'Das Herz der Feuerinsel' - Seiten 191 - 295

  • Zitat

    Original von tweedy39


    Selbst wenn sie es James erzählt hätte, wäre er trotzdem gegangen bzw. hätte ihr niemals einen Heiratsantrag gemacht, denke ich jedenfalls :-)


    :write
    Sobald eine Frau keine Jungfrau mehr ist, mochte sie damals kein Mann mehr haben. Da spielt es wohl auch keine Rolle, dass sie ihre Unschuld nicht freiwillig verloren hat. :-( In manchen Kulturkreisen ist die Jungfräulichkeit vor der Ehe sogar heute noch ein Muss, während der Mann sich schon prächtig amüsieren darf.

  • Zitat

    Original von schnatterinchen
    Hatten die wirklich für jeden, entschuldigung das Wort, "Pups" einen Diener?
    Wahnsinn was das an Geld gekostet hat.


    Ja, hatten sie - da gab es wirklich für jede detaillierte Aufgabe im und am Haus und ums Haus herum jeweils einen Angestellten oder eine Angestellte. Das war ein Muss, dass man so viel Personal hatte, und selbst kleine Kolonialbeamte hatten mehr Hausangestellte als man sich das in Deutschland bei einer vergleichbaren Position hätte vorstellen können - weil die Löhne dementsprechend niedrig waren.


    Zitat

    Original von schnatterinchen
    Ich fand die Erpressung gerade gut, wie hätte sie sich sonst befreien sollen? :gruebel


    Das war auch mein Gedanke dabei. :-)


    Zitat

    Original von schnatterinchen
    Das Herr Hassel sie aber einfach gehen lässt, ob das richtig ist?
    Wobei sie ja nie Kinder bekommen hätte, vielleicht hätte er sie spätestens da verlassen? Aber in der damaligen Zeit verlässt niemand niemanden, richtig?


    Männer ihre Frauen schon. Umgekehrt gab's das doch viel seltener ...
    Und gerade auf Java war das schon leichter als in Europa, besonders leichter als in den Niederlanden.


    Ich finde Floortjes Hoffnung, dass ihr Zukünftiger sie nicht wegschickt, sobald sich nach zwei oder drei Jahren herausstellt, dass die Ehe kinderlos bleibt, weil er sie bis dahin zu sehr liebgewonnen hat, vielleicht ein bisschen naiv, aber nicht völlig abwegig.


    Ich denke trotzdem immer noch, sie hätte warten sollen, bis Edu ihr einen Antrag macht, mit dem wäre sie besser gefahren - aber da kommen halt ihre Gefühle ins Spiel ... :-)



    Zitat

    Original von schnatterinchen
    Jacobina bleibt alsovor allem bei den Kindern das finde ich toll, habe ich sie doch auch sehr ins Herz geschlossen die beiden lütten.


    *freu*


    Zitat

    Original von schnatterinchen
    Noch was ist mir eingefallen ich mochte die Szene am Strand in Sumatra mit Jacobina und dem Major die hatte etwas sehr warmes Gefühlvolles. Schade es wäre doch auch so einfach gewesen Floortje mit zu nehmen nach Sumatra sie kümmert sich um die Kinder und Jacobina heiratet Jan :chen Ende gut alles gut. :knuddel1


    Ja, so ist er eben auch, der Major. Er ist nicht nur ein Raubein; neben all seinen schlechten Seiten hat er auch eine zärtliche, gefühlvolle - und was ich persönlich ihm hoch anrechne: er macht sich keine Illusionen über sich selbst, er weiß, wer und was er ist, im Guten wie im Schlechten, und das ist auch nicht immer selbstverständlich.


    Zitat

    Original von schnatterinchen
    Aber das ist zu einfach, gell Nicole :knuddel1


    Das wäre dann ein sehr dünnes Buch geworden. :zwinker


    Zitat

    Original von Schubi
    Oh je … nun geht es los. Nichts mehr mit heiler Welt.


    Ja, ab diesem Punkt geht's bergab. :-(


    Zitat

    Original von Schubi
    Aber sie hat ja auch immer nach Anerkennung und eine Art Liebe gesucht. Niemand wollte sie, sie war allein und endlich hat ihr mal jemand gesagt, dass er sie liebt. Da hat sie die Demütigung scheinbar für in Kauf genommen. Ich kann ihren Kloß verstehen, als James sie fragt, ob es stimmt. Wie und wo soll sie anfangen, sie war froh die Vergangenheit abgestreift zu haben und auf einmal war alles wieder da. Zu abrupt. Wie hätte sie ihm das alles erklären sollen. Der Rauswurf war hart, er hätte Floortje wenigstens noch etwas Zeit geben lassen sollen, sich zu erklären (eine Nacht, so dass sie am nächsten Tag vor ihrem Verlassen vielleicht noch mal etwas ruhiger reden können). Aber Männer nun mal mit ihrer verletzten Eitelkeit :schlaeger.


    Da charakterisierst Du sowohl Floortje als auch James absolut zutreffend. :anbet


    Zitat

    Original von Schubi
    Auch bei den de Jongs ist alles kein heiterer Sonnenschein. So hätte ich das nicht erwartet, aber – wie eben erwähnt – scheinbar war das die Zeit, in der sich Männer alles rausnehmen durften und entweder man duldete das als Frau oder hat Pech gehabt. Aber nicht nur das uneheliche Kind, auch seine Stimmungsschwankungen und die Spielsucht. Alles heftiger als ich erwartet habe .


    Die koloniale Gesellschaft auf Java war schon eine ziemliche Macho-Gesellschaft. Galant waren sie - aber eben auch so richtige Chauvis.


    Zitat

    Original von Schubi
    Was mich sehr berührt ist jedoch, dass Frau de Jong sich so wenig Zeit für ihre Kinder nimmt und alles auf Jacobinas Schultern abwälzt. Sie hätte doch die Zeit, sich etwas mit den Kindern zu beschäftigen. Und die beiden sind doch wirklich zwei ganz entzückende Prachtexemplare.


    Einerseits ist sie da schon einfach eine Frau ihrer Zeit - andererseits auch wieder nicht. Die Beziehung zwischen den Kindern und ihr ist nicht so ganz einfach, wie wir noch sehen werden ...


    Zitat

    Original von Schubi
    Und als nun auch noch die Spielsucht rauskommt, ist es Jacobina, die zurücksteckt. Für die Kinder, die sie wirklich zu brauchen scheinen (wer kümmert sich sonst so intensiv um sie), gibt sie sogar ihr Liebesglück für eine Weile auf. Ich hoffe ja nur, dass Jan wartet und es nur eine Trennung auf Zeit ist.


    Das freut mich sehr, dass das für Dich da spürbar wird, wie ausgehungert Jeroen und Ida nach Zuneigung, nach Zuwendung und Nähe sind. Da haben die beiden und Jacobina einander wirklich gefunden.


