Feindberührung - Gregor Weber

  • Der Autor
    Gregor Weber, geboren 1968 in Saarbrücken, ist Schauspieler und vor allem als Hauptkommissar Stefan Deininger im "Tatort" bekannt. Außerdem ist er Stabsunteroffizier der Reserve. Nach dem Bestseller über das Geschehen in deutschen Profiküchen ("Kochen ist Krieg") legt er mit "Feindberührung" seinen ersten Kriminalroman vor. Er lebt mit seiner Frau Tanja Weber und zwei Kindern in einem Doppelautorenhaushalt in der Nähe von München.



    Kurzbeschreibung
    Er war ein harter Hund, vor dem alle Respekt hatten. Doch dann liegt »Bomber« Rems, der ehemalige Afghanistan-Kämpfer, ermordet in seiner Wohnung. Alles sieht nach einer Tat im "Milieu" aus, aber Hauptkommissar Grewe hat Zweifel. Und schon bald geht es um viel mehr als einen Mord. Sogar für Grewe.


    Die Fallschirmjäger sind immer die ersten, die in Auslandseinsätze geschickt werden, die ersten, auf die geschossen wird, die ersten, die zurückschießen, töten, getötet werden. Es sind mutige Männer, harte Schweine. Lars »Bomber« Rems, 31 Jahre, knappe 1,90 groß, 96 Kilo schwer, war einer von ihnen. Mit Leib und Seele. Bis zu seinem letzten Afghanistaneinsatz, wo eine Explosion ihm beide Beine abriss. Obwohl ihn die Kameraden auch in der Heimat nicht fallenlassen, kriegen sie ihn nicht mehr zurück in die Spur. Mit seinem Rollstuhl rast er auf die Hölle zu und wird, als er endlich tot ist, erst recht zum unkontrollierbaren Sprengsatz für ein Gemeinwesen, das Krieg und Gewalt nur aus dem Fernsehen kennt. Auf einmal geht es für Hauptkommissar Grewe um viel mehr als nur um einen Mord. Der erste Spannungsroman von »Tatort«-Ermittler Gregor Weber spielt in einer neuen deutschen Wirklichkeit: Die Soldaten der einstigen Verteidigungsarmee Bundeswehr müssen töten, mit allen Konsequenzen.



    Meine Meinung
    Lars Rems hatte sich nach seiner Rückkehr aus Afghanistan von seiner Frau getrennt und in seiner kleinen Mietwohnung abgeschottet. Als er ermordet aufgefunden wird, führt die Spur ins Milieu einer ortsansässigen kriminellen Motorradgang. Die für den Fall zuständigen Ermittler der Mordkommission sind die Kommissare Kurt Grewe und Therese Svoboda.


    "Feindberührung" wird abwechselnd auf zwei Ebenen erzählt: die Aufklärung des Mordes an Lars Rems - und in Einschüben wird dem Leser aus der Sicht eines aus Afghanistan zurückgekehrten Soldaten nach und nach enthüllt, wie sich die Situation an einer Landstraße in Afghanistan entwickelte, die zu der Explosion führte, die Lars Rems die Beine abgerissen hat.


    Vor "Feindberührung" hatte ich u.a. mit "Die reden - wir sterben. Wie unsere Soldaten zu Opfern der deutschen Politik werden" von Andreas Timmermann-Levanas Sachbücher zum Thema der Situation deutscher Soldaten in und nach der Rückkehr aus Afghanistan und den Umgang mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) aus der Sicht eines Betroffenen des Bundeswehr gelesen, und war gespannt, wie das Thema in einem Roman, einem Krimi, eine Rolle spielt, und die Umsetzung hier fand ich sehr realistisch und gelungen. Den Teil aus der Sicht des Soldaten in Afghanistan und nach seiner Rückkehr fand ich sogar noch besser als den Handlungsstrang der Aufklärung des Mordfalls.


