Das Portal der Dämonen
John Conolly
978-3570139912
Cbj
320 Seiten, 14,99 Euro
Über den Autor: John Conolly, geboren in Dublin, wurde weltweit berühmt durch seine „Charlie Parker“-Thrillerserie. All seine Romane stürmten die Bestsellerlisten und als erster Nichtamerikaner gewann er den Shamus Award. „Das Portal“ ist sein erstes Kinderbuch.
Worum geht es? Der 11-jährige Samuel ist ein ganz normaler Junge, na ja, vielleicht ein bisschen schlauer als der Rest, aber ansonsten alles im grünen Bereich. Bis, ja bis seinen gelangweilten Vorstadtnachbarn nichts Besseres einfällt, als mal eben ein wenig Dämonenbeschwörung zu üben. Das klappt dummerweise überraschend gut und nun sind die dämlichen Nachbarn nicht nur von Dämonen besessen, sondern diese fiesen Gestalten auch noch hinter Samuel und seinem Dackel Boswell her. Die waren nämlich unfreiwillige Zeugen als die Hobby-Satanisten das Portal im Universum auftaten, durch das der finstere Lord nun seine Voraustrupps in die Welt der Menschen entsendet. Tja und jetzt ist es also an Samuel, den Schlamassel wieder zu richten und den Untergang der Menschheit zu verhindern.
Meine Meinung: Nachdem ich „Das Elfenportal“ von Herbie Brennan gelesen hatte, war ich immer auf der Suche nach ähnlich humorvoller und spannender Fantasy, die sich selbst nicht so ernst nimmt und deren Protagonisten ausnahmsweise mal nicht als frisch entdeckte Auserwählte durch eine Welt mit klangvollem Namen wandern. Endlich bin ich fündig geworden. Es brauchte keine ganze Seite, um zu erkennen, dass hier ein spannender und kurzweiliger Lesespaß auf mich wartete.
Alles beginnt ganz harmlos: Dem Teilchenbeschleuniger der Organisation für Kernforschung ist ein einziges Teilchen entwichen – etwas, dass theoretisch gar nicht vorkommen dürfte und dieses Teilchen sorgt dafür, dass die Pforte einer anderer Dimension geöffnet wird. Leider befindet sich hinter dieser Pforte die Hölle und die ist voll von Dämonen, die nur darauf warten, in unsere Welt zu gelangen und ihr ein Ende zu bereiten. Samuel, der zusammen mit seinem Dackel mitbekommt, wie eine spiritistische Sitzung seiner Nachbarn schief geht, wird zu seinem Pech dabei auch noch Zeuge, wie sich das Portal im Keller seiner Nachbarn öffnet…
Eoin Colfer schreibt zu diesem Buch, er habe jede Zeile davon geliebt und ich muss sagen, es ging mir genauso. Der Altersempfehlung für 10-12 jährige kann ich allerdings nicht zustimmen. Es finden sich viele Andeutungen auf Philosophie, Physik und Bibel in dem Buch, für die man doch schon ein paar Jahre älter sein muss, um sie zu verstehen. Es ist eine gelungene Mischung aus Komik und Spannung, die dem Ganzen ihren Reiz gibt. Die einzelnen Figuren sind nicht sehr tiefgründig entworfen, und einiges davon kennt man und erwartet man schon fast - so ist Samuel sehr klug, einige der Dämonen sind strunzdumm und eigentlich kann man sie so gar nicht ernst nehmen. Trotzdem machte es großen Spaß zu lesen, wie die Dämonen ausgerechnet Halloween in der Nachbarschaft von Samuel auftauchen und zuerst gar nicht auffallen. Der Stil ist einfach und man möchte ihn schon fast als „Kindgerecht“ bezeichnen. Der Leser wird direkt angesprochen und man hat das Gefühl, der Autor beugt sich zu einem Kind herunter, um ihm die Welt zu erklären. Gut, dann fühlt man sich beim Lesen eben wie ein Kind – aber wie ein gut unterhaltenes Kind, das Freude hat, an der rasanten und skurrilen Handlung, die zwar vorhersehbar ist, die aber trotzdem einfach nur Spaß macht…
Mein Fazit: Rasant, komisch und kein bisschen gruselig, dafür respektlos und spannend – Fantasy, die Spaß macht und die ich sehr gern gelesen habe. Es soll einen weiteren Band geben und ich bin sicher, dass ich ihn direkt am Erscheinungsdatum kaufen werde.