'Der Geiger' - Seiten 079 - 151

  • Dies Buch wird auf jeden Fall mein Monatshighlight. Ich bin ganz hin und weg. Mit den wechselnden Handlungs- und Zeitsprüngen habe ich auch gar keine Probleme.


    Reger ist mir nicht so geheuer. Warum hängt er sich so in Saschas Sache rein? :gruebel


    Ilja und Galina haben es beide nicht leicht. Sie versuchen aber das Beste aus ihrer Situation zu machen. Das Leben der Beiden in den jeweiligen Lagern konnte ich mir fast bildlich vorstellen und es jagte mir manchmal einen Schauer über den Rücken, bei all den Grausamkeiten.


    Galina muss schon sehr verzweifelt gewesen sein, als sie Meschenow um Geld bittet. Mich wunderte bloss, dass er ihr immer welches schickte.


    Den Brief von Ilja an Galina fand ich sehr ergreifend. Ob sie ihn wohl bekommen hat ?

  • Ich musste schlucken als Sascha den Brief an Galina liest. Die Worte sind so schön gewählt, so etwas habe ich lange nicht mehr gelesen. Dabei hört es sich noch nicht einmal pathetisch an.



    Galina und Lydias Leben zu verfolgen, finde ich spannend. Es gefällt mir mitzuerleben wie Galina sich verändert und Dinge hinnimmt, obwohl ich sie immer schütteln will.

  • Oh, ich habe schon viel weiter gelesen, als dieser Abschnitt vorsieht... Ich bin so fasziniert von dieser Geschichte, das ist mir schon lange nicht mehr mit einem Buch passiert...


    Sowohl das Schicksal Iljas als auch seiner Frau Galina berühren einen wirklich sehr!!! Es ist unglaublich, was sie durchmachen müssen und die Autorin beschreibt es so überzeugend und realistisch, dass man an manchen Stellen schon wirklich schlucken muss....


    Ich bin gespannt, wie es weitergeht, was Sascha herausfinden wird und ob am Ende dann doch wenigstens für ihn eine hoffnungsvolle Zukunft steht...

  • Zitat

    Original von Deichgräfin


    Das befürchte ich auch, irgendwas hat der damit zu tun.


    Dass Meschenow etwas mit der Sache zu tun hat, ist mir auch schon gekommen. Ich kann mir nur noch nicht so ganz vorstellen, dass die Geige wirklich der einzige Grund ist.


    Mittlerweile hat mich auch die Handlung in der Gegenwart eingefangen, so rasant, wie sich das alles entwickelt. Ob Grenko seinen Verfolger noch wird abhängen können?

  • Zitat

    Original von JaneDoe
    Dann würde Meschenows Arm aber weit reichen, wenn er es war, der sich die Geige unter den Nagel gerissen hat.
    Wie Vika an die Papiere gekommen ist, wird sich hoffentlich noch klären.


    Er benimmt sich schon irgendwie verdächtig, doch für ihn spricht, dass er Ilja warnen wollte. Außerdem sprach Meschenow zunächst von einem Missverstöndnis, stand danach plötzlich vor ihrer Tür, rotgeränderte Augen-, konnte ihr nicht in die Augen schauen und wirkte, als habe er Schmerzen, ich tippe eher, dass er auch in den Machtapparat geraten war und unter Druck gesetzt wurde, damit er Galina erzählt, Ilja wäre geflohen.


    Zitat

    Original von JaneDoe
    Ich bin auch schwer begeistert von dem Buch, vor allem vom Schreibstil und der Dichte der Erzählung. Die Autorin benötigt 298 Seiten für ein Buch, bei dem viele andere wahrscheinlich 600 gebraucht hätten.


    Das begeistert mich auch sehr, bei so dünnen Büchern fürchte ich oft, dass, wenn so viel zu erzählen ist, alles irgendie an der Oberfläche bleibt. Doch die Autorin geht mit so weinigen Worten in die Tiefe. Dieses Buch gerade halb gelesen, freue ich mich schon, dass "Wer das Schweigen bricht" hier noch subbt. Vielleicht kriegen wir ja auch dafür eine Leserunde zusammen?


    Den Brief fand ich auch sehr berührend, und weiterhin packt mich das Schicksal von Ilja und Galina mehr als der Gegenwartsstrang, derzeit fehlt mir die Tiefe, wenn es um Sascha geht, noch ein wenig. Ich habe noch nicht das Gefühl, ihn so gut zu kennen, wie Ilja und Galina.



