'Das Geheimnis der Jaderinge' - Seiten 519 - Ende

  • Zitat

    Original von Suzann
    Mein Gedanke war, dass diese Nacht ein letzter Test für ViKi war, wie es auch die Forderung war, dass sie für eine gewissen Zeit ihren Körper zur Verfügung stellen muss, damit Shen Akeu Jinzi hilft. Ich finde es sehr großmütig von Shen Akeu, dass sie von ihren sozusagen "älteren Rechten" an Jinzi zurücktritt und ihn einer jüngeren Konkurrentin überlässt, die sie eigentlich ohne großen Aufwand aus dem Weg räumen könnte. Aber das heißt nicht, dass sie es dem Paar leicht machen muss. Den ersten Test hatte ViKi bestanden, aber an dem zweiten ist sie dann jämmerlich gescheitert. Aber ich sehe es wie Tereza. Diese Jahre haben ViKi den Feinschliff gegeben und jetzt wird diese Beziehung vermutlich mehr Bestand haben, als wenn die beiden gleich zusammmengekommen wären.


    Das finde ich in beiden Punkten eine sehr schöne Interpretation, Suzann. :-)

    "Lieber losrennen und sich verirren. Lieber verglühen, lieber tausend Mal Angst haben, als sterben müssen nach einem aufgeräumten, lauwarmen Leben"

    Andreas Altmann

  • Zitat

    Original von harimau


    Das Leben ist fies! Womit ich nicht sagen will, dass ich Chuntian dieses Schicksal gegönnt hätte, denn das Mädel war mir sympathisch.


    Klar ist das Leben manchmal verdammt fies. Aber als Autorin bin ich Herrin über Leben und Tod meiner Romanfiguren. Da kann ich doch nett zu denen sein, die ich mag. :-)


    Aber eigentlich habe ich mein Ende diesmal als offen gesehen. Jinzi und Vicki stehen eine ganze Menge Ärger bevor, denn eine solche Beziehung stieß damals auf viele Widerstände. Ich habe nur in einem Moment, da sie gerade sehr glücklich sind, den Schlußstrich gezogen.


    (Und außerdem nehme ich mir jedes Mal vor, kein weichgespültes Ende zu produzieren, und dann kommt trotzdem jemand an und sagt, es ist zu weichgespült. :fetch :fetch :fetch)


    Tereza

  • Zitat

    Original von harimau


    Das ging mir ebenso, aber unwahrscheinlich fand ich es im Nachhinein nicht. Shen Akeu hat wenig Grund, Vi Ki zu mögen, aber sie ist kein boshafter Mensch und lebenserfahren genug, um zu wissen, wann sie verloren hat. Im gleichen Licht beurteile ich ihre letzte Nacht mit Jinzi: Sie setzt noch einmal ein Ausrufezeichen - für die beiden, aber auch für sich selbst - dann lässt sie ihn gehen.


    Hierzu möchte ich noch anmerken, dass Shen Akeu sich tatsächlich ziemlich viel Ärger hätte einhandeln können, wenn sie auf die Einlösung von Vickis Versprechen gepocht hätte. Unter den Prostituierten von Shanghai gab es damals sicher auch schon ein paar Europäerinnen, doch die waren nur für westliche Männer da. Der Rat der internationalen Siedlung achtete streng darauf, dass der Mythos von der moralischen Überlegenheit der Weißen nicht ins Wanken geriet. Deshalb wurde allen Europäern, die in Armut abzugleiten drohten, die Schiffsfahrt nach Hause bezahlt. Er als im 20. Jahrhundert die großen Flüchtlingswellen (nach der russischen Revolution und später wegen den Nazis) einsetzten, änderte sich das, denn Shanghai wurde von mittellosen Europäern regelrecht überschwemmt.


    Shen Akeu Forderung ist wirklich nur ein Test für Viktoria (und auch ein Versuch, dem ach so anständigen Mädchen einen Dämpfer zu verpassen).


    Tereza

  • Liebe Leute,


    nachdem nun alle durch das Buch durch sind, wollte ich mich bei euch für eure rege Teilnahme an der Leserunde bedanken. Es hat mich wirklich sehr gefreut, wie ihr in das Buch eingestiegen seid, und eure - für mich teiweise sehr überraschenden - Reaktionen auf die Figuren waren eine bereichernde Erfahrung für mich.


