'Das Herz der Feuerinsel' - Seiten 191 - 295

  • Wow *schluck*, dieser Abschnitt hat es wirklich in sich. :wow


    Er fängt toll an - beide Mädels bekommen einen Heiratsantrag ihres Liebsten. Ich war erleichtert, dass James doch ein guter Kerl mit dem Herzen auf dem richtigen Fleck zu sein scheint. Und als Floortje dann auf der Plantage auch endlich ihre hochgestochene Attitude fallen lässt und ganz sie selbst ist - wie wir sie auf dem Schiff kennen- und liebengelernt haben -, war ich mehr als froh.


    Und plötzlich - eine Eule beschrieb es hier so schön - bekommt die perfekte heile Welt erste Risse. :-(


    Zitat

    Original von Selma


    :write


    Was der Rektor betrieben hat, ist ein klassischer Fall von Missbrauch mit Abhängigen. Es war für ihn ein leichtes die 14-jährige Floortje zu beeinflussen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie hatte damals niemanden dem sie vertrauen, mit dem sie sprechen konnte.


    Ganz genau! Der Rektor hat ganz klar Floortjes Situation und ihre Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung ausgenutzt. :fetch


    Ich war beim Lesen so wütend auf diesen Mann, der sogar von den anderen Leuten noch bedauert wird, weil "der arme Mann fast seine Anstellung verloren hat", auf Floortjes Familie, die sich angeekelt von ihr abwendet und sie sogar zu einer Abtreibung ohne Betäubung zwingt, und vor allem auch auf James, der sie ohne mit der Wimper zu zucken auf so kalte Art und Weise einfach fallen lässt. Auch ich hätte Floortje am Liebsten in den Arm genommen und ihr gesagt, dass es nicht ihre Schuld war, was damals passiert ist. :-(



    Tja, und Jacobina geht wohl mit nach Sumatra. So hatte ich es jedenfalls verstanden. Kommt es Euch auch so vor, als ob sich unsere unsichere, verschüchterte Jacobina klammheimlich zum Fels in der Brandung für die Familie de Jong entwickelt hat?


    Der kleine Junge aus dem Garten ist Melatis Sohn. Das hätte ich nicht gedacht. Ihre Reaktion auf Jacobinas Frage nach dem Major als Vater hinterlässt bei mir den Eindruck, als hätte Melati nicht freiwillig Verkehr mit dem Major gehabt. :-(


    Mir tat der kleine Kerl auch so leid, wie er sich an seine Mutter, die er kaum zu sehen bekommt, klammerte und weinte. ;-(


    Das Buch hat eine regelrechte Sogwirkung entwickelt. Den dritten Leserundenabschnitt habe ich quasi in einem Zug über den heutigen Tag gelesen und nur für das Nötigste unterbrochen. Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich - wie man so schön sagt - es kaum schaffe, das Buch wegzulegen. Schade, dass ich morgen wieder arbeiten muss. Unter der Woche schaff ich immer nicht so viel zu lesen, wie ich gern möchte. Andererseits hat das ja auch etwas Gutes: So habe ich das Buch nicht so schnell durch und noch ein bißchen länger etwas davon. :-]


    Nicole : Ich möchte Dir auch noch einmal ganz herzlich für die Verlinkungen zu den Fotos danken, die Du uns hier immer so fleißig anbietest. Für mich bekommt die Geschichte - und auch die Leserunde - dadurch noch einmal eine ganz besondere, unvergessliche Note. :wave

  • Ich bin jetzt auch hier angekommen, ich verstehe euch nicht, wie ih Japp verurteilen könnt. Er konnte in seiner Zeit Floortje nicht verzeihen, selbst wenn er gewollt hätte. Er handelt wie er unter dem Druck seiner Zeit handeln musste.

  • Zitat

    Original von beowulf
    Ich bin jetzt auch hier angekommen, ich verstehe euch nicht, wie ih Japp verurteilen könnt. Er konnte in seiner Zeit Floortje nicht verzeihen, selbst wenn er gewollt hätte. Er handelt wie er unter dem Druck seiner Zeit handeln musste.


