'Das Herz der Feuerinsel' - Seiten 380 - 494

  • So widerlich ich das Verhalten des Majors finde, seine Darstellung empfinde ich als sehr gelungen. Die Rechtlosigkeit der einheimischen oder nicht-weißen Frauen macht mich einfach nur traurig. Die alten Geschichten, die ewig neu bleiben … Und selbst wenn Jacobina etwas sagen würde, wer würde ihr überhaupt glauben? Wen würde es interessieren?
    Jan – einerseits denke ich immer noch, sie hätte ihm davon – brieflich oder mündlich – erzählen sollen, schon um die Last nicht alleine zu tragen. Ich habe allerdings wenig Hoffnung, dass er dem hochgedienten und ach so tapferen Helden, den er ja immerhin seinen Freund (seinen besten gar, habe ich in Erinnerung) nennt, ins Gewissen geredet haben würde, wenn er es denn überhaupt gewollt hätte. Und leider halte ich Jan für jemanden, der … hm, wie drücke ich es aus … von einem Freund solches niemals erwarten würde, sonst würde er ja nicht sein Freund sein – so in etwa.


    Es stellt sich also heraus, dass Syphilis die Familie zerstören wird. Und Quecksilber war es – irgendetwas sehr Giftiges, das wusste ich noch – und frag noch so blöd im vorherigen Teil *schäm*.
    Aber das man auch von Seiten der Missionsgesellschaft bereit ist, Jacobina, also einen unschuldigen Menschen, zu opfern, um die Fassade aufrecht zu erhalten, passt ja irgendwie ins Bild. Ungerecht und verlogen die Gesellschaft, wenn man darin bestehen will, muss man das mitmachen (?).


    Falls ich das übrigens in diesem Zusammenhang erwähnen darf: Horst Krüger hat in seinem für mich grandiosem „Requiem für Ursula“ (das zweite Kapitel in seinem mich bewegenden und aufrüttelnden Buch „Das zerbrochene Haus“) die Wirkung von Sublimat (hochkonzentriertes Quecksilber) im menschlichen Körper zwar in wenigen Sätzen, aber sehr deutlich und anschaulich beschrieben. Das war ein grausames Sterben, ein sehr grausames.


    Jans Versagen hat mich zutiefst bestürzt. Das hatte ich nicht von ihm erwartet. Ich hatte ihn für mutiger gehalten, ja, auch ihn. Seltsam, dass beide Männer, die scheinbar zu den beiden jungen Frauen so gut zu passen scheinen, derart versagen. Bietet aber gute Gelegenheit für die beiden, auch daran zu wachsen – die Frauen meine ich, um jeglichem Missverständnis vorzubeugen -.
    Und für Jan hätte ja der Besuch nicht nur Jacobina gegolten, sondern – als Missionar – einem Menschen, der in Not, der im Gefängnis ist und seines Zuspruches bedarf. Ich frage mich, ob ihm überhaupt bewusst wird, dass er einen zweifachen Verrat begeht. Für seine eigene Entwicklung würde ich ihm jedenfalls gewünscht haben, dass er sein Verhalten niemals vergisst und seine Lehren daraus zieht – wenn er denn ein lebendiges Wesen wäre. So bin ich froh, wenn ich ihm in diesem Buch nicht noch einmal begegnen muss. (Ich muss doch nicht, oder???)


    Kian Gie ist ein seltsamer Mensch, unbeherrscht und doch kalt, absolut machtbesessen, keinen Widerspruch duldend. Ein Spieler auch er, vielleicht nicht einmal mehr um Geld, aber – ich bitte um Verzeihung für den Ausdruck, aber ein passenderer fällt mir nicht ein – um die Seelen der Menschen. Floortje wird auf Dauer einen Gang durch die Hölle vor sich haben, wenn sie bei ihm bleiben muss, denn dass er sie dermaßen zähmt, dass sie wirklich nur noch all das tut, was er sagt, wird lange dauern (hoffe ich zumindest). Wer weiß, was er ihr noch alles antut – und was, wenn er ihrer überdrüssig wird? Muss sie dann in ein Bordell? Auf Seite 387 habe ich mich auch gefragt, ob er „seine Macht genoss“, auch genoss, weil sie Europäerin, weil sie eine weiße Frau, weil sie überhaupt eine Frau ist (es gibt da ja noch diese Andeutung auf Seite 403 oben, betreffend die Großmutter).
    Für den Blick in John Holtums Augen (im Zirkus) jedenfalls wird sie bezahlen müssen.


    Seite 439: Was sind „Friesische Däumchen“? Enschuldigung, falls es auf der HP beschrieben wird, mir rinnt derzeit die Zeit allzu schnell davon...


    James wollte ich nicht noch einmal begegnen. War es nicht von Vornherein klar, dass Emma sich ihn krallen würde? Vielleicht hat sie ja deshalb auch nur den Mund aufgemacht, damals, bei der Verlobung...




    Zitat

    Original von Nicole
    Jan und Jacobina wären schon glücklich miteinander geworden, doch.


    So lange gutes Wetter war, ja.
    Und wenn eine vergleichbare Situation gekommen wäre, hätte er auch versagt, davon bin ich überzeugt.

  • Zitat

    Original von Lipperin
    So widerlich ich das Verhalten des Majors finde, seine Darstellung empfinde ich als sehr gelungen.


    Was mich sehr freut - ich habe ihn als Charakter selbst als sehr spannend empfunden beim Schreiben.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Und selbst wenn Jacobina etwas sagen würde, wer würde ihr überhaupt glauben? Wen würde es interessieren?


    Sehr guter Gedanke. :anbet



    Zitat

    Original von Lipperin
    Und leider halte ich Jan für jemanden, der … hm, wie drücke ich es aus … von einem Freund solches niemals erwarten würde, sonst würde er ja nicht sein Freund sein – so in etwa.


    Ich glaube, ich weiß, was Du meinst - und: ja.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Es stellt sich also heraus, dass Syphilis die Familie zerstören wird. Und Quecksilber war es – irgendetwas sehr Giftiges, das wusste ich noch – und frag noch so blöd im vorherigen Teil *schäm*.


    Konntest Du wirklich nicht wissen, dass das hier noch kommt! :knuddel1


    Zitat

    Original von Lipperin
    Aber das man auch von Seiten der Missionsgesellschaft bereit ist, Jacobina, also einen unschuldigen Menschen, zu opfern, um die Fassade aufrecht zu erhalten, passt ja irgendwie ins Bild. Ungerecht und verlogen die Gesellschaft, wenn man darin bestehen will, muss man das mitmachen (?).


