Autor: Colin Clark
Titel: Meine Woche mit Marilyn
Verlag: Schirmer Mosel (224 Seiten)
Über den Autor:
Colin Clark (1932 – 2002) wurde in London geboren, ging in Eton zur Schule und studierte Oxford. Nach „Der Prinz und das Showgirl“, seinem ersten Job, war er persönlicher Assistent von Sir Laurence Olivier bei mehreren Bühnenproduktionen. 1960 ging er nach New York und begann seine Karriere als Dokumentarfilmer mit TV Serien über Kunst, Musik und Kultur, die er ab 1965 in London u.a. als unabhängiger Produzent fortsetzte. In den USA und England drehte und produzierte er über 100 Dokumentarfilme. 1987 zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Colin Clark starb 2002 in London.
Meine Meinung:
Colin Clark, Sohn des renommierten britischen Kunsthistorikers Sir Kenneth Clark ist 23 Jahre jung, hat soeben die Universität absolviert und er begegnet Marilyn Monroe. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Laufbursche beim Film und nur der dritte Mann, Assistent, ein Laufbursche am Set zu den Dreharbeiten von „Der Prinz und das Showgirl“, der 1956 in den Londoner Pinewood Studios gedreht wurde. Ein Freund der Familie, Sir Laurence Olivier, selbst Hauptdarsteller und Regisseur des Films hat Colin diesen Job verschafft und er erlebt nach eigenen Beschreibungen, das größte Abenteuer seines Lebens: eine Woche mit und in der Nähe der berühmtesten Frau der Welt, zu der damaligen Zeit.
Zitat von Colin Clark: „Wäre Marilyn noch am Leben, hätte ich diesen Bericht nie so schreiben können. Möge er nun meine bescheidene Reverenz an einem Menschen sein, der mein Leben verändert hat – und dessen Leben ich gerne gerettet hätte, wäre ich dazu in der Lage gewesen.“
England 1956 und der junge Colin erlebt die Schauspielerin Marilyn aus einer ganz anderen Perspektive und als Mensch. Während der strenge Sir Laurence Olivier schier an den Launen und der unprofessionellen Marilyn verzweifelt, sich die Dreharbeiten immer mehr verzögern, bekommt Colin einen Einblick in die Verletzlichkeit und Seele der unter Druck stehenden Marilyn und wird zu ihrem Vertrauten und Freund. Gerade mal vier Wochen ist sie mit dem Dramatiker Arthur Miller verheiratet, eine ebenfalls schwierige Beziehung voller Missverständnisse und so sucht sie Trost vor den Anforderungen und der Kontrolle, den Medien, bei Colin. Es gelingt ihnen tatsächlich, eine Woche lang auszubrechen, normal zu sein, unschuldig und ohne Zwang und Verpflichtungen miteinander umzugehen. Ein feines Bild gibt der Mann und Autor dieses Buches über die Frau und Person Marylin, die damalige Zeit und die Verhältnisse hier ab, ohne ihr zu nahe zu treten, sie zu diffamieren oder mit Übertreibungen um sich zu werfen. Den damaligen Hype um den Star kann man gut nachvollziehen und auch ihre Reaktion, die falschen Erwartungen an sie, ihre Naivität, das Spiel mit den Medien und die Sehnsucht nach Normalität. Das Buch ist keine Sensationsenthüllung, beschreibt eine Beinahe Romanze und realistisch die Vorkommnisse hinter und neben den Dreharbeiten und wer Marilyn, in den Augen von Colin eigentlich wirklich sein wollte, wie sie als ganz normale Frau gewesen ist.
Nett und interessant zu lesen, schön und mit Fingerspitzengefühl geschrieben und leider nicht, wie in der englischen Ausgabe, mit den Tagebuchauszügen versehen. Für Liebhaber des Films, der damaligen Zeit und Interessenten um die Person Marilyn, Sir Laurence Olivier, Arthur Miller und Colin Clark sicher lohnenswert.