Kein Wort zu Papa - Dora Heldt

  • Ich habe von Dora Heldt bisher nur "Tante Inge haut ab" gelesen und das ist schon ewig her. Von daher hab ich das Dejavu-Erlebnis, wie einige andere hier, überhaupt nicht.
    Im Gegenteil, ich hätte nicht mal gewußt das zwischen den Büchern ein Zusammenhang besteht, weil Christine ist mir aus dem anderen Buch nicht so sehr in Erinnerung geblieben.


    Die Verbindung ergab sich bei mir erst durch den verrückten Papa, der überall Chaos verbreitet.


    Daher hat mich das Buch sehr gut unterhalten, ich musste oftmals schmunzeln. Sicherlich ist es keine anspruchsvolle Lektüre, aber für zwischendurch und einfach mal zum entspannen bestens geeignet. Schön fand ich das Verhältnis der Schwestern zueinander und auch wenn vieles chaotisch erscheint, der Familienzusammenhalt allgemein.


    Sicherlich ist das ganze ein wenig an den Haaren herbeigezogen, ich kann mir nicht vorstellen das man so einfach eine Pension mit Küche übernehmen kann ( schon rein vom Gesundheitsamt her ). Aber das ist mir eigentlich egal, ich möchte gut unterhalten werden und das hat das Buch geschafft.


    9 von 10 Punkte

    Kein Buch ist so schlecht, dass es nicht auf irgendeine Weise nütze.
    (Gaius Plinius Secundus d.Ä., röm. Schriftsteller)

  • Christines Freundin Marleen sitzt in Dubai mit ihrem neuen Freund fest, warum genau, wag sie nicht sagen. Was wird aber nun mit ihrer Pension auf Norderney? Christine muss als Feuerlöscher herhalten, immerhin kennt sie die Pension durch ihre Hilfe bei den vorherigen Umbauarbeiten schon recht gut. Ihre Schwester Ines unterstützt sie tatkräftig, was soll schon so schwierig sein, eine Pension zu führen? Dumm nur, wenn man so gar nicht kochen kann, was die Leidenschaft der verhinderten Marleen ist. Erst einmal ankommen, dann wird sich schon alles finden, Hauptsache, die Eltern erfahren nichts davon, dann können sie auch nicht nerven und womöglich noch ihre Mithilfe anbieten. Auf Norderney angekommen stellen die beiden aber sehr schnell fest, dass man eine Pension doch nicht eben mal mit links führt, besonders nicht, wenn man über das Ausbleiben der Freundin nicht die Wahrheit sagen darf. Und der selbsternannte Inselsensationsreporter Gisbert von Meyers seine Nase einfach überall ungefragt hineinsteckt. Telefongespräche haben auch so ihre Tücken, unkonzentriert verplappert man sich recht schnell und postwendend steht die Mutter in der Küche, die zwar auch nicht kochen kann, aber eine Menge ausgefallener Ideen hat. Mit dem Barkeeper Pierre, dem Hausmädchen Gesa, dem Kochlehrling Hans-Jörg und dem Hausmeister Jurek, sowie der einschüchternden Putzkraft sind sie eine schlagfertige Truppe, die das Schiff schon schaukeln wollen, sich aber ständig in Details verheddern. Und dann taucht auch noch Papa auf und wirft die Mannschaft noch einmal gehörig durcheinander.


    Anfangs fängt alles noch ganz witzig an, aber schnell rutscht es doch in den Klamauk. Klischees häufen sich, die Handlung ist abstrus, die Charaktere sowieso. Christine nervt mit ihrer ständigen Miesmacherei, ihre langatmigen Ausführungen, was alles schief gehen kann, sind wiederholend langweilig und nicht wirklich witzig. Außerdem wirkt sie verzagt in ihrer Beziehung zu ihrem Freund Johann, der in Schweden an einer Forschung teilnimmt und nicht wirklich Interesse an ihrer vertrackten Situation zeigt. Pragmatisch rät er ihr ständig, doch einfach die Wahrheit zu sagen, nach der Hälfte des Buches stimmt die Leserschaft im Chor dazu ein. Überheblich ist ihre Meinung ihrer Schwester gegenüber, der sie einfach nichts zutraut, hier wird sie öfter und auf direkte Art und Weise eines Besseren belehrt. Die Annäherung der beiden Schwestern und ihre längst fällige Aussprache zeigen von starken Charakteren, die sich selber in Situationen und Meinungen manövrieren, aus denen sie selber so schnell nicht wieder hinaussteigen können. Die anderen Charaktere sind recht eindimensional, die in vorhandene Klischees gepresst werden, aus denen sie die Autorin auch nicht wieder hinauslässt.


    Der Krimiplot um Marleen ist bemüht anstrengend, durch ständig neue Verwicklungen geraten Christine und ihre Eingeweihten in ein Lügengeflecht, was hinterher nur noch lächerlich wirkt. Man fragt sich unwillkürlich, ob es so eine Anhäufung von irritierenden Charakteren auch im wirklichen Leben gibt, da waren die Gäste noch die Normalsten. Interessant war allerdings der Weg, den die Autorin Christine zumutet, um ihre Gefühle für ihren Freund zu analysieren, hier ist sie viel zu pragmatisch und braucht schon einen Holzhammer, um ihre wahren Gefühle zu entdecken. Zwischendurch gibt es immer mal wieder witzige Situationen, das Buch verbreitet eine Menge guter Laune, wenn man über die Unzulänglichkeiten einmal hinwegsieht. Galant ziehen sich zum Schluß alle aus der Affäre, man hat das Gefühl, jeder hat bekommen, was er verdient hat, besonders noch Gesa mit ihren Standesdünkeln. Auch die einzelnen Geheimnisse, die sich so hinter manchen Personen verstecken, sind interessant und gut dargestellt, die Geschichte ist recht abwechslungsreich, da viele verschiedene Personen mit vielen verschiedenen Meinungen und Erlebnissen vorhanden sind, die so nach und nach ans Tageslicht kommen.


