Sicher klingt das so ausgedrückt pauschal.
Es geht um das Wissen, Texte einschätzen zu können. Dieses Wissen muß erworben werden. Das geschieht meist lesend, lesen ist eben die Kulturtechnik, mittels derer wir Wissen aufnehmen.
Ich stolpere in den letzten Jahren aber vermehrt über Buchkritiken und Meinungsäußerungen, sei es in Zeitungen, sei es im Radio, die sich durch auffallendes Unwissen über das Buch, das die Leute gerade vor der Nase haben und bewerben, auszeichnen.
Das reicht von der Unfähigkeit, zuallererst einmal zu fragen, was Autorin/Autor mit ihrem Text eigentlich bezweckte bis hin zu falschen Informationen über Details, die in jedem Lexikon stehen.
Ich habe z.B. nie kapiert, warum LeserInnen Müllers 'Atemschaukel' enttäuscht abbrachen, weil sie nach eigener Aussage eine emotionale Geschichte über Lager in Rumänien erwarteten, aber den Versuch bekamen, 'Hunger' mittels Sprache auszudrücken.
Wieso erwarteten sie so etwas? Wußten sie nicht, wer Müller ist?
Das wäre nicht schlimm, wenn sie am Ende nicht der Autorin vorwürfen, sie getäuscht zu haben. Das ist leider nicht nur einmal geschehen.
Ich lese Äußerungen zu Gedichten, bei denen denjenigen, die etwas über die Gedichte sagen, es nicht einmal erwähnen, ob diese gereimt sind oder ungereimt. Von der Erwähnung von Metrum und Ähnlichem gar nicht erst anzufangen. Woher kommt so etwas?
Ich muß bei einem Bild doch auch beachten, ob es ein Ölgenmälde ist oder eine Bleistiftskizze?
Mein Eindruck ist der, daß hier Grundwissen fehlt, nie vermittelt wurde. Bildung, Bereich:musisch.
Wie gesagt, ich spreche immer noch davon, daß das Ergebnis einer Auswahl einer Jury von außen kommentiert wird. Wenn man das tut, sollte man viel über die Auswahlbücher wissen.
magali
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