Michael Forsythe lebt inzwischen in Lima und arbeitet als Sicherheitschef in einem Hotel, immer noch im US-Zeugenschutzprogramm, seit er vor zwölf Jahren für den Tod von Mob-Boss Darkey White verantwortlich war. Bridget Callaghan, damals die Verlobte von Darkey White und auch Michaels ehemalige Geliebte, ist inzwischen der Boss von Darkeys Organisation in New York und sie will Michael tot sehen - oder zumindest tot wissen. Nach Jahren haben ihre Leute ihn endlich in Lima ausfindig gemacht, aber nun hat sie selbst ein Problem: sie befindet sich gerade in Irland, teils geschäftlich und teils als Urlaub in der "Heimat", ihre 11-jährige Tochter Siobhan hat sie nach Irland begleitet und diese ist entführt worden. Bridget weiß nicht mehr, wem sie wirklich trauen kann, wenn es um das Leben ihrer Tochter geht. Bridgets Mitarbeiter (sprich: Auftragskiller) halten Michael - mit vorgehaltener Pistole - das Telefon für ein Gespräch mit Bridget hin. Wenn Michael nach Irland kommt, um ihre Tochter für sie zu suchen und er Siobhan sicher zu ihr zurückbringt, wären sie quitt für das, was er Darkey angetan hat, andernfalls ist sein Leben in Lima jetzt zu Ende. Bei dieser Auswahl fällt Michael die Entscheidung nicht wirklich schwer.
Michael fliegt also nach Irland, zunächst nach Dublin, da er nicht weiß, wer außer Bridget vielleicht sonst noch in Belfast auf ihn wartet, um dann mit dem Auto in den Norden zu fahren. Zufälligerweise ist dieser Tag der 16. Juni 2004, der 100. Bloomsday, und in Dublin ist jede Menge los. Bloomsday ist der alljährlich am 16. Juni begangene Gedenktag, der sich auf "Ulysses", das Hauptwerk des irischen Schriftstellers James Joyce, bezieht. Namensgeber ist die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom.
Wahrscheinlich nicht ganz zufällig klingt der gewählte Titel Bloomsday phonetisch ähnlich wie Doomsday (Tag des Jüngsten Gerichts) und an diesem Doomsday Bloomsday gibt es, wie der Titel schon andeutet, jede Menge Tote. Ständig ist jemand hinter Michael her, um ihn zu töten. Aber wer steckt dahinter?
"Michael Forsythe ist vielleicht, wie einer seiner Angreifer sagt, "un-fucking-killable" - "nicht tot zu kriegen" - aber das hält die Leute nicht davon ab, es zu versuchen."
Stream of consciousness / Bewusstseinsstrom ist ein Begriff aus der Literaturwissenschaft und "Ulysses" von James Joyce ist einer der bekanntesten Romane, der diese Erzähltechnik nutzt. Seit Jahren habe ich "Ulysses" im SUB und nach dem Lesen von "The Bloomsday Dead" hatte ich mir aus besonderem Interesse vorgenommen "Ulysses" bald zu lesen, aber das Vorurteil "Achtung! Klassiker! Lang und kompliziert und dazu habe ich keine Zeit und Muße" war bisher stärker, und meine Ausgabe von Picador hat auch noch diese winzige Schrift - ich gestehe also, ich habe von "Ulysses" überhaupt keine Ahnung. Ich bin aber sicher, dass der Autor von "The Bloomsday Dead" Ahnung hat (er ist Ire, "Ulysses"gehört zu den bekanntesten Werken der irischen Literatur, und wahrscheinlich vergleichbar wie bei uns Goethe im Schulunterricht ... und Adrian McKinty ist auch noch Englischlehrer ...).
Auf dem Flug nach Dublin gib es für jeden Passagier ein Gratisexemplar von "Ulysses", Michael macht sich bei seiner amerikanischen Sitznachbarin, Typ Lehrerin im Ruhestand, die extra für das Bloomsday Jubiläum nach Dublin fliegt, nicht so beliebt, als er den berühmten Bloomsday für ein Blumenfestival hält. Er verrät uns - dem Leser - aber dann, dass er wie jeder andere Mick (Ire), ein paar mal versucht hätte, "Ulysses" zu lesen, ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm glaube, dass er es nicht ganz gelesen hat ;-), in meiner Rezension zum ersten Teil bin ich ja schon darauf eingegangen, dass Michael ein begeisterter Leser ist. Im Roman gibt es immer wieder Anspielungen auf den originalen "Bloomsday" in "Ulysses", dessen Handlung sich auf diesen einen Tag, den 16. Juni 1904, konzentriert und durch Dublin führt. Michael Forsythe landet frühmorgens am Flughafen in Dublin, sein Weg führt auch ihn quer durch die Stadt, dann bis Belfast und durch Belfast bis zum Showdown um Mitternacht.
Der literaturwissenschaftliche Vergleich dieses Stream of Conciousness / Bewusstseinsstrom zu "Ulysses" fehlt mir zwar, aber die Erzähltechnik in den Romanen von Adrian McKinty würde ich durchaus auch als Bewusstseinsstrom bezeichnen, in der Art wie Michael seine eigene Geschichte erzählt und ich wäre auch nicht überrascht, wenn der Autor vielleicht noch ein paar Sachen aus "Ulysses" als "inside joke" genutzt hat.
Ein ganz kleiner Kritikpunkt im Buch war für mich Bridget, die mich als Nachfolgerin von Darkey und Kopf einer kriminellen Organisation nicht so wirklich überzeugt hat. (Adrian McKinty kann sehr spannende Frauenfiguren schreiben, das hat er mit Mercado in "Fifty Grand" bewiesen). Aber über diese Kleinigkeit mit Bridget konnte ich locker hinwegsehen, denn "The Bloomsday Dead" ist ein Buch mit dem ich mich großartig amüsiert habe. Michael Forsythe ist ein cooler Typ, immer noch "larger than life", und der Schreibstil von Adrian McKinty ist genau nach meinem Geschmack. Wie auch für die beiden Vorgängerbände gibt es von mir
Zehn Punkte
Der Autor
Adrian McKinty, geboren 1968, wuchs in Carrickfergus in der Nähe von Belfast auf. An der Oxford University studierte er Philosophie, Anfang der 1990er zog er nach New York. Sechs Jahre lebte und arbeitete er in Harlem, u. a. als Wachmann, Vertreter, Rugbytrainer, Buchhändler und Postbote. 2001 zog er nach Denver, seitdem arbeitet er als Lehrer, u.a. für Englisch, seit 2008 lebt er mit seiner Familie in Melbourne.
Es ist zu empfehlen, die Bücher dieser Trilogie in der richtigen Reihenfolge zu lesen:
Dead I Well May Be - Der sichere Tod
The Dead Yard - Der schnelle Tod
The Bloomsday Dead - Todestag
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