    Zitat

    Original von Schubi
    Mir gefällt dieser parallele Strang zwischen beiden Frauen gut, dass jede auf eine andere Art und Weise zwei scheinbar nette Männer kennengelernt haben, dass beide auf ihre Art und Weise mit ihren Gefühlen kämpfen, was Nicole total schön beschrieben hat, und das beide auf ihre Art und Weise nun diese Verlieren.


    Ich war beim Schreiben erst ein bisschen unglücklich, dass jeweils der erste Kuss zwischen Jan und Jacobina und zwischen James und Floortje am selben Abend stattfindet, ich hätte das gerne ein bisschen auseinander gehabt. Das ging aber durch den Handlungsrahmen und die jeweiligen Entwicklungen nicht anders. Mittlerweile denke ich jedoch: ne, das passt. Das ist so ein Punkt, an dem sich die beiden Stränge überkreuzen, bevor jeder dann für sich weiterläuft - und sie sich dann eben auch trennen.


    Zitat

    Original von Schubi
    Und auch die Erde bebt … alles entwickelt sich anders als sich alle gewünscht haben. Ein absolut faszinierendes und fesselndes Buch. Die Spannung hält an und ich kann es kaum aus der Hand legen.


    *freu* :knuddel1


    Zitat

    Original von chiara


    :write
    Sobald eine Frau keine Jungfrau mehr ist, mochte sie damals kein Mann mehr haben. Da spielt es wohl auch keine Rolle, dass sie ihre Unschuld nicht freiwillig verloren hat. :-( In manchen Kulturkreisen ist die Jungfräulichkeit vor der Ehe sogar heute noch ein Muss, während der Mann sich schon prächtig amüsieren darf.


    Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich in Gedanken auch dieses "was wäre gewesen, wenn ..." durchgespielt habe. :-)
    Keine Jungfrau mehr zu sein - das war natürlich ein ganz schwerwiegendes Hindernis in der gutbürgerlichen und vermögenden Gesellschaft, meistens auch komplett unabhängig von den Umständen, in denen die Jungfräulichkeit verloren wurde.


    Bei James bin ich mir selbst überhaupt nicht sicher, wie er gehandelt hätte.


    Er hätte auf jeden Fall schwer daran zu schlucken gehabt, hätte er vorher von ihr davon erfahren - vielleicht hätte er aber nach einiger Bedenkzeit Floortje trotzdem geheiratet.
    Doch, glaube ich - auch wenn ich es für möglich halte, dass ich ihn da einfach in einem positiveren Licht sehen will. :-)

  • Oh, arme, arme Floortje. :cry Ihr gesamtes Leben bisher ist überschattet von dramatischen Schicksalsschlägen, von denen bereits einer reichen würde, um jemanden aus der Bahn zu werfen. Und sie trifft es immer und immer wieder. Jetzt auch das noch! Aber es ist ja schon allergrößtes Pech, dass sie hier am Ende der Welt auf eine ehemalige Schulkameradin trifft, die sich noch dazu verplappert. Nicole hat hier bereits einmal geschrieben, dass Floortje sich eigentlich sicher sein konnte, dass ihr Geheimnis erstmal nicht rauskommt. Von daher kann ich es komplett nachvollziehen (und finde es auch überhaupt nicht naiv), warum sie James nichts über ihre Vergangenheit gesagt hat - ich hätte es sicher auch nicht getan. Nach der Hochzeitsnacht hätte er sie sicher nicht rausgeworfen (wer gibt schon gerne zu, sich geirrt zu haben) und an die Zeit in einer paar Jahren hat Floortje sicher noch nicht gedacht. Im Nachhinein kann man natürlich immer sagen, wie es besser gewesen wäre.


    Über James wurde ja schon viel diskutiert und ich habe mir eigentlich mind. fünf Zitate von euch rausgesucht - aber ich werde sie euch ersparen. Ja, James hätte mit ihr Reden sollen, aber in dem Moment kann ich verstehen, dass er das einfach nicht kann. Diese Stelle mit Floortje, die mit ihren Erinnerungen kämpft und sich überhaupt nicht wehren kann, fand ich sehr gut geschrieben! :anbet Deine Mühe, Nicole, hat sich da wirklich gelohnt! Wahrscheinlich weiß James nicht mal, dass sie so völlig mittellos ist (woher auch?) und hat deshalb auch keine Skurpel, sie möglichst schnell loszuwerden. Ich hätte eigentlich auch wie Kirsten gehofft:

    Zitat

    das James vielleicht noch zur Vernunft kommt und einsieht, dass Floortjes Jugendsünde verziehen werden soll.

    Allerdings befürchte ich, dass er das nicht tut, dazu ist er zu "korrekt".


    Zitat

    Original von beowulf Er konnte in seiner Zeit Floortje nicht verzeihen, selbst wenn er gewollt hätte.

    Hmmmm :gruebel Um das wirklich einschätzen zu können, habe ich zu wenig Wissen um diese Zeit und warte deshalb lieber auf eine Einschätzung von jemanden, der sich da besser auskennt! Gefühlsmäßig würde ich sagen: Er hätte sehr wohl gekonnt, wenn er gewollt hätte. Schließlich ist er ein Pflanzer irgendwo in der hintersten Pampa und noch dazu in einer Gegend, in der absoluter Frauenmangel herrscht. Nach einiger Zeit des Aufruhrs hätten sich die Wogen sicher wieder geglättet. Gibts historische Beispiele, in denen Männer "verrufene" Frauen heiraten? Aber vielleicht hätte James es nicht gekonnt, was mich auch zu der Frage nach Edu bringt.


    Zitat

    Zitat von Nicole Ich kann mir schon vorstellen, dass es möglicherweise mit Edu ganz anders für Floortje ausgegangen wäre, weil Edu viel weicher und nachgiebiger ist.

    Das denke ich auch! Edu hat Floortje m. M. n. viel mehr angebetet als James (der sie eher abgeschätzt hat) und ihr ihre Vergangenheit deswegen wohl eher nachgesehen.


    Tragisch an dem ganzen ist auch, dass Jakobina an dem Abend nicht da war - dann wäre Floortjes Leben sicher auch anders weitergegangen. Aber ein kluger Schachzug, sie in dem Moment wegzuschicken, noch dazu näher zum Vulkan! Ich habe mich schon gefragt, ob Batavia nicht etwas weit weg vom Vulkan ist, jetzt ist zumindest Jakobina ganz nah dran! Ich warte eh schon gespannt auf die ersten deutlicheren Vorboten des drohenden Ausbruchs!


    Jakobinas Leben verläuft momentan zwar ungeplant, im Gegensatz zu Floortjes Drama aber doch sehr harmlos. Vom Umzug nach Sumatra ist sie zwar betroffen, doch allzuviel ändert sich für sie persönlich nicht. Schließlich war ja auch so geplant, erst in zwei, drei Jahren zu heiraten. Und Jakobina ist niemand, der am Stadtleben hängt. Wie weit ist ihre neue Heimat eigentlich von Batavia entfernt und wie schnell kann man sie dort erreichen?