    Fazit


    Mit viel Charme beweist die Autorin, wieviel sich von selber wieder gerade bügelt, wenn man auch mal fünfe grade sein lassen kann. Ungewöhnliche Wege erfordern auch ungewöhnliche Menschen, auch auf Umwegen kommt man zum Ziel. Was für den einen ein nervtötender Vater ist, kann für den anderen ein charmanter Unterhalter sein, der sich vielleicht ein bisschen weit aus dem Fenster lehnt. Wenn man die Menschen allerdings so nimmt, wie sie sind, dann kann man unvoreingenommen auch viele neue Seiten entdecken, die man ansonsten in seiner eigenen Engstirnigkeit vielleicht gar nicht wahrnehmen wollte.


    LG
    Patty

  • Als Christine einen Anruf von Marleen aus Dubai erhält, ist es für sie keine Frage, dass sie ihrer Freundin mit der Pension auf Norderney hilft. Wie schon in einem der vorhergehenden Bücher der Reihe um Papa Heinz machen sich Christine und Ines wieder auf den Weg zur Nordseeinsel. Nur dass sie diesmal keinem etwas verraten dürfen, warum die Pensionswirtin nicht persönlich auftaucht. Marleen wird nämlich zusammen mit ihrem neuen Freund im Gefängnis festgehalten. Keiner weiß, wie lange das dauert und die Pension ist ausgebucht. Zum Glück greifen auch ein paar alte Freunde und eben Heinz und Kalli wieder kräftig mit unter die Arme.


    Dora Heldt hat ein großes Talent, ihre Figuren in die unmöglichsten Situationen zu schubsen, aus denen es auf den ersten Blick kein Entkommen gibt. Die Lösung ist aber immer so pragmatisch und witzig, wie es eben geht, ob es um ein juristisches Problem in einem arabischen Land geht, oder auch nur, Gisbert von Meyer auf Abstand zu halten. Der rasende Reporter von Norderney hat ein Faible für Christine entwickelt und steckt seine Nase tiefer in Angelegenheiten als es den Damen lieb ist. Wenn etwas zu Richten ist, ruft das auch Papa Heinz auf den Plan. Gemeinsam mit seinem Kumpel Kalli verbringt er dann die Tage mit handwerklicher Hilfe oder observiert auch schon mal einen Verdächtigen. Seine Töchter können stets sicher sein, dass er jegliches Unglück von ihnen fernhält. Ob sie das nun wollen, oder nicht. Heinz ist zudem ein Garant dafür, dass eben nicht alles wie am Schnürchen läuft. Die Beschreibung der Charaktere und Situationen lassen nicht nur das Kopfkino starten, sondern fördern die Glaubhaftigkeit. Alles könnte in jedem Haushalt genau so passieren.


    Dieses Gefühl kommt vor allem auf, weil die Situationen trotz all ihrer Eigenarten auch wieder alltäglich wirken. Die Auseinandersetzung mit der Schwester, das Grenzen setzen bei den Eltern, das Erkennen der eigenen Wünsche und eben auch das selbstlose Helfen, wenn die Freundin in Not ist, sind alles Dinge, mit denen sich die Leser identifizieren können. Um sich dann doch etwas vom Leser-Alltag abzuheben, kommen Krimiautoren, Rechtsanwälte und Journalisten ins Spiel, vor denen man kein Wort über Marleenes Verbleib sagen darf. Hier steht bald ein Lügenkonstrukt gegen das sonstige Verhalten, die Wahrheit zu sagen.


    Den Roman liest man am besten ungestört im Urlaub. Der Sprachstil ist gewohnt temporeich. Die Spannung baut sich langsam auf, bis die Handlung dann immer mehr Fahrt aufnimmt und ein Unterbrechen fast unmöglich macht. Christines Seelenleben wird empathisch beschrieben, wie sie über Änderungen in ihrem Leben nachdenkt. Hier wurde auch auf den üblichen Klamauk verzichtet, sondern vielmehr auf die Alltagssorgen einer freiberuflichen Journalistin mit einer Fernbeziehung eingegangen. Eine andere Sichtweise steht durch Schwester Ines zur Verfügung, damit auch der Leser die Möglichkeit zur eigenen Meinungsbildung hat. Auch wenn das Buch zu einer Serie gehört, lässt es sich doch unabhängig von den anderen lesen. Unbedingt notwendige Informationen werden stets erläutert, ohne dass es Kennern der Familie Schmidt langweilig wird.


    Alle Faktoren zusammen lassen mich inzwischen blind zu den blauen Einbänden der Autorin greifen. Die Autorin schafft mit ihren Pointen ein Wohlfühlklima, das ich mir bei Unterhaltungsliteratur wünsche. Hinter allen Ecken und Kanten findet man bei jeder Figur etwas Liebenswertes, das den Leser für sich einnimmt.