    Kurt Grewe und Therese Svoboda waren mir sympathisch, ebenso passt die Darstellung mit dem erweiterten Kreis der Polizeigruppe und des Staatsanwalts, aber für meinen persönlichen Geschmack war mir das Privat-, Familien- und Liebesleben zu ausführlich behandelt, und der Autor hat sich an der Struktur einer Tatort-Folge vielleicht ein bisschen zu sehr orientiert, da wäre weniger bedeutend mehr gewesen, dafür gibt es von mir Punktabzug.


    Die regionale Tatort-Reihe, in der Gregor Weber mitspielt, kenne ich gar nicht, sein Name sagte mir bisher nichts. Der Titel "Kochen ist Krieg! Am Herd mit deutschen Profiköchen" hätte mich thematisch normalerweise auch nicht unbedingt angesprochen, aber da ich den Schreibstil von Gregor Weber mochte, werde ich bis zur Veröffentlichung eines neuen Kriminalromans diesem Sachbuch auch eine Chance geben, ich gehe nämlich davon aus, dass "Feindberührung" der Beginn einer Reihe ist und wir Kurt Grewe und Therese Svoboda in einem weiteren Fall wieder begegnen werden.



    Fazit
    "Feindberührung" von Gregor Weber ist spannend, gut geschrieben, mit sympathischen Ermittlern und nachvollziehbarem und auch sehr realistischem Hintergrund, dafür gibt es von mir


    8,5 Punkte



    Leseprobe



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  • Lars "Bomber" Rems war Berufssoldat, Dienstgrad Oberfeldwebel, eingeteilt bei den Fallschirmjägern. Die Bundeswehr hatte ihn für ein paar Jahre und für Auslandseinsätze verpflichtet. Die Zeit beim Bund hatte ihm gutgetan, er wandelt sich vom wilden Hund mit zweifelhaftem Sozialverhalten zu einem ruhigeren Menschen. Er hatte mit der militärischen Laufbahn einen Lebensweg gefunden der seinem ruppigen, von steter Unruhe getriebenen Wesen entsprach. Vor etwas mehr als einem Jahr verlor er bei einem Minenunglück beide Unterschenkel. Nach dem Unfall machte er, schwer von seinen körperlichen Leiden gezeichnet, total dicht. Keine Therapie, kein Gespräch. Er quittierte den Dienst und zog in eine kleine Sozialwohnung. Zu seiner Frau und seinem Sohn hat er jeglichen Kontakt abgebrochen und er fasste nie wieder tritt im Zivilleben. Dafür hat er den Umgang mit der Rockergang "Skulls", die er vor seiner Dienstzeit beim Bund hatte, wieder aufgenommen und rutschte ins Drogenmilieu ab. Dann wird er brutal, von zahlreichen Messerstichen entstellt, ermordet aufgefunden...


    Der Autor Gregor Weber wechselt die Seiten. Bekannt wurde er vor der Kamera als saarländischer "Tatort" Kommissar aber er suchte eine neue Herausforderung im Schreiben von Krimis. Da ich keine "Tatort" Krimis schaue kann ich seine Schauspielerische Leistung nicht beurteilen aber als Krimi-Autor hat er seine Sache gut gemacht. Er widmet sich dem brisanten gesellschaftlichen Thema Krieg und den Auslandseinsätzen deutscher Soldaten und den Wunden die sie teilweise mit nach Hause nehmen. Diese sind nicht auf körperliche Gebrechen beschränkt sondern auch seelischer Natur.


    Er siedelt diese Geschichte in einem fiktiven Ort in Süddeutschland an. Eine Kaserne der Bundeswehr ist in der näheren Umgebung wo eine Fallschirmjägereinheit ausgebildet wird. Diese spielt ebenso eine zentrale Rolle wie die Rockergang der "Skulls". Inmitten dieser komplett gegensätzlichen Gruppen ermitteln Kommissar Kurt Grewe und Therese Svoboda in einem sprichwörtlichen "Minenfeld". Die Protagonisten wirken dabei real und glaubhaft und ein paar kleine Abschnitte von Afghanistan rücken ein mehr oder weniger totgeschwiegenes Thema ins Blickfeld. Dabei ist und bleibt dieses Buch aber in erster Linie ein Krimi. Einfach einer mit einem leicht anklagenden Unterton. Zufriedene 8 Eulenpunkte von mir.