    Es würde mich sehr freuen, euch bei der nächsten Leserunde am 1. August wieder zu sehen - einige haben sich ja schon angemeldet.


    Viele Grüße


    Tereza

  • Mir hat es auch sehr viel Spaß gemacht, Tereza. Diese Autoren-begleiteten Leserunden geben den Büchern noch mehr Tiefe, das macht immer richtig viel Spaß.


    Ich habe es keine Sekunde bereut, von dir überredet worden zu sein. :-)

  • Bevor jetzt alle abhauen, will ich doch noch meine restlichen Gedanken zum letzten Teil loswerden.


    Wunderschön fand ich diese Stelle (S. 524):


    "Vielleicht" ... "sind Chinesen im Grunde gar nichts so anders, wenn man erst einmal eine Ahnung davon hat, unter welchen Bedigungen sie leben. Ich meine, es gibt in jedem Land die unterschiedlichsten Menschen, mit denen man sich eben versteht oder nicht".


    Gerade diese Ähnlichkeiten (Dori hat es als Parallelismus bezeichnet) habe ich auch im Buch wiedergefunden. Es gibt in China, genauso wie in England und auch bei den Engländern in China Eltern-Kind-Konflikte, weil die Kinder so ganz anders sind, als es sich die Eltern erwarten. In China, genauso wie in England müssen zwei junge Mädchen ihren eigenen Weg suchen und in beiden Ländern gibt es enttäuschte Ehefrauen, die ihr Leben im Opium- oder wahlweise im Laudanum/Sherry-Rausch verbringen. Trotz aller kulturellen Unterschiede also viele identische Punkte gerade im zwischenmenschlichen Bereich. Das fand ich wirklich schön herausgearbeitet!


    Der zwischen zwei Frauen hin- und hergerissene Jinzi erlockte mir ein wohl eher unbeabsichtigtes Schmunzeln. Die Szene, in der sich Victoria und Shen Akeu um ihn streiten war aber auch zu komisch. In meinem Kopfkino ziehen die beiden an den zwei Armen von Jinzi und keifen sich gegenseitig an. Schade, dass keine von beiden auf die Idee kommt, Jinzi mal zu fragen. Victoria will auch später eine englische Marionette aus ihm machen, ohne Rücksicht auf evtl. andere Wünsche von ihm. Auch von daher finde ich es nicht schlecht, dass neben Victoria auch Jinzi lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen.


    Zum eigentlichen Geheimnis der Jaderinge wurde bisher wenig geschrieben. Auf den ersten Blick ist die Auflösung furchtbar banal, allerdings gewinnt sie bei längerem Nachdenken. Wie bei Jinzis Tod sind es oft "nur" unglückliche Umstände, die über das Leben vieler anderer mitentscheiden. Emily und auch Robert haben mir furchtbar leidgetan, sie sind eindeutig Verlierer in der ganzen Geschichte. Bei Andrew kommen seine negativen Seiten zum Vorschein und auch Margaret hat Fehler in ihrem Leben gemacht. Schön, dass auch diese beiden Nebenpersonen nicht strahlend weiß, sondern in Grautönen gezeichnet werden!


    Victoria hat mir als Hauptperson letztendlich gefallen! Sie ist unkonventionell und hat ihren eigenen Kopf (ich glaube beowulf hat sie treffend als hanseatischen Sturkopf bzeichnet), aber sie ist liebevoll und geht konsequent ihren Weg. Und vor allem ist sie eine äußerst interessante Person!


    Ach ja - ich hatte die Mutter schon noch auf dem Schirm (hatte das ja zwischendurch auch mal angesprochen) und freue mich, dass sie sich wieder angenährt haben. Dieses "Ende" zwischen den beiden ist wirklich passend - nicht übertrieben, aber realistisch und versöhnlich.


    So und jetzt werde ich mal gucken gehen, was für ein Buch Anfang August rauskommt!

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Danke für den Hinweis, dank Leserundenvorschau habe ich es trotzdem schnell gefunden!

    „Wer nur Menschen um sich herum haben will, die einem in allen gleichen, lebt bald schon in einer verdammt kleinen Welt.“ Nicole Wellemin, Das Echo der Moore, Piper 2025

  • Toll!
    So gern ich die "Jaderinge" auch gelesen habe, so sehr haette ich's bedauert, wenn von Tereza in absehbarer Zeit kein klassischer historischer Roman mehr erschienen waere.