Die Finkler-Frage - Howard Jacobson

  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    Originaltitel: The Finkler Question
    Übersetzt von Bernhard Robben


    Kurzbeschreibung:
    Julian Tresloves Leben ist ein Scherbenhaufen. Gescheitert als Redakteur der BBC, gescheitert in seinen Beziehungen zu Frauen, gescheitert als Vater seiner zwei Söhne. Eines Abends wird Treslove Opfer eines Überfalls und glaubt zu hören, wie die Angreiferin ihn als Juden beschimpft – und ist auf perverse Art glücklich. Endlich gehört er irgendwo dazu. Was nur werden seine beiden Freunde zu diesem Gesinnungswandel sagen? Beide sind Juden und wären es lieber nicht …


    Von Männerfreundschaft, Liebe, Sex, Tod, und was es bedeutet, jüdisch zu sein – sprachlich raffiniert nimmt Howard Jacobson die Obsessionen unserer Zeit ins Visier und hat mit „Die Finkler-Frage” einen beißend-klugen und dabei hochkomischen Gegenwartsroman geschrieben.


    Über den Autor:
    Howard Jacobson, 1942 in Manchester geboren, hat bisher zwölf Romane und vier Sachbücher vorgelegt. Jacobson zählt zu den renommiertesten Autoren Großbritanniens, er hat schon viele literarische Ehrungen für seine Romane erhalten, und Die Finkler-Frage wurde 2010 mit dem Booker-Preis ausgezeichnet, dem wichtigsten Literaturpreis der englischsprachigen Welt.


    Über den Übersetzer:
    Bernhard Robben, geboren 1955, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Freiburg. Er übersetzt seither aus dem Englischen u. a. Salman Rushdie, Peter Carey, Ian McEwan, Patricia Highsmith, Howard Jacobson und Philip Roth. 2003 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ausgezeichnet. Er lebt in Brunne/Brandenburg.


    Mein Eindruck:
    Da die Finkler-Frage den Booker-Preis gewann, war die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Ich kann vorausschicken, dass ich vom Ergebnis überraschenderweise etwas enttäuscht war. Dabei sind die meisten Kritiken überaus positiv, sogar überschwänglich.


    Die Finkler-Frage ist ein Roman über das jüdische Leben in Großbritannien, über Ehen und Freundschaften und die Frage des anglo-jüdischen Zusammenlebens.


    Der Protagonist Julian Treslove ist kein Jude, aber seine Freunde Sam Finkler und Libor Sevcik schon. Als Treslove nach einem gemeinsamen Abend auf der Straße überfallen und als Jude beschimpft wird, ist das Anlaß für Julian seine Identität in Frage zu stellen.
    Er wird sogar stellvertretender Kurator eines Museums für jüdische Kultur.
    Die Figur des am Finklers finde ich besser gelungen als Julian. Finkler lässt sich gerne auf Diskussionen ein, tritt auch als Redner und im Fernsehen auf. Sein Familienleben ist nicht konfliktfrei. Als zum Beispiel sein Sohn einmal Streit mit Zionisten hat, beschimpft Finkler ihn als Antisemiten. Im Buch gibt es noch mehrere absurde Vorfälle.

    Howard Jacobson hat etwas von einem britischen Woody Allen und ein Hauch von Philip Roth (ein Vergleich den Jakobson ablehnt).
    In seinem Stil äußert sich Komik und Tragik sowie ein englischer Humor.


    Ich hatte Schwierigkeiten mit dem dialoglastigen Stil und der Handlungsarmut. Es gibt zwar auch viele gute Passagen, die durch Ironie und originelle Einfällen geprägt sind, aber auch viel Leerlauf. Es ist möglich, sogar wahrscheinlich, dass ich die Relevanz des Roman nicht genügend würdige, aber so richtig begeistert hat mich der Roman nicht.

  • Ich bewundere Herr Palomar ja, daß er diesen Roman zur Gänze gelesen hat - bei mir war nach knapp 200 Seiten Schluß. Booker-Preis hin oder her, inhaltlich dreht sich das Buch auf der gleichen Stelle, jede Szene wird über Seiten breitgetreten und aus allen möglichen Sichtweisen beleuchtet.
    So sehr ich Bücher über das jüdische Leben mit all seinen Begleiterscheinungen mag, hier war ich doch nur genervt, zumal mir der Humor auch überhaupt nicht zusagte.