    Klar war er bis zu einem gewissen Grade in die Konventionen seiner Zeit/der Gesellschaft eingebunden. Aber er hätte Floorte ANHÖREN müssen. Ob er danach verziehen hätte, darum gehts mir nicht in erster Linie. Aber wenn er sie angehört und zu einem bestimmten Maß hätte verstehen können, hätte er sie bestimmt nicht mittellos vor die Tür gesetzt (und so quasi in die Prostitution getrieben). Er war doch finanziell gut gestellt. Wenigstens so viel Geld wie für eine Rückreise nach Europa erforderlich gewesen wäre (ob Floortje das nun gemacht hätte oder nicht, ist hier egal), hätte drin sein müssen... Angeblich hat er sie doch mal geliebt. Obwohl er ihre Schwächen gekannt hat...

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von beowulf
    Er hielt sie für eine züchtige Jungfrau.


    Medizinisch gesehen hielt er sie vermutlich für eine "Virgo intacta", aber er hatte doch mitbekommen, dass sie mit mehreren Männern flirtete und Geschenke annahm, was eine auch moralisch 1a-Lady wohl nicht tun würde.
    Er hat sie doch extra darauf angesprochen.
    Neenee, so ganz aus dem Mustopf kann er nicht gekommen sein, denke ich...
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von Nicole



    Floortje ist das tatsächlich erst mal komplett egal.
    Und was Jacobina angeht, verweise ich da auf den nächsten Abschnitt ... :zwinker


    Ich bin mit dem nächsten Abschnitt noch nicht ganz durch (heute fand bei uns der jährliche "Boulevard" statt - eine Art Gewerbeschau verbunden mit Stadtteilfest, bei dem wir feuerwehrtechnisch unterwegs sind ;-)). Ich bin jetzt sehr gespannt, wie sich Jacobina in dieser Hinsicht entwickelt.


    Dass es Floortje egal war, passt schon zu ihrem Wesen. Aber vielleicht wären die Sprachkenntnisse etwas gewesen, womit sie hätte auftrumpfen und die Männer beeindrucken können. Aber unsre Floortje verlässt sich da lieber auf ihr Aussehen. So ist sie halt... :grin

    Lesen ist ein grosses Wunder

    Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

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  • @ Richie


    Dankeschön! :wave


    Ich denke immer wieder: vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn er es nicht ausgerechnet in dieser Situation erfahren hätte, in einer Situation, in der er nicht nur das Gesicht verliert, sondern damit rechnen muss, dass das soforrt brühwarm in der näheren oder weiteren Umgebung weitererzählt wird ...


    @ Schlumpfinchen


    Zitat

    Original von Schlumpfinchen
    Ich war beim Lesen so wütend auf diesen Mann, der sogar von den anderen Leuten noch bedauert wird, weil "der arme Mann fast seine Anstellung verloren hat", auf Floortjes Familie, die sich angeekelt von ihr abwendet und sie sogar zu einer Abtreibung ohne Betäubung zwingt, und vor allem auch auf James, der sie ohne mit der Wimper zu zucken auf so kalte Art und Weise einfach fallen lässt. Auch ich hätte Floortje am Liebsten in den Arm genommen und ihr gesagt, dass es nicht ihre Schuld war, was damals passiert ist. :-(


    :knuddel1


    Zitat

    Original von Schlumpfinchen
    Kommt es Euch auch so vor, als ob sich unsere unsichere, verschüchterte Jacobina klammheimlich zum Fels in der Brandung für die Familie de Jong entwickelt hat?


    Schöner Gedanke. :-)



    Zitat

    Original von Schlumpfinchen
    Das Buch hat eine regelrechte Sogwirkung entwickelt. Den dritten Leserundenabschnitt habe ich quasi in einem Zug über den heutigen Tag gelesen und nur für das Nötigste unterbrochen. Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich - wie man so schön sagt - es kaum schaffe, das Buch wegzulegen.


