Keiko - Tomasz Gudzowaty, Witold Szablowski

  • Keiko - Tomasz Gudzowaty, Witold Szablowski



    ISBN: 3775735216


    Verlag: Hatje Crantz


    Erscheinungsjahr: 2012


    Seitenzahl: 152


    Sprache: Englisch



    Über den Fotografen:
    Tomasz Gudzowaty, geboren 1971 in Warschau, studierte Rechtswissenschaft, bevor er sich der Fotografie, insbesondere der Naturfotografie und der Dokumentation, widmete.
    Im Jahr 2006 reiste er nach Chittagong, der zweitgrößten Stadt Bangladeshs, um die Arbeit von Schiffsabwrackern zu dokumentieren. Gudzowatys Arbeiten zeigen nicht nur Einblicke in die außergewöhnliche Arbeitsatmosphäre, sondern bestechen auch durch die proportionalen Beziehungen zwischen Mensch und Maschine.
    Tomasz Gudzowaty ist Preisträger des World Press Award 2012.



    Über den Autor:
    Witold Szablowski, geboren 1980 in Polen, arbeitet für die Gazeta Wyborcza und wurde durch seine Tätigkeit für TVN 24 bekannt.
    Für seine journalistische Tätigkeit erhielt er mehrere Preise, u.a. von Amnesty International und eine Auszeichnung des Europaparlaments.



    Über den Bildband:
    Bangladesh - ein für Europäer weitgehend unbekanntes Land, gelegen am Bengalischen Golf mit Landgrenzen zu Indien und Myanmar und knapp
    161 000 000 Einwohner zählend. Kaum mehr als die verheerenden Arbeitsbedingungen
    in der Textilindustrie für die unter anderem auch deutsche Unternehmen verantwortlich sind dringen über die Nachrichten zu uns. So wie das wichtigste Exportgut Textilien das Land zwischen Brahmaputra und Ganges auf dem
    Wasserwege verlässt, so schließt sich Kreislauf, wenn eben jene Containerschiffe dort zerlegt werden.


    Jährlich werden über 700 Schiffe abgewrackt; 30 bis 40 Prozent davon in Bangladeschs zweitgrößter Stadt Chittagong.
    Im Jahr 2006 machte sich der polnische Fotograf Tomasz Gudzowaty auf, um die Schiffsabwracker bei ihrer Arbeit zu beobachten, um die ungeheuren Anstrengungen des Ausschlachtens von Containerschiffen zu dokumentieren und letztlich auch die die proportionalen Verhältnisse zwischen Mensch und Maschine auf Bilder zu bannen.
    Vorgelegt hat Tomasz Gudzowaty nun einen 32 x 24,2 x 2,2 cm Bildband in Duplex, dessen inhaltliche Schwere durch eine bestechende Schwärze und ein erstaunliches Gewicht Nachdruck erhält.
    Auf den 66 doppelseitigen Bildern sind nicht nur Schiffe wie die für den Bildband namensgebende Keiko und Volga zu sehen, sondern auch Arbeiter, die für ihre Verhältnisse Glück hatten und einem gutbezahlten Job nachgehen, der in vielen Fällen nicht nur die Existenz ihrer eigenen Familie sichert.
    Das große Verdienst des World Press Award Gewinners ist in jedem Fall, dass sich seine Arbeit in Bangladesh nicht ausschließlich auf die Trostlosigkeit und zugleich ausweglose Situation der Arbeiter beschränkt. Der aufmerksame Betrachter des Bildbandes erkennt ohne große Anstrengungen, wie es um die Arbeitsbedingungen ohne Helm, Sicherheitskleidung und anständiges Schuhwerk bestellt ist.


    Die wahre Größe dieses Bildbandes zeigt sich jedoch in der Dokumentation von Mensch und Technik. Von Menschenhand geschaffen können Containerschiffe heute ohne Probleme Längen von bis zu 400 Meter und eine Breite bis über
    50 Meter aufweisen. Diese Errungenschaften der Technik, die mit modernsten Werkzeugen geschaffen werden, stehen in Bangladesh nun einfachen Arbeiterhänden gegenüber, die, nachdem die Schiffe bei Ebbe gestrandet werden, weiter mit
    menschlicher Kraft näher an Land gezogen werden. Neben Einblicken in das erste Ausschlachten der Innenausstattung, die gezielt weiterverkauft wird, erzählen die acht Begegnungen, die Witold Szablowski am Ende des Bildbandes dokumentiert hat, erkenntnisreich wie ein Schiff effizient abgewrackt, aber auch von den Emotionen eines russischen Kapitäns, der es schwer verkraftete, sein Schiff stranden zu lassen oder von dem Schweizer Arzt Dietrich, der erste Anlaufstelle für die verunfallten Arbeiter ist oder auch von Abdullah dessen größtes Glück darin besteht, mit seinem Vater zusammenzuarbeiten, um Schulden abzutragen.


    Mit "Keiko" haben Tomasz Gudzowaty und Witold Szablowski einen beeindruckenden, manchmal hoffnungslosen un manchmal zuversichtlichen Bildband vorgelegt, dessen Stärken sich nicht auf auf eine sozialkritische Dokumentation der Schiffsabwracker in Bangladesh beschränken, sondern darüber hinaus auf außergewöhnliche Weise die Größe der menschlichen Existenz einer Macht von Technik gegenüberstellen, die Menschen geschaffen wurde. Abgerundet wird dieser starke Bildband durch acht Porträts, die diesem selbsterklärenden Buch eine zusätzliche Note verleihen.


    Edit: Korrektur des Namens des Fotografes.

  • Danke für diese schöne Buchvorstellung!


    Zuerst dachte ich ja, es ginge um diesen blöden Wal. Zum Glück habe ich trotzdem reingeguckt, jetzt hast du mich am Haken :angel Schlimm nur, dass diese Bücher immer so teuer sein müssen. Und warum habe ich mein Bildband-Regal nur so klein geplant :cry


    Vor ein paar Jahren gab es übrigens mal eine hervorragende Doku zum Thema: Eisenfresser

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Die Dokumentationen zum Thema fehlen mir noch. Sofern sich die Chance bietet, werde ich sie mir ansehen.


    Zum Namen Keiko: Dieser weibliche Vorname ist meines Erachtens wunderschön und je nach Schreibweise, die die Eltern bei der Namensvergabe für ihr Kind aussuchen, kann dem Kind eine besondere Bedeutung mit auf den Weg geben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Keiko_%28Vorname%29


    Nach längerem Nachdenken verwundert es mich jetzt, warum ein männlicher Wal einen weiblichen Vornamen - wenn er denn japanisch ist - erhalten hat.

  • Zitat

    Original von Salonlöwin
    Nach längerem Nachdenken verwundert es mich jetzt, warum ein männlicher Wal einen weiblichen Vornamen - wenn er denn japanisch ist - erhalten hat.


    Das wundert mich nun gar nicht. In der westlichen Welt sind Vornamen auf die Endung o, sei es nun Slatko, Marco oder Heiko, nunmal männlich und so wird Keiko halt auch männlich assoziiert. Ich kannte auch mal einen Hund namens Keiko. War natürlich auch ein Rüde.
    Und Elton John ist vielleicht schwul, aber die Mehrzahl seiner Fans hat bei Nikita sicherlich an eine Frau gedacht. Auch wenn Nikita in Russland, wie auch Sascha, eindeutig ein Kerl ist.

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)