    Das war so. Leider. Die Missionare waren doch sehr auf das Wohlwollen der Regierung angewiesen.


    Ich nehme mal ganz vorsichtig schon an, dass es für Jacobina trotzdem gut hätte ausgehen können - obwohl durchaus auch Europäerinnen für nachgewiesenen Opiumschmuggel zu Haftstrafen verurteilt wurden.
    Aber das kann zu diesem Zeitpunkt wirklich niemand mit Sicherheit wissen - schon gar nicht Jacobina.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Falls ich das übrigens in diesem Zusammenhang erwähnen darf: Horst Krüger hat in seinem für mich grandiosem „Requiem für Ursula“ (das zweite Kapitel in seinem mich bewegenden und aufrüttelnden Buch „Das zerbrochene Haus“) die Wirkung von Sublimat (hochkonzentriertes Quecksilber) im menschlichen Körper zwar in wenigen Sätzen, aber sehr deutlich und anschaulich beschrieben. Das war ein grausames Sterben, ein sehr grausames.


    Definitiv, ja.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Und für Jan hätte ja der Besuch nicht nur Jacobina gegolten, sondern – als Missionar – einem Menschen, der in Not, der im Gefängnis ist und seines Zuspruches bedarf. Ich frage mich, ob ihm überhaupt bewusst wird, dass er einen zweifachen Verrat begeht. Für seine eigene Entwicklung würde ich ihm jedenfalls gewünscht haben, dass er sein Verhalten niemals vergisst und seine Lehren daraus zieht – wenn er denn ein lebendiges Wesen wäre.


    Finde ich einen ganz wichtigen Aspekt. :anbet


    Zitat

    Original von Lipperin
    So bin ich froh, wenn ich ihm in diesem Buch nicht noch einmal begegnen muss. (Ich muss doch nicht, oder???)


    :schaem



    Zitat

    Original von Lipperin
    Kian Gie ist ein seltsamer Mensch, unbeherrscht und doch kalt, absolut machtbesessen, keinen Widerspruch duldend. Ein Spieler auch er, vielleicht nicht einmal mehr um Geld, aber – ich bitte um Verzeihung für den Ausdruck, aber ein passenderer fällt mir nicht ein – um die Seelen der Menschen.


    Ich finde diesen Ausdruck überaus passend, so empfinde ich Kian Gie auch. :-)


    Zitat

    Original von Lipperin
    Floortje wird auf Dauer einen Gang durch die Hölle vor sich haben, wenn sie bei ihm bleiben muss, denn dass er sie dermaßen zähmt, dass sie wirklich nur noch all das tut, was er sagt, wird lange dauern (hoffe ich zumindest). Wer weiß, was er ihr noch alles antut – und was, wenn er ihrer überdrüssig wird? Muss sie dann in ein Bordell?


    Ich bin mir gar nicht sicher, was in ein paar (wenigen) Monaten oder Jahren sein würde. Ich halte es sehr wahrscheinlich, dass Floortje buchstäblich eingehen würde bei ihm. Dass er sie verkauft, allein schon, um sie zu demütigen - möglich. Ich will es zumindest nicht ausschließen.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Auf Seite 387 habe ich mich auch gefragt, ob er „seine Macht genoss“, auch genoss, weil sie Europäerin, weil sie eine weiße Frau, weil sie überhaupt eine Frau ist (es gibt da ja noch diese Andeutung auf Seite 403 oben, betreffend die Großmutter).


    Das ist so, auf jeden Fall.


    Zitat

    Original von Lipperin
    Seite 439: Was sind „Friesische Däumchen“? Enschuldigung, falls es auf der HP beschrieben wird, mir rinnt derzeit die Zeit allzu schnell davon...


    Das hab ich auch tatsächlich nicht auf der Website. :-)
    Das sind traditionelle Kekse zu Weihnachten, aber auch sonst, und wie bei allen Backrezepten gibt es verschiedene Varianten.


    In den heutigen Rezepten werden sie meist noch an den Enden in Kuvertüre gestippt.


    Rezept für Friesische Däumchen auf kuechengoetter.de


    Aber eigentlich gehören sie als "Fryske dúmkes" so wie auf dieser niederländischen Seite abgebildet - verlinke ich jetzt grad mal wegen des Fotos:


    Fryske dúmkes / Friesische Däumchen



    Zitat

    Original von Lipperin
    James wollte ich nicht noch einmal begegnen. War es nicht von Vornherein klar, dass Emma sich ihn krallen würde? Vielleicht hat sie ja deshalb auch nur den Mund aufgemacht, damals, bei der Verlobung...


    Sagen wir mal so: ich wollte diesen Verdacht dem Leser zumindest nahelegen ...


    Zitat

    Original von Nicole
    Jan und Jacobina wären schon glücklich miteinander geworden, doch.


    So lange gutes Wetter war, ja.
    Und wenn eine vergleichbare Situation gekommen wäre, hätte er auch versagt, davon bin ich überzeugt.[/quote]


    Kann ich auch nicht vollkommen ausschließen, ja.


  • Danke!
    Wird dann gleich mal ausprobiert, wenn es etwas kühler wird.

  • Dieser Abschnitt hat es wirklich in sich und nachdem im Buch so viel passiert und hier so viele interessante Gedanken aufgegriffen wurden, zu denen ich mich auch äußern möchte, ist mein Beitrag recht lang geworden (obwohl ich eigentlich versucht habe, mich nur zum Wichtigsten aus meiner Sicht zu äußern). Sorry.


    Jetzt ist Jeroen wirklich gestorben. ;-( ;-( ;-( Musste das denn sein? Aber Nicole hat das ja schon mal bejaht. :-( Mir wäre es zwar lieber gewesen, Nicole hätte einen anderen Weg gefunden, aber irgendwie passt dieser gewaltsamer, völlig unnötiger Tod auch in diese Geschichte hinein. Es ist nur der Qualität des Buches zu verdanken, dass ich es nicht völlig entnervt in die Ecke gepfeffert habe, so hat es mich doch zum Weiterlesen gereizt. Und eurer guten Spürnase, die mich zumindest auf das Schlimmste vorbereitete! Da hilft es auch nicht, dass du, Nicole, beim Schreiben selbst mitgelitten hast. Schließlich war es deine bewusste Entscheidung, wir dagegen müssen die so hinnehmen, ohne wirklich eine Alternative zu haben.


