Dope Thief - Dennis Tafoya

  • Ray und Manny rauben seit etwa einem Jahr Drogendealer aus. Mit DEA Jacken und falschen Dienstmarken vom Flohmarkt geben sie sich als Cops aus, bis sie die Dealer gefesselt haben und Geld und Dope einsammeln können. Dabei beschränken sie sich bewusst auf Kleindealer, die keine Verbindungen zu großen und einflussreichen Organisationen haben. Die Beute ist jeweils nicht sehr groß, dafür aber ihr eigenes Risiko auch überschaubar. Ihre Waffen dienen nur zur Einschüchterung und nicht zur Gewaltanwendung. Sie haben einen Kontaktmann, dem sie die Drogen für den weiteren Handel verkaufen können und der ihnen auch Hinweise gibt, wen sie NICHT ausrauben sollten.


    Von einem Kumpel von Manny bekommen sie den Tipp, wo sie ein Meth-Labor in einer Farm auf dem Land ausnehmen können, dazu brauchen sie einen dritten Mann. Bei dem Überfall geht fast alles schief, es gibt Tote, darunter auch ihr Kumpel Rick und die Beute ist größer als erwartet, außer den Drogen weit mehr als 100.000 Dollar. Ray und Manny wissen, dass sie jetzt ein Problem haben, denn soviel Geld will jemand zurück, und ihr Tippgeber Danny ist voraussichtlich eine Schwachstelle, der sie aus Selbstschutz verraten wird.


    Ray und Manny versuchen Schadensbegrenzung zu betreiben, um ihr eigenes Leben zu retten, dabei kommt es zu weiteren Toten, aber auch zur Reflektion, warum sie dort sind wo sie sind. Die beiden sind seit vielen Jahren Freunde, sie haben sich im Jugendknast kennengelernt, Ray hat eine lange Karriere als Autodieb und weitere Gefängnisaufenthalte hinter sich und er ist gerade 30 geworden. Er hat nie für länger als ein paar Wochen einen richtigen Job gehabt und sieht sich selbst als Loser. Nach und nach erfährt der Leser im Laufe der Geschichte mehr über die Vergangenheit von Ray. In einer Unterhaltung sagt Manny, dass sie sich doch für dieses Leben entschieden haben, mit der Wahrscheinlichkeit im Knast oder früh tot zu enden und Ray antwortet ihm, dass er sich nicht bewusst entschieden hat, er ist in dieses Leben hineingeboren.


    "Dope Thief" habe ich in der amerikanischen Originalversion gelesen, mir gefiel der Schreibstil des Autors sehr, sowie die Charakterzeichnung der Figuren und der aufblitzende Humor. Auf dem Cover der Originalversion steht "A Mystery", ich würde "Dope Thief" aber nicht als Mystery (im Sinne von Rätselkrimi) bezeichnen sondern eher als Roman mit kriminellen Charakteren und realistischem Hintergrund, denn "Dope Thief" auf einen Krimi zu beschränken wäre nicht richtig. "Dope Thief" ist ein Ausschnitt aus dem Leben von Ray, seiner Vergangenheit und vielleicht seiner möglichen Zukunft mit realistischen und sogar liebenswerten Charakteren. Neben Ray mochte ich besonders Ray's Stiefmutter Theresa, die Ray immer tough love gegeben hat und er hat zu ihr auch eine besondere Bindung.


    Ray ist auch ein Leser und im letzten Drittel des Buches gibt es dieses Zitat von F. Scott Fitzgerald, "All good writing is swimming under water and holding your breath", und ich dachte, Moment mal, diese Magie erlebe ich gerade, während ich "Dope Thief" lese und völlig in diese Geschichte eingetaucht bin.



    Zehn Punkte




    Der Autor
    Dennis Tafoya ist Rettungssanitäter, auch durch berufliche Erlebnisse wurde er zum Schreiben inspiriert. "Dope Thief" ist sein erstes Buch, erschienen 2009. Sein zweites Buch, "The Wolves of Fairmount Park", wurde im Sommer 2010 veröffentlicht. Bisher gibt es leider keine deutschen Übersetzungen.



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