Die Eindringlinge - Michael Marshall

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  • Originaltitel: The Intruders (2007)
    Knaur Taschenbuch 2011, 504 S.


    Über den Inhalt:
    Jack Whalen hat seinen Job als Polizist in Seattle hingeschmissen und versucht einen Neuanfang. Als ihn ein alter Freund um Hilfe bei einem mysteriösen Mordfall bittet und gleichzeitig seine Frau Amy mehrere Tage unauffindbar ist, beginnt sein Leben aus dem Ruder zu laufen. Jack ist verunsichert. Manchmal überkommt ihn das unerklärliche Gefühl, nicht immer er selbst zu sein. Und warum benimmt sich Amy nach ihrer Rückkehr so eigenartig? Als Jack beginnt, Nachforschungen anzustellen, stößt er auf ein Geheimnis, das schwärzer ist als jeder Alptraum …


    Über den Autor:
    Michael Marshall, geboren 1965, Drehbuch- und Romanautor, eroberte mit dem Thriller "Der zweite Schöpfer", dem Auftakt der "Straw Men"-Trilogie, weltweit die Bestsellerlisten. Mit seiner Familie lebt er im Norden von London.


    Meine Meinung:
    Eigentlich wollte der ehemalige Polizist Jack Whalen seine Zeit nur noch mit dem Schreiben von Büchern verbringen. Dann bittet ihn ein alter Highschool-Freund um Hilfe, seine Frau Amy verschwindet für einige Tage ohne plausiblen Grund und plötzlich scheint nichts mehr so zu sein wie vorher. Und dann ist da die 9-jährige Alison, die plötzlich von der Idee besessen scheint, allein quer durchs Land zu reisen.

    Lange Zeit lässt der Autor den Leser im Ungewissen darüber, wie die Handlungsstränge zusammenfinden. Die Ereignisse erscheinen wie zufällig, bis es gelingt, die Punkte zu verbinden. Zunächst lässt sich auch kein Zusammenhang zwischen den einzelnen Charakteren erkennen. Zwischendurch wird die Geschichte auch aus anderen Perspektiven heraus erzählt, konzentriert sich jedoch hauptsächlich auf den Ich-Erzähler Jack Whalen. Jacks Unentschlossenheit, ob er seinem alten Freund helfen will, lässt die Handlung anfangs auf der Stelle treten, bevor sie an Tempo zulegt und die Spannung steigt. Es gibt immer wieder neue Wendungen und mehr und mehr Personen greifen in die Handlung ein. Der Autor bietet ein streckenweise fesselndes Verwirrspiel, hält dabei die Fäden sicher in der Hand, so dass man nicht den Überblick verliert.


    Auf der Suche nach Erklärungen stößt Jack zunächst auf immer neue Fragen statt auf Antworten. Mit ihm ist Marshall ein glaubwürdiger Charakter gelungen, den er auf eine Achterbahn der Gefühle schickt und dem man das Zweifeln am eigenen Verstand abnimmt. Im Gegensatz dazu bleibt seine Ehefrau Amy die ganze Geschichte über seltsam blass. Auf andere Personen wurde mehr Sorgfalt verwendet.


    Geschickt lädt das Buch zum Mitraten und Spekulieren ein. Haben wir es mit etwas Paranormalem zu tun? Wird aus dem Thriller ein Science Fiction? Oder gibt es am Ende doch für alles eine realistische Erklärung? Darauf werde ich hier nicht näher eingehen, das würde den Spaß am Lesen verderben. Von Anfang an erzeugt Marshall eine mysteriöse und unheimliche Stimmung, die er bis zum Ende aufrecht erhält. Gelegentliche Ausschweifungen fand ich verzeihlich.


