Das Fest des Ziegenbocks von Mario Vargas Llosa

  • Mario Vargas Llosa - Das Fest des Ziegenbocks


    ISBN: 3518399276


    verlag: Suhrkamp


    Erscheinungsjahr: 2001 (erstmals in deutscher Sprache)


    Seitenzahl: 538


    Übersetzung: Elke Wehr


    Über den Autor:
    Mario Vargas Llosa, Jahrgang 1936, ist ein spanisch-peruanischer Schriftsteller und Publizist und wird am 10.Dezember 2010 den Nobelpreis für Literatur erhalten.
    Nach einem Literatur- und Jurastudium arbeitete er als Journalist, später als Schriftsteller. Neben seiner Tätigkeit betätigte sich Llosa politisch und kandidierte für das Präsidentenamt. Nach der verlorenen Wahl im Jahr 1990 nahm er seine Tätigkeit als Schriftsteller wieder auf und dozierte an amerikanischen Universitäten.
    Mario Vargas Llosa ist in zweiter Ehe verheiratet, Vater dreier Kinder, lebte bisher in unterschiedlichen Städten weltweit und wurde 1996 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
    Sein deutscher Hausverlag ist Suhrkamp, in dem u.a. die Titel "Lob der Stiefmutter", "Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto", "Tante Julia und der Kunstschreiber" erschienen sind.
    Die Regisseurin Claudia Llosa ist die Nichte des Schrifstellers; Luis Llosa ist ein Cousin des Schrifstelelrs und zugleich Regisseur des gleichnamigen Films
    zu dem hier vorgestellten Roman.


    Über den Inhalt:
    Dominikanische Republik 1961. Schauplatz ist die Hauptstadt Ciudad Trujillo, die vom Diktator und auch Ziegenbock genannten Trujillo beherrscht wird.
    Hinter der Kulisse von Gewalt und Unterdrückung entsteht die Idee, das Regime Trujillo zu stürzen.
    Jahre nach dem Sturz Trujillos kehrt die 49-jährige Urania Cabral, inzwischen erfolgreiche Anwältin ohne familiäre Verpflichtungen, nach 35 Jahren aus den Staaten erstmalig nach Hause zurück, um ihren sterbenskranken Vater zu besuchen. An seinem Bett sitzend versucht sie, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.


    Meine Meinung:
    Lange bevor bekannt wurde, dass Mario Vargas Llosa den Nobelpreis für Literatur 2010 erhalten wird, stand dieser Roman ungelesen in meinem Bücherregal.
    Fünfhunderachtunddreißig Seiten über Macht und ihre Strukturen, Unterdrückung und Leid, Herrscher und Untertanen wollten in Angriff genommen werden, benötigten Lesezeit und Pausen, das Gelesene zu überdenken. Und es hat sich gelohnt.
    Llosa beginnt seine Geschichte mit der Rückkehr der gebrochenen Urania Cabral, die auf ihr eigenes Leben zurückblickt und ihren ans Krankenbett gefesselten Vater anklagt.
    Fünfunddreißig Jahre zuvor waren Zweifel an Cabrals Loyalität gegenüber Trujillo entstanden und man signalisierte ihm, dass sich jegliches Misstrauen in Wohlgefallen auflösen würde, wenn Urania Trujillo geopfert werden würde.
    Ausgehend vom Schicksal der Urania Cabral entspinnt Mario Vargas Llosa ein Netz aus Gewalt, Intrigen und politischen Machtspielen
    über das System Trujillo, das tatsächlich existiert hat. Immer tiefer zieht es den Leser in die Verstrickungen einer machtbesessenen Familie und
    ihrer Bindeglieder, die die dominikanische Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen, ihre Wirtschaft dominieren, das Militär beeinflussen,
    Rassismus gegen dunkelhäutige Einheimische lancieren und
    auch vor dem katholischen Glauben, der vor Ort unantastbar erscheint, keinen Halt machen.
    Unzufrieden mit der eigenen Situation beschließt eine Gruppe junger Männer, dem Gewaltregime ein Ende zu setzen und die Grundlage für eine Demokratie zu schaffen.


    Llosa lässt den Leser das Leben seiner Helden mit allen Entbehrungen spüren und überrascht am Ende seines Geflechts mit einer Auflösung,
    die die Historie selbst geschrieben hat.
    Die Stärken des Romans liegen eindeutig in der kunstvollen Sprache und im Rhythmus der längeren Sätze, die oftmals mit Rückblenden verbunden sind und innehalten lassen, um den ausgeklügelten Gedanken folgen zu können. So verwundert es nicht, dass sich das komplexe Gedankengerüst am Ende nahtlos zusammenfügt.


    "Das Fest des Ziegenbocks" ist nicht nur das Psychogramm eines Schrecken verbreitenden Diktators und seines Gewaltregimes,
    sondern auch eine Parabel auf das Leben und die Erkenntnis, dass das scheinbar Gute der Wolf im Schafspelz sein kann.


    Fazit:
    Uneingeschränkt empfehlenswert!


    ASIN/ISBN: 3518399276

  • Vielen Dank für die schöne Rezension, Salonlöwin! :-)
    Wie gut, dass das Buch bei mir schon auf dem SUB liegt - sonst würde es umgehend auf der WL landen.
    So werde ich es mir bald vornehmen.


    :wave

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können.
    Virginia Woolf

  • Hallo Conor und buzzaldrin,


    nehmt Euch Zeit für dieses Buch. Es ist wirklich komplex, am Anfang etwas zäh und was mich anfangs etwas gequält hat, waren die kompakten Schilderungen über die seelischen Grausamkeiten des Regimes; zeitweilig dachte ich sogar an Abbruch des Stoffes.
    "Das Fest des Ziegenbocks" ist definitiv kein Roman, den man in zwei-drei Mittagspausen wegliest.