    *freu*


    Zitat

    Original von Schlumpfinchen
    Nicole : Ich möchte Dir auch noch einmal ganz herzlich für die Verlinkungen zu den Fotos danken, die Du uns hier immer so fleißig anbietest. Für mich bekommt die Geschichte - und auch die Leserunde - dadurch noch einmal eine ganz besondere, unvergessliche Note. :wave


    Sehr, sehr gerne! :wave


    @ Ayasha


    Zitat

    Aber vielleicht wären die Sprachkenntnisse etwas gewesen, womit sie hätte auftrumpfen und die Männer beeindrucken können. Aber unsre Floortje verlässt sich da lieber auf ihr Aussehen. So ist sie halt... :grin


    ... weil sie einen guten Riecher dafür hat, wie die Herren der feinen Gesellschaft von Batavia ticken. :zwinker

  • Also ich habe das durchaus so aufgefasst, als das Jacobina tatsächlich ein paar Brocken aufgeschnappt hat, die Sprache aber nicht richtig lernen kann- schliesslich ist sie genau deswegen eingestellt worden, dass die Kinder ständig holländisch reden.

  • Zitat

    Original von beowulf
    Also ich habe das durchaus so aufgefasst, als das Jacobina tatsächlich ein paar Brocken aufgeschnappt hat, die Sprache aber nicht richtig lernen kann- schliesslich ist sie genau deswegen eingestellt worden, dass die Kinder ständig holländisch reden.


    So habe ich das gesehen.

  • Zitat

    Original von sapperlot
    Mit Sumatra verbinde ich als im Jahr 2012 lebender Mensch ausschliesslich positive Gedanken und exotische Eindrücke. Aber im Jahr 1882 war die Insel anscheinend noch nicht erschlossen und urbar gemacht worden.


    Obwohl ich - vorerst - eigentlich nur als neugieriger Zaungast oberflächlich mitlese, möchte ich hier doch mal einhaken. Ich bin über zwei Monate auf der Insel umhergereist und habe mich dort sehr wohl gefühlt, aber "ausschließlich positive Gedanken" scheint mir zu einseitig. Eben jene Erschließung und Urbarmachung waren schließlich mit einer Naturzerstörung gigantischen Ausmaßes verbunden, u.a. flächendeckender Rodung von Regenwald und Ausrottung diverser Tierarten (Zum Glück sind angesichts der Größe der Insel - etwa so viel Fläche wie Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeinsam - noch einige halbwegs naturbelassene, "wilde" Landstriche übrig). Auch die zum Teil bittere Armut in vielen Transmigrasi-Siedlungen hat mich hart schlucken lassen. Nicht vergessen sollte man den Tsunami, der in der nördlichsten Provinz Aceh vor nicht einmal acht Jahren um die 150 000 Menschen das Leben gekostet hat. Schönheit und Exotik ja, aber verklärende Romantik ist meiner Meinung nach auch im Jahre 2012 bei der Betrachtung Sumatras nicht angemessen.


    LG harimau :wave

    "Lieber losrennen und sich verirren. Lieber verglühen, lieber tausend Mal Angst haben, als sterben müssen nach einem aufgeräumten, lauwarmen Leben"

    Andreas Altmann

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  • Ich bin der typische Zentraleuropäer der halt gewisse Orte und Insel einfach mit positiven Eigenschaften verbindet ohne auch nur ein Detail von ihrer Geschichte zu kennen. Da sind Tahiti und Fidschi, Sanisbar und Mauritius, Bali die Malediven und Jamaica um nur ein paar zu nennen. Orte die wie Sumatra irgendwie nach Urlaub, Sand und Sonne klingen. Da ist nix böses dahinter gedacht sondern nur die pure Unwissenheit von mir. :wave


    Das die Rodung und Urbarmachung ein Verbrechen an Natur, Land und Bevölkerung war und immer noch ist ist mir hingegen klar. :-(

  • Ich empfand Java schöner als Bali, aber natürlich ist es schon ein seltsames Gefühl auf einem aktiven Vulkan zu stehen und dabei zuzusehen, wie über dem Nachbarvulkan immer mal wieder Rauchwolken aufsteigen. Sumatra ist ja, das war dieser Doku zu entnehmen vorallem in diese Bucht an der die de Joongs jetzt leben Opfer von gigantischen Flutwellen geworden. Schlechte Aussichten.

