'Die Frau in Weiß' - Seiten 652 - Ende

  • Ein dickes Dankeschön auch von mir, Paradise Lost! :knuddel1


    Dass Marian jede Menge Heiratsanträge bekommen hat, wundert mich nun gar nicht mehr. Manchmal glaube ich auch, dass der Autor eine reale Person zum Vorbild hatte, denn sie ist so herrlich charakterisiert. Oder war sie wohl seine Vorstellung vom Ideal einer Frau? :gruebel


    Zitat

    Original von Clare


    Ja, darüber habe ich mich weiter vorne auch sehr gewundert. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass es selbst beim Friedensrichter so einfach möglich gewesen sein sollte zu heiraten. Für mich war der Knackpunkt auch die Frage nach der Gültigkeit der Ehe unter diesen Umständen. :gruebel


    Man käme des Rätsels Lösung vermutlich ein gut Stück näher, wenn man wüsste, was eigentlich an Unterlagen bei einer Eheschließung beigebracht werden mussten. Wenn es nur Leumundszeugen hätten sein müssen, wären sie ja aus dem Schneider gewesen, da hätte Marian und vermutlich Frau Vesey genügt (nehme ich mal an, da beide der "besseren" Gesellschaft angehörten), ansonsten käme mir fast in den Sinn, an eine Hochzeit in Gretna Green zu denken :grin, was dann auch eine Erklärung dafür wäre, dass Walter derart skandalös wenig über die Hochzeit berichtete. :grin

  • Kurzes Lebenszeichen, ich hab mir diese Woche eine "leichte" Lebensmittelvergiftung eingefangen, deswegen hab ich noch nichts weiter geschrieben. Ich hab das Bonusmaterial inzwischen alles durch, werde demnächst noch was dazu schreiben.


    Für Marian gab es, laut meinem Buch, keine richtige Vorlage. Collins bekam viele (zum Teil erboste) Briefe von Ausländern, die glaubten er hätte Count Fosco nach ihrem Abbild geschaffen. Er selbst meinte dazu nur: Es wäre für Fosco nicht angemessen, nur einen Mann zum Vorbild zu haben. Und das stimmt ja auch irgendwie. ^^

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Zitat

    Original von Paradise Lost
    ...
    Für Marian gab es, laut meinem Buch, keine richtige Vorlage. Collins bekam viele (zum Teil erboste) Briefe von Ausländern, die glaubten er hätte Count Fosco nach ihrem Abbild geschaffen. Er selbst meinte dazu nur: Es wäre für Fosco nicht angemessen, nur einen Mann zum Vorbild zu haben. Und das stimmt ja auch irgendwie. ^^


    Schön, dass es dir schon wieder etwas besser geht! :knuddel1


    Ich finde es schon bemerkenswert, was für Reaktionen ein Roman damals auslöste. Reagiert heute doch kaum mehr jemand auf ein Buch...
    Hattest du nicht geschrieben, dass der Roman in Abschnitten in einer Zeitung abgedruckt veröffentlicht wurde? Dann sind Reaktionen schon mehr nachvollziehbar. Trotzdem: Der Roman hat die Leute wirklich bewegt, in wahrsten Sinn des Wortes.

  • Zitat

    Original von Clare
    Nun ist alles aufgeklärt: Die Ähnlichkeit zwischen Anna und Laura kommt von des Vaters Seite her, was ich nie vermutet hätte, zumal mir Lauras Vater von den Erzählungen her immer eher wie ein Mann hoher Moral vorkam, vielleicht weil Laura erzählte, die ihren Vater sicher nur so kannte. Obwohl, ein Bisschen suspekt war Mr Fairlies Freundschaft mit Sir Percival ja immer.


    Jetzt ist also die Ähnlichkeit zwischen Laura und Anne geklärt - aber mit dem gleichen Vater hatte ich überhaupt nicht gerechnet!


    Zitat

    Original von Clare
    Der Roman war spannend bis zum Schluss. Jemand von euch erwähnte, dass der Roman als durchkomponiert beschrieben wurde, und ich denke, das trifft es auch, aber ich empfinde es nicht als negativ.


    :write Der Roman ist stimmig und klärt alle Rätsel und Geheimnisse auf, es bleiben keine losen Enden. Dies gefällt mir auch sehr gut und der Roman ist so einfach perfekt geschrieben.