    Jans Verhalten ist natürlich unentschuldbar! Meiner Meinung nach denkt er viel zu wenig über mögliche Alternativen nach, für ihn gibt es anscheinend nur: Jacobina gar nicht helfen oder seine Freunde (vor allem Griet) zu verraten (die Sorge um seinen Job habe ich nicht als so drängend empfunden). Wie wäre es mit dem Beistehen Jacobinas? Und/Oder Vincent und Griet ins Gewissen zu reden? Oder, oder, oder … Da hätte es doch sicher noch andere Möglichkeiten gegeben, ohne das Wort Syphilis überhaupt zu erwähnen.


    Griet tut mir einfach nur leid. Was muss es für ein furchtbares Gefühl sein, sein eigenes, geliebtes Kind (wenn auch unwissentlich) vergiftet zu haben. Vorher bereits die ständige Angst vor der todbringenden, unheilbaren Krankheit. Und dann ertappt sie den Urheber der ganzen Misere, ihren Mann, den sie trotzdem immer noch liebt, auch noch mit ihrer Hauslehrerin (das ist sicher nochmal ganz was anderes als sein Sex mit den einheimischen Bediensteten). Kein Wunder, dass sie in dieser Situation Jacobina beschuldigt, auch wenn das natürlich ganz falsch von ihr war. Im schlimmsten Fall hätte es Jacobinas Todesurteil sein können.


    Floortje mag ich fast noch lieber als Jacobina, vor allem, weil sie so unperfekt ist. Gut gefallen hat mir die Szene, als sie darüber nachdenkt, dass sie jetzt eigentlich alles hat, was sie sich erträumt hat: schöne Kleider, wertvollen Schmuck und ein luxuriöses Haus. Und das doch alles hergeben würde, da sie es sehr, sehr hart erkauft hat. Das erinnert mich an das Sprichwort, dass man aufpassen soll, was man sich wünscht!


    Mir persönlich wars nicht zu viel Sex, es hat hier einfach reingepasst. Außerdem waren sie gut geschrieben. Da ist nichts peinlich oder schmuddelig (auch die "extremen" Sachen nicht), dafür aber gut vorstellbar. Sehr zu denken gab mir, dass sich sowohl Kiang Gie als auch der Major einreden, Frauen hätten es gern auf die harte Tour bzw. wollten ständig Sex. Was soll denn das? Ihnen muss doch klar sein, dass die Frauen es nur mit ihnen tun, weil sie müssen.


    Zitat

    Original von Nicole
    Vielleicht täusche ich mich da, aber es wäre sicher ein leichter verdauliches Buch, wären die Charaktere nur schwarz-weiß angelegt. Vincent und Kian Gie nur abgrundtief böse, die beiden Mädels nur die leidenden Opfer.


    Es wäre sicher ein einfacher zu lesendes Buch, aber auch ein vielfach langweiligeres. Grautöne sind sicher für den Autoren als auch für den Leser schwierig, aber sehr viel lebensechter. Ich finde es toll, dass du dich, Nicole, an das Buch mit allen Schwierigkeiten herangetraut hast. Ich kenne ja die „alte“ Nicole nicht, aber die hier finde ich wirklich klasse! :-] Ich freue mich, dass du dieses Buch so und nicht anders geschrieben hast (naja, mit obriger Ausnahme)! Es ist einzigartig und damit sehr besonders!


    Zitat

    Original von sapperlot
    Wies allerdings "draußen" bei der Masse aussieht ist eine andere Frage… Gerade weil der Titel und das Cover auf seichten "Love & Landscape" ausgerichtet ist und viele Leserinnen einen Liebesroman lesen möchten und den strahlenden Helden zum anschmachten vermissen werden.


    Die Sache mit dem Klappentext kann ich mittlerweile nachvollziehen! Und ja, es ist ein Dilemma! So, wie das Buch daherkommt (Cover und Buchrückseite), hätte ich auch mehr ein klassisches "Wohlfühlbuch" erwartet. Wer das in der Buchhandlung kauft und es ist dann so ganz anders, ist vielleicht enttäuscht. Warum ist der Verlag, der dich mit diesem unkonventionellen Buch unterstützt, nicht auch noch einen Schritt weitergegangen und hat das Cover und den Klappentext des Buches dementsprechend angepasst?. Momentan weiß ich aber auch nicht, was ich besser finden würde: mehr auf das Buch eingehen und damit mehr verraten oder ein allgemeiner Klappentext, der evtl. falsche Erwartungen weckt.


    Was für mich in diesem Abschnitt auch noch ganz wichtig war: der Besuch im Zirkus. Dieser hat mir sehr gut gefallen, ich konnte mir die ganze gespannte und begeisterte Atomsphäre sehr gut vorstellen. Außerdem,

    Zitat

    Original von sapperlot Ich habe gefühlsmässig den Zirkus und John Holtum gebraucht.


    Und ich denke, Floortje genauso! Dazu sind mir auch einige Fragen an dich, Nicole, eingefallen, die allerdings größteneils schon beantwortet wurden: Zunächst das wunderbar beschriebene Kleid von Floortje. Hast du bei solchen Kleiderbeschreibungen ein Bild eines Originals, oder stellst du dir das so detailliert im Kopf vor oder wie gehst du dabei vor? Dank deines Links und deines ausführlichen Essays auf deiner Homepage bin ich ja schon etwas schlauer, was John Holtum und den Zirkus angeht. Danke dafür! Wahnsinn, dass ein Mann Kanonenkugeln fangen konnte! Leider hab ich über ihn im Internet nur englische Texte gefunden. Lachen musste ich auch beim Verhalten mancher Damen, die Forderung an den Star, ein Kind zu zeugen oder Unterwäsche in die Manege zu werfen hat mich sehr erheitert. Deine Anmerkungen dazu weiter vorne fand ich sehr interessant, sonst hätte ich jetzt nachgefragt, ob das damals schon so war. Kaum vorstellbar! Ganz ergreifend war natürlich auch die Szene im Hotel mit John Holtum. Floortje hätte bei ihm bleiben sollen, doch ihre Angst war zu groß.


    Zitat

    Original von Kirsten Ein bisschen Schade finde ich, dass der Vulkan noch nicht so wirklich im Spiel ist und somit auch gar nicht mehr viel Raum bzw. Seiten für ihn bleibt.


