Das Vermächtnis ist eine Erzählung von Heinrich Böll, die – 1948 geschrieben - im September 1982 im Lamuv Verlag in Bornheim-Merten erschien.
Die von mir gelesene Ausgabe ist eine andere (eine ältere), als die unten verlinkte, und enthält 143 Seiten.
Über das Buch:
Der Roman spielt im Kriegsjahr 1943 und im Entstehungsjahr 1948, in dem der Erzähler plötzlich erkennt, daß die alten zerstörerischen Kräfte sich mächtig und ohne Schwierigkeiten wieder etablieren. Zufällig begegnet er einem früheren Hauptmann, der seine Promotion zum Dr. jur. feiert; es ist jener Hauptmann, der im Kriegsjahr 1943 im Zustand der Volltrunkenheit willkürlich den Oberleutnant Schelling ermordete. Fassungslos berichtet der Erzähler dem Bruder des Ermordeten über Schellings gescheiterten Versuch, in der gegebenen Unmenschlichkeit des Krieges Menschlichkeit zu erhalten.
Zur Erzählzeit ist der Krieg vorbei und Hauptmann Schnecker lässt es sich in der Heimat wohl gehen. Im zivilen Leben wieder angekommen und frisch promoviert, sitzt Schnecker neben einer jungen Frau in einem Café. Er wird von Wenk, dem Erzähler, beobachtet. Wenk schreibt an den 20-jährigen Bruder des Oberleutnants Schelling einen sehr langen Brief. Dieses Schreiben ist die vorliegende Erzählung. Gleich am Anfang des Briefes wird der Bruder Schellings, ein Nachgeborener (der zu Kriegsende noch jugendlich war), mit einer Tatsache konfrontiert, über die nur Schnecker und Wenk Kenntnis haben: Hauptmann Schnecker hat Oberleutnant Schelling ermordet.
Wenk erzählt über das Jahr 1943 – über den langen warmen Sommer am Meer im Nordwesten der Normandie und über den kurzen Herbst bis Ende Oktober an der Ostfront in der Heeresgruppe Süd.
Über den Autor:
Heinrich Theodor Böll (* 21. Dezember 1917 in Köln; † 16. Juli 1985 in Kreuzau-Langenbroich) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Im Jahr 1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Meine Meinung:
Auch diesmal fällt es mir unheimlich schwer, meine Worte in die passenden Buchstaben zu pressen: Die Werke Bölls sprechen - so finde ich - eine derart deutliche Sprache, dass sie eigentlich keines weiteren Kommentars benötigen. Ich versuche es dennoch, denn ansonsten wäre diese Rezension ja absolut unnötig
Von der Erzählkunst Heinrich Bölls bin ich immer wieder aufs Neue beeindruckt. Auch diesmal hat er es meisterlich geschafft, mit wenigen klaren, schnörkellosen Worten ein Bild vor meinem geistigen Auge zu erwecken. Die Erlebnisse, die der Briefeschreiber Wenk dem Bruder des Ermordeten mitteilt, wirkten auf mich plötzlich sehr realistisch und liefen quasi wie ein Film in meinem Kopfkino ab.
Und so war ich dabei, als der junge Melder Wenk sich auf den Weg macht, zu seiner neuen Stelle im Nordwesten der Normandie. Wie er dort auf seinen Vorgesetzten, Oberleutnant Schelling, trifft und sich innerhalb kürzester Zeit zwischen diesen beiden - über alle Rangunterschiede hinweg - eine tiefgreifende Freundschaft entwickelt.
Ich nahm teil an der Düsternis und Hoffnungslosigkeit der Situation, an dem gemeinsam erlebten Elend dieser beiden Männer. Erlebte den hoffnungslosen Kampf Schellings gegen die Widrigkeiten der Verwaltung, gegen die Unterschlagung von Lebensmittelrationen. War ebenfalls dabei, als die Dinge - mittlerweile an der Ostfront angelangt - so verhängnisvoll ihren Lauf nahmen, und der tödliche Schuß fiel. Und wurde - für mich plötzlich und viel zu schnell - mit dem Ende des Briefs konfrontiert. Fühlte mich von Böll regelrecht im kalten Regen stehen gelassen.
Über diesem abrupten Ende des Briefes grüble ich noch, bin mir noch nicht abschließend sicher, wie ich das nun finden soll. Weiß nur, dass mich diese Erzählung sehr tiefgreifend berührt hat.