    Mir gefällt sehr gut, dass alle Personen in dem Buch ihre Licht- und Schattenseiten haben und ihre Handlungen immer begründbar sind. Eine einfache Definition von richtig und falsch ist da viel zu verkürzt. Das gilt für Hauptpersonen genauso wie für Nebenpersonen z. B. Floortjes Tante. Einzig Jakobina sticht da momentan noch sehr weiß heraus, aber ich vermute mittlerweile, auch sie wird bald ein paar graue Flecken abkriegen (bin ich jetzt zu gemein, wenn ich denke, dass sie die auch braucht?).






    Richtig ans Herz ist mir in diesem Abschnitt (neben Floortjes Geschichte) die Sache mit Mulatis Sohn gegangen. Für mich herzzerreißend, mir den kleinen Kerl vorzustellen, der seine Mutter nur aus der Ferne sehen kann. :-(


    Zitat

    Original von hollyhunder Hervorheben möchte ich, dass mir in diesem Abschnitt vor allem die Briefe gefallen haben.


    Die möchte ich auch noch einmal sehr positiv erwähnen! Jan konnte ich damit weitaus besser kennenlernen, als in vielen Seiten "Handlung". Und eine gute Verbindung zwischen zwei Zeitpunkten waren sie ebenfalls!


    Vielen herzlichen Dank für die Aufklärung, an welchem Buch SteffiB gerade schreibt! Auf mich trifft Bouquineurs Aussage nämlich 100% zu: :-]

    Zitat

    Und obendrein macht es andere vielleicht noch neugieriger auf Steffis Buch

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Zitat

    Original von Lese-rina
    Nicole hat hier bereits einmal geschrieben, dass Floortje sich eigentlich sicher sein konnte, dass ihr Geheimnis erstmal nicht rauskommt. Von daher kann ich es komplett nachvollziehen (und finde es auch überhaupt nicht naiv), warum sie James nichts über ihre Vergangenheit gesagt hat - ich hätte es sicher auch nicht getan. Nach der Hochzeitsnacht hätte er sie sicher nicht rausgeworfen (wer gibt schon gerne zu, sich geirrt zu haben) und an die Zeit in einer paar Jahren hat Floortje sicher noch nicht gedacht. Im Nachhinein kann man natürlich immer sagen, wie es besser gewesen wäre.


    Stimmt - erst groß Hochzeit feiern und danach die frisch Angetraute vor die Tür setzen, das hätte auch einen mittleren Skandal bedeutet. :-)


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Diese Stelle mit Floortje, die mit ihren Erinnerungen kämpft und sich überhaupt nicht wehren kann, fand ich sehr gut geschrieben! :anbet Deine Mühe, Nicole, hat sich da wirklich gelohnt!


    Dankeschön, Lese-rina. :knuddel1


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Wahrscheinlich weiß James nicht mal, dass sie so völlig mittellos ist (woher auch?) und hat deshalb auch keine Skurpel, sie möglichst schnell loszuwerden. Ich hätte eigentlich auch wie Kirsten gehofft:

    Allerdings befürchte ich, dass er das nicht tut, dazu ist er zu "korrekt".


    Dieses "korrekt" genau so, in Anführungszeichen, trifft absolut auf James zu, so empfinde ich ihn auch.
    Und ich fürchte tatsächlich, es ist ihm in diesem Moment völlig egal, ob Floortje sich die Rückfahrt nach Batavia überhaupt leisten kann und was danach mit ihr wird. Kein schöner Zug von ihm.


    Zitat

    Original von Lese-rina

    Hmmmm :gruebel Um das wirklich einschätzen zu können, habe ich zu wenig Wissen um diese Zeit und warte deshalb lieber auf eine Einschätzung von jemanden, der sich da besser auskennt! Gefühlsmäßig würde ich sagen: Er hätte sehr wohl gekonnt, wenn er gewollt hätte. Schließlich ist er ein Pflanzer irgendwo in der hintersten Pampa und noch dazu in einer Gegend, in der absoluter Frauenmangel herrscht. Nach einiger Zeit des Aufruhrs hätten sich die Wogen sicher wieder geglättet. Gibts historische Beispiele, in denen Männer "verrufene" Frauen heiraten? Aber vielleicht hätte James es nicht gekonnt, was mich auch zu der Frage nach Edu bringt.


    Es gibt unter Garantie genug historische Beispiele (auf Anhieb fällt mir kein Konkretes ein :schaem , aber ich denk noch mal drüber nach und reiche eventuell eines nach!) - aber ich verorte die in Gesellschaften mit anderer Struktur, z.B. in der englischen Oberschicht, da konnte man sich durchaus prima sowas mal erlauben.


    Das soziale Netz in dieser Pampa auf Java war trotz der räumlichen Distanz sehr, sehr eng geknüpft, da hat man sehr genau geschaut, was die Nachbarn so machen und wie sie es tun. Die Klatschsucht der niederländischen Kolonialgesellschaft war fast schon sprichwörtlich. Unter den gegebenen Umständen hätte James erst mal keinen Fuß mehr auf den Boden gekriegt.


    Eine Parallele gibt's dazu bei den de Jongs: in Batavia hat man um einiges mondäner gelebt als auf dem platten Land, er konnte sich da so einiges leisten - und dann überschreitet er doch eine Grenze und wird deshalb sozusagen aus der Gesellschaft "verbannt".
    (Ich will nicht zu viel verraten, aber so als Hinweis: das ist etwas in diesem Buch, das sehr stark an tatsächlich Begebenheiten angelehnt ist.)




    Zitat

    Original von Lese-rina

    Das denke ich auch! Edu hat Floortje m. M. n. viel mehr angebetet als James (der sie eher abgeschätzt hat) und ihr ihre Vergangenheit deswegen wohl eher nachgesehen.


    Das sehe ich auch so. :knuddel1


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Tragisch an dem ganzen ist auch, dass Jakobina an dem Abend nicht da war - dann wäre Floortjes Leben sicher auch anders weitergegangen. Aber ein kluger Schachzug, sie in dem Moment wegzuschicken, noch dazu näher zum Vulkan!


    :schaem


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Jakobinas Leben verläuft momentan zwar ungeplant, im Gegensatz zu Floortjes Drama aber doch sehr harmlos. Vom Umzug nach Sumatra ist sie zwar betroffen, doch allzuviel ändert sich für sie persönlich nicht. Schließlich war ja auch so geplant, erst in zwei, drei Jahren zu heiraten. Und Jakobina ist niemand, der am Stadtleben hängt. Wie weit ist ihre neue Heimat eigentlich von Batavia entfernt und wie schnell kann man sie dort erreichen?


    Das sind so rund 200 Kilometer, und mit einem der dampfbetriebenen Kähne, die täglich mehrfach im Pendelverkehr beide Inseln ansteuerten, war das in plusminus drei Stunden ganz gut zu schaffen.


