Titel: Die unterirdische Schlacht
OT: Los pichiciegos visiones de una batalla subterranea
Autor: Rodolfo Enrique Fogwill
Übersetzt aus dem Spanischen von: Dagmar Ploetz
Verlag: Rowohl
Erschienen: September 2010
Seitenzahl: 189
ISBN-10: 3498021281
ISBN-13: 978-3498021283
Preis: 16.95 EUR
Das sagt der Klappentext:
Es ist die Zeit während des Falklandkrieges. Desertierte argentinische Soldaten, die"Pichis", haben in dem wüstenartigen Gelände der Islas Malvinas großflächig unterirdische Gänge angelegt und warten dort auf das Ende des absurden Krieges. Nachts kommen sie an die Oberfläche und handeln mit Schmuggelwaren; sie verkaufen Zucker, Zigaretten, Kerosin an beide Seiten, die Engländer und die Argentinier. Tagsüber sitzen sie in ihren Höhlen, hören britische Nachrichten ab und erzählen sich Geschichten.
Der Autor:
Rodolfo Enrique Fogwill wurde 1941 in Buenos Aires geboren. Er studierte Soziologie und war nach dem Sturz der Militärregierung Professor für Soziologie an der Universität von Buenos Aires.
Meine Meinung:
Großmäulig bezeichnet der Verlag dieses Buch als „den argentinischen Kultroman über den Falkland-Krieg“ – und tut diesem Roman mit dieser blödsinnigen Beschreibung bitter Unrecht. Fogwill hat beileibe keinen Kultroman geschrieben; vielmehr beschreibt er in diesem Buch die Absurditäten und Perversionen eines Krieges. Und er beschreibt es auf eine ganz besondere Art. Man könnte fast sagen, sein Schreibstil sei von einer „anteilnehmenden Kälte“. Alles wirkt skurril obwohl es doch gleichzeitig sehr real scheint. Gerade weil Fogwill die Dinge so beschreibt wie sind, wirken sie fast entrückt und surreal. Dieses aber macht den ganz besonderen Reiz dieses Buches aus. Ein Krieg bzw. die vielen Mosaiksteinchen eines Krieges entziehen sich oftmals jeglicher Logik und nur wer bereit ist, auch das kaum Vorstellbare zu denken, wird vielleicht am ehesten das Geschehen begreifen können oder wenigstens den Beginn des Begreifens erleben. Fogwill macht es seinen Lesern nicht leicht, er treibt sie immer wieder in neue Absurditäten und es ist schon fast ein logischer Prozess, dass dabei auch die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt.
Dieser Roman gilt für viele als Auslöser für den Sturz der argentinischen Militärdiktatur, beschreibt er doch die Zustände in einer schonungslosen Offenheit.
Fogwill hat ein sehr wichtiges und notwendiges Buch geschrieben – dieses Buch aber als Kultroman abzuqualifizieren ist schon ein starkes Stück. Dieses Buch ist vielmehr fast schon ein Klassiker der argentinischen Gegenwartsliteratur.
Sehr lesenswert.