Kurzbeschreibung:
Eine heruntergekommene Ansiedlung in Südostungarn. Keine Arbeit, keine Hoffnung, keine Zukunft. Ringsum Verfall, von strömendem Oktoberregen in tiefe Trostlosigkeit getaucht. Nur eine Handvoll Menschen sind geblieben und warten auf ein Wunder, das ihr Los zum Besseren wenden könnte. Eines Tages kommt einer und verheißt Erlösung: Irimias, ein ehemaliger Dorfbewohner mit dem Charisma eines Propheten. Er verspricht anderswo einen neuen Anfang, Arbeit und ein besseres Leben. Die Dorfbewohner können sich der Suggestionskraft seiner Verheißungen nicht entziehen, wenngleich sie ahnen, daß sie wie schon so oft in ihr Unglück rennen werden. Und richtig, Irimias ist ein Gaukler und Gauner, der, seinerseits den Zwängen eines übermächtigen Systems ausgeliefert, Spitzeldienste für die Polizei verrichtet. Während aus dem Mund eines Irren Warnlaute erklingen und rätselhaftes Glockengeläut das Dorf erzittern läßt, tanzen dessen Bewohner zur Feier ihrer bevorstehenden Befreiung in der Kneipe einen infernalischen nächtlichen Tango... Eine Parabel über das Versagen von Ideologien, über Indoktrination und Manipulation, über politische Hörigkeit und Spitzelwesen, über die Macht von Worten und das Unglück der Zeit.
Über den Autor
László Krasznahorkai wurde 1954 in Gyula/Ungarn geboren. Studium der Philosophie an der Budapester Universität. Er erhielt für sein literarisches Schaffen zahlreiche Preise, zuletzt 1996 ein Stipendium des Wissenschaftskollegs Berlin. Er lebt heute als freier Autor in Pilisszentlászló.
Mein Eindruck:
Ein düsteres Erstlingswerk, dass László Krasznahorkai 1985 vorlegte. Der Roman wurde von Bela Tarr mit einem Drehbuch des Autors werkgetreu verfilmt.
Hier die Rezension zum Film: Satantango
Ich habe das Buch parallel zum Film gelesen. Das wirkt sich natürlich auch auf meine Leseerfahrung mit aus.
Obwohl der Roman nicht so kunstvoll wie der Film ist, bietet er dennoch die komplette Geschichte einer Reihe von Menschen, die in einem heruntergekommenen ländlichen Dorf in Ungarn ca. Mitte der 80ger Jahre leben.
Krasznahorkai schafft es gut, die Dorfbewohner abzubilden, die oft als Kollektiv auftreten, aber auch bestimmte individuelle Merkmale aufweisen. Da sind zum Beispiel der fußlahme schlaue Futaki, Schmidt und seine Frau, die mit Futaki heimlich Verhältnis hat, oder Kráner und seine geschwätzige Frau sowie der manipulatorische Verführer Irimiás und sein Spießgeselle Petrina. Sie bilden eine eigene kleine Welt voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Der Ton zwischen den Dorfbewohnern ist rau. Es ist schwer in dieser Gemeinschaft zu leben, erst recht für ein Kind, wie die kleine Estike Horgos die sich schließlich mit Rattengift umbringt.
Der Autor schreibt detailbesessen und minutiös. Er betont das ländliche der Umgebung. Der Wind und Dauerregen in dieser unwirtschaftlichen Umgebung spiegelt sich auch innerlich in den Bewohnern wieder. Man könnte einiges an Symbolik herausdeuten.
Schließlich kommt der Moment in dem alle Irimias ins unbekannte folgen. Dass das kaum das versprochene Paradies wird, kann sich der Leser denken.
Das Buch kann den Leser herunterziehen, man sollte es daher im richtigen Moment lesen, damit nicht letzte Reste von Lebensfreude schwinden. Lesenswert ist es auf jeden Fall und ich denke, ich werde noch weitere Bücher von László Krasznahorkai lesen, vielleicht!