    Keine kann jetzt der anderen beistehen und helfen, und der Vulkan bricht ja auch noch aus! Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Zitat

    Original von Lese-rina
    Dieser Abschnitt hat es wirklich in sich und nachdem im Buch so viel passiert und hier so viele interessante Gedanken aufgegriffen wurden, zu denen ich mich auch äußern möchte, ist mein Beitrag recht lang geworden (obwohl ich eigentlich versucht habe, mich nur zum Wichtigsten aus meiner Sicht zu äußern). Sorry.


    Überhaupt kein Problem, Lese-rina - dafür sind doch Leserunden da, dass man da reinschreibt, was einen beschäftigt beim Lesen, oder?
    Mal ist das eben weniger und mal mehr ... :knuddel1


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Jetzt ist Jeroen wirklich gestorben. ;-( ;-( ;-( Musste das denn sein? Aber Nicole hat das ja schon mal bejaht. :-( Mir wäre es zwar lieber gewesen, Nicole hätte einen anderen Weg gefunden, aber irgendwie passt dieser gewaltsamer, völlig unnötiger Tod auch in diese Geschichte hinein. Es ist nur der Qualität des Buches zu verdanken, dass ich es nicht völlig entnervt in die Ecke gepfeffert habe, so hat es mich doch zum Weiterlesen gereizt. Und eurer guten Spürnase, die mich zumindest auf das Schlimmste vorbereitete! Da hilft es auch nicht, dass du, Nicole, beim Schreiben selbst mitgelitten hast. Schließlich war es deine bewusste Entscheidung, wir dagegen müssen die so hinnehmen, ohne wirklich eine Alternative zu haben.


    Im Prinzip hast Du damit schon recht, dass es meine bewusste Entscheidung war.
    Wobei die "Macht", die man als Autor über Geschichte und Charaktere hat, eigentlich immer wesentlich geringer ist als das von außen aussieht - und man das als Autor auch oft glauben will. Wenn ich eine Geschichte entwickle, komme ich mir immer vor wie in einem dunklen Labyrinth, durch das ich mich hindurchtaste - überall gibt es zig Abzweigungen und Varianten, aber eben nur einen einzigen "richtigen" Weg, den es zu erspüren gilt.


    Ich mach mir das nie leicht, eine Person in einem Roman sterben zu lassen, dafür muss es schon immer sehr gute dramaturgische Gründe geben - oder eben die historischen Fakten verlangen es.


    In diesem Fall war es so, dass es tatsächlich einmal einen kleinen Jungen gab, in Niederländisch-Ostindien als Sohn niederländischer Eltern am 30. Januar 1897 geboren und unter ganz ähnlichen Umständen wie Jeroen am 28. Juni 1899 gestorben. Über seine später weltberühmte (und berüchtigte) Mutter wurde seither sehr viel geschrieben - über den kleinen Norman nicht, schon gar nicht über die Hypothese, er sei womöglich an einer Quecksilbervergiftung in Zusammenhang mit der Syphilis seiner Eltern gestorben, eine Hypothese, die ich sehr schlüssig finde.


    Und ich wollte einfach in Form dieses Romans auch von diesem Jungen erzählen, obwohl mir dabei durchaus bewusst war, was ich euch Lesern damit zumute.


    (Über die historischen Vorbilder zu einzelnen Personen des Romans sprechen wir vielleicht noch ganz am Ende ...)



    Zitat

    Original von Lese-rina
    Jans Verhalten ist natürlich unentschuldbar! Meiner Meinung nach denkt er viel zu wenig über mögliche Alternativen nach, für ihn gibt es anscheinend nur: Jacobina gar nicht helfen oder seine Freunde (vor allem Griet) zu verraten (die Sorge um seinen Job habe ich nicht als so drängend empfunden). Wie wäre es mit dem Beistehen Jacobinas? Und/Oder Vincent und Griet ins Gewissen zu reden? Oder, oder, oder … Da hätte es doch sicher noch andere Möglichkeiten gegeben, ohne das Wort Syphilis überhaupt zu erwähnen.


    Von Quecksilber ist der Gedankengang zur Syphilis einfach sehr, sehr kurz, für alle Außenstehenden. Wenn er Griet wirklich schützen will, darf er da keine schlafenden Hunde wecken.


    Ich bin auch davon überzeugt, ein paar Tage des Nachdenkens später hätte Jan versucht, eine andere Möglichkeit zu finden - aber es kam dann alles ganz anders ...


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Griet tut mir einfach nur leid. Was muss es für ein furchtbares Gefühl sein, sein eigenes, geliebtes Kind (wenn auch unwissentlich) vergiftet zu haben. Vorher bereits die ständige Angst vor der todbringenden, unheilbaren Krankheit.


    Das ist auch etwas, was mich sehr berührt hat an ihr.
    Ich glaube, wenn man das ganze Buch gelesen hat und dann zurückblättert, merkt man ein bisschen, wie sehr die Angst vor der Syphilis auch unterschwellig immer das Verhältnis zu ihren Kindern belastet hat.


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Und dann ertappt sie den Urheber der ganzen Misere, ihren Mann, den sie trotzdem immer noch liebt, auch noch mit ihrer Hauslehrerin (das ist sicher nochmal ganz was anderes als sein Sex mit den einheimischen Bediensteten). Kein Wunder, dass sie in dieser Situation Jacobina beschuldigt, auch wenn das natürlich ganz falsch von ihr war. Im schlimmsten Fall hätte es Jacobinas Todesurteil sein können.


    Das ist auf jeden Fall was anderes.


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Floortje mag ich fast noch lieber als Jacobina, vor allem, weil sie so unperfekt ist. Gut gefallen hat mir die Szene, als sie darüber nachdenkt, dass sie jetzt eigentlich alles hat, was sie sich erträumt hat: schöne Kleider, wertvollen Schmuck und ein luxuriöses Haus. Und das doch alles hergeben würde, da sie es sehr, sehr hart erkauft hat. Das erinnert mich an das Sprichwort, dass man aufpassen soll, was man sich wünscht!


    Daran habe ich beim Schreiben auch gedacht! :-)


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Mir persönlich wars nicht zu viel Sex, es hat hier einfach reingepasst. Außerdem waren sie gut geschrieben. Da ist nichts peinlich oder schmuddelig (auch die "extremen" Sachen nicht), dafür aber gut vorstellbar. Sehr zu denken gab mir, dass sich sowohl Kiang Gie als auch der Major einreden, Frauen hätten es gern auf die harte Tour bzw. wollten ständig Sex. Was soll denn das? Ihnen muss doch klar sein, dass die Frauen es nur mit ihnen tun, weil sie müssen.


