'Das Geheimnis der Jaderinge' - Seiten 362 - 430

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    Original von harimau
    ...
    Zum Dritten hat mir dieser Teil auch auf emotionaler Ebene am besten gefallen. Während ich die Liebesgeschichte von Vi-Ki und Jinzi irgendwie zur Kenntnis nehme, ohne dass sie mich wirklich berührt, holen Yazi und Andrew mich voll ab. :-) Das mag daran liegen, dass ihre Liebe glaubhafter, geduldiger entwickelt wird. Ich werde behutsam in ihre Gefühle und Sehnsüchte eingeführt und kann sie nachvollziehen, während mir die sprunghafte Anziehung zwischen Vi-Ki und Jinzi eher als Fakt "serviert" wird, den ich eben hinnehme. Dazu kommt, dass Yazi sich ihr Glück so unendlich verdient, man muss einfach mitfiebern und es ihr gönnen. Und ja, ich gebe zu, dass Yazi mir näher und auch sympathischer ist als Vi-Ki. Bitte nicht steinigen. :lache


    Meine Eindrücke und Gedanken zu diesem Teil schreibe ich, wenn ich richtig hier angekommen bin.


    LG harimau :wave


    :write
    Das geht mir ganz genauso.
    Ich kann das für meinen Teil noch erweitern, denn empfinde ich die Sprache im ersten Teil als etwas kühl und distanziert, erreicht mich dieser Teil auch mit aller sprachlichen Emotion.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Zitat

    Original von Tereza
    Hallo allerseits,


    ich bin ja überrascht, wie völlig unterschiedlich hier die Reaktionen auf die zwei Teile des Buches ausfallen. Ich selbst mochte beide meiner Heldinnen. Während ich Yazi um ihre Zähigkeit und ihren Mut bewundert habe, war Viktoria mir aber etwas näher. Ich dachte eigentlich, dass Leserinnen sich besser mit ihr identifizieren könnten. Allerdings gewinnt Yazi natürlich sehr viel Sympathie dadurch, dass sie eben keine verwöhnte Göre bist, sondern ein sehr hartes Schicksal hat.


    Ein hartes Schicksal hat Viiktoria auch, zumindest aus ihrer Sichtweise heraus. Daran liegt es nicht, dass mir Yinzi viel näher ist. Auf mich wirkt ihre Geschichte lebendig und emotional, ich erfahre viel von ihren Beweggründen und vor allem nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand. Sie rennt nicht blind in irgendwelche Abenteuer, sondern mir als Leser ist absolut nachvollziehbar, warum sie Taiping-Soldatin wird, warum sie Andrew heiratet usw. Sie steht zu ihren Entscheidungen, weil es ihre sind.


    Zitat

    Original von Tereza
    ...
    Der Verlag schlug übrigens zunächst vor, den Yazi-Teil zu kürzen, weil das "fast schon zu viel Politik" wäre. Ich habe dann gemeint, dass ich nicht wüsste, wo ich da noch kürzen soll, denn ich hätte es schon so knapp und übersichtlich wie möglich dargestellt. Schließlich ging das Manuskript zu einer anderen Lektorin, und die sagte nichts mehr von Kürzungen.


    Vielen Dank an diese Lektorin!
    Ich habe mir nebenbei eine Namensliste gemacht mit ein paar Notizen zu der jeweiligen Person. Irgendwann habe ich gar nicht mehr darauf geschaut, sondern nur noch gelesen.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Die Szene, als Jazu und Andrew entdeckt werden und Pofu stirbt, fand ich ungeheuer dramatisch. Da musste ich dann zwischendurch aktiv dran denken, weiterzuatmen.
    Der Aufenthalt im Dorf (der offenbar ein paar Jahre lang dauert?) war danach ein willkommener Ruhepunkt. Aber man bleibt dennoch in Hab-acht-Stellung, weil man ja weiß, dass Jazi und Andrew getrennt werden, wenn auch nicht genau wann.
    "Nur manchmal fragte sie sich, ob nicht auch auf ihren Kokon irgendwann das kochend heiße Wasser niedergehen würde."


