"Der Yakuza" von Leonard Schrader

  • "Der Yakuza" von Leonard Schrader


    ISBN: 3895811912


    Verlag: Alexander Verlag


    Erscheinungsjahr: 2008 (im Alexander Verlag)


    Seitenzahl: 341


    Originaltitel: The yakuza (1974)


    Übersetzer: Jürgen Bürger


    Über den Autor:
    Leonard Schrader, geb. 1943, aufgewachsen im Staat Michigan und lebte seit den 60-er Jahren in Japan.
    Bekannt wurde der Schriftsteller durch sein erstes Drehbuch für
    The yakuza (1974), das von Sydney Pollack mit Robert Mitchum und Ken Takakura verfilmt wurde und der eine Gemeinschaftsarbeit mit seinem Bruder Paul folgte.
    Aus der Feder Leonard Schraders stammen ferner die Drehbücher zu
    Blue collar, Old boyfriends, Mishima und The man who stole the sun.
    Für den Kuss der Spinnenfrau erhielt Schrader einen Oscar.
    Im Jahre 2006 verstarb der Schriftsteller.


    Über den Inhalt:
    Harry Kilmer, in Los Angelos lebender Detektiv, mit japanischer Vergangenheit, wird von seinem langjährigen Freund George Tanner gebeten,
    nach Japan zurückzukehren und dessen von der Yakuza entführte Tochter aufzuspüren.
    Kilmer, der den Auftrag nach großem Zögern annimmt, kehrt in seine alte Heimat zurück und bittet Tanaka Ken, den Bruder seiner einstigen Geliebten um Hilfe. Bald schon findet sich Kilmer inmitten der blutigen Kämpfe mit der Yakuza wieder.


    Meine Meinung:
    Was sich wie ein gewöhnlicher amerikanischer Thriller mit japanischem Mafiahintergrund anhört, entpuppt sich alsbald als ein spannender und
    und actionreicher Roman über Schuld, Ehre und den unerbittlichen Kampf gegen die Yakuza.
    Auf Wunsch seines Freundes George Tanner, der in Japan erfolgreich Geschäfte und in L.A. eine Detektei betreibt, fliegt Harry Kilmer, Mitte fünfzig und ein wenig zur Ruhe gekommen, mit dem Jungspund Dusty, der immer die richtige Kassettenmusik parat hat, in auffallenden Klamotten rumläuft und
    in Diensten von Tanner steht, nach Tokio.


    Den Vergleich von Tokio und L.A., zwei Städten, die nicht unterschiedlicher sein können, nutzt Schrader, um auf die grundsätzlich verschiedenen Lebensweisen aufmerksam zu machen.
    Im Vordergrund steht dabei nicht, das Geschehen vor exotischer Kulisse passieren zu lassen, sondern die Schilderung eines Kriminalfalles im fernöstlichen Milieu zu schildern, der seinen eigenen Regeln und Riten folgt.


    In diese Szenerie bettet Schrader eine Liebesgeschichte um Kilmer ein,
    der nach über zwanzig Jahren wieder Kontakt zu Chieko,
    seiner ehemaligen Geliebten aufnimmt, der er beim Abschied eine kleine Bar geschenkt hatte.
    Die immer noch gutaussehende Chieko, die Harry nicht heiraten wollte, vermittelt ihm den Kontakt zu ihrem Bruder Tanaka Ken, einem ehemaligen Yakuza, der in Kilmers Schuld steht und dessen Schicksal, eienr der bedeutenden Handlungsträger ist.
    Ausgehend vom Wiedersehen des Amerikaners mit dem Ex-Yakuza beginnt Schrader eine aufregende, blutige Gangstergeschichte zu erzählen,
    die von Ehre und Schuld und immer wieder den Vergleichen zwischen den Kulturen geprägt ist. Gerade dieser tiefe Einblick in die Kulturen, bei der keine
    im Vergleich gewinnt, zeugt von Schraders tiefem Verständnis für die Eigenheiten beider Länder und führt seine Protagonisten und den Leser in die
    japanische Unterwelt ein. Die Yakuza, geprägt durch ein striktes hierarchisches System, das bedingungslosen Gehorsam verlangt und vor keinen Grausamkeiten zurückschreckt, bildet Kilmers Gegenspieler.


    Eine bedeutende Rolle in den kämpferischen Auseinandersetzungen weist Schrader dabei dem katana (Schwert) zu,
    das nicht nur dazu dient zu töten, sondern dessen Umgang auch eng mit der Zen-Tradition verbunden ist und nur durch eine einzigartige Schmiedekunst
    zu etwas Außergewöhnlichem wird und dazu dient, Rache erfolgreich zu üben.
    Auf den Anschlag von Kilmer und Tanaka folgt Vergeltung, Wiedervergeltung, Gemetztel bis am Ende niemand mehr weiß, welchen Ursprung die Geschichte hatte.


    Leonard Schrader hat mit "Der Yakuza" einen brillianten Roman über Regeln und Riten, Freundschaft und Feindschaft geschrieben, der sich positiv aus der Masse abhebt und trotz seines Alters beste Unterhaltung verspricht.


    Fazit:
    Empfehlenswerter ostasiatischer hard boiled Thriller!

  • Nach der Lektüre habe ich mich näher mit dem Alexander Verlag beschäftigt.
    Hinter diesem kleinen und unabhängigen Verlag steht Alexander Wewerka, der sich 1983 selbständig machte und bis heute nach eigenen Aussagen finanziell unabhängig ist.
    Ein interessanter Artikel: Netzzeitung


    Das Portfolio des Verlags konzentriert sich auf Theater, Film, Literatur und Krimi und hat unter anderem die Ross-Thomas- Reihe sowie eine Jörg-Fauser-Edition herausgebracht, die sicher die eine oder andere Eule kennen oder sie interessieren dürften.


    Alexander Verlag


    Entgegen meinen üblichen Gewohnheiten weise ich auf diesen Verlag besonders hin, weil soviel Enthusiasmus gepaart mit Unternehmergeist mich begeistern können und eine größere Leserschaft verdient haben.

  • Vielen Dank, das klingt vielversprechend.
    Ich bin auch ein Ninja Opfer von Herrn Lustbader, daher werde ich mir dieses auf jeden Fall einmal näher begucken gehen.



    interessierte Grüße von Elbereth :wave

    “In my opinion, we don't devote nearly enough scientific research to finding a cure for jerks.”

    ― Bill Watterson