    Ich bin sehr erleichtert und froh, dass Du es so empfindest! :knuddel1


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Sehr zu denken gab mir, dass sich sowohl Kiang Gie als auch der Major einreden, Frauen hätten es gern auf die harte Tour bzw. wollten ständig Sex. Was soll denn das? Ihnen muss doch klar sein, dass die Frauen es nur mit ihnen tun, weil sie müssen.


    Das ist eine verzerrte Wahrnehmung, die bei beiden einerseits zeit-typisch ist - andererseits gibt es diese schiefe Wahrnehmung leider auch heute noch bei genug Männern.


    Zitat

    Original von Lese-rina


    Es wäre sicher ein einfacher zu lesendes Buch, aber auch ein vielfach langweiligeres. Grautöne sind sicher für den Autoren als auch für den Leser schwierig, aber sehr viel lebensechter. Ich finde es toll, dass du dich, Nicole, an das Buch mit allen Schwierigkeiten herangetraut hast. Ich kenne ja die „alte“ Nicole nicht, aber die hier finde ich wirklich klasse! :-] Ich freue mich, dass du dieses Buch so und nicht anders geschrieben hast (naja, mit obriger Ausnahme)! Es ist einzigartig und damit sehr besonders!


    *freu* Danke, Lese-rina!
    Ich hatte schrecklichen großen Bammel, nicht nur, das Buch genau so zu schreiben, sondern vor allem auch, es dann so in die Welt hinauszuschicken. Hätten meine beiden Testleserinnen und meine Lektorin mich nicht immer wieder darin bestärkt, hätte ich glaube ich auch vor lauter Angst gekniffen ...


    Und jetzt an Deiner Reaktion und an denen der anderen Leser zu merken, dass es gut und richtig war, das Buch so zu schreiben - das ist eine ganz, ganz große Freude! :anbet (Und Erleichterung! :lache )


    Zitat

    Original von Lese-rina


    Die Sache mit dem Klappentext kann ich mittlerweile nachvollziehen! Und ja, es ist ein Dilemma! So, wie das Buch daherkommt (Cover und Buchrückseite), hätte ich auch mehr ein klassisches "Wohlfühlbuch" erwartet. Wer das in der Buchhandlung kauft und es ist dann so ganz anders, ist vielleicht enttäuscht. Warum ist der Verlag, der dich mit diesem unkonventionellen Buch unterstützt, nicht auch noch einen Schritt weitergegangen und hat das Cover und den Klappentext des Buches dementsprechend angepasst?. Momentan weiß ich aber auch nicht, was ich besser finden würde: mehr auf das Buch eingehen und damit mehr verraten oder ein allgemeiner Klappentext, der evtl. falsche Erwartungen weckt.


    Ich bin natürlich kein Vertriebsprofi ...
    Aber ich glaube, von der Vorstellung, Cover und Klappentext sollten hauptsächlich das Buch widerspiegeln, müssen wir uns wohl verabschieden - ist zumindest mein persönlicher Eindruck. Auf dem ganzen großen Buchmarkt gibt es einfach unglaublich viele Neuerscheinungen, und da werden Cover und Klappentext ganz automatisch zum hauptsächlichen Verkaufsargument, auch unabhängig vom Inhalt. Ich denke, da muss man auch ganz realistisch und pragmatisch sein ...


    Welche Variante nun besser gewesen wäre, weiß ich auch nicht - zumindest habe ich bislang immer noch kein empörten Mails oder Total-Verrisse zum Buch bekommen ... Verdächtig. :gruebel


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Und ich denke, Floortje genauso! Dazu sind mir auch einige Fragen an dich, Nicole, eingefallen, die allerdings größteneils schon beantwortet wurden: Zunächst das wunderbar beschriebene Kleid von Floortje. Hast du bei solchen Kleiderbeschreibungen ein Bild eines Originals, oder stellst du dir das so detailliert im Kopf vor oder wie gehst du dabei vor?


    Historische Kostüme, gerade aus dem 19. Jahrhundert, sind so ein bisschen ein Hobby aus Kindertagen bei mir ( Nic = Kostümschinken-geschädigt :chen ), da recherchiere ich immer nur mal noch genauer die modischen Feinheiten nach wie z.B. angesagte Farben oder irgendwelche Details.


    Orientalische Muster waren in diesen Jahren gerade sehr "in", Fächer aus Pfauenfedern auch - und auf dieser Basis habe ich dieses Kleid für Floortje entworfen.
    (das auch durchaus die Ambivalenz von Kian Gie ihr gegenüber widerspiegelt. Der Pfau gilt als schön, ist ein beliebter Ziervogel - symbolisiert aber eben auch die Eitelkeit.)


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Dank deines Links und deines ausführlichen Essays auf deiner Homepage bin ich ja schon etwas schlauer, was John Holtum und den Zirkus angeht. Danke dafür! Wahnsinn, dass ein Mann Kanonenkugeln fangen konnte! Leider hab ich über ihn im Internet nur englische Texte gefunden.


    Es gibt über ihn auch wirklich nicht sehr viel, aber immerhin mehr und Aussagekräftigeres als über die anderen Mitglieder der Zirkustruppe. Zum Glück! :anbet


    Zitat

    Original von Lese-rina
    Lachen musste ich auch beim Verhalten mancher Damen, die Forderung an den Star, ein Kind zu zeugen oder Unterwäsche in die Manege zu werfen hat mich sehr erheitert. Deine Anmerkungen dazu weiter vorne fand ich sehr interessant, sonst hätte ich jetzt nachgefragt, ob das damals schon so war. Kaum vorstellbar!


    Ja, das ging mir auch so - auch überhaupt bei Holtums Nummern, unglaublich, dass ein Mensch so etwas kann.


    Bei diesem Buch gab es so einiges, bei dem ich dachte: wenn ich das jetzt schreibe - das glaubt mir doch später kein Mensch!! :lache

  • Die Geschichte wird immer dramatischer. Man kann das Buch wirklich kaum noch weglegen.


    Das Schicksal von Floortje bei Kian Gie berührt mich einerseits, aber andererseits kann ich doch auch nicht nur Mitleid aufbringen, ich bin irgendwie auch wütend über ihr gedankenloses "oberflächliches"Verhalten.
    Trotzdem wünsche ich ihr natürlich, dass sie von diesem Mann wegkommt. Was ich mich ab und an frage: wenn der Kerl drei Frauen und acht Kinder hat, wie kann er eigentlich ständig bei ihr sein und sich an ihr vergnügen ?? Man sollte denken, er hätte neben Familie und "Geschäften" gar nicht sooo viel Zeit ...


