Vom Aussteigen und Ankommen - Jan Grossarth
Hardcover, Riemann Verlag 2011
Zum Buch (Buchrückseite)
Einfach leben, unabhängig werden. Das wünschen sich viele Menschen. Einen Sommer lang hat Jan Grossarth, Redakteur der F.A.Z., Aussteiger besucht und ihren Alltag geteilt. Bewundernd und verwundert beschreibt er seine Reise von Vorpommern bis Norditalien. Sie führt in ein streng geregeltes Öko-Dorf, zu einem freien Waldmenschen, zu Jesuiten und einem Informatiker, der sich von Abfällen ernährt. Jenseits der bürgerlichen Welt scheint manches sonderbar – nicht zuletzt die bürgerliche Welt selbst.
Zum Autor (Klappentext)
Jan Grossarth, geb. 1981, studierte Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte. Er arbeitete erst frei für die Süddeutsche Zeitung, heute ist er Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er erhielt mehrere journalistische Auszeichnungen, u. a. den Axel-Springer-Preis.
Meine Meinung
Aussteigen – wer träumt nicht hin und wieder mal davon, die „bürgerliche“ Welt hinter sich zu lassen und ganz andere Wege zu gehen. In diesem Buch geht Jan Grossarth im Selbstversuch verschiedensten Aussteigerkonzepten nach und fragt sich, was Leute verschiedenster Herkunft, Bildung und Gesellschaftsschicht bewegt, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Gerade diese Vielseitigkeit ist ein großer Pluspunkt des Buches. Wer bei „Aussteigern“ nur an Ökos denkt wird überrascht sein, wie viele Gründe es gibt, sein Leben anders zu leben. So sind die einzelnen Kapitel äußerst vielschichtig und interessant. Ich fand es sehr schön, einmal ganz andere Lebensformen kennenzulernen und war überrascht, welche Arten es davon auch hier bei uns gibt.
Das Buch hätte mir noch besser gefallen, wenn der Autor sich selbst etwas weniger wichtiger genommen hätte. Seine philosophischen Exkurse konnte ich nicht nachvollziehen, zum Großteil nicht mal verstehen, und warum er immer wieder Verweise auf Foucaults Gedanken zu „Wahnsinn und Vernunft“ macht, war mir lange Zeit nicht klar. Auch den Schreibstil hätte ich mir etwas abgerundeter und weniger „trocken“ gewünscht.
Trotzdem, es war ein schönes Buch und ich habe es im Großen und Ganzen gerne gelesen. Wer mal über seinen eigenen Tellerrand hinausblicken und andere Lebenskonzepte kennenlernen will, dem sei es auf alle Fälle empfohlen. Es hat mich angeregt, mich über das Buch hinaus mit dem Leben mancher Aussteiger zu beschäftigen, vor allem die Idee des Lebens ohne Geld finde ich äußerst interessant (wenn ich es auch nicht selber ausprobieren möchte).
Erwähnenswert ist auch das gelungene Cover, das so richtig gut zum Buch passt und Lust macht, es in die Hand zu nehmen.
Fazit: Gelungenes Selbstversuchsbuch über Aussteigen mit kleinen Schwächen. Gute 7 Punkte.