  • Zitat

    Original von Deichgräfin


    So habe ich das gesehen.


    :write


    @ harimau: Danke, las sich sehr interessant! :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von maikaefer


    :write


    Ein paar Brocken hatte sie auf jeden Fall aufgeschnappt. Und sicher war ihre Zeit, die Sprache zu lernen auch begrenzt, da sie ja mit den Kindern Holländisch sprechen sollte. Da sie aber auch sonst ein grosses Interesse an Land und Leute zeigte, hatte es mich etwas gewundert, dass die Sprache auf der Strecke blieb.


    Aber möglicherweise bin ich da auch zu sehr von mir ausgegangen. :-)

  • Die bunten Farben und die schillernden Momente, in die du uns am Anfang entführt hast und Batavia gezeichnet hast, vermischen sich zu einem undefinierbaren braun/grau.
    Das verwelkten und schimmelig gewordenen Blüten im Abschnitt vorher haben es schon angedeutet, dass das Glück vergänglich ist, wenn man es herausfordert.
    So in etwa empfinde ich Floortjes Verhalten. Irgendwie tut es mir leid, weil sie sich im ersten Teil in mein Herz geschlichen hat, auf der anderen Seite ist sie auch mit Schuld an der Misere und hätte James einfach ihre Geschichte erzählen müssen.
    Auf der anderen Seite hat es mich schon die ganze Zeit gewundert, dass die Gesellschaft offenbar froh war über eine so hübsche potentielle Heiratskandidatin, dass niemand ihre Herkunft infrage gestellt hat. Noch nicht einmal Jacobina. :gruebel


    Zitat

    Original von SteffiB
    ...
    Und es geht los, die heilen Fassaden bekommen ordentlich Risse. Dabei fand ich die Einführung Jagats ungemein gelungen. Die ganze Situtation ist sehr beklemmend, mit wenigen Worten beschwörst du die ganze Bigotterie der damaligen Gesellschaft herauf. Toll.


    :write
    Hat der Name "Jagat" eine Bedeutung?
    Jan nimmt Vincent ja sehr in Schutz und tut so als müsse ein Mann mit einer Einheimischen ins Bett. Das ist eine sehr männliche Einstellung und das von einem Missionar. :-)


    Übrigens finde ich Jan als Figur sehr gelungen und ist mein heimlicher Liebling. Ehrlich gesagt gehört schon einiges dazu, damit ich einen Missionar mögen kann, denn da gestehe ich ganz offen, habe ich Vorurteile.
    Aber Jan ist offen gegenüber seiner Umwelt und auch den Menschen gegenüber, denen er begegnet, egal welchen Geschlechts, welchen Aussehens oder welcher Herkunft. Durch seine Augen zeigst du uns Java mit all seinen Widersprüchlichkeiten.


    Zitat

    Original von SteffiB
    ...
    Die Szene mit James und Floortje in der Kutsche hat mich sehr angerührt, umso entsetzter war ich über seine unbarmherzige Reaktion auf Floortjes Verfehlungen. Er gibt ihr nicht einmal die Möglichkeit, sich zu erklären. Aber gut, ist der Ruf erst ruiniert, dann lebte es sich damals überhaupt nicht mehr gut.


    So undurchdringlich seine äußere Fassade auch schien, so sehr habe ich ihm abgenommen, dass er sich ernsthaft in Floortje verliebt hat. Gerade auch in dem Gespräch mit seiner Mutter, die ja einige Vorbehalte hatte, kam das durch.
    Ich kann auch nicht verstehen, dass er Floortje nicht vor der Verlobung auf ihre Vergangenheit anspricht. So wie er an dem Verlobungsabend reagiert, ist er sehr dominant, alles andere als ein ebenbürtiger Partner.
    Auch hier wird die Scheinheiligkeit der Gesellschaft deutlich. Alle lassen sich blenden durch Floortjes Art, niemand beschäftigt sich wirklich mit ihr. Eine oberflächliche Gesellschaft, die wahrscheinlich auch die de Jongs fallen lässt.