    Jan - welche Enttäuschung ! Ich kann nur vermuten, dass er dachte, wenn er seinen Job und die Aussicht auf das Haus verliert, verliert er auch Jacobina. Ich möchte das denken und nicht, dass er einfach nur feige war.


    Wer mich irgendwo auch wirklich ärgerlich macht ist diese Frau de Jong - wie kann man alles nur so über sich ergehen lassen und mitmachen und vor allem die Augen verschliessen ?? Es geht ja schliesslich um das Wohl und die Gesundheit von Menschen die ihr sehr nahestehen.

  • Zitat

    Original von Nicole
    (Über die historischen Vorbilder zu einzelnen Personen des Romans sprechen wir vielleicht noch ganz am Ende ...)


    Sehr gerne! Da ich mittlerweile am Ende angelangt bin und "nur" noch die ganzen Kommentare zum letzten Abschnitt lese, bevor ich mich äußere, weiß ich mittlerweile auch, wen du meinst. Hat mich sehr, sehr überrascht, aber mehr dazu lieber wirklich am Schluß.


    Mittlerweile habe ich mich mit dem Tod Jeroem etwas ausgesöhnt. Es war ein Schock (auch wenn ich durch die Vorausahnungen in der LR etwas vorbereitet war), aber sein Tod gehört zu dieser dramatischen Geschichte irgendwie dazu. Und die ganzen Folgen hätten so nicht funktioniert, wenn "nur" Melati gestorben wäre.


    Zitat


    Aber ich glaube, von der Vorstellung, Cover und Klappentext sollten hauptsächlich das Buch widerspiegeln, müssen wir uns wohl verabschieden - ist zumindest mein persönlicher Eindruck. Auf dem ganzen großen Buchmarkt gibt es einfach unglaublich viele Neuerscheinungen, und da werden Cover und Klappentext ganz automatisch zum hauptsächlichen Verkaufsargument, auch unabhängig vom Inhalt. Ich denke, da muss man auch ganz realistisch und pragmatisch sein ...


    Als Leserin finde ich das sehr schade! Wie soll ich denn wissen, ob mich das Buch begeistern könnte, wenn ich vorher nicht ansatzweise weiß, in welche Richtung es geht? Ich habe dabei weniger Angst vor unvorhergesehenen Ereignissen (überraschende Bücher finde ich meist positiv), als davor, die, die mir wirklich gefallen könnten, nicht mehr zu finden. Bestes Beispiel dieses Buch: Ich hätte es mir in einer Buchhandlung ohne näheres Wissen über Inhalt oder Autorin nicht gekauft, da Cover und Klappentext auf das gleiche 08/15 Auswandererbuch hindeuten, wie sie massenweise rumliegen. Zum Glück lässt mich der Zufall und die Büchereule dann doch auf solche Perlen aufmerksam werden :-), aber schade finde ich diese Entwicklung schon!


    Zitat

    zumindest habe ich bislang immer noch kein empörten Mails oder Total-Verrisse zum Buch bekommen


    Das freut mich für dich und widerlegt zumindest teilweise auch meine These, Käufer, die bewusst ein Wohfühlbuch wollen, könnte die Kehrtwende der Geschichte nicht gefallen. Auch auf Amazon gibt es ja zu diesem Thema keine Negativmeinungen und hier in der LR wurde ebenfalls deutlich, dass den meisten Lesern dieser Verlauf der Geschichte gut gefällt (die Rezis hier in der Eule habe ich noch nicht gelesen).


    Zitat

    Original von Sandrah ich bin irgendwie auch wütend über ihr gedankenloses "oberflächliches"Verhalten.


    Was genau findest du denn oberflächlich? Dass sie nicht eisern spart, sondern sich an schönen Dingen erfreut und damit ihr unerträgliches Leben weiterleben kann? Oder dass sie den Tipp ihrer Kollegin falsch einschätzt? Wie einfach wäre unser Leben, wenn wir vorher immer schon wüssten, was das "Richtige" ist!

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • @ Sandrah


    Zitat

    Original von Sandrah
    Was ich mich ab und an frage: wenn der Kerl drei Frauen und acht Kinder hat, wie kann er eigentlich ständig bei ihr sein und sich an ihr vergnügen ?? Man sollte denken, er hätte neben Familie und "Geschäften" gar nicht sooo viel Zeit ...


    Ich hatte mir das so gedacht, dass Kian Gie tatsächlich nicht so viel Zeit mit seinen Kindern und noch weniger mit seinen Frauen verbringt. Generell nicht - und zu diesem Zeitpunkt sowieso nicht, dafür ist Floortje gerade viel zu interessant für ihn ...


    Mit der eventuellen Ankunft einer neuen Ehefrau, wie auf S. 402 angedeutet, hätte sich das sicher nochmal geändert ...



    @ Lese-rina



    Zitat

    Original von Lese-rina
    Mittlerweile habe ich mich mit dem Tod Jeroem etwas ausgesöhnt. Es war ein Schock (auch wenn ich durch die Vorausahnungen in der LR etwas vorbereitet war), aber sein Tod gehört zu dieser dramatischen Geschichte irgendwie dazu. Und die ganzen Folgen hätten so nicht funktioniert, wenn "nur" Melati gestorben wäre.


    Ich bin froh und erleichtert, dass Du es so empfindest. :-)



    Zitat

    Original von Lese-rina
    Als Leserin finde ich das sehr schade! Wie soll ich denn wissen, ob mich das Buch begeistern könnte, wenn ich vorher nicht ansatzweise weiß, in welche Richtung es geht? Ich habe dabei weniger Angst vor unvorhergesehenen Ereignissen (überraschende Bücher finde ich meist positiv), als davor, die, die mir wirklich gefallen könnten, nicht mehr zu finden. Bestes Beispiel dieses Buch: Ich hätte es mir in einer Buchhandlung ohne näheres Wissen über Inhalt oder Autorin nicht gekauft, da Cover und Klappentext auf das gleiche 08/15 Auswandererbuch hindeuten, wie sie massenweise rumliegen. Zum Glück lässt mich der Zufall und die Büchereule dann doch auf solche Perlen aufmerksam werden :-), aber schade finde ich diese Entwicklung schon!


    Kann ich schon verstehen, das geht mir als Leserin manchmal auch so.



