Das Spiel der Gauklerin - Sabrina Capitani

  • Leipzig 1573/74. Pauline Schwan, eine fahrende Spielfrau, ist gemeinsam mit dem kleinwüchsigen Jacobus von Antwerpen, Besitzer einer mobilen Wunderkammer, auf dem Weg nach Leipzig. Seit drei Jahren versucht sie sich allein durchzuschlagen, aber ausschließlich von ihrer Kunst leben zu können, gestaltet sich sehr schwierig. Deshalb ist die Leipziger Neujahrsmesse ihre letzte Chance zu Geld zu kommen, um den Winter unbeschadet zu überstehen. Ihr größter Wunsch wäre eine Anstellung als Hausmusikerin. Als Gauklerin muss sie vielen Vorurteilen begegnen. Aber vor allem will sie nur ihre Musik verkaufen, nicht sich selbst. Nach anfänglichen Vorbehalten der Wirtin gegenüber der Fahrenden ist sie im „Goldenen Rad“ untergekommen und darf dort abends musizieren. Gleich zu Beginn scheint ihr das Glück hold zu sein, sie bekommt einen Auftrag von Susanna Salet. Aber dann wird Moritz, der Sohn der Wirtin, entführt und nur wenig später wird bekannt, auch Daniel Salet ist verschwunden. Schnell fällt der Verdacht auf Jacobus, der daraufhin verhaftet wird. Als dann auch noch eine musizierende Hübschlerin, mit der Pauline kurz zuvor einen Streit hatte, tot aufgefunden wird, steckt auch die Spielfrau in Schwierigkeiten…


    Die ersten Seiten dieses historischen Romanes haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Pauline ist keine Schönheit, sie ist nicht vornehm und nicht gebildet. Sie ist eine kratzbürstige junge Frau mit Herz und Mund am rechten Fleck und sie hat eine große Leidenschaft, von der und für die sie lebt – die Musik. So natürlich, wie einem die Protagonistin dieses Buches begegnet, so glaubhaft erscheint ihr Wunsch, mehr über die Musik zu lernen und ihr Können ständig zu verbessern. Aber der Zeit geschuldet bleiben ihr viele Türen verschlossen, denn sie ist „nur“ eine Frau. Dabei befindet sich die Musik gerade im Umbruch. Emotionen erhalten einen bisher ungekannten Stellenwert in der Musik und davon kann die junge Spielfrau viel einbringen. Sehr kompetent führt Sabrina Capitani ihren Lesern das musikalische und handeltreibende Leipzig in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts vor Augen. Äußerst interessant fand ich ihre Ausführungen über die Musik. Aber auch der Marktplatz wurde in meinen Gedanken lebendig. Ich hörte die Marktfrauen feilschen, konnte den Duft förmlich riechen und den Klängen der Musikanten lauschen. Die detailreichen und sachkundigen Beschreibungen sind nicht nur ansprechend und aufschlussreich, sie fügen sich unaufdringlich in die Handlung ein und sind wunderbar zu lesen.


    Ein großes Lob gebührt der Autorin auch für die Zeichnung der Charaktere. Neben Pauline wurden auch die anderen Personen lebensecht in die Handlung gefügt. Besonders habe ich die liebenswert rotzigen Straßenkinder ins Herz geschlossen. Die feinfühlige Charakterisierung ihrer Figuren in Verbindung mit der real wirkenden Szenerie gab mir das Gefühl, Geschichte miterleben zu können, etwas, das ich bei historischen Romanen sehr schätze und das sich wohltuend abhebt von den Romanen, in denen Protagonistinnen in Männerrollen gedrängt und dann lediglich in eine verstaubt anmutende Kulisse eingefügt werden.


    Sehr gefallen hat mir das Ende des Romans, lässt es doch eine kleine Hoffnung aufleben, Pauline vielleicht noch einmal ein Stück auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.


    Mein Fazit: „Das Spiel der Gauklerin“ ist ein Buch für Herz und Verstand, für mich war es ein richtiges Wohlfühlbuch. Es hebt sich sehr positiv aus der Masse der historischen Romane ab und bekommt von mir eine unbedingte Leseempfehlung.


    Über den Autor (Quelle: amazon.de)


    Sabrina Capitani, geboren 1953, studierte Germanistik, Publizistik und Kunst in Berlin und arbeitet seit zwanzig Jahren als Autorin für Hörfunk und Fernsehen. Sie schrieb Drehbücher für deutsche Kinderserien, Hörspiele für den SFB, für Radio Bremen und RAI und ist außerdem als freie Malerin tätig. Nach »Das Buch der Gifte« und »Der verborgene Brunnen« ist »Das Lied der Gauklerin« ihr dritter historischer Roman.


    9 von 10 Punkten

  • Ich habe mir den Roman vor Kurzem aus der Bücherei ausgeliehen und gelesen. Ich kann dem obigen Beitrag nur zustimmen. Das Buch hat mir gut gefallen. Schöne nachvollziehbare Personenzeichnung, stimmiges Umfeld und flüssige Sprache. Ich vergebe ebenfalls 9/10 Punkten :-)