Margaret Elphinstone, die 1948 in Kent geboren wurde, studierte an der Universität von Durham. Sie lebt heute in Glasgow und ist Professorin für Englische Literatur und Kreatives Schreiben und lehrt seit 2003 an der dortigen Universität von Strathclyde. Davor unternahm sie ausgedehnte Studienreisen und lebte und arbeitete in unterschiedlichen Bereichen in Island, Grönland, Labrador und den Vereinigten Staaten sowie auf den Shetlandinseln. Die Mutter von zwei Kindern veröffentlichte bislang mehrere Romane und Kurzgeschichten. Teilweise entstanden die Ideen dazu während ihrer Arbeit, etwa bei archäologischen Aufgrabungen oder einer Gärtnertätigkeit. Von 1990 bis ins Jahr 2001 erhielt sie mehrfach verschiedene Preise vom Scottish Arts Council (Writer’s Bursary, Travel Award, Spring Book Award).
Doch zum Buch. Darin geht es um Aila, die mit ihrer Familie zwischen dem Großmutterberg und dem die Welt umgebenden Meer lebt. Ihre Familie gerät in große Not, als ihr Bruder eines Tages spurlos während der Jagd verschwindet. Der Kampf ums tägliche Überleben wird plötzlich härter als er angesichts der damaligen Zeit ohnehin bereits ist. Zumal nach dem Bruder auch die Mutter ihre übliche Arbeitskraft und den Rückhalt nicht mehr einbringen kann, weil sie sich auf die Suche nach ihrem Sohn macht. Der Zusammehalt der übrigen Familie, der sich daraus ergibt, schweißt noch Generationen später die Mitglieder des Alk-Clans zusammen. Laut Verlagsseite steht mir ein außergewöhnlicher und fesselnder Roman bevor, der in der Steinzeit spielt und zugleich als Parabel auf den Zustand unseres Planeten 8000 Jahre später gelesen werden kann.
8.000 Jahre. Damit wird Elphinstones Leserschaft von ihr in das frühe Mesolithikum – also die frühe Mittelsteinzeit – befördert. Eine Zeit also, die aufgrund der nacheiszeitlichen Wiederbewaldung zu einer gravierenden Veränderung der bisherigen Lebensweisen führte, egal ob es die Jagd, den Fischfang oder die Herstellung diverser Gerätschaften betraf. Eine Zeit also, die sich die meisten von uns nicht mal eben einfach so vorstellen können. Schon allein deshalb, weil es in Schottland, wie die Autorin selbst abschließend anführt, nur wenige archäologische Funde oder Überlieferungen davon gibt. Und man wird in eine Geschichte befördert, deren Idee nicht ganz neu ist.
Ein solcher Zeitsprung stellt für Autoren meist eine Stolperfalle dar. Man kann natürlich aus dem Vollen schöpfen und der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Doch wie schafft man es, den Alltag der Romanfiguren darzustellen? Lebendig darzustellen, genau wie die Welt um sie herum? Mit Worten ganz klar. Und welchen Sprachstil wählt man? Den, den man den damaligen Menschen unterstellt, oder doch den, den die Leserschaft leichter und angenehmer empfindet, weil er unserer heutigen Sprachvorstellung entspricht? Wie immer der Autor sich auch entscheiden mag, irgendwo wird er garantiert damit anecken.
Wer flüchtig liest, wird auch prompt wenig Freude an dem Buch haben. Elphinstone wählt zum einen einen relativ modernen Stil und lässt ihre Leserschaft zum anderen aus verschiedenen Perspektiven am Geschehen teilhaben, indem sie unterschiedliche Personen zu Wort kommen lässt. Sprichwörtlich, denn das Buch besteht aus Lagerfeuererzählungen, die sich über mehrere Abende verteilen. Dadurch gelingt es ihr, die Natur mit all ihren Gegebenheiten bildhaft vorzuführen. Bei ihren Figuren wird dies jedoch schon zum Problem. Durch die von der Autorin bevorzugten kurzen Sätze wirkt nicht nur der Schreibstil etwas stockend, sondern auch die Handlungs- und Lebensweise ihrer Figuren nahezu fatalistisch.
Dies mag bewusst so gewählt sein, um zu verdeutlichen, dass diese Punkte dem damaligen Überlebensinstinkt geschuldet sind. Doch dieser Stil lässt – sofern man sich nicht darauf einlässt - keinen rechten Lesefluss aufkommen und verlängert diverse Passagen bis hin zur Langatmigkeit. Abgesehen davon sprechen ihre Erzähler dabei zwar relativ modern. Gleichzeitig bedienen sie sich aber auch eher bildhafter Umschreibungen, für die ein Glossar mit Erklärungen hilfreich gewesen wäre. Größtenteils erklären sich bestimmte Handlungen oder Begriffe von selbst im Lauf der Geschichte. Durch das Fehlen eines Glossars, ist der Leser jedoch auch genau darauf zwingend angewiesen, um das ganze lesefreundlicher zu machen.
Fazit:
Lohnt es sich deshalb, Die Nacht der Jägerinnen nicht zu lesen? Nein, denn das Buch spricht sicher nicht nur Leser(innen) von Auel an. Die Idee Geschichte an sich mag nicht neu sein, nichtsdestotrotz ist sie ausgereift. Elphinstone verknüpft die einzelnen Perspektiven und lässt keinen Handlungsfaden offen. Als Leser taucht man – sobald man sich an den Schreibstil gewöhnt hat – in gewisser Weise selbst am Lagerfeuer auf. Man findet sich nicht in der Geschichte wieder, aber man möchte wissen, wie es weitergeht, selbst wenn man sich mit jedem Erzähler an eine andere Sichtweise gewöhnen muss. Um zu erfahren, wie der Clan mit Bakars Verschwinden, der dadurch ausgelösten Veränderung von Alaias Mutter und der Tatsache umgeht, dass das Leben weitergeht und weitergehen muss. Wie er immense und zum Teil Angst machende Veränderungen meistert, welche Stärken mit was für Schwächen kompensiert werden müssen. Mit Geschehnissen also, die es bis heute gibt, und die die Inhaltsangabe mit Hinweis auf die Parabel andeutet.
Insgesamt betrachtet ist Die Nacht der Jägerinnen jedoch trotz der an sich ausgereiften und zu Ende gedachten Geschichte nicht wirklich rund. Der Roman war kein wirklich absoluter Lesegenuss für mich, bot aber dennoch Unterhaltung. Deshalb gibt es dafür von mir drei von fünf Punkten.
Copyright © 2012 Antje Jürgens (AJ)