Kurzbeschreibung:
"Sieh meinen Sohn Thomas böse an, und er sticht dir ein Auge aus. Stell ihm ein Bein, und er schneidet es dir ab", sagt sein Vater über den jungen Cromwell. 35 Jahre später hat Thomas Cromwell die bescheidenen Verhältnisse des Elternhauses hinter sich gelassen. Sein Aufstieg am Hofe von Henry VIII verläuft parallel mit dem von Anne Boleyn, Henrys zweiter Frau, deretwegen dieser mit Rom gebrochen und eine eigene Kirche gegründet hat. Doch Henrys Verhalten hat England ins Abseits manövriert, und Anne konnte ihm keinen Thronfolger gebären. In Wolf Hall verliebt sich der König in die stille Jane Seymour. Cromwell begreift, was auf dem Spiel steht: das Wohl der gesamten Nation. Im Versuch, die erotischen Fallstricke und das Gespinst der Intrigen zu entwirren, muss er eine "Wahrheit" ans Licht bringen, die Henry befriedigen und seine eigene Karriere sichern wird. Doch weder Minister noch König gehen unbeschadet aus dem blutigen Drama um Annes letzte Tage hervor. Falken ist die kühne Vision einer Tudor-Gesellschaft, deren Schatten bis in unsere Zeit reicht. Und es ist das Werk einer großen Autorin auf der Höhe ihres Könnens.
Über den Autor
Hilary Mantel wurde 1952 in Glossop, England, geboren. Nach dem Jura-Studium in London war sie als Sozialarbeiterin tätig. Sie lebte fünf Jahre lang in Botswana und vier Jahre in Saudi-Arabien. Für den Roman ›Wölfe‹ (DuMont 2010) wurde sie 2009 mit dem Booker-Preis, dem wichtigsten britischen Literaturpreis, ausgezeichnet. Mit ›Falken‹, dem zweiten Band der Tudor-Trilogie, gewann Hilary Mantel 2012 den Booker bereits zum zweiten Mal. Die deutsche Übersetzung erscheint im Frühjahr 2013 im DuMont Buchverlag, wo auch ihr Roman ›Brüder‹ (2012) erschien.
Meine Meinung:
Der historische Roman ist in der Regel nicht mein Interessengebiet, dennoch macht ein Autor, der den Booker-Preis gleich zweimal für sich erlangen konnte neugierig. Also habe ich mich in dieses Buch gestürzt, obwohl ich nicht mal ahnte, was mich erwartete, da ich den Vorgänger bislang nicht kenne.
Dieses Buch ist sperrig, es liest sich nicht leicht weg und es braucht Zeit, selten habe ich für so wenig Text so viele Stunden Lesezeit geopfert, aber es ist durchaus lohnenswert, denn die Autorin schafft nicht nur eine sehr genaue Nacherzählung der Geschehnisse, nein, sie läßt den Leser in die Köpfe der damaligen Akteure vordringen, teilt Gedanken, Geheimnisse und Überlegungen mit und das auf eine ihr ganz eigene Art, an die man sich als Leser auch durchaus zunächst gewöhnen muß.
Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, wenn ich auch für Stammbaum und Personenverzeichnis sehr dankbar war, weil mein Wissen über die Zeit doch ein eher löchriges ist. Dennoch konnte ich den Geschehnissen folgen und wurde trotz des durchaus anstrengenden Stils mit einem sehr interessanten Text belohnt.
Wer hier einen unterhaltsamen leichten Zeitvertreib sucht, der wird das Buch nach wenigen Seiten enttäuscht zur Seite legt, wer aber bereit ist sich auf ein sprachliches und literarisches Abenteuer einzulassen, das den Leser fordert, der wird sich genußvoll zurück lehnen und jedes Wort genießen.
Ein kleines wenig muß ich jedoch auch nörgeln, hier und da kommt Frau Mantel dann doch etwas ausschweifend daher, zieht Situationen zu sehr in die Länge oder spannt den Leser zu sehr auf die Folter.
Dennoch hat mir das Buch, fern ab meines sonstigen Lesegeschmacks sehr gut gefallen.