Wolfspest - Hef Buthe

  • Kurzbeschreibung
    Der Journalist Peter Stösser bringt Wolfsfelle aus Sibirien mit und schleppt unwissentlich eine neue Art von Pest ein.
    Die Wolfspest war ein von russischen Labors in Sibirien entwickelter Kampfstoff, der im Kalten Krieg eine verheerende Seuche ausgelöst hätte. Die Forschungen wurden angeblich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eingestellt und alle Bestände vernichtet.
    Aber wieso erkranken neuerdings Hunderte von Menschen in Europa an der Wolfspest?
    Welche Rolle spielt das menschliche Gendefekt „CCR5-Delta-32“? Kann man es finden und nachbauen? Es wäre die Sensation in der Medizin, weil es gegen alle Infektionen schützen könnte. Ein mörderischer Wettlauf rivalisierender Genlabore beginnt.
    Es gibt erste Tote in Köln. Niemand darf darüber berichten. Doch Peter Stösser recherchiert. Hartnäckig, wie immer.


    Der Autor
    Hef Buthe, geboren 1946, war Kriegsreporter in Vietnam, Nicaragua und dem Nahen Osten. Später gründete er eine erfolgreiche Beraterfirma in Hongkong. Heute wohnt er wieder in Deutschland und widmet sich dem Schreiben von Thrillern.


    Meine Meinung
    Vor Jahren, bei seiner Heimreise durch Sibirien traf Peter Stösser auf einen Jäger und seine Frau, die ihm einen Wolfspelz verkaufen und dafür als Gegenleistung Hilfe von ihm erwarteten. Viel später holt dieses Treffen den alten Stösser wieder ein, als die Wolfspest in Deutschland auftaucht.


    Peter Stösser tappt sehr lange im Dunkeln. In der Ich-Perspektive geschrieben, weiss man als Leser genausowenig wie der Erzähler, wer denn nun Freund, und wer Feind ist, wer durch Zufall in die Schusslinie geraten ist oder wer aus einer anderen Ursache sterben musste. In der Mitte des Buches wird es vor lauter Geheimnistuerei etwas langweilig, aber dann kommt Fahrt auf, die Spannung steigt und den Rest des Buches habe ich nur noch verschlungen.


    Gefreut habe ich mich jedesmal, wenn Peter Stösser nach Hause ging, weil mit seinem Hausmeister und den alten Nachbarinnen immer für gute Unterhaltung gesorgt war. Diese Szenen haben den ansonsten eher düsteren, pessimistischen Roman angenehm aufgelockert.


    Der Schreibstil ist sehr speziell, schnörkellos, und manchmal hat man den Eindruck, man liest nur aneinandergereihte Stichwörter oder Gedanken. Dieser Stil passt zwar sehr gut zu dem alten, griesgrämigen Peter Stösser, doch an manchen Stellen ist das Ganze nur schwer mitzuverfolgen.


    Trotz der kleinen Kritik hat mir das Buch sehr gut gefallen und auch bei einem nächsten Peter Stösser bin ich sicher wieder dabei.


  • Langweilig? Langweilig war mir nun wirklich keine Minute, ganz im Gegenteil, für mich war das der spannendste Peter Stösser überhaupt. Aber ich stimme dir zu, dass das Hin-und-her die Nerven ziemlich in Mitleidenschaft gezogen hat und auch ich deshalb Abkühlungsphasen wie mit dem Hausmeister (in der pdf-Version wurde er einmal zum HAUmeister*g*), den beiden Nachbarinnen oder bei "Erna" recht gelegen kamen und ich weitere Kipp-Aktionen (Wechsel der Person des Hauptverdüchtigen) als anstrengend empfunden hätte.
    Gefallen hat mir auch, dass man wieder einiges Lernen konnte wie zB über Samuraitraditionen, und auch die Einblicke in das Obdachlosenmilieu wie zB das dort verbreitete Kastendenken.
    Mit dem Stil hatte ich keine großen Probleme, wie oben schon gesagt wurde, passt er ganz gut zum knurrigen Protagonisten.


