xander, der sie fotografieren möchte, als Dolmetscherin verschwindet sie mitten in einem Geschäftsessen und begegnet einer unheimlichen Frau in der Nacht, die sie am Tag nicht wiederfindet ...
Über die Autorin:
Yoko Tawada wurde 1960 in Tokyo geboren und lebt seit 1982 in Deutschland. Studium in Tokyo, Hamburg und Zürich; Promotion bei Sigrid Weigel. Reisen auf vier Kontinenten. Tawadas zweisprachiges Werk umfasst Lyrik und Prosa, Theater-, Hörspiel- und Operntexte; es wurde in Japan wie in Deutschland vielfach ausgezeichnet (u.a. Gunzô-Literaturpreis, 1991; Akutagawa-Preis, 1993; Chamisso-Preis, 1996; Goethe-Medaille, 2005). Zahlreiche Übersetzungen in weitere Sprachen.
Mein Eindruck:
Ein schön gestaltetes Buch vom konkursbuch VERLAG CLAUDIA GEHRKE, sowohl von den Motiven als auch farblich beeinflusst das sogar das Lesen. Auffällig ist auch, dass es keine Seitenzahlen gibt, dadurch wird der Leser noch mehr in das Buch hinein gesogen.
Es ist ein Buch, bei dem wieder die Sprache und der Sprachverlust eine große Rolle spielen, mit einer rätselhaft wirkenden Handlung, deren Wendungen sich assoziativ sprunghaft ergeben.
Die Hauptperson ist eine japanische Übersetzerin und Dolmetscherin, die als sie keine Aufträge bekam als Fotomodell arbeitet. Für den Fotografen Xander wirkt sie doch nicht japanisch genug. Dann bekommt sie doch einen Auftrag, bei einer Firma ein Treffen zwischen Japanern und Deutschen zu dolmetschen, bei der kulturelle Unterschiede deutlich werden.
Dann wird es fast surreal. Traum und Realität scheinen sich zu vermischen.
Sie wird ohnmächtig. Die Seezunge, die sie zu Mittag gegessen hat, frisst ihre Zunge und sie verliert so ihre Sprache (!!!)
Eine offenbar schon verstorbene Frau mit halb verbranntem Körper nimmt sie mit zu sich und zeigt ihr zu Abschied ihre Zunge. Als sie in ihre Wohnung zurückkehrt ist Xander da, sie erinnert sich, er ist überhaupt kein Fotograph sondern ein Deutschlehrer, der sie unterrichtete und in den sie sich verliebt hatte.
Man merkt, die Geschichte verändert sich zunehmend, sie wird aber nicht sprunghaft, sondern bleibt ständig am Fließen. Und genau das ist für mich der Grund, warum das Buch so gut zu lesen ist. Es ist etwas besonderes, das man nicht jeden Tag findet!