    Zitat

    Original von SteffiB
    Floortjes Vorgeschichte ist schlimmer, als ich erwartet habe. Es hat mir sehr gut gefallen, wie du sie geschildert hast; Floortje ist zwar das Opfer, doch es ist keine reine Vergewaltigung, sie fühlt sich auch erhöht und geliebt, sucht in der Gunst des älteren Mannes die Bestätigung und Zuneigung, die sie sonst nirgends erfährt. Ihr Charakter ist so vielschichtig, dass einem ganz blümerant wird: So funktioniert das, leider.


    :write
    Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, den Missbrauch einer Schutzbefohlenen so differenziert darzustellen. Das ist dir wirklich gelungen. :anbet

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Zitat

    Original von Selma
    ...
    Was der Rektor betrieben hat, ist ein klassischer Fall von Missbrauch mit Abhängigen. Es war für ihn ein leichtes die 14-jährige Floortje zu beeinflussen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie hatte damals niemanden dem sie vertrauen, mit dem sie sprechen konnte.


    Es hätte ihr wahrscheinlich auch niemand zugehört bzw. Verständnis gehabt. Und hätte sie eine festigende emotionale Erziehung genossen, wäre es vielleicht auch gar nicht so weit gekommen. Sie ist so liebesbedürftig, dass sie für jede Art von Aufmerksamkeit empfänglich ist.
    Es ist noch nicht lange, dass Missbrauch nicht nur totgeschwiegen wird oder dass weggehört und weggesehen wird, sondern dass es Stellen gibt, an die sich Kinder wenden können.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Zitat

    Original von Nicole
    ...


    Ich freu mich so, dass Dir diese kleine Szene gefällt! Da war ich mir beim Schreiben nicht ganz sicher, ob sie nicht doch ein bisschen ZU romantisch wirkt ...


    Ich glaube, um Jacobina zu überzeugen, kann es gar nicht romantisch genug sein. :lache


    Zitat

    Original von Nicole
    Nachkommen waren tatsächlich sehr wichtig.
    Es ist auch unglaublich naiv von Floortje, dass sie davon überzeugt ist, ihr Zukünftiger würde nicht merken, dass sie keine Jungfrau mehr ist, dass sie glaubt, das schon irgendwie hinkriegen zu können. Naiv - aber sie ist auch eben so verzweifelt in dem Versuch, sich ein besseres Leben aufzubauen als sie vorher hatte.


    Natürlich ist sie naiv. Es war niemand da, der sie aufgeklärt hat und hinterher niemand da, der sie aufgefangen und ihre Schuldgefühle genommen hat. Ihre Vorstellung von Liebe ist, dass die Frau hübsch ist, der Mann Gefallen daran findet und sich nimmt, was er braucht. Dafür gibt es zur Belohnung Schulnoten oder Schmuck.
    Irgendwie glaube ich aber schon, dass sie sich Jacobina oder James anvertraut hätte, wenn jemand bei ihr den richtigen Knopf gefunden zum Aussprechen gedrückt hätte.

    Zitat

    Original von Nicole
    Ich wage zu behaupten, dass das auch heute noch nicht leicht ist. Sicher leichter als früher, aber doch immer noch ungeheuer schwer, weil so viel Scham und nicht selten eben auch Schuldgefühle damit verbunden sind.
    Und sie kann auch in dieser Situation nicht drüber sprechen, dafür sitzt dieses Trauma zu tief, dafür hat sie zu lange Zeit und Kraft aufgewendet, um es zu verdrängen.


