Erschienen 2010 als Hardcover bei Ullstein, 315 Seiten. Übersetzt von Volker Oldenburg aus dem amerikanischen Englisch. Originaltitel: How to Read the Air
Klappentext:
Zitat
Um seine Ehe zu retten und endlich sich selbst zu verstehen, fährt Jonas von Illinois nach Nashville, Tennessee. Dreißig Jahre zuvor machten sich seine Eltern, Einwanderer aus Äthiopien, in dieselbe Richtung auf eine verspätete Hochzeitsreise, nach vielen Jahren der Trennung. Wonach suchten sie damals, mitten im Herzen Amerikas? Wovon träumten sie und weshalb haben sie sich nicht geliebt? Was wird bleiben von ihrer gemeinsamen Zeit? Ort für Ort erobert sich Jonas das mögliche Leben seiner Eltern, eine Melodie der Erinnerung, die ihm niemand mehr nehmen kann. In dichten poetischen Bildern erzählt Dinaw Mengestu von der Sehnsucht des Menschen nach Heimat und danach, nicht verloren zu gehen.
Autor: Dinaw Mengestu wurde 1978 in Addis, Äthiopien geboren, wuchs aber in Chicago auf.
Meinung: Kurz nach dem Scheitern seiner Ehe macht sich Jonas von New York aus auf in den mittleren Westen - er möchte nachempfinden, was seine Eltern damals trieb, als sie nach mehr als dreijähriger Ehe eine "Hochzeitsreise" in den Mittleren Westen, nach Nashville, unternahmen. Ursprünglich stammen Jonas' Eltern aus Äthiopien und seinem Vater gelang die Flucht als blinder Passagier in einem Boot nach Europa. Entsprechend verspätet die Hochzeitsreise - diese lief jedoch bereits bevor sie begonnen hatte richtig schief. Denn seine Eltern hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon fast vollkommen entfremdet: Sein Vater Josef mit ständigen Wut- und Gewaltausbrüchen, seine Mutter zurückgezogen in sich selbst, immer auf der Suche nach Ruhe - und beide noch nicht vollständig in Amerika angekommen.
Einige Monate nach der fatal endenden Reise wird schließlich Jonas geboren. Und auch wenn er von Geburt an in der USA lebt, die heimische Sprache spricht, merkt man doch, wie schwer es ihm fällt, sich zu integrieren, integriert zu fühlen.... und letztlich auch eine Arbeit zu finden. Schließlich lernt er Angela kennen, ebenfalls aus Afrika stammend, und aus der Freundschaft wird die Ehe. Sie scheint zum Scheitern verurteilt...
In dem Buch werden die beiden Handlungsstränge (Hochzeitsreise/Jonas Erwachsenenleben) parallel erzählt, mal aus Sicht seines Vaters bzw. seiner Mutter, mal aus Jonas' Sicht. Sieht man von den Zornesausbrüchen des Vaters ab, ist es insgesamt ein eher ruhiges Buch, das sich mit der Suche nach Heimat, dem Gefühl des Geborgenseins beschäftigt. Was bleibt von uns, wenn wir aus dem Leben anderer verschwinden?
Es geht jedoch auch um die Frage, wieso die Migranten wirklich aus ihren Heimatländern flüchten. Wie viele Geschichten basieren auf Lügen und geben der westlichen Welt nur wieder, was diese hören will? Wie der Leser schnell erfährt, ist auch Jonas ein Mensch, der sein Leben (zu) oft auf Lügen begründet - und auch nicht davor zurückschreckt Migrantengeschichte zu "frisieren" um sie "glaubwürdiger" zu machen.
Ich habe das Buch gern gelesen und werde es auch positiv in Erinnerung behalten. Unterhaltsam und doch auch ein wenig zum Nachdenken anregend.