    Zitat

    Original von Lumos
    Den Brief war wirklich herzzerreissend. Besonders anrührend finde ich wie Ilja sich der Veränderung seiner Persönlichkeit bewusst wird und wie sehr er darunter leidet, dass die pragmatischen Überlebensinstinkte seine Mitmenschlichkeit verdrängen. "Aus mir wird immer mehr einer, für den ich nur Verachtung habe". Das scheint für ihn schlimmer als dieser grausame Kampf ums Überleben.


    Diese Zerrissenheit war für mich auch absolut spürbar, in der Not siegen einfach die Überlebensinstinkte. Und genau in der Situation begegnet Ilja einer Menschlichkeit, an die er gar nicht mehr geglaubt hat: Juri schleppt ihn durch, verrät nicht, dass er weniger geschafft hat, und bringt ihm seine Jacke wieder. Trotz allem hält man zusammen, vermutlich nicht ganz eigennützig, spndern einfach, weil man weiß, dass man als Guppe stärker ist als allein.

  • Zitat

    Original von Bookworm
    Dieses Buch gerade halb gelesen, freue ich mich schon, dass "Wer das Schweigen bricht" hier noch subbt. Vielleicht kriegen wir ja auch dafür eine Leserunde zusammen?


    :wave Da hätte ich auch große Lust zu - vielleicht kommen noch mehr zusammen?

  • Zitat

    Original von Bookworm


    Er benimmt sich schon irgendwie verdächtig, doch für ihn spricht, dass er Ilja warnen wollte. Außerdem sprach Meschenow zunächst von einem Missverstöndnis, stand danach plötzlich vor ihrer Tür, rotgeränderte Augen-, konnte ihr nicht in die Augen schauen und wirkte, als habe er Schmerzen, ich tippe eher, dass er auch in den Machtapparat geraten war und unter Druck gesetzt wurde, damit er Galina erzählt, Ilja wäre geflohen.


    Daß er ebenfalls vom Regime "geimpft" wurde, ist auch eher meine Theorie.
    So, wie die Zustände dort waren, ist es nicht unwahrscheinlich, daß auch Meschenow unter starken Druck gesetzt wurde.


    Es ist bei mir noch immer so, daß ich den Part um Sascha am interessantesten finde.
    Obwohl - so trifft es dann auch nicht. Ich denke mal, daß es an den extremen Beschreibungen liegt, daß mir das Schicksal Iljas und Galinas zu nahe geht.
    In den letzten Monaten habe ich sehr viele Bücher über Beschreibungen überlebender Juden gelesen - vor allem über die Zustände in den KZs, unter Fluchtbedingungen, so daß die Schilderungen von Iljas Lagerleben dem teilweise doch schon sehr nahe kommt.


    Vielleicht mache ich mir auch zuviele Gedankgen, daß nun dieser extreme Schrecken seit 1945 beendet sein sollte und dann geht es in Rußland ähnlich weiter
    Das hat so ein wenig etwas resigniertes, an Hoffnungslosigkeit grenzendes.


    Wahrscheinlich sehe ich daher die Zeit mit Sascha als "angenehmer". Zumindest wird in seiner Geschichte ja deutlich, daß Galina und die Kinder es überlebt haben und irgenwie aus diesem Moloch herausgekommen sein müssen.


    Auch die Krimielemente sind eben in Saschas Part stärker. Genau das mag ich ja besonders.
    Was steckt hinter den Morden (denn das es Morde an den Eltern und dem Onkel waren, davon bin ich doch überzeugt)
    Ist es tatsächlich nur die Stradiwary um die es geht?


    Nichtsdestotrotz gefällt mir der Schreibstil, sowohl bei Galina & Ilja, als auch bei Sascha besonders.
    Das Buch entwickelt einen Sog, dem es schwer fällt, sich zu entziehen.

  • Die Abschnitte in denen man mehr über das Schicksal von Ilja und Galina erfährt gehen ganz schön unter die Haut. Unfassbar wie schnell man Vertrauen zerstören kann: ein paar falsche Aussagen, einige Informationen ....


    Zu Beginn hatte ich ein bisschen Probleme mit den wechselnden Handlungssträngen, aber inzwischen habe ich mich gut daran gewöhnt und zudem wechseln sie bisher ja beständig in der etwa selben Reihenfolge hin und her und innerhalb weniger Zeilen weiss man sofort wieder wo man sich gerade aufhält.


    Der Lehrer und Mentor ist mir ja auch nicht ganz geheuer, aber dass er die Geige hat ? Das hätte ich jetzt nicht vermutet. Mal sehen.

  • Zitat

    Original von Johanna
    Vielleicht mache ich mir auch zuviele Gedankgen, daß nun dieser extreme Schrecken seit 1945 beendet sein sollte und dann geht es in Rußland ähnlich weiter
    Das hat so ein wenig etwas resigniertes, an Hoffnungslosigkeit grenzendes.