    :write
    Zumal es ja zur Taktik des Täters dazu gehört, dem Opfer die Schuldgefühle einzureden, genauso die Scham zu schüren, damit das Geheimnis bewahrt bleibt.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Zitat

    Ehrlich gesagt hatte dieser Abschnitt für mich die ein oder andere Länge. schnellweg


    Ging mir ähnlich, was aber nicht an der eigentlichen Geschichte lag, sondern an den manchmal sehr ausführlichen Beschreibungen der Orte und Landschaften. Ist eine persönliche Eigenart von mir, dass ich zwar nicht ganz darauf verzichten möchte, aber nicht jeden kleinsten Winkel kennen muss, um mich in der jeweiligen Szene zurecht zu finden. Wahrscheinlich bin ich einfach zu ungeduldig, wie es mit den Mädels weitergeht.


    James war mir ja von Anfang an suspekt und mein Eindruck dass er sehr auf Anstand und Etikette bedacht ist und darauf, was die Nachbarn sagen, hat sich ja voll bestätigt. Auch in der kurzen Zeit, wo die Verlobung bevorstand, hatte ich immer den Eindruck, er benötigt auch eine Mutter für seine Kinder. Und diesen Aspekt müsste er doch eigentlich Floortje mitgeteilt haben. Dass sie ihm ihre Unfruchtbarkeit verschweigen wollte, finde ich typisch für sie. Auch sie war trotz aller erotischen Anziehung auch nicht unwesentlich an seinem Status und finanziellen Hintergrund interessiert. Früher oder später hätte sie irgend einen heiraten müssen. Ohne Einkünfte wohnte sie ja eh schon ziemlich lange in dem teuren Hotel und ließ sich von den Herren aushalten. Das konnte auf Dauer nur in Hochzeit enden. Und da war ihr James der beste Kandidat. Sie ist ja mit diesem Plan auch hergekommen. Floortje ist durch ihr verkorkstes Elternhaus und den "Mißbrauch an ihr als Schutzbefohlener" sicherlich nicht an Jakobina zu messen. Floortje sucht nicht vorrangig ihr Glück sondern zu aller erst Sicherheit und einen Ehemann, der ihr einen guten Namen gibt.
    Mit James auf der einsamen Plantage, das wäre sicherlich nicht ewig gut gegangen. Sie ist doch ein kleiner bunter Schmetterling un dkeine brave Pflanzers-Frau. Und kinderlos hätte sie für James schnell ihren Reiz verloren, da bin ich mir sicher. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende sag ich immer. Leider wird Floortje sicherlich jetzt erstmal in ein tiefes Loch fallen. Ob sie da wieder rauskommt.


    Dafür hat Jakobina den Volltreffer an Land gezogen. Und ihre Entwicklung zur selbstbewussten lebensklugen Frau schreitet mit großen Schritten voran.


    Hervorheben möchte ich, dass mir in diesem Abschnitt vor allem die Briefe gefallen haben. Und Jan und Jakobina machen wirklich alles richtig in ihrer Beziehung. Das Buch spielt natürlich mit den starken Gegensätzen - der beiden Hauptprotagonistinnen aber auch deren Entwicklung. Hatten sie auf dem Schiff noch ähnliche Ausgangssituationen, scheinen sie mir jetzt auseinanderzudriften. Bn aber sicher am Ende führen ihre Wege wieder irgendwie zusammen - vielleicht ja durch Naturgewalten?

    Hollundergrüße :wave



    :lesend


    Die Hexenholzkrone 2 - Tad Williams



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin,

    daß er tun kann, was er will,

    sondern daß er nicht tun muß,

    was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Da hat sich aber was getan in diesem Abschnitt!


