Verlag: Deuticke
Gebundene Ausgabe
128 Seiten
Mit einem Nachwort von Armin Ayren
Kurzbeschreibung:
Rosina ist jung, sie kommt vom Land, immer schon hat sie vom aufregenden Leben in der Stadt geträumt. Tatsächlich schafft sie es, in kurzer Zeit zur rechten Hand von Herrn Fellner zu werden, dem Chef der kleinen Firma, bei der sie arbeitet, und auch außerhalb der Arbeitszeit greift Fellner gern auf ihre Dienste zurück. Doch nach einem Unfall wird der jungen Frau die schreckliche Enge ihres Daseins bewusst. In "Rosina", erstmals 1978 erschienen, setzt sich der Büchner-Preisträger Walter Kappacher mit der Anpassung des Menschen an scheinbar vorgezeichnete Lebensmuster auseinander.
Über den Autor:
Walter Kappacher wurde 1938 in Salzburg geboren. Der österreichische Schriftsteller erhielt 2004 den vom Verleger Hubert Burda gestifteten Hermann-Lenz-Preis für seine präzise Erzählweise. 2009 wurde Walter Kappacher mit dem Georg-Büchner-Preis für sein erzählerisches Lebenswerk ausgezeichnet.
Mein Eindruck:
Rosina ist ein Buch, das Walter Kappacher 1978 schrieb und dann für die vorliegende Fassung von 2010 überarbeitete.
Meiner Einschätzung nach merkt man dem Text sein Alter aber noch an. Er ist von der Zeit der sechziger und siebziger Jahre geprägt. Die Protagonistin nutzt zum Beispiel eine laute Schreibmaschine, liest Frauenzeitschriften wie Quick und Revue und die sittliche Entrüstung auf Männerbesuche in der Wohnung ist tatsächlich noch verbreitet.
Schauplatz ist Salzburg. Hierher kommt die junge Rosina, um in einer Autofirma die Stelle zur Sekretärin anzutreten. Schon bald steigt sie auf, zieht mit einer Freundin zusammen und fängt ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Chef an. Doch nach einigen Jahren beginnt der unaufhaltsame Niedergang mit Anpassungsproblemen, Isolation, Alkohol und Einsamkeit.
Das erfährt man alles aus Rückblicken, die selbstreflektiv aus den Gedanken von Rosina gezeigt werden.
Als “Eine völlig unangestrengte, unspektakuläre Prosa” bezeichnet Armin Ayren im informativen Nachwort Kappachers Stil. Dem würde ich zustimmen, vielleicht sogar etwas ZU unspektakulär.
Während mich anfangs die vielen miniaturhaften Abschnitte, aus denen sich der Text zusammensetzt begeisterten, war ich später auch etwas gelangweilt.
Die Arbeitswelt dieser Zeit, die beschreiben wird, hat nicht mehr soviel mit der heutigen zu tun, obwohl manche Strukturen durchaus noch unverändert sind. Doch dass die ganzen Mitarbeiterinnen den Chef so anschmachten, ist heutzutage hoffentlich passé.
Trotzdem halte ich die Erzählung noch für lesenswert.
Noch erwähnenswert ist, dass die Erzählung auf eine 8seitige Kurzgeschichte von Walter Kappacher basiert. Die Urfassung (als “Kommen und gehen” betitelt) ist am Ende des Buches erfreulicherweise abgedruckt und bietet einen Einblick in die Entstehung.