312 Seiten, gebunden
Kurzbeschreibung:
Ein Roman voll Groteske und Lebensweisheit
Unter dem blühenden Lindenbaum eines patagonischen Landguts, der die Kulisse von Clementines neunzigstem Geburtstag bildet, treffen zur Jahrtausendwende zwölf Personen aus drei Generationen aufeinander – Sommergäste, von denen jeder seinen Teil der gemeinsamen Geschichte der Auswanderung und Emigration aus einem aus den Fugen geratenen Europa mit sich trägt: die Wiener Jubilarin, ihr Sohn Martin, die Enkel Katha und Gabriel und all die anderen. Sie finden sich nicht bloß mit ungelösten Familienproblemen, sondern auch mit den Geistern der jüngsten Vergangenheit konfrontiert. Das schicksalhafte Gartenfest steigert sich zu einer tragikomischen Klimax, deren Ende unausweichlich eintrifft, unerwartet und wie nebenher.
Unverblümt und schwarzhumorig entführt der Austroargentinier Germán Kratochwil in eine gleichermaßen exotische wie allzu vertraute Welt, er bohrt tief in die Vergangenheit und in die Seelen seiner Protagonisten. Eingebettet in die kulinarische und landschaftliche Üppigkeit des scheinbar so bukolischen Andentals entsteht so ein großer europäischer Roman.
Über den Autor:
Germán Kratochwil, geboren in Korneuburg und ausgewandert als Kind, lebt in Patagonien und Buenos Aires. In Hamburg 1973 zum Sozialwissenschaftler promoviert, war er für internationale Organisationen in Genf, Buenos Aires, Lima, Asunción, Santiago, Caracas und Montevideo tätig und veröffentlichte Fachliteratur. »Scherbengericht« ist sein erster Roman.
Mein Eindruck:
Scherbengericht ist ein beim Wiener Picus-Verlag erschienener Familienroman in Patagonien, wo eine Familie aufgrund des 90jährigen Geburtstags Clementines zusammen kommt. Die Handlung ist im Jahr 1999 angelegt.
Es gibt viele Figuren, aber als Leser behält man leicht den Überblick, da in jedem Kapitel in der Überschrift kenntlich gemacht wird, um wen es gerade geht.
Da ist Martin Holberg, Sohn Clementines, der gerade seine erwachsene Tochter Katha aus der Psychiatrie abholt. Sein Sohn Gabriel ist in einer Sekte und nicht gut auf seinen Vater zu sprechen. Dennoch kommt er mit seinem Paragleiter zum Familienfest.
Die aus Wien stammende Clementine hat auch nach all den Jahren nicht ihre Sympathien für die Nazis abgelegt. Dennoch ist sie eng befreuindet mit dem jüdischen Psychotherapeut Elias Königsberg.
Wichtig für den Roman sind auch noch der Bauer Treugott Lagler und seine Frau, die für das Fest kocht.
Das sind alles eigenwillige, teilweise sogar exzentrische Figuren, die der Autor entsprechend ausgestaltet.
Germán Kratochwil hat außerdem noch so einige skurrile Einfälle.
Mir hat das dicht erzählte Buch gut gefallen. In der Mitte gibt es Längen, die dadurch entstehen, da aufgrund der Komplexität der Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander einiges vom Autor erklärt werde muss. Zum Glück sind die Dialoge außerordentlich gut gestaltet.
Scherbengericht befindet sich auf der Longlist des deutschen Buchpreis 2012. Für mich ist er aufgrund der wechselnden Erzählperspektive der vielen Figuren eher ein Außenseiter, und vielleicht gerade deswegen für eine mutige Jury interessant.