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Mir gefällt sehr gut, dass alle Personen in dem Buch ihre Licht- und Schattenseiten haben und ihre Handlungen immer begründbar sind. Eine einfache Definition von richtig und falsch ist da viel zu verkürzt. Das gilt für Hauptpersonen genauso wie für Nebenpersonen z. B. Floortjes Tante. Einzig Jakobina sticht da momentan noch sehr weiß heraus, aber ich vermute mittlerweile, auch sie wird bald ein paar graue Flecken abkriegen (bin ich jetzt zu gemein, wenn ich denke, dass sie die auch braucht?).


    Ich bin sehr gespannt, wie es Dir da mit Jacobinas weiterer Entwicklung geht! :wave


    Zitat

    Original von Lese-rina


    Die möchte ich auch noch einmal sehr positiv erwähnen! Jan konnte ich damit weitaus besser kennenlernen, als in vielen Seiten "Handlung". Und eine gute Verbindung zwischen zwei Zeitpunkten waren sie ebenfalls!


    *freu* :-]

  • Hallo ihr Lieben,


    ich lebe noch, leider hat mich meine Arbeit davon abgehalten so schnell zu Lesen, wie ich es gerne hätte.


    Die Geschichte gefällt mir super gut, aber irgendwie war ja klar, dass die beiden ihren "Traumprinzen" nicht ohne Hindernisse bekommen. Aber Floortjes Geschichte hat mich dann doch geschockt. Wirklich schlimm fand ich in der Szene das James sie nicht einmal zu Wort hat kommen lassen. Er gibt ihr nicht einmal die Möglichkeit ihre Sicht der Dinge darzustellen :schlaeger :nono


    Jacobina muss auch einen Schicksalsschlag verkraften, aus der Hochzeit wird wohl erst mal nichts, die beiden Kinder brauchen sie jetzt dringender, ihr Pflichtbewusstsein ist wirklich vorbildlich.


    So ich werde jetzt die freie Zeit nutzen und direkt weiterlesen, bevor mir wieder was dazwischen kommt. :grin

  • Leider hatte ich diese Woche viel weniger Zeit zum Lesen als erwartet, und nun hänge ich ein wenig hinterher. Mit großem Interesse habe ich mich nun durch eure Kommentare gelesen, aufgrund der Menge spare ich mir hier nun aber die Zitatfunktion, das waren einfach zu viele interessante Beiträge.


    Als erster klärt sich die Herkunft des kleinen Jungen, auf, Frau de Jong reagiert so abweisend auf ihn, es besteht große Ähnlichkeit zu Vincent, und dann stellt sich noch heraus, dass es Melatis und Vincents Sohn ist, kein Wunder, dass das Kind bei Marghareta de Jong so ungern gesehen ist.


    Was eine Ungerechtigkeit, den Männern ist es erlaubt, zu tun und zu lassen, was sie wollen, während es den Frauen das Gebick bricht:


    Floortje wird verstoßen, weil sie nicht mehr unberührt ist, dass James mit Sicherheit auch seine Erfahrungen gesammelt hat, ist da egal. Der Hintergrund interessiert niemanden, Floortje ist einfach als Ehefrau nicht mehr akzeptabel. Hier wurde viel diskutiert, ob es anders gelaufen wäre, hätte Floortje James vorher reinen Wein eingeschenkt: Ich denke nicht, dass er darüber hinwegsehen und Floortje dennoch heiraten können. Floortje wäre einfach früher weggeschickt worden. Aber hätte auch die ganze Gesellschaft davon erfahren? Hätte James ihr Geheimnis gewahrt, wenn sie sich ihm anvertraut hätte, hätte sie dann vielleicht eine Chance gehabt, zumndest Edu für sich zu gewinnen?


    Die Schilderung des Missbrauchs in Rückblicken, wäredn Floortjes Welt zusammenbricht, fand ich überaus gelungen und beklemmend.


    Ich glaube, Floortje blüht nun ein hartes Schicksal, sie kann ja auch ohne Geld nicht weg aus Batavia, und es gibt niemanden, der sie auffangen kann, auch die Kontakte zu den Familien, die bei Einreise mit an Bord waren, werden ihr wohl nicht helfen, denn diese Geschickte wird in der niederländischen Gesellschaft die Runde machen.


    Und auch Jacobina wird nicht dasein, die Strafversetzung der De Jongs nach Sumatra kommt ihrem Glück in die Quere. Für die Kinder ist sie zwischenzeitlich die wichtigste Bezugsperson geworden, sie kann die kleinen nicht im Stich lassen und wird mitgehen. ich fürchte, auch sie wird dort nichts Gutes erwarten, und die Beziehung der De Jongs wird dort mit Sicherheit nicht einfacher.


    Ich bin gespannt, was der nächste Abschnitt mit sich bringt und richte mich auf eine weitere emotionale Achterbahnfahrt ein.

  • Zitat

    Original von Eliza08
    ich lebe noch, leider hat mich meine Arbeit davon abgehalten so schnell zu Lesen, wie ich es gerne hätte.


    Alles mit der Ruhe - der Alltag ist stressig genug, da muss das in der Leserunde nicht auch noch sein! :knuddel1


    Zitat

    Original von Eliza08
    Die Geschichte gefällt mir super gut, aber irgendwie war ja klar, dass die beiden ihren "Traumprinzen" nicht ohne Hindernisse bekommen. Aber Floortjes Geschichte hat mich dann doch geschockt. Wirklich schlimm fand ich in der Szene das James sie nicht einmal zu Wort hat kommen lassen. Er gibt ihr nicht einmal die Möglichkeit ihre Sicht der Dinge darzustellen :schlaeger :nono


    Das hätte er tun müssen - aber ich glaube auch, dass er komplett unterschätzt, wie schwer es für Floortje ist, überhaupt darüber zu sprechen. Das kann er aus seiner Position auch gar nicht wirklich abschätzen.



    Zitat

    Original von Bookworm
    Leider hatte ich diese Woche viel weniger Zeit zum Lesen als erwartet, und nun hänge ich ein wenig hinterher.


    Lass Dir ruhig die Zeit, die du brauchst! :knuddel1


    Zitat

    Original von Bookworm
    Floortje wird verstoßen, weil sie nicht mehr unberührt ist, dass James mit Sicherheit auch seine Erfahrungen gesammelt hat, ist da egal.


    Die hat er gemacht, mit Sicherheit.


    Zitat

    Original von Bookworm
    Der Hintergrund interessiert niemanden, Floortje ist einfach als Ehefrau nicht mehr akzeptabel. Hier wurde viel diskutiert, ob es anders gelaufen wäre, hätte Floortje James vorher reinen Wein eingeschenkt: Ich denke nicht, dass er darüber hinwegsehen und Floortje dennoch heiraten können. Floortje wäre einfach früher weggeschickt worden. Aber hätte auch die ganze Gesellschaft davon erfahren? Hätte James ihr Geheimnis gewahrt, wenn sie sich ihm anvertraut hätte, hätte sie dann vielleicht eine Chance gehabt, zumndest Edu für sich zu gewinnen?


