Frau Bengtsson geht zum Teufel - Caroline L. Jensen

  • Eine Hausfrau auf Abwegen...


    Eigentlich ist Frau Bengtsson eine ganz normale Hausfrau und mit sich und ihrem Leben ganz zufrieden. Das ändert sich, als sie bei einem Unfall in der Badewanne stirbt – und nach 38 Sekunden wieder ins Leben zurückkehrt, da Gott andere Pläne mit ihr hat. Sie wendet sich der Religion zu, hofft auf weitere göttliche Zeichen – und wird enttäuscht. Von da an beschließt sie, kein gottgefälliges Leben mehr zu führen, sondern das genaue Gegenteil...


    Meine Meinung:
    Die Idee zu der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, und auch die Leseprobe hat mich angesprochen. Flüssig zu lesen und mit einigen witzigen Ideen, die mich schmunzeln liessen. Allerdings finde ich es sehr schwierig, eine längere humorvolle Geschichte zu erzählen. Was in einer 30-seitigen Leseprobe noch witzig wirkt, ist in einem Roman von 250 Seiten womöglich nur noch langweilig, im schlimmsten Fall nervt es mich sogar.
    Leider war genau das bei diesem Buch der Fall. Die Geschichte hat mich nicht gefesselt, und ich konnte nicht immer nachvollziehen, warum Frau Bengtsson tut, was sie gerade tut. Grundsätzlich hätte ihr „Projekt“, gegen jedes der 10 Gebote zu verstoßen, Raum für einige Situationskomik geboten. Statt dessen arbeitet Frau Bengtsson aber beharrlich ihre persönliche to-do-Liste ab, was bei mir selten zum Schmunzeln, häufiger dagegen zum Gähnen geführt hat.
    Interessant fand ich dagegen Frau Bengtssons Gedankengänge während sie in der Bibel las – allerdings machte das eher nachdenklich und passte nicht unbedingt zu einer lustigen Geschichte. Ich habe zeitweilig überlegt, ob es vielleicht gar nicht in erster Linie ein witziges Buch sein sollte – dann wäre allerdings die Aufmachung des Buches nicht passend (wobei sie mir an sich gut gefällt).
    Die Figuren bleiben leider auch ziemlich blass, einzig Beggo, dem Postboten, der seine Sprachkenntnisse mit Hilfe von Schlagertexten erwirbt, hat ein bisschen Profil und vor meinem inneren Auge ein Bild bekommen.


    Fazit:
    Dieses Buch ist „nicht Fisch, nicht Fleisch“ - für eine ernsthafte Lektüre zu sehr ins Lächerliche gezogen, aber auch nicht witzig genug, um den Leser wirklich zu fesseln. Die Idee war zwar gut, und es gab einige witzige Ansätze, aber die sind leider nicht ausgeschöpft worden – fast so, als hätte sich die Autorin nicht getraut. Schade eigentlich, da hätte mehr draus werden können. Für die gute Grundidee und die ansprechende Aufmachung des Buches gibt’s vier Punkte.

  • Um Gottes Willen


    Gottes Wille geschehe, so auch im Fall der Frau Bengtsson. Als kinderlose Ehe- und Hausfrau in einer schwedischen Kleinstadt fristet sie ein unspektakuläres, aber zufriedenes Leben bis zu dem Tag, an dem sie durch einen tragischen Unfall in der Badewanne stirbt, Gott sich ihrer erbarmt und sie ins irdische Dasein zurückholt. Von nun an ist nichts mehr, wie es war. Frau Bengtsson sucht nach Gründen ihrer Auferstehung, setzt sich kritisch mit Glaubensfragen auseinander und erhofft sich Antworten von ihrer Theologie studierenden Nachbarin, von der allerdings inzwischen der Teufel Besitz ergriffen hat. Da Gott ihre Bemühungen, den rechten Weg zu finden, zu ignorieren scheint, beschließt Frau Bengtsson, ihn herauszufordern und seine Zehn Gebote zu brechen.