    Den Schluß fand ich nicht rundherum überzeugend. Einerseits passen nun alle Handlungsstränge ineinander, andererseits werden neue Fragen aufgeworfen, die nicht mehr beantwortet werden. Der Schluß ist nicht so, wie ich ihn mir während des Lesens ausgemalt hatte. Da ich mir allerdings nicht vorstellen kann, dass der Autor die Geschichte aus den Augen verloren hat, scheint mir das Ende bewusst so gewollt, wie es erscheint: mysteriös.

    Ein in flüssiger Sprache geschriebener, mit Horrorelementen gespickter spannender Thriller, über dessen Auflösung man durchaus noch eine Zeit lang nachdenken kann.

  • Die Dinge in Jack Whalens Leben laufen aus dem Ruder. Seine Frau verschwindet für ein paar Tage und verhält sich danach nicht mehr so wie sonst. Es gibt eigentlich nur eine Erklärung dafür: ein anderer Mann ist im Spiel. Aber so einfach ist es nicht. Es geschehen noch andere merwürdige Dinge um ihn herum. Zusätzlich lernen wir die kleine Madison kennen, die sich auf eine Reise macht und die plötzlich Ding weiss, die sie eigentlich nicht wissen kann und Dinge tut, die ihrem Alter nicht angemessen sind.


    Michael Marshall hat sich hier eine wirklich ungewöhnliche Geschichte ausgedacht, die man schlecht in wenigen Worten erzählen kann ohne zuviel vom Inhalt und der Auflösung preiszugeben. Obwohl, wie Jane schon erwähnte, die Handlung ein wenig auf der Stelle tritt, ist sie doch nicht handlungsarm sondern trotzdem mörderspannend. Der Autor denkt seine Idee konsequent zu Ende und ich habe mich dabei ertappt, wie mir das ein oder andere plausibel erschien.


    "Die Eindringlinge" ist ein ungewöhnlicher Krimi, ein wenig Grusel, ein wenig Geistergeschichte. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt und habe die Story mit großer Spannung gelesen. Das Ende fand ich schlüssig und der Geschichte angemessen. Jedenfalls werde auch ich noch ein wenig über die Geschehnisse im Buch nachdenken. Wer weiss, vielleicht ist ja was wahres dran... :wow ;-)

  • Die Ehefrau des Ex-Polizisten Jack Whalen verschwindet spurlos während einer Dienstreise. Ein ehemaliger Mitschüler bittet Jack, sich einen Mordfall genauer anzusehen. Und ein kleines Mädchen macht sich auf den Weg nach Seattle, während ein unheimlicher Fremder versucht, sie aufzuhalten.
    Michael Marshall geht in seinem Roman "Die Eindringlinge" ein hohes Risiko ein: mehr als 200 Seiten lang lässt er den Leser darüber im Dunkeln tappen, worum es in den einzelnen Abschnitten eigentlich geht. Namenlose Gestalten gehen ihrem düsteren Geschäft nach, ein 9jähriges Mädchen läuft von zu Hause weg ohne zu wissen, warum und wohin - der einzige Handlungsstrang, dem der Leser folgen kann, ist der des Ich-Erzählers Jack Whalen. Leider passiert dort kaum mehr, als dass Jack mit seiner Schreibblockade ringt und nebenbei munter aus dem Nähkästchen plaudert. Da Michael Marshall unzweifelhaft erzählen kann, ist dies zwar durchaus unterhaltsam zu lesen, aber leider nicht ausreichend, um einen Spannungsbogen zu erzeugen. Experiment missglückt - leider. Es macht einfach keinen Spaß, Szenen zu lesen, in denen man weder die handelnden Personen noch den Sinn der beschriebenen Ereignisse erahnen kann; da hilft dann auch der große Showdown mit Aha-Effekt auf den letzten 150 Seiten nicht mehr viel.
    Fazit: Man verpasst nicht viel, wenn man das Buch nicht liest.


    Edit: Hab' ich gerade auf der Festplatte gefunden - die Lektüre liegt schon über ein Jahr zurück, ganz offensichtlich hab ich das Einstellen irgendwie vergessen ...