So widerlich ich das Verhalten des Majors finde, seine Darstellung empfinde ich als sehr gelungen. Die Rechtlosigkeit der einheimischen oder nicht-weißen Frauen macht mich einfach nur traurig. Die alten Geschichten, die ewig neu bleiben … Und selbst wenn Jacobina etwas sagen würde, wer würde ihr überhaupt glauben? Wen würde es interessieren?
Jan – einerseits denke ich immer noch, sie hätte ihm davon – brieflich oder mündlich – erzählen sollen, schon um die Last nicht alleine zu tragen. Ich habe allerdings wenig Hoffnung, dass er dem hochgedienten und ach so tapferen Helden, den er ja immerhin seinen Freund (seinen besten gar, habe ich in Erinnerung) nennt, ins Gewissen geredet haben würde, wenn er es denn überhaupt gewollt hätte. Und leider halte ich Jan für jemanden, der … hm, wie drücke ich es aus … von einem Freund solches niemals erwarten würde, sonst würde er ja nicht sein Freund sein – so in etwa.
Es stellt sich also heraus, dass Syphilis die Familie zerstören wird. Und Quecksilber war es – irgendetwas sehr Giftiges, das wusste ich noch – und frag noch so blöd im vorherigen Teil *schäm*.
Aber das man auch von Seiten der Missionsgesellschaft bereit ist, Jacobina, also einen unschuldigen Menschen, zu opfern, um die Fassade aufrecht zu erhalten, passt ja irgendwie ins Bild. Ungerecht und verlogen die Gesellschaft, wenn man darin bestehen will, muss man das mitmachen (?).
Falls ich das übrigens in diesem Zusammenhang erwähnen darf: Horst Krüger hat in seinem für mich grandiosem „Requiem für Ursula“ (das zweite Kapitel in seinem mich bewegenden und aufrüttelnden Buch „Das zerbrochene Haus“) die Wirkung von Sublimat (hochkonzentriertes Quecksilber) im menschlichen Körper zwar in wenigen Sätzen, aber sehr deutlich und anschaulich beschrieben. Das war ein grausames Sterben, ein sehr grausames.
Jans Versagen hat mich zutiefst bestürzt. Das hatte ich nicht von ihm erwartet. Ich hatte ihn für mutiger gehalten, ja, auch ihn. Seltsam, dass beide Männer, die scheinbar zu den beiden jungen Frauen so gut zu passen scheinen, derart versagen. Bietet aber gute Gelegenheit für die beiden, auch daran zu wachsen – die Frauen meine ich, um jeglichem Missverständnis vorzubeugen -.
Und für Jan hätte ja der Besuch nicht nur Jacobina gegolten, sondern – als Missionar – einem Menschen, der in Not, der im Gefängnis ist und seines Zuspruches bedarf. Ich frage mich, ob ihm überhaupt bewusst wird, dass er einen zweifachen Verrat begeht. Für seine eigene Entwicklung würde ich ihm jedenfalls gewünscht haben, dass er sein Verhalten niemals vergisst und seine Lehren daraus zieht – wenn er denn ein lebendiges Wesen wäre. So bin ich froh, wenn ich ihm in diesem Buch nicht noch einmal begegnen muss. (Ich muss doch nicht, oder???)
Kian Gie ist ein seltsamer Mensch, unbeherrscht und doch kalt, absolut machtbesessen, keinen Widerspruch duldend. Ein Spieler auch er, vielleicht nicht einmal mehr um Geld, aber – ich bitte um Verzeihung für den Ausdruck, aber ein passenderer fällt mir nicht ein – um die Seelen der Menschen. Floortje wird auf Dauer einen Gang durch die Hölle vor sich haben, wenn sie bei ihm bleiben muss, denn dass er sie dermaßen zähmt, dass sie wirklich nur noch all das tut, was er sagt, wird lange dauern (hoffe ich zumindest). Wer weiß, was er ihr noch alles antut – und was, wenn er ihrer überdrüssig wird? Muss sie dann in ein Bordell? Auf Seite 387 habe ich mich auch gefragt, ob er „seine Macht genoss“, auch genoss, weil sie Europäerin, weil sie eine weiße Frau, weil sie überhaupt eine Frau ist (es gibt da ja noch diese Andeutung auf Seite 403 oben, betreffend die Großmutter).
Für den Blick in John Holtums Augen (im Zirkus) jedenfalls wird sie bezahlen müssen.
Seite 439: Was sind „Friesische Däumchen“? Enschuldigung, falls es auf der HP beschrieben wird, mir rinnt derzeit die Zeit allzu schnell davon...
James wollte ich nicht noch einmal begegnen. War es nicht von Vornherein klar, dass Emma sich ihn krallen würde? Vielleicht hat sie ja deshalb auch nur den Mund aufgemacht, damals, bei der Verlobung...
ZitatOriginal von Nicole
Jan und Jacobina wären schon glücklich miteinander geworden, doch.
So lange gutes Wetter war, ja.
Und wenn eine vergleichbare Situation gekommen wäre, hätte er auch versagt, davon bin ich überzeugt.