    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Das Angebot für den Kindle, den Roman "Wolfspest" kostenlos herunterzuladen, gab mir die Chance, mich mit dem Stil von Hef Buthe vertraut zu machen und dem Schriftsteller die Gelegenheit, mich von seinen Arbeiten zu überzeugen, insbesondere auch, weil ich schon lange die Beiträge zu "Berlin-Saigon" verfolgt und mich dieser Roman bislang am meisten angesprochen hatte.
    Nachdem ich nun knapp 10 Prozent dieses Romans gelesen habe, bin ich fast sicher, diesen Thriller nicht zu beenden.


    Schwer fiel bereits der Einstieg in die Lektüre; zu ungewohnt ist der Schrifttyp, der für dieses Ebook gewählt wurde und das Lesen erschwert, ebenso erleichtern die stark eingerückten Absätze die Lektüre nicht unbedingt.
    Der Protagonist Peter Stösser, der dem Stammpublikum aus weiteren Romanen bekannt sein dürfte, wird kurz eingeführt. Stösser, der als Journalist in Vietnam gearbeitet hat und dringend nach Hause möchte, sieht sich genötigt, seine Heimreise mit der Transsibirischen Eisenbahn anzutreten.
    Nun sitzt der Kriegsjournalist in einem Abteil mit der systemverärgerten Russin Lisa, die Wolfspelze nach Moskau bringen möchte, und kommt mit ihr ins Gespräch. So sperrig und überarbeitungsbedürftig der Stil anfänglich ist, so einnehmend ist diese Begegnung zwischen dem erschöpften Deutschen und der geschäftstüchtigen Russin. Leider schafft es Hef Buthe nicht, dieses Aufeinandertreffen auszubauen, den Figuren Gesichter zu geben und eine Tiefe zu verleihen, die eine Sogwirkung entfaltet.
    Über Rechtschreibfehler und das Copy and Paste eines russischen Wortes, das sich dank des Zeichensatzes nicht klar als kyrillisch zu erkennen gibt, könnte hinweggesehen werden, wenn die Geschichte sprachlich überzeugen würde.
    Dass ihr das nicht gelingt, liegt zum einen an den offensichtlich bewusst kurz gewählten Sätzen, die das nötige Tempo für einen Thriller suggerieren sollen, denen aber eine gewisse Raffinesse - auch aufgrund von wiederholten Satzanfängen - fehlt und den anspruchsvollen Leser nicht bei Laune hält.


    Nach Lektüre der ersten 10 Prozent dieses Romans sehe ich mich noch nicht als künftige Stammleserin von Hef Buthe, werde dank des ansprechenden Eingangsszenarios von "Wolfspest" jedoch dem Roman eine weitere Chance einräumen und hoffen, dass die anfänglichen Mängel durch einn gelungenen Fortgang der Geschichte meine Meinung ändern werden.

  • Hef Buthe schreibt so, wie sein Protagonist handelt: schnodderig und knapp. Vom US-amerikanischen Creative Writing hält er nichts. Wer cliffhanger, suspense and tension sucht, der wird davon in der Wolfspest nichts finden. Die Story plätschert vor sich hin und ein Mord wird so beiläufig dargestellt, wie andere Krimiautoren einen Pups schildern.


    Buthes Held Peter Stösser ist ebenso anachronistisch wie die Nebendarsteller, z.B. dessen Nachbarinnen und der Hausmeister. Schade eigentlich. Aber solche versoffenen und verfressenen Journalisten und Polizisten wird man selbst im Klüngel-Kaff Köln heute kaum noch finden. Eine Kneipenchefin wie Erna wird heute nur noch im Kölner Plüschmuseum Bier zapfen. Nochmals schade.