    Zitat

    Original von beowulf
    Dieses verzogene Gör Viktoria interessiert mich nur in ihrer Entwicklung


    Ich empfand sie überhaupt nicht als verzogenes Gör. Ich fand, sie hat sich an Land und Leute sogar erstaunlich schnell angepasst. Schließlich gibt es genug Menschen, die jahrzehntelang in einem Land leben und den Einwohnern kein Stück nähergekommen sind.
    Irgendwie macht mich das immer ein bisschen unglücklich. Da kann man sich einen Wolf schreiben, um klarzumachen, wie es dazu gekommen ist, dass eine Figur aufgrund ihrer Lebensgeschichte genau so und nicht anders sein kann. Und dann kommen die Leser und sagen: Ist mir wurscht, die find ich doof.


    Zitat

    Original von Tereza
    Schließlich ging das Manuskript zu einer anderen Lektorin, und die sagte nichts mehr von Kürzungen.


    Auch ich bin dieser Lektorin sehr dankbar. Für mich war dieser Teil ein perfekt geschliffenes Kleinod.


    Zitat

    Mit den Namen der ganzen Könige und Generäle habe ich beim Schreiben übrigens auch gekämpft. Ich musste da immer wieder nachschauen, welcher Name, welcher Himmelsrichtung, es war zum Verzweifeln. Aber ich wüsste nicht, wie ich das Lesern erleichtern soll, denn die hießen nun mal so. :-]


    Da dachte ich auch einfach nur: Das ging nun mal nicht anders. Muss ja auch nicht alles immer nur einfach sein im Leben, auch nicht für den Leser. Sonst darf man halt nur Pixibücher lesen.

  • Yinzis Geschichte hat mir im 2. Teil erstaunlich gut gefallen. Es ist wirklich ein viel tieferes Eintauchen, als die dazu vergleichsweise europäische Art von Victoria. Den Aussagen meiner Vorredner kann ich dabei eigentlich nur voll und ganz zustimmen. Was ist jetzt Hauptstück, was Rahmenhandlung? Momentan kann ich das nicht beantworten. Ich stimme dafür Mulle mit ihrer Aussage voll und ganz zu

    Zitat

    Tereza ist hier ganz überragend gelungen, einen historischen Roman (der sicher nur äußerst schwergängig zu verkaufen ist, weil es für reine Unterhaltung eben ziemlich anspruchsvoll / schwer zu verstehen daher kommt - ICH hätte mir aus diesem Grund sicher nie einen historischen Roman über die Taiping-Aufstände gekauft) in eine eher gefällige Geschichte zu betten, was für mich ein wirklich tolles Gleichgewicht darstellt.


    Ich denke auch, dass beide Geschichten zusammengehören. Auch ich hätte mir keinen reinen Roman über eine chinesische Taiping-Kriegerin gekauft. Obwohl ich gerne (literarisch) in andere Welten eintauche, brauche ich doch europäische Bezugspunkte, die Victoria vermittelt. Außerdem wäre mir Yazis Geschichte ausformuliert zu brutal gewesen. Durch die komprimierte Form und den gelungenen Wechsel zwischen dramatischen und ruhigen Momenten fand ich es aber überhaupt nicht depremierend! Aus den ganzen Gründen finde ich die Mischung beider Geschichten wirklich optimal und ich bin gespannt, wie der gemeinsame Weg weitergeht.


    Auch die Art der Einbindung fand ich sehr gelungen, sowohl sprachlich, als auch vom Umfang her. Mit den parallelen Lesesträngen, die Eliza08 vorgeschlage hätte, hätte ich wahrscheinlich ein Problem gehabt. Die Spannung dazwischen hätte ich wohl nicht ausgehalten und mir durch Vorblättern den Lesespaß gemindert. Gut, dass ich nicht in Versuchung geführt wurde :-]. Ich denke, es hätte die Geschichte auch zu sehr zerrissen und ein dauerndes Hin- und Herspringen zwischen solch unterschiedlichen Weltsichten wäre sicher schwierig gewesen.


    Die ganzen Intrigen und Kämpfe zwischen den Königen waren anstrengend, doch wohl wirklich notwendig, um einen tatsächlichen Einblick in das damalige Geschehen zu geben. Froh bin ich, dass im Buch die 20 Millionen Toten nicht sprübar geworden sind. Für mich ist auch nicht von Bedeutung, dass ich die Namen der Himmelsrichtungskönige schon jetzt wieder nicht auseinanderhalten kann, wichtiger für mich ist ein Gefühl für die Lage zu bekommen. Und das habe ich!