    Der Debütroman „Frau Bengtsson geht zum Teufel“ von Caroline L. Jensen startet frisch, spritzig und außergewöhnlich, mit speziellem Humor, in direkter, einfacher Sprache und mit sehr eigenwilliger Fantasie. Denn es spricht nicht nur das überschaubare, menschliche Personal, das plastisch beschrieben wird, sondern auch Gott, Satan sowie diverse Tiere und Pflanzen erhalten nicht unwichtige Rollen. Für Liebhaber realistischer Literatur eignet sich dieser Roman also nur bedingt.
    Nach einem durchaus verheißungsvollen Beginn hatte nicht nur die Autorin im weitern Verlauf einen Durchhänger. Auch ich empfand die folgenden, seitenlangen Gedankenspiele über Gott und die Bibel, über den Glauben und verschiedene Religionen in Relation zur grausamen Wirklichkeit zunehmend ermüdend und langweilig. Die Handlung stockt, und der Witz bleibt auf der Strecke. Wer sich zudem schon einmal mit dem Alten Testament beschäftigt hat, dem wird hier nichts Neues erzählt.
    Um „Die Zehn Gebote der Frau Bengtsson: Ehebrechen, stehlen, morden ... „ (Zitat), Worte, die wie eine reißerische Schlagzeile auf der Rückseite des Buches stehen, geht es tatsächlich erst im letzten Drittel des Hergangs, und das meiner Meinung nach zu knapp, zu banal und zu vorhersehbar.
    Das Ende passt dann zwar zum bizarren Geschehen, hat mich jedoch nicht überzeugt.


    Obwohl ich mich zur Abwechslung ab und an gerne von abenteuerlichen und ausgefallenen Geschichten unterhalten lasse, besonders wenn noch Spaß und Spott angepriesen werden, konnte mich „Frau Bengtsson geht zum Teufel“ im Ganzen nicht begeistern und blieb weit hinter meinen nach der Leseprobe zunächst positiven Erwartungen zurück.

  • Man sollte sicherlich keine Weltliteratur erwarten, wenn man zu diesem Buch greift. Was man aber sehr wohl erwarten kann und darf, ist gute Unterhaltung mit einer gehörigen Portion bitterbösem Witz und Hintersinn.


    Ein wenig bekannt kam mir das alles ja vor. Eine Hausfrau wird, nach ihrem scheinbaren Ableben in der Badewanne, von Gott ins Leben zurückgeschickt. Aus lauter Zweifel fängt sie nun an, "seine" Existenz zu hinterfragen - und beginnt nun absichtlich, kräftig zu "sündigen", um ihn auf die Probe zu stellen. Dabei wird sie unterstützt vom Teufel höchstpersönlich, der in den Körper ihrer Nachbarin gefahren ist...


    Der ganze Stil, und der rabenschwarze Humor, lassen doch bisweilen sehr an die besten Zeiten von Arto Paasilinna denken. Der hatte ja bereits mehrfach derlei Themen behandelt, u. a. im unvergleichlichen "Wunderbaren Massenselbstmord". Doch ich finde, man sollte die Autorin nicht darauf reduzieren. Was den besonderen Reiz der "Frau Bengtsson" ausmacht, sind etliche liebevolle, kleine Details.


    Zuerst einmal: aus der theologischen Perspektive finde ich die behandelten Fragen durchaus reizvoll! Man muss kein Christ sein, um den Witz zu verstehen. Aber es werden durchaus hintersinnig Fragen gestellt, die nicht ohne Berechtigung sind. Die Gespräche zwischen Frau Bengtsson und ihrer Nachbarin (also dem Teufel) sind prallvoll von witzigen Momenten. Was ist Willensfreiheit? Warum hat Gott es nötig, Regeln aufzustellen? Was ist das überhaupt, "Sünde"? Besonders pikant finde ich auch die Tatsache, dass diese Nachbarin Theologiestudentin ist...


    Ferner hat die Autorin ein wirkliches Händchen für Nebenfiguren, ja, für Charakterisierungen überhaupt. Der leicht senile Nachbar Rubin ist einfach nur köstlich! Ebenso der ein wenig tumbe Briefträger Beggo, der aus Tunesien stammt. Und nicht zuletzt: Herr (!) Bengtsson. Ihn fand ich fast interessanter als die Heldin selbst. Ich habe sehr geschmunzelt, wie hier gekonnt eine durchschnittliche Vorstadt-Ehe aufs Korn genommen wurde! Vieles ist festgefahren, aber irgendwie liebt man sich ja doch. Was habe ich gelacht, wenn Herr Bengtsson sich mal wieder durch eine der Tiraden seiner Frau hindurch lavierte...


