Ein isländische Familienportrait
Klappentext:
Melancholisch-komische Episoden einer Familiengeschichte, eine erstaunliche Reise durch das Island der letzten hundert Jahre. Óskar Árni Óskarsson unternimmt eine Fahrt durch Island, immer auf den Spuren seiner Familie, seiner lebenden und toten Verwandten. Ohne Pathos, in präziser, knapper Sprache wird deren Leben zu einem privaten und gleichzeitig typischen Bild isländischer Biographien verwoben: es geht um Fischfang ("Arbeit im Fisch"), um Schafzucht, um Krankheit, Hunger, Einsamkeit, Liebe, Auswanderung, Sehnsucht und Rückkehr. Es geht aber auch um Lebenswillen und Lebensglück, so in der Geschichte eines schwer erkrankten Jungen, dem unter entsetzlichen Qualen ein Bein amputiert wird; mehrere Nächte können die Nachbarn wegen seiner Schreie nicht schlafen. Er überlebt, bekommt eine hölzerne Prothese, wird ein geübter Schwimmer und ein über alles geschätzter, heimlicher Liebhaber der Fischarbeiterinnen daher die "Heringsschuppe in der Stirnlocke"! Mit seinen historischen und aktuellen Fotos, den schönen atmosphärischen Miniaturen und den oft unglaublichen biographischen Erzählungen ist Óskar Árni Óskarsson ein schönes kleines Buch, ein großer Wurf gelungen.
Dieses Portrait ist kein zusammenhängender Roman, sondern ein aus erinnerten und tradierten Bruchstücken zusammengesetztes Mosaik einer typischen isländischen Familie. Angefangen bei der Urgroßmutter zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung in so bitterer Armut lebte, dass viele ihre Kinder zur Fronarbeit an reiche Bauern „verkaufen“ mussten oder nach Kanada auswanderten, bis in die Gegenwart, wo der Autor auf den Spuren seiner Herkunft übers Land fährt. Und wie könnte es bei einem isländischen Autor anders sein, spielt auch die Literatur eine wichtige Rolle in diesem kleinen Buch, angefangen beim Onkel, der neben seiner Tätigkeit als Amtsschreiber Gedichte schrieb, bis hin zu berühmten Literaten (die freilich außerhalb Islands kein Mensch kennt), die in irgendeiner Weise mit der Familiengeschichte verwoben sind.
Ich gebe zu, den Stil muss man mögen, mir haben aber diese „Spotlights“, diese kleinen Episoden, die die Familiengeschichte beleuchten, gut gefallen, es entsteht so ein durchaus lückenhaftes, aber dennoch lebhaftes Mosaik von 100 Jahren isländischer Geschichte.