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Zitat

    Original von Katerina


    Ich empfand sie überhaupt nicht als verzogenes Gör. Ich fand, sie hat sich an Land und Leute sogar erstaunlich schnell angepasst. Schließlich gibt es genug Menschen, die jahrzehntelang in einem Land leben und den Einwohnern kein Stück nähergekommen sind.
    Irgendwie macht mich das immer ein bisschen unglücklich. Da kann man sich einen Wolf schreiben, um klarzumachen, wie es dazu gekommen ist, dass eine Figur aufgrund ihrer Lebensgeschichte genau so und nicht anders sein kann. Und dann kommen die Leser und sagen: Ist mir wurscht, die find ich doof.


    So habe ich das aber nicht ausgedrückt, sondern ausdrücklich erklärt, dass mich die Entwicklung interessiert. In Hamburg ist Viktoria ein verzogenes Gör, in weiten Teilen des Buches bleibt sie innerlich nichts anderes, hätte sie die Gelegenheit bekommen in ihre alte Rolle zurückzuschlüpfen, sie hätte ohne Bruch dieses Option gewählt. Ihre Persönlichkeit reift nur langsam unter dem Druck der Ereignisse, sie hat viel zu lernen, am Ende des Buches hat sie mit Viktoria aus Hamburg nicht mehr viel gemein und ich glaube, hätte sie die Wahl, sie würde in dieser Rolle nicht zurückwollen. Yazi im Gegensatz dazu fand ich eine Figur, die von Anfang an "rund" war, die mir näher kam, deren Handlungen und Überlegungen, auch deren Brüche verständlich waren. Was Viktoria angeht ist "finde ich doof" interpretiert mich sehr falsch und "ist mir wurscht" passt für mich auch nicht.

  • Aber "verzogenes Goer" ist schon ziemlich eindeutig (und drastisch) formuliert, oder? Ich bin vielleicht ein bisschen grobmotorisch veranlagt in der Hinsicht, aber fuer mich ist zwischen "verzogenes Goer" und "die find ich doof" nicht so ein erheblicher Unterschied.
    Mir geht's, glaube ich, ein bisschen wie Katerina: Ich finde, Tereza hat eine rundum glaubhafte und mehrdimensionale Figur in den Mittelpunkt ihrer Geschichte gestellt und sie behutsam und stimmig entwickelt. Dass die Figur dadurch als "verzogenes Goer" oder sogar als wenig interessant (bzw. "NUR in der Entwicklung interessant") wahrgenommen wird, macht mich ein bisschen ratlos.


    Ansonsten geht's mir aber ganz genau wie harimau: Die Geschichte der Yazi ist mein hinreissendes Highlight in diesem hinreissenden Buch - und umso mehr, als sie als Draufgabe kommt, als Ueberraschung, als gaenzlich unerwartetes Geschenk. Und trotzdem voellig passend, richtig und dramaturgisch klug in die Geschichte gefuegt.
    Toll!


    Einen froehlichen Tag wuenscht Charlie

  • Weiter geht es mit Yazis Geschichte. Der Leser erfährt in einem eigenen "Buch" die Geschichte von Yazi... bzw. Leidensgeschichte.


    Yazi hatte es wirklich nicht leicht,aber sie hat sich durchgebissen. Ihre Lebensgeschichte fand ich sehr interessant. So hat sie einem doch das Leben einer Chinesin nahegebracht.


    Bisher hoffe ich, dass Andrew irgendwie doch noch auftaucht. Viel Hoffnung habe ich nicht, denn was könnte ihn zurückhalten? Vor allem - so lange?


    Chuntian wirkt auch sehr erwachsen, aber in so Situationen muss man auch einfach schneller erwachsen werden - leider.

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    Original von Tanzmaus
    Bisher hoffe ich, dass Andrew irgendwie doch noch auftaucht. Viel Hoffnung habe ich nicht, denn was könnte ihn zurückhalten? Vor allem - so lange?