    Drittens hat die ganze Erzählung eine Meta-Ebene, die man beim Überfliegen leicht überlesen könnte. Im Grunde geht es nämlich gar nicht um Frau Bengtsson, sondern um ein Duell zwischen Gut und Böse, zwischen dem Allmächtigen und dem Leibhaftigen. Frau Bengtsson spielt dabei nur die Rolle einer Schachfigur, wobei die eigentlichen "Spieler" eine Etage höher sitzen. Das Ganze geht vielleicht ein wenig vorhersehbar aus, dennoch nicht ohne Überraschungseffekt. Zugunsten von wem? Das werde ich natürlich nicht verraten!


    Insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Wie gesagt, sollte man es nicht allzu sehr auf den Prüfstand von Realismus oder Wahrscheinlichkeit etc. stellen. Man sollte an die Lektüre mit einer offenen, humorvollen Einstellung gehen. Dann wird man aufs Beste unterhalten.

  • Als ich anfing zu lesen war ich wirklich hellauf begeistert und hab ständig grinsen müssen, einfach schon weil es so anschaulich geschrieben steht und man sich Frau Bengtsson gut vorstellen konnte. Und da ich theologisch interessiert und gläubig bin finde ich Bücher rund ums Thema Religion und Glaube sehr interessant.


    Leider hat sich die Begeisterung dann aber gelegt und bei Seite 150 oder so hab ich abgebrochen. Dauerhaft ist mir die Sprache oder der Stil dann doch zu anstrengend und ich überfliege das mehr als dass ich lese. Zwar mögen die theologischen Ansätze ganz interessant sein, aber halt auch sehr viel Interpretation und die war mir etwas zu oberflächlich. Und da es meiner Meinung nach keine ernsthafte Diskussion gab /geben kann ist diese Gemotze auf Gott auf Dauer dann nur noch nervig.

    :schaf


    Die Wahrheit ist die grösste aller Tragödien (Anonymus)


    Abwesend vom 20.08.-27.09.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Cathrine ()

  • Auf dieses Buch bin ich durch vorablesen aufmerksam geworden, einfach nur spitze. Anbei meine Bewertung dazu.


    Titel: Wenn der Postbote zweimal klingelt...


    Frau Bengtsson ist die wohl zufriedenste Hausfrau, die es gibt. Mit ihrem Mann ist sie seit 19 Jahren glücklich verheiratet und ihre Liebe ist immer noch frisch. Doch dann gibt es da diesen ganz normalen Dienstag, an dem Frau Bengtsson in der Badewanne stirbt. Doch ihr Tod ist Gott zu banal, das kann es für sie noch nicht gewesen sein und so haucht er ihr ein zweites Leben ein. 38 Sekunden war sie tot, für jedes Lebensjahr eine Sekunde. Von nun an hat Frau Bengtsson das Gefühl an Gott glauben zu müssen, doch er zeigt sich ihr nicht noch einmal, was sie dazu bringt mithilfe ihrer Nachbarin Rakel (in deren Körper sich Satan eingeschlichen hat) gegen Gott vorzugehen, indem sie versucht alle 10 Gebote zu brechen. Bei diesem Versuch entspinnen sich die schönsten Situationen, denn stehlen ist vielleicht noch einfach, aber wen soll sie bloß um die Ecke bringen?


    Die Autorin hat eine so lockere und dennoch fesselnde Art zu schreiben, dass es dem Leser kaum gelingt das Buch aus der Hand zu legen. Viele geschilderte Ereignisse laden zum Schmunzeln und Lachen ein. Für mich war besonders das Ende ein Knaller.


    Bei diesem Roman handelt es sich um kurzweilige Unterhaltung, die auf interessante Weise den Glauben an Gott behandelt. Nach diesem Buch würde ich von der Autorin jederzeit mehr lesen wollen.


    Fazit: Äußerst amüsant, dieses Buch sollte man gelesen haben. Sehr empfehlenswert!


    Bewertung: 10/ 10 Eulenpunkte