Sieben Frauen aus Tripolis - Kamal Ben Hameda

  • Graf-Verlag, 2011
    OT: La Compagnie des Tripolitaines
    Aus dem Französischen von Helmut Moysich


    Kurzbeschreibung:
    Tragik und Gewalt, Sehnsucht und Geheimnis in Tripolis


    Für den libyschen Autor Kamal Ben Hameda war das Tripolis seiner Kindheit eine Stadt der Frauen. Fasziniert lauschte der kleine Junge den Geschichten seiner Mutter und ihrer Freundinnen. Ihre Schicksale waren wie aus Tausend und einer Nacht: Voll Tragik und Gewalt, voll Sehnsucht und Geheimnis.


    Tripolis: Stadt der Berberinnen, der Italie-nerinnen, Jüdinnen, Araberinnen. Stadt, die nach Zimt und rotem Tee duftet, wo kühle Patios vor der gleißenden Sonne schützen. Aus der Sicht des Ich-Erzählers war Tripolis eine Stadt der Frauen: Die Männer lebten in einer fernen Parallelwelt. Da ist Zohra, die von ihrem Mann so kurz gehalten wird, dass sie dem kleinen Jungen nicht mal ein Bonbon schenken kann, oder Hiba, die ihr Gesicht abwendet, damit niemand sieht, dass ihr Mann ihr die Zähne ausgeschlagen hat. Aber da sind auch die schöne, lebensfrohe Fella, die eine Tochter mit einem schwarzen Offizier hatte, und Nafissa, die der großen Liebe ihres Lebens nachträumt.
    Voller Poesie und Sinnlichkeit, und dabei mit unbestechlichem Blick schildert Kamal Ben Hameda eine Welt, die jahrhundertelang am Patriarchat festgehalten hat, an einer Kultur der Unterdrückung. Nun scheint sie erstmals aufzubrechen.


    Über den Autor:
    Kamal Ben Hameda, geboren 1954 in Tripolis, verließ seine Heimat schon mit Anfang zwanzig, um der intellektuellen Enge zu entkommen. Er studierte in Südfrankreich und lebt seit vielen Jahren als freier Schriftsteller und Jazzmusiker in den Niederlanden. Bisher veröffentlichte er vor allem Lyrik. Kamal Ben Hameda gilt als wichtige Stimme in der öffentlichen Diskussion um die jüngsten Ereignisse in Libyen.


    Mein Eindruck:
    Dieser Roman bietet trotz seiner Kürze von nur 138 Seiten viel für den Leser auf seiner literarischen Weltreise mit Ziel Tripolis in Libyen.
    Erzählt wird aus der Perspektive eines Jungen, der zeitliche Rahmen ist ungefähr Ende der 50ziger Jahre.
    Er ist noch klein und lebt noch ganz in der Welt der Frauen, eine Welt, die ihn fasziniert.
    Kamal Ben Hameda schreibt in einem harmonischen Stil, der dem leicht verträumten Blick des Kindes entspricht. Der Autor ist Lyriker, das merkt man dem Text an, der in lyrischer Prosa schwelgt.


    Der Leser erfährt viel von dieser fremden Welt im Libyen dieser Zeit. Beschrieben sind die Sitten und Lebensbedingungen, Zeremonien, die Hitze, die Kleidung, die Speisen, wie Couscous, der Duft des Zimtes und anderer Gewürze, u.v.a. Details.


    Der Eindruck der Idylle wird mehrfach gebrochen, wenn der Junge nicht nur das positive sieht sondern auch willkürlich misshandelte Ehefrauen oder Frauen, die ihr Recht auf Selbstentscheidung beraubt werden. Als Konsequenz daraus verbrennt sich z.B. sein Kindermädchen selbst, um einer ungewünschten Zwangsheirat zu entgehen.


    Hameda erschafft mit seinem kleinen Roman ein komplexes Bild.


    Der Graf-Verlag hat eine hervorragende Buchgestaltung geschaffen, mit ansprechendem Cover, einer Abbildung innerhalb des Buchdeckels und allen erforderlichen Informationen über Autor und Übersetzer.

  • Danke für deine Rezension. :wave Normalerweise sagen mir solche dünnen Bücher nicht so zu, aber in dem Fall wandert das Buch trotzdem auf die Wunschliste ...

    "Es gibt einen Fluch, der lautet: Mögest du in interessanten Zeiten leben!" [Echt zauberhaft - Terry Pratchett]

  • Leider konnte ich mit dem Buch nicht viel anfangen.
    Zu Ende gelesen habe ich es nur aufgrund der wenigen Seiten.


    Die Erzählung des ungefähr 6-Jährigen verträumten Jungen, den so manche Frau nackig in ihr Bett holt (wohl nur, um sich etwas Zärtlichkeit zu holen, ohne Anwandlungen zum Missbrauch) und ihm ihre Geheimnisse anvertraut, ist nicht immer leicht verständlich. Vielleicht hat er es selber auch nicht so ganz verstanden.


    Normalerweise bin ich begabt darin, zwischen den Zeilen lesen, aber besonders viel habe ich dort ganz einfach nicht gefunden.
    Sicher hat jede Frau ihre eigene Geschichte, die aber in aller Kürze aufgeführt wird.


    Fazit für mich: ich mag es anscheinend lieber prosaisch statt allzu lyrisch.


    5 Punkte sind von mir.


    P. S. Wenn mir vielleicht noch jemand die Vorkommnisse in der Kuriositäten-Ausstellung erklären könnte? Was ist da passiert? Ich verstehe es einfach nicht.

    „An solchen Tagen legt man natürlich das Stück Torte auf die Sahneseite — neben den Teller.“