"Die Leibwächterin" von Leena Lehtolainen
ISBN: 3463406012
Verlag: Kindler
Erscheinungsjahr: Januar 2011
Übersetzerin: Gabriele Schrey-Vaasara
Über die Autorin:
Leena Lehtolainen, geboren 1964 in Vesantoo (Finnland), heute in Degerby lebend, arbeitet seit Beendigung ihres Studiums der Literaturwissenschaft
als Schriftstellerin, Bühnenautorin und Kritikerin.
Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.
Bekannt wurde Leena Lehtolainen in Deutschland mit ihrer Reihe um die Kriminalkommissarin Maria Kallio.
Über den Inhalt:
Hilja Ilvesko arbeitet nach einer Ausbildung zur Leibwächterin für die finnische Geschäftsfrau Anita Nuuntinen, die im Immobilienbereich tätig ist.
Auf einer Geschäftsreise nach Moskau kommt es zum Streit zwischen Nuuntinen und Ilvesko, in dessen Verlauf die Leibwächterin kündigt.
Kurze Zeit später wird die Geschäftsfrau tot aufgefunden und Hilja des Mordes verdächtigt.
Meine Meinung:
In ihrem jüngsten Roman ist Leena Lehtolainen dem Genre des Kriminalromans treu geblieben und hat in den Mittelpunkt
ihrer Geschichte erneut eine starke Frauenfigur gestellt.
Im Gegensatz zu der Serie um Maria Kallio steht dieses Mal die Protagonistin nicht auf der Ermittlerseite, sondern fällt aus einer Beschützer- in eine
Opferrolle und wird letztlich zur Gejagten.
Hilja, intelligent und gutaussehend, nach außen selbstbewusst und innerlich eine verunsicherte junge Frau, lebte seit ihrer Kindheit bei ihrem Onkel Jari, nachdem ihre Mutter verstorben war. Jari, ein schlichter und gutmütiger Mensch, der stets besorgt um seine Nichte ist, bringt eines Tages einen jungen Luchs mit nach Hause, der wie ein Familienmitglied aufgenommen und großgezogen wird.
Mit großer Herzlichkeit beschreibt Lehtolainen die Beziehung zwischen der heranwachsenden Hilja und dem jungen Luchs Frida, die wie Geschwister aufwachsen, Hilja zu Selbstvertrauen verhelfen und sie bis ins Erwachsenenalter prägen.
Das Luchsmotiv - die Großwildkatze als Synonym für Einzelgängertum und Verschlagenheit - durchzieht den Roman und bietet den Aufhänger für die eigentliche Rahmenhandlung, in der es zum Streit zwischen Hilja und ihrer Auftraggeberin kommt, als Anita einen Luchspelz kaufen will. Anita, die nichts von der Vergangenheit ihrer Leibwächterin weiß, kann nicht verstehen,
warum Hilja derart schroff reagiert und ihren Job kündigt.
Die arbeitslose Personeneschützerin befindet sich nun auf einer action- und spannungsgeladenen Flucht; ihr zur Seite gestellt wird der attraktive
David Stahl, der sich als potentieller Doppelagent und auf Hilja angesetzt entpuppt. Und wie es nicht anders sein kann, bahnt sich eine erotische respektive Liebesgeschichte zwischen den beiden an, der immer wieder Hindernisse durch Hiljas neuen Schützling, eine namhafte finnische Abgeordnete oder Davids Auslandsaufträge in den Weg gestellt werden.
Am Ende vermag der vierzehnte in deutscher Sprache erschienene Roman Lehtolainens trotz richtiger Mischung aus Romance und Crime nicht zu überzeugen.
Ungeachtet des routinierten Schreibstils der beliebten finnischen Schriftstellerin wirkt die eigentliche und mit tagespolitischem Geschehen überfrachtete Handlung zu konstruiert, die Protagonisten bleiben unnahbar und ein wenig zu perfekt; allein die glaubhafte Nebenhandlung schafft es, den Leser für sich einzunehmen.
"Die Leibwächterin" ist mit Sicherheit nicht das gelungenste Buch
Leena Lehtolainens, doch wahre Fans wird diese Meinung nicht von einem Kauf abhalten. Allen anderen bleibt das Abwarten aufs Taschenbuch übrig.