    Sehr gute und berechtigte Fragen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass James es in dem Fall vielleicht schon für seine "Pflicht" gehalten hätte, Edu unter vier Augen darüber zu unterrichten.


    Zitat

    Original von Bookworm
    Die Schilderung des Missbrauchs in Rückblicken, wäredn Floortjes Welt zusammenbricht, fand ich überaus gelungen und beklemmend.


    :knuddel1


    Zitat

    Original von Bookworm
    Ich glaube, Floortje blüht nun ein hartes Schicksal, sie kann ja auch ohne Geld nicht weg aus Batavia, und es gibt niemanden, der sie auffangen kann, auch die Kontakte zu den Familien, die bei Einreise mit an Bord waren, werden ihr wohl nicht helfen, denn diese Geschickte wird in der niederländischen Gesellschaft die Runde machen.


    Zumindest muss sie das fürchten, ja.


    Zitat

    Original von Bookworm
    Für die Kinder ist sie zwischenzeitlich die wichtigste Bezugsperson geworden, sie kann die kleinen nicht im Stich lassen und wird mitgehen. ich fürchte, auch sie wird dort nichts Gutes erwarten, und die Beziehung der De Jongs wird dort mit Sicherheit nicht einfacher.


    Schön, dass es für Dich hier spürbar wird, wie sehr die Kinder an Jacobina hängen. :schuechtern

  • Zitat

    Original von Nicole
    in Batavia hat man um einiges mondäner gelebt als auf dem platten Land, ...


    Also wäre es für Floortje weitaus ratsamer gewesen, sie hätte sich einen Städter geangelt. Zumindest hätte sie dann mehr Chancen gehabt. Da passt auch Bookworms Frage gut dazu, von dieser Seite habe ich das noch gar nicht betrachtet:


    Zitat


    Hätte James ihr Geheimnis gewahrt, wenn sie sich ihm anvertraut hätte, hätte sie dann vielleicht eine Chance gehabt, zumndest Edu für sich zu gewinnen?


    Zitat

    Original von Nicole
    Sehr gute und berechtigte Fragen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass James es in dem Fall vielleicht schon für seine "Pflicht" gehalten hätte, Edu unter vier Augen darüber zu unterrichten.


    Edu vielleicht schon, aber es gab ja auch noch andere Männer, die für Floortje schwärmten. Und vielleicht hätte sie doch noch einer genommen. Aber es ist mühselig, darüber nachzugrübeln. Nicole wird sich schon was dabei gedacht haben, Floortje diesen Weg gehen zu lassen. :-]


    Zitat

    Das sind so rund 200 Kilometer, und mit einem der dampfbetriebenen Kähne, die täglich mehrfach im Pendelverkehr beide Inseln ansteuerten, war das in plusminus drei Stunden ganz gut zu schaffen.


    Danke für die Antwort (mittlerweile bin ich weiter im Buch, da wird das eh auch geklärt), also nicht wirklich soooo weit. Und nachdem regelmäßiger Schiffbetrieb herrscht, ist man doch recht schnell von hier nach da (zumindest nach damaligen Zeitrechungen).


    Zitat

    Ich bin sehr gespannt, wie es Dir da mit Jacobinas weiterer Entwicklung geht! :wave


    Ich bin gespannt, ob du in eine ähnliche Richtung tendierst wie ich!

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Zitat

    Original von Nicole


    Lass Dir ruhig die Zeit, die du brauchst! :knuddel1


    Ab jetzt wird es hoffentlich besser, denn ich habe Urlaub *freu*



    Zitat

    Sehr gute und berechtigte Fragen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass James es in dem Fall vielleicht schon für seine "Pflicht" gehalten hätte, Edu unter vier Augen darüber zu unterrichten.


    Das wae auch meine Tendenz, und so hätte es dann vermutlich genauso die Runde gemacht, vielleicht nicht so schnell und so heftig, aber ich gehe davon aus, dass die Männergesellschaft zusammengehalten und jeden Heiratskandidaten gewarnt hätte...

  • Ich bin auch durch mit dem Abschnitt und bin mittlerweile richtig drin in der Geschichte. Ich war absolut wütend, dass Floortje deshalb einfach weggeschickt wird, immerhin konnte sie sich noch nichtmals mehr dazu äußern und richtig Stellung beziehen. Als Wendung für diese Geschichte hat es aber absolut gepasst, da es ordentlich Spannung reingebracht hat und nicht konstruiert wirkt.


    Jan ist mir persönlich momentan noch zu gut, teilweise fehlen mir da noch Ecken und Kanten, um ihn überhaupt als Charakter vor Augen zu haben. Nicht optisch sondern als Persönlichkeit, ist alles noch sehr rosarot. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich das noch verändert.


    Insgesamt bin ich doch immer wieder irritiert, wie schnell man ,,damals" geheiratet hat und dass Frau doch immer sehr aufs ,,Haben" des Mannes aus war.


    Zitat

    Keine Jungfrau mehr zu sein - das war natürlich ein ganz schwerwiegendes Hindernis in der gutbürgerlichen und vermögenden Gesellschaft, meistens auch komplett unabhängig von den Umständen, in denen die Jungfräulichkeit verloren wurde.


    Zumal hier von einem Missbrauch die Rede ist, das ist das, was mich so wütend gemacht hat. Und, dass Floortje sich nichtmals richtig dazu äußern durfte. Und letztendlich noch für eine Vergewaltigung bestraft wird in der Form, ihren Zukünftigen zu verlieren. Naja, vielleicht klärt sich da ja doch noch etwas, irgendwann in der Geschichte.

  • Zitat

    Original von Lese-rina


    Also wäre es für Floortje weitaus ratsamer gewesen, sie hätte sich einen Städter geangelt. Zumindest hätte sie dann mehr Chancen gehabt.


    Wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, ja. Wobei die Toleranz gegenüber dem Verhalten der Damen auch in Batavia ihre Grenzen hatte ... Und der Frauenmangel war auf dem Land doch noch mal um einiges größer als in der Stadt.



    Zitat

    Original von Lese-rina
    Edu vielleicht schon, aber es gab ja auch noch andere Männer, die für Floortje schwärmten. Und vielleicht hätte sie doch noch einer genommen. Aber es ist mühselig, darüber nachzugrübeln. Nicole wird sich schon was dabei gedacht haben, Floortje diesen Weg gehen zu lassen. :-]


    Ah, ich find diese Gedankenspielchen "was wäre gewesen, wenn ..." trotzdem ganz spannend - ich mach die auch selber, während ich an einem Buch sitze, obwohl ich ja schon lange festgelegt habe, wie's weitergeht.