    Zitat

    Original von Lese-rina


    Das freut mich für dich und widerlegt zumindest teilweise auch meine These, Käufer, die bewusst ein Wohfühlbuch wollen, könnte die Kehrtwende der Geschichte nicht gefallen. Auch auf Amazon gibt es ja zu diesem Thema keine Negativmeinungen und hier in der LR wurde ebenfalls deutlich, dass den meisten Lesern dieser Verlauf der Geschichte gut gefällt (die Rezis hier in der Eule habe ich noch nicht gelesen).


    Kann ja noch kommen ... :lache
    Ich halte das auch durchaus für realistisch - und ich muss schon sagen, ich bin bisher positiv überrascht, dass das Buch so gut ankommt.
    Da merke ich mal wieder, dass ich trotz einiger Erfahrung im Schreiben und mit Leserfeedback nie wirklich weiß, wie ein Buch später ankommt. Vielleicht ist es wirklich das Beste, einfach das zu schreiben, was einem am Herzen liegt und wie es sich für einen selbst richtig anfühlt - das ist auf jeden Fall eines der Dinge, die ich aus dieser Leserunde für mich mitnehme. :anbet

  • @ Lese-rina


    Mit oberflächlich meine ich dass sie sich von vorn herein in den Kopf setzt, reich zu heiraten und möglichst wenig mehr dafür tun zu müssen als einfach hübsch aussehen. Versteh mich nicht falsch: ihre Beweggründe, dass sie weg will von ihrem alten Leben die kann ich sehr wohl nachvollziehen, aber ihr Plan wie das Neue aussehen soll, der will mir eben nicht so ganz in den Kopf.

  • @ Nicole:
    Dann wünsche ich dir (und auch uns) die Möglichkeit, dies in vielen kommenden Büchern zu verwirklichen! :knuddel1 Und diesem Buch auch den kommerziellen Verkaufszahlenerfolg, um zu zeigen, dass auch Bücher abseits eines bestimmten Klischees Erfolg haben können. Ich kann nur für mich sprechen, aber sicher gibt es mehr Leser, die so denken: Mir gefallen grundsätzlich eher Bücher die mich überraschen, die sich nicht so leicht festlegen lassen und mit anderen, als den gängigen, Charakteren und Inhalten aufwarten. Von daher bin ich wirklich froh, wenn jeder Autor anders schreibt und genau das schreibt, was ihm am Herzen liegt und nicht jeder gleich.


    Nachtrag (gerade erst gesehen, deshalb hänge ich die Antwort noch dran):


    @ Sandra:
    Ja, ich verstehe, was du meinst. Allerdings denke ich, dass es die einzige Möglichkeit war, die sie gesehen hat, in ihrem Leben zu irgendwas zu kommen. Wir dürfen nicht vergessen, dass damals Frauen so gut wie keine Möglichkeiten hatten, ihr eigenes Leben zu leben. Was hätte sie also tun sollen? Ihr Leben als Hausmädchen oder Küchenhilfe fristen, um von der Hand in den Mund zu leben und vollkommen abhängig von ihren Chefs zu sein? Oder zu warten, bis ihrer Tante irgendeine Möglichkeit einfällt, sie an den Fünftbesten zu verschachern (denn ein anderer wird sie in ihrer Heimat nicht mehr nehmen)? Sie sieht eine Hochzeit woanders als Ausweg, eine ehrbare Frau mit einigermaßen angenehmen Leben zu sein. Das einzige, was sie vielleicht besser hätte machen können, wäre eine besse Planung dieses Schrittes und im Vorfeld notwendige Kontakte zu knüpfen. Aber hinterher ist man immer schlauer. Außerdem ist das Mädel erst 16! Dass die ganze Sache sehr leichtsinnig war und ihr Wunsch nach Luxus auch nach hinten losgehen kann, erkennt sie gerade selbst.

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

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  • Eigentlich macht Floortje da nur das, was alle Mädchen und junge Frauen in ihrem Alter tun: sich einen Ernährer suchen, wie auch immer. Die in den höheren Gesellschaftsschichten halt um Einiges häufiger und vielleicht auch mit weniger Taktik und Kalkül. Vielleicht, ich bin mir da nicht so sicher.


    Das ist etwas, was mich bei diesem Buch sehr beschäftigt hat: die relative Unmöglichkeit, sich als Frau den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.
    Zumal ich beim Nil-Buch gerade vorher zwei Schwestern exakt zur selben Zeit in England hatte, die zwar vom Elternhaus her privilegiert waren, aber die immerhin eine höhere Ausbildung genießen und zumindest theoretisch auch arbeiten gehen konnten.
    Dass es in den Niederlanden kaum Arbeitsmöglichkeiten für Frauen, gab, auf Java noch weniger, dass es nicht einmal die Möglichkeit einer höheren Ausbildung gab - das fand ich eine ganz bedrückende Vorstellung.




    Zitat

    Original von Lese-rina
    @ Nicole:
    Dann wünsche ich dir (und auch uns) die Möglichkeit, dies in vielen kommenden Büchern zu verwirklichen! :knuddel1 Und diesem Buch auch den kommerziellen Verkaufszahlenerfolg, um zu zeigen, dass auch Bücher abseits eines bestimmten Klischees Erfolg haben können. Ich kann nur für mich sprechen, aber sicher gibt es mehr Leser, die so denken: Mir gefallen grundsätzlich eher Bücher die mich überraschen, die sich nicht so leicht festlegen lassen und mit anderen, als den gängigen, Charakteren und Inhalten aufwarten. Von daher bin ich wirklich froh, wenn jeder Autor anders schreibt und genau das schreibt, was ihm am Herzen liegt und nicht jeder gleich.


    Dankeschön, so lieb von Dir! :knuddel1


    Ich hab zumindest mal mit Herzenslust für den geplanten nächsten Roman drei ganz unterschiedliche (und wie ich finde, doch auch recht ausgefallene) Exposés zusammengebastelt - mal schauen, was es dann werden wird ... :zwinker

  • Jeroen & Melati: :cry


    Von Jan bin ich maßlos enttäuscht. :-( In dem Moment, als Jacobina ihn am dringendsten braucht, macht er einen Rückzieher und ihm ist anscheinend sein "guter Ruf" wichtiger als ihr Schicksal. :rolleyes
    Ich hoffe ernsthaft, sie verzeiht ihm das nicht doch noch irgendwann ... Sonst bleibt wohl immer die Angst im Hinterkopf, dass er bei der nächsten Schwierigkeit gleich wieder weg ist.