    Andrew gehört für mich zur Vergangenheit, ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass er (lebend) nochmal auftaucht. Allerdings interessiert mich mittlerweile wirklich brennend, was mit ihm passiert ist! (Vor Jazis Geschichte war dem nicht so.) Er ist ja definitiv nochmal mit seiner Mutter zusammengetroffen, aber dann? Es ist sehr zu vermuten, dass auch der Schlaganfall von Margaret damit im Zusammenhang steht. Ob Robert seinen ungeliebten, weil ganz anderen Bruder beseitigt hat? Wäre schon sehr brutal. Oder hat Emily ihre Finger mit drin (aufgrund ihres sehr distanzierten Verhaltens für mich noch eher denkbar)? Wir werden sehen ...


    Zitat

    Original von Suzann
    ... aber komischerweise bleibt mir Andrew dabei ein wenig fremd.


    So gings mir auch, allerdings war es für mich okay so. Es ist hauptsächlich Jazis Geschichte, aus ihrer Sichtweise und aus ihrem Denken heraus erzählt. Andrew ist eine wichtige Person, aber eben "nur" eine Nebenperson, die mehr im Hintergrund agiert und deren Gedanken nicht direkt mitgeteilt werden. Das hätte wahrscheinlich auch in der Kürze dieser Erzählung nicht gemacht werden können.


    Zitat

    Original von Dori
    Chuntian wirkt für ihr Alter (ist sie am Ende immernoch 7 Jahre alt?) erstaunlich erwachsen,


    Wenn ich die Jahre richtig mitgezählt habe ist Chuntian am Ende dieses Abschnittes mind. 12, eher noch ein paar Jahre älter. Dann passt auch ihr Verhalten, auch wenn Kinder dieser Zeit sicher ganz anders (und früher) erwachsen werden als bei uns heute. Ich fand Jazis Entscheidung, Chuntian bei den Rongs zu lassen sehr mutig und selbstlos! Sie hat die aus ihrer Sicht beste Entscheidung getroffen, auch wenn es ihr schwerfällt. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass sie Chuntian ihre Beweggründe darlegt, sie vielleicht sogar fragt, aber das ist wohl zu sehr eine Überlegung aus der heutigen Zeit heraus.

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Wenn ich bis jetzt das Buch - also Viktoria's Geschichte - verschlungen habe, dann habe ich Yazi's Geschichte richtiggehend in mich aufgesogen.


    Es mag sein, dass ich ein reines "Taiping-Buch" auch nicht gekauft hätte - aber Tereza ist es wunderbar gelungen mich zusammen mit Viktoria langsam an das Thema ranzuführen, um mich dann in diese faszinierende Geschichte hinein zu katapultieren. :anbet


    Ich für mich gewichte die beiden Erzählstränge zu gleichen Teilen, wobei mir Yazi rein subjektiv und gefühlsmässig betrachtet etwas näher steht als Viktoria. Dennoch ist es eine fazszinierende Begegnung zwischen zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Ich kann mir gut vorstellen, dass Viktoria sich in diesem Zusammenhang auch weiter entwickeln könnte und bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht.


    Am meisten brennt die Frage: was ist mit Andrew geschehen? Und wie kam Margaret zu Andrew's Ring und dem halben Gedicht? A propos Gedicht: auch wenn es jetzt schnulzig klingt: die Zeilen des von Andrew's gewählten Gedichtes haben mich sehr berührt und ich hatte einen dicken Kloss im Hals.


    Tereza : handelt es sich dabei um ein "echtes" Gedicht oder stammt es von dir?

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    Original von Mulle
    Andrew sehe ich als jemanden, der beobachtet, und nur beobachtet.
    Er agiert nicht; nicht, weil es ihn nicht interessiert, sondern weil er sich bewusst ist, dass das nicht sein Krieg, sein Land und seine Heimat ist. Er ist kein Chinese und will keiner werden, er beobachtet einfach wie sie leben, mischt sich nicht ein und erweist damit - in meinen Augen - Respekt.
    Ein sehr zurückhaltender Charakter, keiner der klugscheißenden Europäer, die Europa über China stülpen wollen, sondern einer, der China sehen will. Und dadurch wirklich interessant. Find ich.