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Danke für die Antwort (mittlerweile bin ich weiter im Buch, da wird das eh auch geklärt), also nicht wirklich soooo weit. Und nachdem regelmäßiger Schiffbetrieb herrscht, ist man doch recht schnell von hier nach da (zumindest nach damaligen Zeitrechungen).


    Das stimmt, das war keine Weltreise, sondern ganz gut machbar.


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Ich bin gespannt, ob du in eine ähnliche Richtung tendierst wie ich!


    Ich auch! :lache :knuddel1


    Zitat

    Original von Bookworm


    Das wae auch meine Tendenz, und so hätte es dann vermutlich genauso die Runde gemacht, vielleicht nicht so schnell und so heftig, aber ich gehe davon aus, dass die Männergesellschaft zusammengehalten und jeden Heiratskandidaten gewarnt hätte...


    Ist keine sonderlich schöner Gedanke - aber ich fürchte, das wäre tatsächlich so gewesen ...



    Zitat

    Original von Lucy1987
    Jan ist mir persönlich momentan noch zu gut, teilweise fehlen mir da noch Ecken und Kanten, um ihn überhaupt als Charakter vor Augen zu haben. Nicht optisch sondern als Persönlichkeit, ist alles noch sehr rosarot. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich das noch verändert.


    Ich bin gespannt, wie's Dir in der weiteren Handlung mit ihm geht. :-)


    Zitat

    Original von Lucy1987
    Insgesamt bin ich doch immer wieder irritiert, wie schnell man ,,damals" geheiratet hat und dass Frau doch immer sehr aufs ,,Haben" des Mannes aus war.


    Versteh ich gut - dass es damals eigentlich nur die Alternative gab, einen Ernährer zu finden oder bei den Eltern / Geschwistern hängenzubleiben, beschäftigt mich auch immer wieder.


    In England sah's zu der Zeit zum Glück schon etwas besser aus - da gab es schon weiterführende Schulen, Colleges, sogar die ersten Universitätsabschlüsse für Frauen und auch weitaus mehr Möglichkeiten berufstätig zu sein. Aber in den Niederlanden und dementsprechend in Niederländisch-Ostindien sah's da wirklich trüb aus ...


    Zitat

    Original von Lucy1987


    Zumal hier von einem Missbrauch die Rede ist, das ist das, was mich so wütend gemacht hat. Und, dass Floortje sich nichtmals richtig dazu äußern durfte. Und letztendlich noch für eine Vergewaltigung bestraft wird in der Form, ihren Zukünftigen zu verlieren. Naja, vielleicht klärt sich da ja doch noch etwas, irgendwann in der Geschichte.


    Ich glaube, da kann man auch nicht anders drauf reagieren, als unglaublich wütend zu sein, das ist wirklich ganz scheußlich.

  • Zitat

    Original von Nicole
    Ah, ich find diese Gedankenspielchen "was wäre gewesen, wenn ..." trotzdem ganz spannend - ich mach die auch selber, während ich an einem Buch sitze, obwohl ich ja schon lange festgelegt habe, wie's weitergeht.


    Das finde ich interessant. Lenkt das nicht zu sehr von deiner Variante ab? Ich hätte wahrscheinlich Probleme, mich irgendwann für einen Weg festzulegen und diesen dann wirklich durchzuschreiben.


    Jacobina und Jans Verlöbnis kommt mir immer merkwürdiger vor, je länger ich darüber nachdenke (einen Vorteil hat es, wenn man mit dem Lesen nicht weiterkommt - man denkt länger über das Gelesene nach! :grin). Für heutiges Empfinden hat es mit 26 Jahren noch keine Eile mit der Hochzeit, aber damals? Jacobina galt doch bereits als "alte Jungfer", seltsam, dass weder sie noch Jan es mit der Hochzeit eilig haben (und das war, bevor Jacobina nach Sumatra ging). Wie sah es damals eigentlich aus mit dem Alter der Erstgebärenden? Machte sich Jacobina da noch keine Sorgen?

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Zitat

    Original von Lese-rina


    Das finde ich interessant. Lenkt das nicht zu sehr von deiner Variante ab? Ich hätte wahrscheinlich Probleme, mich irgendwann für einen Weg festzulegen und diesen dann wirklich durchzuschreiben.


    Mich lenkt das gar nicht ab. Diesen einen Weg, den ich nachher beim Schreiben gehe, der hat sich lange vorher schon gebahnt und das ist vom Bauchgefühl her auch der "richtige". Ich finde im Gegenteil, ich komme den Personen im Buch etwas näher, wenn ich gedanklich diese Abzweigung nehme und mir vorstelle, wie würde ihr Leben in fünf oder zehn Jahren aussehen, würde es diesen eigentlichen, "richtigen" Weg nicht geben.


    Was ich allerdings sehr selten mache: den Schluß von Anfang an zu planen und ins Exposé zu schreiben. Ich habe zwar immer eine grobe Vorstellung, wie es ausgehen wird - aber sicher bin ich mir da ganz lange Zeit nicht, dafür kann zuviel passieren auf dem Weg dahin. Das Exposé zu diesem Buch hatte nur einen "halben" Schluss - und das Exposé zu dem Jugendbuch, an dem ich gerade schreibe, hat deshalb einen ordentlichen Schluss bekommen, weil da noch ein Clou am Ende drin ist, auf den es mir besonders ankommt.



    Zitat

    Original von Lese-rina
    Jacobina und Jans Verlöbnis kommt mir immer merkwürdiger vor, je länger ich darüber nachdenke (einen Vorteil hat es, wenn man mit dem Lesen nicht weiterkommt - man denkt länger über das Gelesene nach! :grin). Für heutiges Empfinden hat es mit 26 Jahren noch keine Eile mit der Hochzeit, aber damals? Jacobina galt doch bereits als "alte Jungfer", seltsam, dass weder sie noch Jan es mit der Hochzeit eilig haben (und das war, bevor Jacobina nach Sumatra ging). Wie sah es damals eigentlich aus mit dem Alter der Erstgebärenden? Machte sich Jacobina da noch keine Sorgen?


    Grundsätzlich waren längere Verlobungszeiten im 19. Jahrhundert eher die Regel als die Ausnahme, einerseits aus Gründen des Anstands, oftmals auch aus finanziellen Gründen.


    In den Niederlanden hat man damals relativ spät geheiratet - ich hab jetzt die Zahlen nicht mehr genau im Kopf (und hab natürlich das entsprechende Buch schon gaaaanz lange wieder in die Bibliothek zurückgetragen :lache), aber bei Männern war es so Ende zwanzig, Anfang dreißig, bei Frauen - meine ich - überwiegend Anfang bis Mitte zwanzig.


    Aber klar: bei Frauen besser früh als spät, noch dazu, wenn durch Jacobinas Mitgift auch keine finanziellen Hemmnisse im Weg herumliegen. Und dass so kaum jemand auf der Matte steht, die Tochter so schwer "vermittelbar" ist, selbst mit 20, 22 - das ist schon besorgniserregend für die van der Beeks.