    Dass es immer wieder Diktatoren gibt, die Regimegegner oder einfach Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, auf diese Weise unterdrücken, finde ich auch sehr deprimierend. :knuddel1

  • Zitat

    Original von Bookworm


    Dass es immer wieder Diktatoren gibt, die Regimegegner oder einfach Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, auf diese Weise unterdrücken, finde ich auch sehr deprimierend. :knuddel1


    Ja, mich macht es auch oft sehr wütend.
    Da haben die Leute das doch selber miterlebt - das Grauen des Holocaust war ja gerade mal 3 Jahre her - und machen dann genauso weiter.
    Das frustrierende ist, daß derartige Maneschen nicht lernfähig sind und meinen, mit Unterdrückung weiterzukommen.

  • Mit Teil 2 bin ich nun auch durch:


    Die Geschichte nimmt nun richtig Fahrt auf, wobei von Anfang an schon ein guter Lesesog herrscht.
    Sascha wird nun nach Kasachstan reisen um mehr herauszufinden und es scheint nun deutlich, dass der Tod seiner Eltern kein Unfall war, genau wie der seines Onkels.
    Dass dieser Mann mit Buch nicht nur so auf der Terrasse saß, habe ich mir schon irgendwie gedacht. War einfach zu offensichtlich. Aber weiß. ;-)
    Den Brief an Galina fand ich sehr berührend und es lässt mich wirklich aus der Haut fahren wie Galina hier angelogen wird. Mir tut Ilja so Leid und ich hoffe wirklich, dass Galina den Brief noch lesen konnte, bevor sie dann starb und nicht, dass er erst nach ihrem Tod von ihrem Sohn durch dessen Nachforschungen entdeckt wird.
    Ich bin nun gespannt wie es weitergeht und lese voll Faszination weiter. Ein wirklich gutes Buch, das berührt.

  • Ich finde es jetzt doch sehr beeindruckend, wie sowohl Ilja im Lager als auch Galina mit den Kindern in der Verbannung den widrigen Umständen trotzen und doch überleben.


    Es werden Emotionen anrührend beschrieben:

    Iljas Erschütterung beim Anblick des einstigen Pianisten, der er dort als menschliches Wrack antrifft und dem er doch nicht helfenkann, wenn er selber überleben will.


    Oder wie Galina ungerechtfertigerweise als Informantin verdächtigt wird.



    Die Beschreibungen Mechthild Boormanns kommen mir sehr realistisch vor. Mich würde es interessieren, welche Quellen sie zur Recherche nutzte, ich könnte mir vorstellen, die autobiographischen Erzählungen von Warlam Schalamov, ein Überlebender von 17 Jahre Gulag, könnnten dabei gewesen sein.

  • Ich finde es beeindruckt, wie liebevoll und nachvollziehbar Mechthild Borrmann die Umgebung und die Gefühle der Menschen beschreibt. Trotz aller Widrigkeiten bleiben Galina und Ilja gute und empathische Menschen.


    Bestürzt bin ich über die Grausamkeiten, die der Staat bzw. seine Handlanger anderen Menschen antut. Ich weiß auch gar nicht, was der Staat daraus für einen Vorteil zieht, bzw. Künstler und Musiker zu verbannen und in Arbeitslager zu stecken.


    Beim Lesen steht für mich gar nicht im Vordergrund, die Geheimnisse aufzudecken und mitzurätseln. Ich genieße einfach nur die Sprache und die Beschreibungen. Schon komisch, dass die Bedingungen im Arbeitslager recht grausam sind, die Sprache aber einen doch irgendwie positiv stimmt. Das Menschliche im Detail steht halt irgendwie noch im Mittelpunkt der Worte, so dass die anderen Widrigkeiten dahinter für mich verblassen.


    Ein tolles Buch und ich beneide euch um das Vergnügen bei "Wer das Schweigen bricht". Auch nur ein recht dünnes Buch, aber mit ebenso viel Inhalt.


    Richtig toll finde ich auch das Bild auf dem Cover beim Geiger.

  • Zitat

    Original von beowulf
    Für mich ist danz klar- der angebliche Freund und echte Lehrer hat sich die Stradivari unter den Nagel gerissen, indem er den Schüler und seine Familie "entsorgt" hat. Das würde jedenfalls so in die damalige Realität passen.


    Das könnte durchaus sein, aber warum warnt er dann Ilja und seine Frau mehrmals davor nach Wien zu reisen. Er hätte sich die Warnungen einfach sparen können.


    Viele Grüße :wave