    Mulle, du sprichst mir aus der Seele! Mir hat an ihm gerade auch gefallen, dass er Yazi liebte, wie sie ist und nicht versuchte, sie zu ändern oder zu verbiegen. Gegenseitiger Respekt war ja auch das Fundament ihrer Liebe.

  • Zitat

    Original von Ayasha


    Tereza : handelt es sich dabei um ein "echtes" Gedicht oder stammt es von dir?


    Nö, von mir ist das nicht. Ich würde mich nicht trauen, klassische chinesische Lyrik nachzuahmen. Das Gedicht stammt von der Dame Guan Daosheng, die im 13. Jahrhundert lebte. Sie soll dieses Gedicht übrigens verfasst haben, um ihren Mann davon abzubringen, sich eine Konkubine zu nehmen - was auch klappte.


    Viele Grüße


    Tereza

  • Puh. Ich habe am Ende dieses Abschnitts richtig mitgelitten. Konnte Yazis Verzweiflung spüren, als Tag um Tag keine Nachricht von Andrew kam. Da denkst du, jetzt haben die beiden sich endlich eine gute Zeit verdient, und was ist? Nix ist ... wie das halt so ist in guten Romenen.
    Mir hat der gesamte Yazi-Teil ausgesprochen gut gefallen; es überrascht wahrscheinlich niemanden, dass ich auch die historisch-politischen Infos regelrecht inhaliert habe. ich wusste zwar einiges über die Zeit, aber so detailliert natürlich nicht. Danke dafür Tereza!


    Eine Frage hat sich mir gestellt, weil ich gerade selbst jemanden mit dem Stock traktiert habe: Die beiden Verschwörer bekommen, wenn ich mich recht erinnere, 100 Stockschläge - und leben noch! ich kann mir das, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, allerdings weiß ich nicht, was für Stöcke benutz wurden. Vermutlich Bambus, oder? Und der ist elastisch und schneidet das Fleisch schnell ein. Ist die Anzahl solcher Schläge eigentlich verbürgt, Tereza? Ich lese immer wieder in Romanen, dass die Helden nach 50, 80, 100 Schlägen ein paar Tage später wieder stehen können, dabei dürften sie regelrecht zerfetzt sein.
    In Südostasien wird Rattan benutzt. Da bringt dich EIN Schlag ins Krankenhaus, und du kannst ein halbes Jahr nur auf dem Bauch schlafen. Leider kommt dann der nächste Schlag, wenn du zu mehreren verurteilt wirst.

    Ship me somewhere's east of Suez,
    where the best is like the worst,
    where there aren't no ten commandments
    an' a man can raise a thirst


    Kipling

  • Zitat

    Original von SteffiB


    Eine Frage hat sich mir gestellt, weil ich gerade selbst jemanden mit dem Stock traktiert habe: Die beiden Verschwörer bekommen, wenn ich mich recht erinnere, 100 Stockschläge - und leben noch! ich kann mir das, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, allerdings weiß ich nicht, was für Stöcke benutz wurden. Vermutlich Bambus, oder? Und der ist elastisch und schneidet das Fleisch schnell ein. Ist die Anzahl solcher Schläge eigentlich verbürgt, Tereza? Ich lese immer wieder in Romanen, dass die Helden nach 50, 80, 100 Schlägen ein paar Tage später wieder stehen können, dabei dürften sie regelrecht zerfetzt sein.
    In Südostasien wird Rattan benutzt. Da bringt dich EIN Schlag ins Krankenhaus, und du kannst ein halbes Jahr nur auf dem Bauch schlafen. Leider kommt dann der nächste Schlag, wenn du zu mehreren verurteilt wirst.


    Das ist eine gute Frage. Ich hab ja auch noch niemand mit dem Stock traktiert und würde mir auch nicht wünschen, dass es jemand mit mir macht. In den Quellen stehen aber diese Zahlen, also 50-100 Stockschläge, drin. Und die Leute waren danach nicht tot. Vielleicht wird in den Quellen übertrieben. Vielleicht schlug man nicht ganz so fest zu (woraus die Stöcke waren, weiss ich nicht, tippe mal auf Bambus). Hier handelt es sich bei der Bestrafung ja um eine Finte, da kann ich mir schon vorstellen, dass heimlich eine milde Durchführung abgesprochen war.