    Zitat

    Original von -Christine-
    Wow ... was für ein Buch. Das spektakuläre Ende fand ich absolut passend. Professor Pesca hat sowohl am Anfang, als auch am Ende einen Auftritt, mit dem ich so nicht mehr gerechnet habe. Ich muß gestehen, ich hatte ihn sogar irgendwie vergessen, umso genialer fand ich sein erneutes Auftreten. Normalerweise finde ich solche Auflösungen mit einem Geheimbund irgendwie an den Haaren herbeigezogen, hier jedoch fand ich es einfach passend für diese Geschichte.


    Hier ist es wirklich gut gemacht. Pesca taucht wieder auf (ich mag den kleinen Mann irgendwie) und reißt die ganze Geschichte um, und hilft damit, ein Druckmittel gegen den Conte zu finden. :anbet


    Die Idee mit den verschiedenen Reisedaten fand ich sehr gut - eine glaubhafte Geschichte, denn wer kann sich schon so spontan an ein bestimmtes Datum im Sommer erinnern ?


    Zitat

    Original von Paradise Lost
    Marian hat mir dabei nur so unendlich leid getan. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich zwar einerseits für Laura und Walter freut, dass es ihr aber andererseits auch das Herz bricht (als ihre Träne auf seine Wange fällt während sie ihn auf die Stirn küsst). :-(


    Marian tat mir auch leid.. für sie gibt es leider kein Happy End! :-(


    Zitat

    Original von Paradise LostEdit: Ich bin grad extrem platt. Es gibt zu "Woman in White" seit 2004 ein Musical von Andrew Lloyd Webber, früher hat offenbar sogar Michael Crawford (der auch in Phantom der Oper die Hauptrolle spielte) den Count Fosco gegeben! :wow


    Das wußte ich gar nicht! Vielen Dank!!!


    Zitat

    Original von Paradise Lost
    Unmittelbar nach Veröffentlichung des letzten Teils (die Geschichte wurde erstmals wöchentlich in einer Zeitung veröffentlicht, Herausgeber war übrigens Charles Dickens) bekam Collins übrigens viele Zuschriften von ledigen Herren, die anfragten, ob er ihre Briefe nicht an das lebende Vorbild für Marian Halcombe weiterleiten könnte. Die Briefe enthielten Heiratsanträge!


    Das also bisher mal so in Auszügen, ich berichte weiter. :-)

    Wäre es nicht schön, wenn die richtige Marian diese Briefe bekommen würde? :rofl


    Es war richtig schön mit Euch dieses Buch zu lesen. Alleine hätte ich sicher nach dem 1.Teil abgebrochen - und was wäre mir dann für eine geheimnisvolle Geschichte entgangen! :knuddel1

  • Zitat

    Original von Paradise Lost
    Kurzes Lebenszeichen, ich hab mir diese Woche eine "leichte" Lebensmittelvergiftung eingefangen, deswegen hab ich noch nichts weiter geschrieben. Ich hab das Bonusmaterial inzwischen alles durch, werde demnächst noch was dazu schreiben.


    Ohje, ich habe mal gehört, daß so eine Lebensmittelvergiftung wirklich nicht ohne ist. Auf jeden Fall auch von mir gute Besserung. :keks


    Zitat

    Original von Paradise Lost
    Es wäre für Fosco nicht angemessen, nur einen Mann zum Vorbild zu haben.


    :lache Dem kann ich auch irgendwie zustimmen. :lache


    Zitat

    Original von bibliocat
    Es war richtig schön mit Euch dieses Buch zu lesen. Alleine hätte ich sicher nach dem 1.Teil abgebrochen - und was wäre mir dann für eine geheimnisvolle Geschichte entgangen! :knuddel1


    Ich muß auch gestehen, daß ich im 1. Abschnitt noch dachte, ohje, was ist das denn für ein Buch. :lache Aber auch ich bin froh, daß ich dran geblieben bin.

  • Zitat

    Original von Lipperin
    Was ich unbedingt einmal loswerden möchte: Ein Dankeschön, dass ich mit euch diesen herrlichen Schmöker lesen durfte, ich habe beides, das Lesen und die Diskussion, sehr genossen! :anbet


    Das macht Leserunden ja so besonders: dieser Austausch. Man kann die Sichtweisen der Anderen erfahren, was manchmal auch die eigene Sicht verändert, immer aber interessant ist.