    Jan kann Jacobina derzeit auch nicht heiraten, für Frau und Kinder reicht sein Verdienst einfach (noch) nicht. Und darüber hinaus will er ihr einfach die Zeit geben, die sie braucht, damit sie sich sicher sein kann - was ich persönlich einen ganz feinen Zug von ihm finde. :anbet

  • Ich habe gerade ein paar meiner Notizen wiedergefunden :grin


    U.a. hatte ich mir für diesen Abschnitt Seite 240 mit einem Zitat von James notiert.


    Ich fand es wirklich sooo lustig, als er zu Floortje sagt, dass sie 'mit einem ganzen Lattenzaun winkt' wenn es an den richtigen Geschäften vorbei ginge :rofl :rofl :rofl


    Das musste ich doch auch unbedingt noch posten ;-)

    Anna Karenina (LR), Der blinde Mörder (LR), Alias Grace (LR), Die Bücherdiebin (LR), Das Rosenholzzimmer (LR), Töchter des Nordlichts

  • Ja, ich hatte mir vorgestellt, wie es wohl für Floortje sein muss, wenn ausgerechnet der tolle James so gar keine Neigung zeigt, sie mit Geschenken zu überschütten und wie sie drauf dann reagiert - und da war ich mir sicher, dass sie das nicht sonderlich subtil machen würde. :lache

  • Die Briefe von Jan und Jacobina sind für mich eines der Highlights des Buches. Besonders der von Jan vom 27.11.1882 (Seite 191 ff.) hat es mir angetan. Da klingt viel an, was etwa 60 Jahre später ein großer (in meinen Augen einer der größten) Theologe noch konsequenter, noch radikaler durchdacht hat.


    Die Szene Jacobinas mit dem Kind (Jagat), das, wie mich nicht sonderlich überrascht, des Majors ist, bei der dann Frau de Jong hinzukommt, war fast ein wenig bezeichnend, für Jacobina auf jeden Fall, hoffentlich nicht für das Buch insgesamt: Zunächst geschieht etwas wunderschönes, dann fallen Schatten auf die Szenerie. Ihre Arbeitgeberin jedenfalls: Einerseits tut sie mir leid, andererseits wird ihr Verhalten wohl – auch – aus der Enttäuschung über ihren Mann resultieren, denn dass sie nichts von dessen Untreue weiß, halte ich für ausgeschlossen. Das Verhalten des Majors gibt mir zu denken: Wie er seine Frau manchmal anfährt, irgendwo stand auch etwas von „Augen verdrehen“, Untreue sowieso (auch wenn man diesbezüglich wohl Abstriche machen muss, wer in den Kolonien keine einheimische „Gespielin“ - freiwillige oder unfreiwillige – hatte, war wohl mehr als eine Ausnahme. Die Erklärung Jans dazu auf Seite 229 erscheint zwar plausibel, ignoriert aber wie üblich das, was ich mal der Einfachheit halber die Menschenwürde der Einheimischen nennen möchte. Aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, galten sie ja vielfach sowieso nicht als „vollwertige Menschen“ oder wie immer man das nannte), er scheint zu viel zu trinken. Was mich ein bisschen wundert, ist, wie sie den Standard aufrecht erhalten. Auch wenn das Leben in Batavia im Vergleich zu den Niederlanden vermutlich „billig“ ist, Kosten waren nun einmal da, schon allein die Schneiderrechnungen müssen ja gewaltig gewesen sein. Aber bei einem Trinker und Spieler wundert mich so ganz allmählich gar nichts mehr. Aber stimmen tut da irgendetwas überhaupt gar nicht.


    Ist das die Andeutung eines Geheimnisses von Jan auf Seite 230 oben? Was lässt einem so offenen und mir aufrecht erscheinenden Mann einen „Schatten über sein Gesicht“ gleiten? Jedenfalls: Die Erklärungen Seite 230, 231 lassen in mir … nein, nicht mehr Wut, sondern so etwas wie Resignation aufkommen. Und Trauer, immer unermesslicher werdende Trauer um die vielen Frauen, die praktischerweise mal abgestellt oder gar weggeworfen werden konnten wie ein nicht mehr gebrauchtes Möbelstück, wenn man ihrer überdrüssig wurde – oder man versetzt wurde (Seite 231). Wie sah es eigentlich mit der Versorgung der Zurückgelassenen aus? Waren sie dann eigentlich immer noch in gewisser Weise angesehen?


    James und Floortje, Floortje und James. Immer war da in mir das Gefühl, da stimmt etwas nicht, meine Gedanken an Missbrauch waren ja so verkehrt nicht. Für mich eine der schlimmsten Fälle von Missbrauch übrigens, denn das Kind hat ja im Grunde keine Chance und Schuld hat es sowieso immer, ein angesehenes und verdientes männliches Mitglied der Gesellschaft selbstverständlich nie. Und leider: Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu...
    James – von ihm bin ich vordergründig enttäuscht, aber letztlich war von Verhalten zu erwarten (für mich spätesens ab dem Moment, in dem seine Mutter gedanklich ihren Zweifeln Ausdruck verleiht). Verlogen nicht nur die Welt von James, die der Tante doch mindestens genau so. Und der einsame Wolf war wohl doch schon zu sehr domestiziert; ich hatte ihm mehr Mut zugetraut. Abermals von meiner Seite: Resignation, Trauer – auch das eine alte Geschichte, doch bleibt auch sie ewig neu.
    Was soll man ihm wünschen? Mir jedenfalls, ihm nicht wieder begegnen zu müssen.


    Und Floortje, ach, die arme Floortje: Im Grunde bleibt ihr auf Java nur noch ein Weg – und wie ich Nicole kenne, wird sie ihn ihr nicht versperren, nämlich den in die Prostitution, egal, ob für einen Mann oder für viele.


    Mir fällt auf, dass es nicht viel zum Schmunzeln gibt in diesem Buch, so halte ich mich an die langen Unterhosen mit den Rüschen, die unter dem Sarong hervorschauen. Putzig ausgeschaut haben muss das schon ...

  • Zitat

    Original von Nicole
    Mich lenkt das gar nicht ab. Diesen einen Weg, den ich nachher beim Schreiben gehe, der hat sich lange vorher schon gebahnt und das ist vom Bauchgefühl her auch der "richtige".


    Das finde ich sehr interessant! Danke, dass du uns an deiner Arbeitsweise teilhaben lässt!


    Zitat


    In den Niederlanden hat man damals relativ spät geheiratet - ich hab jetzt die Zahlen nicht mehr genau im Kopf ...


    Jan kann Jacobina derzeit auch nicht heiraten, für Frau und Kinder reicht sein Verdienst einfach (noch) nicht.