    Buthe zeigt uns eine Welt – der Roman spielt (hauptsächlich) im Jahre 1994 – die die Jungen kaum noch kennen und die Alten fast vergessen haben.


    Der Autor weiß, wovon er schreibt und lässt das von seinen Darstellern ein wenig zu oft bestätigen: Russlanddeutsche, Japaner und vor allem Kölner kommen authentisch rüber. Die Geschichte gleicht einem Spinnennetz, auf dem man gemeinsam mit dem Protagonisten auf die Suche geht und sich dabei ebenso häufig verheddert wie der Held – ein weiterer Beweis für den Eigensinn des Autors, denn in den meisten Krimis dieser Spinnart weiß der Leser meist mehr oder weniger als der Held.


    Spät, fast zum Schluss finden Stösser und der Leser den Weg zur Beute im Netz. Die Geschichte macht dann auch Sinn. Ja, sie ist intelligent zusammengeschustert. Insgesamt ein guter Krimi!

    Störend wirken die zahlreichen Rechtschreibfehler, ein Kindle deckt sie erbarmungslos auf, sowie Schrifttyp und Anführungszeichen, die einfach zu wuchtig sind.

  • Zitat

    Original von beisswenger: Hef Buthe schreibt so, wie sein Protagonist handelt: schnodderig und knapp


    .. und versammelt unzählige Verschwörungtheorien im Urin, für die zwei Hände gar nicht erst bemüht werden müssen.
    Mit gutem Willen habe ich durchgehalten; die Prozentanzeige meines Lesegeräts steht bei 80 Prozent und es ist der Punkt erreicht, an dem ich diesen Globalisierungsthriller nicht mehr beenden möchte.
    Eine These jagt die nächste des Selbstgespräche führenden Journalisten, der sich im Kölschen Klüngel nicht recht wohlfühlt, hat er doch die Welt bereist und kennt sich an den Krisenherden dieser Welt aus.
    Wenigstens beschert ihm und dem Lesepublikum sein geistiger Vater ein wenig Asiakontakt im allzu piefigen Rheinland, zumindest soweit, wie der deutsche Leser sich intellektuell nach Asien vorwagt. Da werden japanische Traditionsbegriffe wie Samurai, Yakuza und Bushido bemüht, um den Eindruck von Weltgewandtheit zu suggerieren, aus Polizisten werden Spitzel und aus einer Institutsforscherin eine eigensüchtige Unternehmerin mit zweifelhaften Motiven. Der aufmerksame Leser, der bis hierher durchgehalten, wird spätestens an den unzähligen Wandlungen des Pelzhändlers Fjodorow verzweifeln. Unnötig und unglaubwürdig werden die Lebensläufe der Protagonisten strapaziert und als Hef Buthe im letzten Drittel des Romans auf Bildzeitungsniveau zurückfällt

    und eine abstruse Verbindung zwischen Journalist Stösser und Wissenschaftlerin Schmitt herstellt, platzt auch dem letzten Leser mit einem Funken Verstand im Hirn der Geduldsfaden.
    Nein, an diesem Roman gibt es nichts zu beschönigen und es bleibt der Eindruck, bereits im August meinen persönlichen Flop des Jahres 2012 gelesen zu haben.

  • Ich habe von diesem Roman ebenfalls die kostenlose Kindleversion gelesen- eBooks nur im Urlaub.


    Peter Stösser ist für mich ein alter Bekannter, ich habe schon mehrere Krimis von Hef Buthe gelesen und der hier geht gar nicht. Wo ist den da ein sinnvoller Schluss? So viel offene Handlungsfäden? Nee, ich bin nur genervt von diesem Buch. Dabei hat mir die Idee mit dem Gendefekt - so haarsträubend sie sein mag- ganz gut gefallen und langweilig wurde mir auch nie. Nur - ein Krimi oder Thriller steht oder fällt mit dem Schluß- und der hier ist eine glatte Bauchlandung.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend  :lesend

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