  • Zitat

    Original von Lipperin
    Was ich unbedingt einmal loswerden möchte: Ein Dankeschön, dass ich mit euch diesen herrlichen Schmöker lesen durfte, ich habe beides, das Lesen und die Diskussion, sehr genossen! :anbet


    Das Dankeschön kann ich nur zurückgeben! Ohne Euch wäre das Lesen nur halbsoschön! :knuddel1

  • Lieber spät als nie. :grin
    Ich hab jetzt nochmal meine ganzen Notizen zusammengekramst was das Bonusmaterial angeht.
    Was ich sehr interessant fand, war die Zusammenfassung des Theaterstücks (Prolog + 4 Akte) "Woman in White", das Wilkie Collins selbst geschrieben hat (allerdings erst, nachdem sich verschiedene andere Theater zu seinem Missfallen daran versucht hatten *g*) und das wirklich sehr anders ist als das Buch. Eine Szene wurde sogar komplett abgedruckt, weil es die so im Buch gar nicht gibt: Als Marian in das Sanatorium geht um die vermeintliche Anne zu besuchen wird sie von Walter begleitet und trifft dort auf Fosco. Dieser macht sich Sorgen um Marian und ihre psychische Verfassung, wenn sie erfährt, dass ihre Schwester doch noch lebt. Also bittet er sie, Walter wegzuschicken, damit er mit ihr allein sein kann. Sie kommt dieser Bitte schließlich zögerlich nach und er versucht sie sanft auf das, was sie erwarten wird, vorzubereiten, damit der Schock nicht so groß wird. Eine ganz tolle Szene wie ich finde, weil sie sehr stark die Gefühle von Fosco für Marian ausdrückt, und dass ihm das Gelingen seines Plans stellenweise unwichtiger ist als sie. Sie wären halt doch ein tolles Paar gewesen. *seufz*


    Was natürlich nicht fehlen darf ist ein tabellarischer Lebenslauf, der dann aber als Vorwort noch etwas mehr ausgeführt wird. Der Wilkie Collins hatte es auch faustdick hinter den Ohren. Zeitlebens nicht verheiratet, dafür aber zwei Geliebte (und die sogar die meiste Zeit gleichzeitig), die eine war anderweitig verheiratet lebte aber als seine Haushälterin mit ihm, mit der anderen hatte er 3 Kinder und hat ihr eine Wohnung bezahlt.
    Er litt übrigens selbst an starken Nervenproblemen (von der Beschreibung her klingt es ähnlich wie schlimme Migräneanfälle) so dass er dank der Fürsorge seines Arztes bald von Laudanum abhängig wurde, mit sämtlichen üblen Nebenwirkungen wie zunehmendem Realitätsverlust und Wahnvorstellungen.


    Eine weitere Auswirkung der Popularität des Buches: Zu dieser Zeit wurde ein sprunghafter Anstieg des Namens "Walter" für Neugeborene verzeichnet. Für Katzen wurde dagegen "Fosco" sehr beliebt. Übrigens auch Oscar Wildes Spitzname auf der Schule, das finde ich irgendwie richtig passend. *g*
    Der Stellenwert der Handlung zur damaligen Zeit spiegelt sich auch darin wieder, dass eine sehr beliebte Wette in Wettbüros damals war, was wohl Percys Geheimnis sein mochte (das ging natürlich nur durch die häppchenweise Veröffentlichung in der Zeitung von Charles Dickens). Ähnlich wie man heutzutage auf den Ausgang einer Fußball-WM wettet.


    Zum Schmunzeln brachte mich eines der Vorworte von Wilkie Collins, in dem er sehr geschickt und spitzfindig Rezensenten seiner Geschichte tadelt, die in ihren Kritiken zuviel von der Handlung des Buches verraten haben und somit die Leserschaft, die die Geheimnisse noch nicht kannten, vergrätzt haben. Alles sehr britisch und höflich aber nichts desto weniger deutlich und bestimmt.


    "The Woman in White" ist seit ihrer Erscheinung immer wieder nachgedruckt worden und war zu keiner Zeit out of print, also nicht beim Verlag erhältlich.