    Viele Grüße


    Tereza

  • Okay, 50 bis 100 Schläge, sagen die Quellen. Wobei 100 wahrscheinlich die absolute Obergrenze war. Ich vermute stark, dass man die Leute mit 100 Schlägen in jedem Falle zum Krüppel geschlagen hat – und der Tod einkalkuliert war.

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    where the best is like the worst,
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    Kipling

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    Original von SteffiB
    Okay, 50 bis 100 Schläge, sagen die Quellen. Wobei 100 wahrscheinlich die absolute Obergrenze war. Ich vermute stark, dass man die Leute mit 100 Schlägen in jedem Falle zum Krüppel geschlagen hat – und der Tod einkalkuliert war.


    Ich bilde mir ein, vereinzelt von mehr gelesen zu haben, aber 100%-ig sicher bin ich nicht. Außerdem soll es unterschiedlich dicke Stöcke gegeben haben. Ein sehr dünner wäre eher wie eine Peitsche, würde also vielleicht keine so schlimmen Verletzungen zufügen. Narben blieben auf jeden Fall zurück, evtl. auch permanente Schmerzen oder sonstige Beeinträchtigungen. Genauere Auskunft könnte eigentlich nur ein Mediziner geben.


    Viele Grüße


    Tereza

  • Ich schätze eher, dass die dünnen besonders schlimm sind, weil sie die Haut sofort einschneiden und den Muskel verletzten. Nicht jeder Seemann hat das Peitschen überlebt ... ich werde mich da tatsächlich mal mit einem Mediziner unterhalten. Die Rattanstöcke in Südostasien sind übrigens dünn und haben verheerende Wirkung.

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    Kipling

  • Zitat

    Original von SteffiB
    Nicht jeder Seemann hat das Peitschen überlebt


    Ja, das stimmt sicher. Aber waren die Überlebenden dann verkrüppelt? Das wäre ja irgendwie nicht Sinn der Sache gewesen, einen Krüppel an Bord zu haben. Ich sehe es mehr als eine Art Strafe, bei der Mann entweder draufging oder wieder auf die Beine kam. Knochen wurden ja keine gebrochen.


    Darüber, wie viel ein Mensch überlebt, habe ich mir beim Schreiben auch Gedanken gemacht. Nur auf die Idee, dass dann jemand verrüppelt war, bin ich ehrlich gesagt nicht gekommen. Kannst du mir Bescheid geben, wenn du Antwort von dem Mediziner hast? Das wäre ja auch für spätere Bücher interessant.


    Liebe Grüße


    Tereza

  • Hallo,


    kleiner Nachtrag (hat eigentlich nichts mit dem Buch zu tun, aber mit Steffis Frage, die mir im Kopf herum ging): ich habe mal kurz zu dem Thema im Internet gesurft. So scheint es in Saudiarabien nicht unüblich zu sein, Leute zu 500 (!!!!) Peitschenhieben zu verurteilen. Und obwohl man sich darüber zu Recht empört, spricht niemand von einem indirekten Todesurteil (hab wenigstens keine Hinweise gefunden). Also müssen die meisten das irgendwie aushalten.


    Na ja, warten wir mal, was der Mediziner sagt.


    Viele Grüße


    Tereza


    Edit: ich habe gerade heraus bekommen, dass es doch in Etappen geschieht. Aber hundert auf einmal dürften schon drin sein, sonst dauert es ja ewig.

  • Ich habe was zum Thema "caning" in Singapur gefunden. Rattan und Bambus werden hier gleichgesetzt. Laut Augenzeugen bricht die Haut meist beim ersten Schlag auf, nach drei Schlägen sind die Schäden so schwer, dass die Heilung mindestens drei (!) Monate dauert! Und das ist die heutige Bestrafung, die ausschließlich aufs Gesäß ausgeführt wird, mit Kissen, die den unteren Rücken und die Wirbelsäule schützen, falls ein Schlag danebengeht. Da möchte man gar nicht wissen, was den armen Delinquenten vor 150 Jahren alles widerfahren ist. Grusel ....


    Hier der Link, es geht gleich auf Seite 2 los:


    http://www.graef.eu/tl_files/g…ur%20in%20JZ%20061296.pdf

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    Kipling

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