    Das es doch so "spät" für Frauen ist, hätte ich nicht gedacht. Männer waren ja damals grundsätzlich etliche Jahre älter. Auch bei Jan habe ich nicht aus dem Buch herausgelesen, dass eine Hochzeit möglicherweise am finanziellen scheitert. Er machte für mich einen eher wohlhabenden Eindruck, wobei die Missionare damals sicher nicht gut verdient haben.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Mir fällt auf, dass es nicht viel zum Schmunzeln gibt in diesem Buch,...


    Da hast du zwar recht, dennoch finde ich es trotz aller Tragödien, verpatzten Chancen und Unterdrückung kein depremierendes Buch. Nicole, dir ist hier eine exzellente Gradwanderung gelungen und so macht es Spaß, das Buch zu lesen, auch wenn es den Protagonistinnen schlecht geht! :anbet

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Zitat

    Original von Lipperin
    Die Briefe von Jan und Jacobina sind für mich eines der Highlights des Buches. Besonders der von Jan vom 27.11.1882 (Seite 191 ff.) hat es mir angetan. Da klingt viel an, was etwa 60 Jahre später ein großer (in meinen Augen einer der größten) Theologe noch konsequenter, noch radikaler durchdacht hat.


    Das freut mich so unglaublich, dass es Dir mit den Briefen so geht! Da war ich mir im Nachhinein nämlich doch ein bisschen unsicher - weil ich die quasi "blind" geschrieben habe, nur mit Jans Stimme in meinem Ohr und ein paar Dingen, die für mich darin enthalten sein mussten, im Hinterkopf.
    Und dann habe ich selbst gestaunt, was da alles den Weg auf das Papier gefunden hat ...



    Zitat

    Original von Lipperin
    Untreue sowieso (auch wenn man diesbezüglich wohl Abstriche machen muss, wer in den Kolonien keine einheimische „Gespielin“ - freiwillige oder unfreiwillige – hatte, war wohl mehr als eine Ausnahme. Die Erklärung Jans dazu auf Seite 229 erscheint zwar plausibel, ignoriert aber wie üblich das, was ich mal der Einfachheit halber die Menschenwürde der Einheimischen nennen möchte. Aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, galten sie ja vielfach sowieso nicht als „vollwertige Menschen“ oder wie immer man das nannte)


    Es war tatsächlich eher die Regel als die Ausnahme, und das mehr oder weniger vor den Augen der Gesellschaft.
    Und die Worte, die ich da Jan in den Mund gelegt habe, waren tatsächlich die gängige Auffassung damals.


    Das war etwas, das mir an diesem Buch sehr zu schaffen gemacht hat: diese Haltung von gleichgültiger Selbstverständlichkeit gegenüber den einheimischen Frauen.



    Zitat

    Original von Lipperin
    Jedenfalls: Die Erklärungen Seite 230, 231 lassen in mir … nein, nicht mehr Wut, sondern so etwas wie Resignation aufkommen. Und Trauer, immer unermesslicher werdende Trauer um die vielen Frauen, die praktischerweise mal abgestellt oder gar weggeworfen werden konnten wie ein nicht mehr gebrauchtes Möbelstück, wenn man ihrer überdrüssig wurde – oder man versetzt wurde (Seite 231). Wie sah es eigentlich mit der Versorgung der Zurückgelassenen aus? Waren sie dann eigentlich immer noch in gewisser Weise angesehen?


    Da gibt es tatsächlich so gut wie keine Daten darüber. Es sieht aber alles danach aus, als wären die Frauen in ihre Kampongs zurückgekehrt und hätten einfach ihr altes Leben wieder aufgenommen - nicht selten an der Seite ihrer Ehemänner, die sie schon vor ihrer Zeit als nyai hatten. Wenn es gut lief, bekamen sie noch eine kleine Abfindung, das dürfte aber auch nicht allzu häufig der Fall gewesen sein.


    Was die aus diesen Beziehungen hervorgegangenen Kinder angeht, habe ich ein Zitat gefunden, das sicher sehr aussagekräftig ist: sie wurden von den Kampongs absorbiert "wie Wasser von einem Schwamm".



    Zitat

    Original von Lipperin
    James und Floortje, Floortje und James. Immer war da in mir das Gefühl, da stimmt etwas nicht, meine Gedanken an Missbrauch waren ja so verkehrt nicht. Für mich eine der schlimmsten Fälle von Missbrauch übrigens, denn das Kind hat ja im Grunde keine Chance und Schuld hat es sowieso immer, ein angesehenes und verdientes männliches Mitglied der Gesellschaft selbstverständlich nie. Und leider: Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu...


    Ich musste mich weiter vorne in der Leserunde dazu auf die Finger setzen - aber ich fand's so bemerkenswert, dass Floortjes Geschichte da schon für Dich spürbar war. :anbet


    Zitat

    Original von Lipperin
    James – von ihm bin ich vordergründig enttäuscht, aber letztlich war von Verhalten zu erwarten (für mich spätesens ab dem Moment, in dem seine Mutter gedanklich ihren Zweifeln Ausdruck verleiht). Verlogen nicht nur die Welt von James, die der Tante doch mindestens genau so. Und der einsame Wolf war wohl doch schon zu sehr domestiziert; ich hatte ihm mehr Mut zugetraut.


    An dieser Verlogenheit, dieser Doppelmoral habe ich auch sehr schwer zu schlucken gehabt.



    Zitat

    Original von Lese-rina


    Das finde ich sehr interessant! Danke, dass du uns an deiner Arbeitsweise teilhaben lässt!


    Gerne! :knuddel1


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Das es doch so "spät" für Frauen ist, hätte ich nicht gedacht. Männer waren ja damals grundsätzlich etliche Jahre älter. Auch bei Jan habe ich nicht aus dem Buch herausgelesen, dass eine Hochzeit möglicherweise am finanziellen scheitert. Er machte für mich einen eher wohlhabenden Eindruck, wobei die Missionare damals sicher nicht gut verdient haben.


    Ich glaube, den Eindruck musste man damals von den Niederländern auch immer haben, weil der Lebensstandard insgesamt ein viel höherer war als in vergleichbaren Positionen in den Niederlanden oder in Europa zur selben Zeit, gerade in Batavia oder in Buitenzorg - und trotzdem war man nicht automatisch wohlhabend und konnte den finanziellen Sprung hin zu einer Familie wagen.


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Da hast du zwar recht, dennoch finde ich es trotz aller Tragödien, verpatzten Chancen und Unterdrückung kein depremierendes Buch. Nicole, dir ist hier eine exzellente Gradwanderung gelungen und so macht es Spaß, das Buch zu lesen, auch wenn es den Protagonistinnen schlecht geht! :anbet


    Dankeschön. :knuddel1

  • Zitat

    Original von Lese-rina



    Da hast du zwar recht, dennoch finde ich es trotz aller Tragödien, verpatzten Chancen und Unterdrückung kein depremierendes Buch. Nicole, dir ist hier eine exzellente Gradwanderung gelungen und so macht es Spaß, das Buch zu lesen, auch wenn es den Protagonistinnen schlecht geht! :anbet



    Dem stimme ich vollkommen zu!