    Floortje tut mir richtig leid - James schickt sie einfach weg - mitten in der Nacht, ohne ihr die Chance einer Erklärung zu geben... So ein grausames Verhalten hätte ich ihm gar nicht zugetraut! Aber Floortje handelt hier auch sehr naiv. Wie kann sie davon ausgehen, daß ihr Geheimnis auch eins bleibt? Dafür wissen einfach zuviele Menschen davon... :rolleyes


    Bei den Arbeitgebern von Jacobina rappelt es auch richtig - und die Familie muß nach Sumatra umziehen. Und damit ist Jacobina auch weit weg von Floortje und kann ihr gar nicht helfen (was ich sehr bedauerlich finde)! Aber dafür findet Jacobina "ihren" Ehemann - hoffentlich klappt wenigstens diese Hochzeit! :gruebel


    Die Kinder der de Jongs tun mir richtig leid! Eine Beziehung zu ihren Eltern scheinen sie nicht wirklich zu haben - immer werden sie den Angestellten anvertraut. Das geht soweit, daß sich die Beiden in die Arme von Jacobina flüchten, wenn die Eltern mal wieder streiten! :fetch


    Vielen Dank für die tollen Bilder! :wave

  • @ Regenfisch


    Zitat

    Original von Regenfisch
    Hat der Name "Jagat" eine Bedeutung?


    Er bedeutet so viel wie "Erde" (im Sinne von "Erdkugel").


    Zitat

    Original von Regenfisch
    Übrigens finde ich Jan als Figur sehr gelungen und ist mein heimlicher Liebling. Ehrlich gesagt gehört schon einiges dazu, damit ich einen Missionar mögen kann, denn da gestehe ich ganz offen, habe ich Vorurteile.
    Aber Jan ist offen gegenüber seiner Umwelt und auch den Menschen gegenüber, denen er begegnet, egal welchen Geschlechts, welchen Aussehens oder welcher Herkunft. Durch seine Augen zeigst du uns Java mit all seinen Widersprüchlichkeiten.


    *freu*


    Ich hatte lange überhaupt keine Ahnung, was Jan beruflich macht; vom Charakter passte er für mich nicht ins Militär, nicht zu den Händlern und auch nicht zu den Pflanzern. Bis ich bei meinen Recherchen eher zufällig über einen Essay zur Missionsbewegung auf Java gestoßen bin, und das passte so unglaublich gut zu Jan.



    Zitat

    Original von Regenfisch
    So undurchdringlich seine äußere Fassade auch schien, so sehr habe ich ihm abgenommen, dass er sich ernsthaft in Floortje verliebt hat. Gerade auch in dem Gespräch mit seiner Mutter, die ja einige Vorbehalte hatte, kam das durch.
    Ich kann auch nicht verstehen, dass er Floortje nicht vor der Verlobung auf ihre Vergangenheit anspricht. So wie er an dem Verlobungsabend reagiert, ist er sehr dominant, alles andere als ein ebenbürtiger Partner.
    Auch hier wird die Scheinheiligkeit der Gesellschaft deutlich. Alle lassen sich blenden durch Floortjes Art, niemand beschäftigt sich wirklich mit ihr. Eine oberflächliche Gesellschaft, die wahrscheinlich auch die de Jongs fallen lässt.


    Das war auch eine absolut oberflächliche Gesellschaft, in der es sehr viel um den schönen Schein ging.
    Und James ist für mich auch ein dominanter Charakter.



    Zitat

    Original von Regenfisch
    Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, den Missbrauch einer Schutzbefohlenen so differenziert darzustellen. Das ist dir wirklich gelungen. :anbet


    Dankeschön. :knuddel1
    Ich habe für diese Szene so lange gebraucht wie wohl noch für keine in irgendeinem Roman. Obwohl ich sie ganz klar im Kopf hatte, habe ich pro Tag immer nur ein kleines Stückchen buchstäblich "geschafft", weil es dann für mich einfach nicht mehr ging.



    Zitat

    Original von Regenfisch
    Es hätte ihr wahrscheinlich auch niemand zugehört bzw. Verständnis gehabt. Und hätte sie eine festigende emotionale Erziehung genossen, wäre es vielleicht auch gar nicht so weit gekommen. Sie ist so liebesbedürftig, dass sie für jede Art von Aufmerksamkeit empfänglich ist.


    Da charakterisierst Du sie sehr zutreffend. :anbet



    Zitat

    Original von Regenfisch
    Es ist noch nicht lange, dass Missbrauch nicht nur totgeschwiegen wird oder dass weggehört und weggesehen wird, sondern dass es Stellen gibt, an die sich Kinder wenden können.