    Die Rolle der Frauen und auch ihr Selbstverständnis in der damaligen Zeit finde ich immer wieder erschreckend und ich bin sehr froh, dass wir inzwischen in einer anderen Zeit leben dürfen (auch wenn es auch heute noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.)


    Mein Eindruck des Majors hat sich leider auch in diesem Abschnitt verfestigt.


    Richtig entspannend zu lesen war der Abschnitt mit Floortjes Ausflug in die Zirkuswelt inkl. der Nacht mit John. Auch wenn die Rückkehr zu Kian Gie am nächsten Morgen dafür umso härter erscheint ...

  • Zitat

    Original von dingle
    Jeroen & Melati: :cry


    :knuddel1


    Zitat

    Original von dingle
    Die Rolle der Frauen und auch ihr Selbstverständnis in der damaligen Zeit finde ich immer wieder erschreckend und ich bin sehr froh, dass wir inzwischen in einer anderen Zeit leben dürfen (auch wenn es auch heute noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.)


    Mir geht es ganz ähnlich - mir wird da auch immer bewusst, dass es zwar durchaus noch an einigen Ecken hakt bzw. das eine oder andere besser sein könnte, aber wie gut wir Frauen es insgesamt doch heute haben.
    Zumindest in unserer Ecke der Welt.



    Zitat

    Original von dingle
    Richtig entspannend zu lesen war der Abschnitt mit Floortjes Ausflug in die Zirkuswelt inkl. der Nacht mit John. Auch wenn die Rückkehr zu Kian Gie am nächsten Morgen dafür umso härter erscheint ...


    Das ist auch ein sehr krasser Kontrast.
    Mir ist dieser doch sehr heftige Nachklapp zu dem sonst so schönen und wohltuenden Kapitel auch sehr schwer gefallen ...

  • Zitat

    Original von Nicole
    Ich hab zumindest mal mit Herzenslust für den geplanten nächsten Roman drei ganz unterschiedliche (und wie ich finde, doch auch recht ausgefallene) Exposés zusammengebastelt - mal schauen, was es dann werden wird ... :zwinker


    Ich bin sehr gespannt und hoffe natürlich, dass aus allen drei Ideen je ein Roman wird!

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Das wäre natürlich das Allerbeste! :-]
    Aber ich bin davon überzeugt, dass es immer richtig kommt mit den Romanstoffen. Dass man immer genau das Buch als nächstes zu schreiben bekommt, das gerade das "richtige" ist, sowohl von den Themen, in denen es in der Geschichte geht, als auch von der schriftstellerischen Herausforderung her. :-)

  • Auch ich habe diesen Abschnitt nun beendet und weiß gar nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Es ist soviel passiert.


    Floortje "darf" mit Kian Gie ausgehen - in den Zirkus. Dort erlebt sie glückliche Stunden und sie lernt John Holtum kennen. Kian Gie verkauft sie für ein paar Stunden an Holtum. Das ist sowas von kalt und herzlos - aber zum Glück erfüllt sich der Wunsch von Kian Gie nicht. Holtum verschafft Floortje ein paar erholsame und glückliche Stunden. Kian Gie treibt Floortje fast in den Selbstmord. Ich hoffe dass es doch noch gut für sie ausgeht.


    Jacobina verliert Jeroen durch ein "Fieber". Ich habe an dieser Stelle einige Tränen vergossen. Als sie seinen Vater trösten will nutzt er dies aus - wo gibt es denn sowas. Als dann auch noch Melati stirbt und Jacobina verdächtigt wird war ich sehr geschockt. Dann lässt Jan sie auch noch im Stich als sie ihn am meisten gebraucht hätte - das kann ja keine große Liebe sein. Auch hier hoffe ich, dass sich alles noch aufklärt.


    Viele Grüße :wave

  • Zitat

    Original von Sabine Sorg
    Floortje "darf" mit Kian Gie ausgehen - in den Zirkus. Dort erlebt sie glückliche Stunden und sie lernt John Holtum kennen. Kian Gie verkauft sie für ein paar Stunden an Holtum. Das ist sowas von kalt und herzlos - aber zum Glück erfüllt sich der Wunsch von Kian Gie nicht.


    Das ist auch kalt und herzlos und grausam von ihm - aber da verrechnet er sich zum Glück gründlich.


    Zitat

    Original von Sabine Sorg
    Jacobina verliert Jeroen durch ein "Fieber". Ich habe an dieser Stelle einige Tränen vergossen.


    :knuddel1


    Zitat

    Original von Sabine Sorg
    Als sie seinen Vater trösten will nutzt er dies aus - wo gibt es denn sowas. Als dann auch noch Melati stirbt und Jacobina verdächtigt wird war ich sehr geschockt. Dann lässt Jan sie auch noch im Stich als sie ihn am meisten gebraucht hätte - das kann ja keine große Liebe sein. Auch hier hoffe ich, dass sich alles noch aufklärt.


    Das kommt es für Jacobina wirklich Schlag auf Schlag, hart auf hart, und da bricht auch für sie (genau wie vorher schon für Floortje) alles zusammen.

  • Zitat

    Original von Nicole


    Das kommt es für Jacobina wirklich Schlag auf Schlag, hart auf hart, und da bricht auch für sie (genau wie vorher schon für Floortje) alles zusammen.


    Ach Nicole,


    ich gebe Dir recht es kommt für Jacobina auch knüppeldick. Ich dachte immer, wenn schon Floortje kein Glück hat, hat es wenigstens Jacobina besser getroffen - aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.


    Viele Grüße :wave


  • Liebe Sabine,


    das ist ein wahrer Satz - dass es anders kommt, als man denkt.
    Für mich war mit ein roter Faden in diesem Buch der Gedanke, dass sich diese Mischung aus Unterschieden, ja Gegensätzlichkeiten und andererseits Gemeinsamkeiten zwischen Jacobina und Floortje auch in ihren jeweiligen Erlebnissen in dieser Inselwelt fortsetzen sollte.

  • Der Plot wird immer dichter erzählt, die Wirkung immer intensiver.
    Der Leser wird emotional stark beansprucht. Am Ende dieses Abschnittes steht es schlecht um Jacobina und Floortje, aber ich traue beiden zu, dass sie es schaffen, sich zu befreien. Dabei sind sie auf sich selbst angewiesen, auf viel Hilfe von Außen ist nicht zu hoffen.