Philip Parker: Legendäre Handelsrouten. Von Karawanen und Piraten.
National Geographic 2012. 320 Seiten
ISBN-13: 978-3866903067. 49,95€
Verlagstext
Seit Jahrhunderten bestimmt der Handel über Land und See unseren Wohlstand und unsere kulturelle Entwicklung. Dieses illustrierte Sachbuch erzählt von den wichtigsten Handels-Netzwerken von der Antike über das Mittelalter bis in die Moderne. Berühmte Handelsrouten wie die Seidenstraße, die Via Maris und Passagen in die Neue Welt werden beschrieben, die Geschichten von Entdeckern und Kaufleuten wie Marco Polo, die in die entfernten Winkel der Welt aufbrachen, unterhaltsam geschildert. Mithilfe von altem Kartenmaterial, historischen Abbildungen und einer Fülle von Illustrationen aus führenden Museen und Archiven beleuchtet der großformatige Band die Bedeutung des Handels mit Kaffee, Baumwolle oder Gewürzen in all seinen Facetten.
Inhalt
Gegliedert ist das 2,5kg schwere Informationspaket in die Epochen Altertum, Antike, Mittelalter, Entdecker, Kolonialismus und Moderne. Wie Handel, technischer und wissenschaftlicher Fortschritt, Gesellschaft und Politik einander beeinflussen, hat National Geographic für den historisch interessierten Laien mit üppigem Bildmaterial und kurz gefassten Textabschnitten zusammengetragen. Der Herausgeber Philip Parker, der selbst auf die Spätantike und das frühe Mittelalter spezialisert ist, versammelt als Autoren dieses prächtig illustrierten Buchs ein Team aus neunzehn namhaften Wissenschaftlern britischer Universitäten aus den Bereichen Wirtschafts- und Marinegeschichte und Archäologie.
Das Thema Handel breitet sich wie ein fein gesponnenes Netz aus, sobald man sich einmal in Gedanken auf Reise begeben hat. Wer Waren transportieren, kaufen oder verkaufen wollte, brauchte schon im Altertum Transportgefäße, Tragetiere, Boote, Schreiber und Übersetzer, eine Währung, Land- und Seekarten, Lagerhäuser oder Handelsposten um unterwegs zu rasten. Der Wunsch nach staatlichem Schutz und Risikostreuung durch Anlegerkapital entsteht mit dem Anwachsen des Handelsvolumens ebenso wie die Begehrlicheit von Staaten nach Zöllen oder staatlichen Monopolen. In kleinen Mengen kostbare Artikel wie Edelmetalle, Gewürze, Elfenbein, Perlen, Muscheln, Edelsteine, Salz oder seltene Farbstoffe boten sich frühen Händlern an. Häufig veranlasste die Suche nach knappen Gütern (Holz, Metalle, Getreide) für eine wachsende Bevölkerung die Menschen, Schiffe und Karawanen in ferne Länder zu entsenden. Arbeitskräfte, Pferde, sogar Elefanten gehörten schon früh zu den begehrten Handelswaren. Das Wissen über frühe Händler stammt aus archäologischen Funden, die die Verbreitung von Alltagsgegenständen dokumentieren, von Felsmalereien, Gemälden, Landkarten und Urkunden. Zugleich mit den Waren verbreiteten sich auf Handelsrouten landwirtschaftliche Methoden, Tier- und Pflanzenarten, Ideen, Wissen, Religionen, aber auch Krankheiten und Seuchen. Schon im Altertum war der Handel finanzielle Grundlage privaten und öffentlichen Lebens.
In weiteren Kapiteln lässt sich der Einfluss des Handels auf die Entdeckung von Seerouten, auf den Schiffbau, den Ausbau von Häfen und Kanälen wie den Suez- und den Panama-Kanal und den Bau der amerikanischen Eisenbahn verfolgen. Schon im 1. Jahrhundert nach Christus verfasste ein griechischer Kaufmann mit dem Handbuch seiner Erfahrungen im Handel mit Indien den Vorgänger des modernen Reiseführers. Handelsmessen, der Zwischenhandel, Vertreter, bargeldloser Zahlungsverkehr, Genossenschaften wie die Hanse sind ebenso Thema des großformatigen Buches wie die Bedeutung der persischen Sprache als gemeinsame Sprache des Handels im Mitelmerraum und entlang der Seidenstraße. Das Netz des historischen Wissens wird ergänzt durch den Einfluss, den Seuchen oder die Skorbut an Bord der Handelsschiffe auf historische Entwicklungen hatten. So entsteht am Ende durch das Bild konkreter Wege, die Nutzpflanzen wie Maniok (aus der Karibik nach Westafrika) oder Kaffee (von Nordostafrika nach Kolumbien) genommen haben, eine plastische Vorstellung weltumspannender Ökosysteme. Mit Containerschiffen, Kreuzfahrtschiffen und der Gefahr durch Piraterie in Küstengewässern politisch instabiler Staaten werden Entwicklungen der Moderne abgedeckt.
Für Leser historischer Romane eine tolle Ergänzung. Mich haben bei der Lektüre klangvolle Namen wie Sansibar, das Wettrennen der Teeklipper und die Entstehung des See- und Völkerrechts unter dem Einfluss von Hugo Grotius im 16. Jahrhundert am stärksten beeindruckt.
9 von 10 Punkten