    :write


    Zitat

    Original von Regenfisch
    Ich glaube, um Jacobina zu überzeugen, kann es gar nicht romantisch genug sein. :lache


    Stimmt! :grin


    Zitat

    Original von Regenfisch
    Natürlich ist sie naiv. Es war niemand da, der sie aufgeklärt hat und hinterher niemand da, der sie aufgefangen und ihre Schuldgefühle genommen hat. Ihre Vorstellung von Liebe ist, dass die Frau hübsch ist, der Mann Gefallen daran findet und sich nimmt, was er braucht. Dafür gibt es zur Belohnung Schulnoten oder Schmuck.
    Irgendwie glaube ich aber schon, dass sie sich Jacobina oder James anvertraut hätte, wenn jemand bei ihr den richtigen Knopf gefunden zum Aussprechen gedrückt hätte.


    Bei James war sie ja kurz davor, an dem Abend vom Königsgeburtstag, just bevor er sie geküsst hat.



    Zitat

    Original von Regenfisch
    Zumal es ja zur Taktik des Täters dazu gehört, dem Opfer die Schuldgefühle einzureden, genauso die Scham zu schüren, damit das Geheimnis bewahrt bleibt.


    Ja, absolut.



    @ hollyhollunder


    Zitat

    Ging mir ähnlich, was aber nicht an der eigentlichen Geschichte lag, sondern an den manchmal sehr ausführlichen Beschreibungen der Orte und Landschaften. Ist eine persönliche Eigenart von mir, dass ich zwar nicht ganz darauf verzichten möchte, aber nicht jeden kleinsten Winkel kennen muss, um mich in der jeweiligen Szene zurecht zu finden.


    Kann ich nachvollziehen - ich hoffe, im nächsten Teil ist es wieder ausgewogener... :knuddel1


    Zitat

    James war mir ja von Anfang an suspekt und mein Eindruck dass er sehr auf Anstand und Etikette bedacht ist und darauf, was die Nachbarn sagen, hat sich ja voll bestätigt. Auch in der kurzen Zeit, wo die Verlobung bevorstand, hatte ich immer den Eindruck, er benötigt auch eine Mutter für seine Kinder. Und diesen Aspekt müsste er doch eigentlich Floortje mitgeteilt haben.


    Ich glaube, davon ist er einfach ausgegangen, weil das der Standard war und sich die Frage Kinder-oder-nicht damals überhaupt nie gestellt hat.


    Zitat

    Mit James auf der einsamen Plantage, das wäre sicherlich nicht ewig gut gegangen. Sie ist doch ein kleiner bunter Schmetterling un dkeine brave Pflanzers-Frau. Und kinderlos hätte sie für James schnell ihren Reiz verloren, da bin ich mir sicher.


    Interessante Gedanken. :anbet


    Zitat

    Hervorheben möchte ich, dass mir in diesem Abschnitt vor allem die Briefe gefallen haben.


    *freu*


    Zitat

    Hatten sie auf dem Schiff noch ähnliche Ausgangssituationen, scheinen sie mir jetzt auseinanderzudriften. Bn aber sicher am Ende führen ihre Wege wieder irgendwie zusammen - vielleicht ja durch Naturgewalten?


    Schön, dass dieses Auseinanderdriften für Dich hier spürbar ist. :-)


    @ bibliocat


    Zitat

    Aber Floortje handelt hier auch sehr naiv. Wie kann sie davon ausgehen, daß ihr Geheimnis auch eins bleibt? Dafür wissen einfach zuviele Menschen davon...


    Eigentlich gar nicht so falsch, davon auszugehen, dass ihr Geheimnis weit, weit weg in den Niederlanden geblieben ist. Aber der Teufel ist nun einmal ein Eichhörnchen - und die van Hassels kennen eben die Merselius', und dummerweise ist Emma Merselius gerade zu Besuch ...


    Hab ich schon fies geplant, geb ich zu. :schaem



    (Bilder hab ich gerne verlinkt! :wave )