    Tja, das wäre dann also mein letztes informatives Statement in dieser Leserunde. Sie hat mir, ebenso wie das Buch, sehr gut gefallen. Ich finde, gerade die Klassiker gewinnen durch gemeinsames Lesen ungemein. Man sieht sich bestimmt mal wieder in einer anderen LR. :wave

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

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  • Zitat

    Original von Paradise Lost
    Eine ganz tolle Szene wie ich finde, weil sie sehr stark die Gefühle von Fosco für Marian ausdrückt, und dass ihm das Gelingen seines Plans stellenweise unwichtiger ist als sie. Sie wären halt doch ein tolles Paar gewesen. *seufz*


    Es ist wirklich schade, dass es diese Szene im Buch nicht gibt. Vielen Dank, dass Du sie uns mitgeteilt hast. :knuddel1
    Sie hätte mehr als gut gepasst, aber es wäre ein ganz anderer Ton im Buch gewesen.



    Zitat

    Tja, das wäre dann also mein letztes informatives Statement in dieser Leserunde. Sie hat mir, ebenso wie das Buch, sehr gut gefallen. Ich finde, gerade die Klassiker gewinnen durch gemeinsames Lesen ungemein. Man sieht sich bestimmt mal wieder in einer anderen LR. :wave


    Ich glaube, ich spreche nicht nur für mich, wenn ich sage, dass Deine Statements viel für mein Verständnis des Buches gebracht haben. Nochmals Danke dafür.
    Und wenn ihr mich noch einmal dabei haben wollt, bin ich bestimmt irgendwann wieder bei einer Klassiker-LR dabei.

  • Lipperin
    Sehr gerne geschehen. Ich hab gern immer wieder von den Kommentaren und Zusätzen meiner Ausgabe erzählt. Es hat mich letztendlich wieder in meinem Wunsch bestätigt, Klassiker, wenn möglich, immer in einer kommentierten Fassung zu lesen. Klar versteht man die Geschichte auch so, aber so sieht man eben doch etwas mehr die Hintergründe und den großen Zusammenhang. ^^

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    - Meister Yoda

  • Ich kann Lipperin nur zustimmen. Vielen Dank für diese zusätzlichen Informationen! Wirklich sehr interessant und aufschlussreich. Der Roman muss zur Zeit des Erscheinens eine ganz schöne Welle geschlagen haben.


    Fosco und Marian wären ein interessantes Paar gewesen und einander intellektuell ebenbürtig.

  • Ich war hier ja megr oder weniger nur Zaungast, aber ich schließe mich dem Dank an. :anbet
    Solltet ihr den "Roten Schal" mal lesen, würde ich auch gern vorbeischauen.
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von Clare
    Ich kann Lipperin nur zustimmen. Vielen Dank für diese zusätzlichen Informationen! Wirklich sehr interessant und aufschlussreich. Der Roman muss zur Zeit des Erscheinens eine ganz schöne Welle geschlagen haben.


    :write
    Eigentlich schade, daß es den Fortsetzungsroman in Zeitungen heute gar nicht mehr gibt. Ich stelle mir das unheimlich spannend vor, jede Woche darauf warten zu müssen, wie die Geschichte weitergeht. An jeder Ecke wird darüber gesprochen und spekuliert ... :grin


    "Fosco" als Katzennamen finde ich übrigens genial. :lache

  • Ich glaube in manchen Zeitungen gibt es solche Fortsetzungen noch (und ich meine jetzt nicht nur "Frau im Spiegel" oder wie die heißen :lache), aber in der heutigen Zeit ist eben leider der Stellenwert ein völlig anderer. Dafür wird dann eben über Serien geplaudert. :-)

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    - Meister Yoda

  • Zitat

    Original von Paradise Lost
    Ich glaube in manchen Zeitungen gibt es solche Fortsetzungen noch (und ich meine jetzt nicht nur "Frau im Spiegel" oder wie die heißen :lache), aber in der heutigen Zeit ist eben leider der Stellenwert ein völlig anderer. Dafür wird dann eben über Serien geplaudert. :-)


    In einer Zeitschrift beim Arzt habe ich Letztens auch so einen Fortsetzungsroman gesehen, aber er hat wahrscheinlich bei Weitem nicht die Qualität der damaligen. ;-)